Psychische Erkrankungen und Probleme // Bin ich psychisch krank? (© www.angst-verstehen.de)

Psychische Erkrankungen / Probleme / Störungen im Überblick

Psychische Erkrankungen sind verbreiteter, als wir denken. Doch die Frage „bin ich psychisch krank?“, die sich manch einer angesichts psychischer Probleme stellt, wird von Ärzten dennoch oft (erst einmal) verneint. Das ist auch gut so, denn mit vorschnellen Diagnosen ist niemandem geholfen. – Was also sind psychische Krankheiten, wann leidet man ernsthaft an einer psychischen Krankheit?

Dieser Artikel will Antworten und einen guten Überblick geben.

Wie definiert sich eine psychische Störung? Bin ich psychisch krank? Oder habe ich nur ’normale‘ psychische Probleme?

Psychische Erkrankungen definieren sich als eine krankhafte Einschränkung vom Verhalten, Fühlen, dem Denken, der Wahrnehmung oder den sozialen Beziehungen. Psychische Krankheiten sind durch den eigenen Willen kaum bis gar nicht beeinflussbar, sondern benötigen unbedingt die Hilfe von außen.

Wer psychische Probleme hat, kann die eigene Person falsch erleben, nicht genügend Willensstärke haben und Erlebnisse ganz anders verarbeiten als gesunde Menschen. Hat ein Mensch psychische Probleme, so versteht sich dies laut Definition immer als Abweichung von der Normvorstellung der Psyche und ihrer Funktionen.

Welche Untergruppen / Kategorien gibt es?

Von der Weltgesundheitsorganisation, kurz WHO, wurde eine Klassifizierung für psychische Erkrankungen erstellt. Demzufolge gliedern sich die Arten von psychischen Erkrankungen wie folgt auf:

  1. Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Beeinträchtigungen
  2. Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
  3. Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Leiden
  4. affektive Störungen
  5. Neurotische, Belastungs- und somatoforme Krankheiten
  6. Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Leiden und Faktoren
  7. Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
  8. Intelligenzverminderung
  9. Entwicklungsstörungen
  10. Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
  11. Nicht näher bezeichnete psychische Störungen

Psychische Erkrankungen Liste

Um einen Überblick über mögliche psychische Erkrankungen zu bekommen, folgt hier eine alphabetisch geordnete psychische Erkrankungen Liste:

  • Abhängigkeiten, beispielsweise von Medikamenten, Alkohol, Schmerzmitteln, Beruhigungsmitteln, Antidepressiva oder Neuroleptika
  • Adipositas
  • ADHS
  • Ängste, Panik und Phobien
  • Bulimie
  • Binge-Eating-Disorder
  • Bipolare Störung
  • Burnout
  • Depressionen
  • Depressive Verstimmungen
  • Essstörungen
  • Erschöpfungssyndrom
  • Esssucht
  • Hypersomnie
  • Herzangst-Syndrom
  • Insomnie
  • Magersucht
  • Narkolepsie
  • Neurozirkulatorische Asthenie
  • nervöse Unruhe
  • Parasomnie
  • Pica-Syndrom
  • Restless-Legs-Syndrom
  • Schlafapnoe
  • Schlafstörungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Traurigkeit
  • Übergewicht
  • Unruhe
  • Verstimmungen
  • Zyklothymie

Ursachen von psychischen Krankheiten

Psychische Erkrankungen beruhen bei Frauen und bei Männern oft nicht nur auf einer einzelnen Ursache. Gründe dafür können in belastenden Lebenserfahrungen liegen. Beispiele hierfür sind eine schwere Vergangenheit, ein kompliziertes Elternhaus oder traumatische Erlebnisse wie der Tod eines nahestehenden Menschen. Weiterhin können die Ursachen in biologischen Faktoren, wie einer genetischen Vorbelastung liegen. Hatten zum Beispiel bereits die Eltern oder Großeltern Psychosen, Neurosen oder andere psychische Störungen, so kann dies weitervererbt werden. Auch familiäre Bedingungen spielen eine Rolle in der Vererbung und Verbreitung von psychischen Krankheiten. Eltern mit einer Depression geben dies oft bereits im Kindesalter oder im Jugendalter an ihre Nachkömmlinge unbewusst weiter. Es ist daher wichtig, bei den ersten Anzeichen von psychischen Krankheiten zu einem Psychotherapeut, Psychiater oder in schlimmeren Fällen in die Psychiatrie zu gehen und die Ursachen frühzeitig zu erkennen.

Weiterhin können psychische Probleme durch Stress, durch Mobbing, durch Drogen oder den Missbrauch von Alkohol und Arzneimittel ausgelöst werden. All diese negativen Faktoren können Fehlfunktionen in Teilen des Gehirns auslösen und eine Therapie nötig machen.

Erfahrungsgemäß liegen die maßgeblichen Gründe für sämtliche Arten von psychischen Erkrankungen jedoch in schlechten Erlebnissen im Kindesalter oder im Jugendalter. Diese Zeit ist jene, die für die gesunde Entwicklung eines Menschen am bedeutsamsten ist. Kommt es in dieser Entwicklungsphase zu einem Trauma und Eingriffen in die Entstehung der eigenen Persönlichkeit, kann das schwerwiegende Folgen haben. Kinder, die missbraucht werden, haben meist erst im Alter mit dem Trauma zu kämpfen. Eine Persönlichkeitsstörung, Realitätsverlust, Zwangsgedanken und Zwangsstörungen mit Aggressionen, Psychosen bis hin zu Suizid können die Folge sein, wenn das Erlebte nicht mit Hilfe einer Therapie aufgearbeitet wird. Durch Stress oder durch Mobbing im Jugendalter kann sich der ungesunde psychische Zustand verstärken.

Jeder Betroffene sollte sich Hilfe suchen und probieren, seine Seele zu heilen, damit die psychische Krankheit nicht chronisch wird. Neben der eigenen Entwicklung steht auch das Berufsleben, die Pflege sozialer Kontakte und Partnerschaften auf dem Spiel.

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Welche Zusammenhänge zu anderen psychischen Problemen gibt es?

Oftmals leiden Menschen, die psychisch krank sind, regelrecht unter einer ganzen Liste psychischer Erkrankungen, statt lediglich unter einem Problem. Es gibt viele Komorbiditäten, d.h. Zusammentreffen psychischer Krankheiten. Wer beispielsweise Zwangsstörungen hat, der hat auch Ängste, dass ein abweichendes, nicht zwanghaftes Verhalten, negative Folgen für ihn haben kann. Seine Zwänge beherrschen ihn dadurch, er leidet unter Realitätsverlust. Menschen mit Zwangsstörungen reden sich oft ein, dass etwas Schlimmes passiert, wenn sie nicht wie gewohnt 13mal die Haustüre abschließen. Sie können aus ihren Zwangsgedanken nicht von alleine ausbrechen.

Auch durch Drogen oder den Missbrauch von Medikamenten können seelische Probleme ausgelöst werden. Betroffene sind der Meinung, dass ihr Leben nur dann funktioniert, wenn sie sich durch einen gewissen Konsum selbst regulieren. Sie wollen nicht zur Behandlung in eine Klinik, weil sie der Meinung sind, ihr Leben durch Drogen im Griff zu haben. Die tatsächliche Abhängigkeit macht sich erst dann bemerkbar, wenn die vermeintlich gute Stimmung kippt, sobald die Wirkung der Substanzen nachlässt.

Bei Frauen wie auch bei Männern, die seelisch / psychisch krank sind, spielen meist diverse Faktoren eine Rolle und halten sie in ihrer Persönlichkeitsstörung gefangen.

Psychische Störung / Psychische Erkrankung | Die Diagnose, dass man psychisch krank ist, wollen manche Betroffene nicht wahrhaben. Andere hingegen, die 'nur' 'normale' psychische Probleme im Sinne verbreiteter Alltagssorgen und -Herausforderungen haben, stellen sich die Frage "Bin ich psychisch krank?" völlig unnötig und unzutreffend. (© N-Media-Images / Fotolia)
Psychische Störung / Psychische Erkrankung: Die Diagnose, dass man psychisch krank ist, wollen manche Betroffene nicht wahrhaben. Andere hingegen, die ’nur‘ ’normale‘ psychische Probleme im Sinne verbreiteter Alltagssorgen und -Herausforderungen haben, stellen sich die Frage „Bin ich psychisch krank?“ völlig unnötig und unzutreffend. (© N-Media-Images / Fotolia)

Beispiele für verbreitete Erkrankungen

Von den vielen Arten aller psychischen Krankheiten sind manche organisch bedingt und weniger häufig vorkommend und andere sind recht weit verbreitet.

– Bipolare Störung

Diese psychische Krankheit wird in der Neurologie auch manisch-depressive Verstimmung genannt. Das Krankheitsbild umfasst extreme Schwankungen im Denken, dem Antrieb und der Gemütslage betroffener Personen. Die Stimmungsphasen wechseln zwischen euphorisch und gut gelaunt bis hin zu tief depressiv und antriebslos. Wenn die jeweiligen Phasen stark ausgeprägt auftreten, tragen sie den Namen „manische Episoden“. Fallen sie schwach aus, so spricht man von „hypomanen Episoden“. In der Neurologie ist bekannt, dass schwer manische Menschen oft auch von Wahnvorstellungen geprägt sind. Statistisch betrachtet erkennen die meisten Menschen ihre manisch-depressive Erkrankung im frühen Erwachsenenalter, doch auch extreme Umschwünge im Leben sowie traumatische Ereignisse können eine solche seelische / psychische Krankheit auslösen. Sie sollte professionell durch einen Psychiater diagnostiziert und behandelt werden, damit sie keinen chronischen Zustand bekommt.

– Schizophrenie

Schizophrene Menschen leiden unter einem gespalteten Bewusstsein, welches sich aus der Wirklichkeit, wie auch aus der eingebildeten Welt zusammenfügt und vermischt. Schizophrenie wird im Volksmund oft als jene Krankheit dargestellt, bei der der Betroffene mehrere Persönlichkeiten in sich zu vereinen scheint. Es gilt jedoch klar zu differenzieren, dass dieses Krankheitsbild eine multiple Persönlichkeitsstörung beschreibt, nicht jedoch Schizophrenie, siehe schizophren.

Wie die Krankheit entsteht, ist nur bedingt erklärbar, daher wird sie auch als endogene Psychose beschrieben. Ihr liegen keine traumatischen Erlebnisse zugrunde, sondern vielmehr Veränderungen in biochemischen Vorgängen im Körper. Bestimmte Arzneimittel können die seelische Krankheit gut heilen.

– Borderline

Die Bezeichnung der Krankheit Borderline bedeutet übersetzt „Grenzlinie“ und steht für die Ansiedlung des seelischen Problems zwischen psychotischem und neurotischem Verhalten. Borderline ist eine Mischung aus beiden psychischen Erkrankungen und bringt ein stark zerrissenes inneres Selbstbild bis hin zu einer Stigmatisierung mit sich.

Borderliner haben Angst, allein zu sein und davor, Menschen, die ihnen nahe stehen, zu verlieren. Instabile Beziehungen sind ihre größte Furcht. Diese psychische Erkrankung wird durch erblich genetische Bedingungen sowie oftmals durch traumatische Lebensereignisse hervorgerufen. Am Borderline-Syndrom psychisch Erkrankte fühlen eine starke innere Anspannung, die sich nur durch Schmerz kompensieren lässt. Viele verletzen sich selbst, um die innere Unruhe zu lösen (vgl. innere Unruhe bekämpfen) und sich für einen Moment beruhigt zu fühlen. Mit Aggressionen an sich selbst können sich Betroffene für kurze Zeit wieder entspannt fühlen. Da in extremen Momenten die eigenen Gefühlsschwankungen überhand nehmen und zu mächtig für die betroffenen Menschen werden, reagieren sie sich durch die Verletzungen an sich selbst ab. Die auftretende Stigmatisierung ihrer eigenen Person hilft ihnen, von den inneren Unruhen abzulenken. Dass ihnen dies scheinbar hilft, kann ein Suchtverhalten auslösen. Beispiele für solche „Beruhigungsmaßnahmen“ können Schnitte mit Messern oder Rasierklingen sein oder das Ausdrücken von Zigaretten an der eigenen Haut. Eine Borderline-Persönlichkeitsstörung hinterlässt nicht nur Narben auf der Seele, sondern auch Offensichtliche und bedarf unbedingt einer Behandlung.

– Magersucht als psychische Erkrankung

Magersüchtige Personen haben keinerlei realistisches Gefühl mehr über ihr Körperbild. Ihr Körper ist extrem untergewichtig und schwach und trotz allem fühlen sie sich dick und ungeliebt. Eine Magersucht erkennen sie selbst nicht, hierfür ist es nötig, dass die Angehörigen aufpassen und einen Psychotherapeut hinzuziehen. Magersucht betrifft meist Mädchen und junge Frauen, aber auch Männer leiden darunter. Im Alter tritt Magersucht weniger häufig auf. Betroffene meiden ihr Spiegelbild, versuchen so wenig wie möglich zu essen und zu trinken, um jegliche Kalorien von ihrem Körper fernzuhalten. Sehr viel Sport soll ihre Gewichtsabnahme unterstützen. Häufig werden zusätzlich Appetitszügler und Abführmittel genommen, um weiter abzunehmen. Essanfälle, die zwischenzeitlich unkontrolliert auftreten, werden durch absichtliches Erbrechen der zugeführten Nahrung wieder ausgeglichen.

Um Magersucht zu heilen, bedarf es zwingend einer professionellen Therapie in einer spezialisierten Klinik. Dadurch, dass nicht nur die Psyche, sondern auch der Körper stark unter dieser Krankheit leidet, ist das Risiko des Sterbens oder eines Suizids sehr hoch (siehe Selbstmord).

– Depressionen

Um eine Depression zu diagnostizieren, muss der Facharzt eine Vielzahl von Fragen stellen. Allgemeine Stimmungstiefs, die jeder Menschen einmal phasenweise hat, sind von einer Depression unbedingt zu unterscheiden bevor eine medikamentöse Behandlung beginnt. Betroffene spüren über eine Zeit von mindestens zwei Wochen eine starke innere Leere und Antriebslosigkeit, Trägheit und Müdigkeit sowie keinerlei Freude mehr an Dingen, die ihnen normalerweise Spaß bereitet haben. Negative Gedanken begleiten die Krankheit und drücken die Stimmung auf den Tiefpunkt. Depressionen können erblich oder organisch bedingt sein, aber auch durch ein erst eingetretenes Lebensereignis auftreten.

Therapie-Ansätze zur Behandlung von psychischen Leiden

Therapie-Ansätze zur Behandlung von psychischen Leiden bestehen heutzutage als bedeutsamer Aspekt in der Prävention solcher Krankheiten. Hierbei sollen gesunde Menschen lernen, ihren Stress zu bewältigen und gezielt zu entspannen. Ziel dabei ist, es gar nicht erst zu Neurosen oder notwendigen Behandlungen durch eine Psychiatrie, Medikamente oder andere Arzneimittel kommen zu lassen, sondern die Krankheit bereits im Keim zu ersticken. Geschieht dies und die ersten Anzeichen werden frühzeitig erkannt, sind die Heilungschancen besser und die Dauer der Behandlung und Prävention geringer. Während eine reine Angststörung gut behandelbar ist, sind größere Gefüge psychischer Störungen in Kombination oft nur noch langwierig therapierbar.

Gespräche in einer Psychotherapie können stressanfälligen Menschen helfen, ihre Sorgen zu verarbeiten und entsprechend ihre Ängste loszulassen bevor tiefgreifende Psychosen entstehen.

Eine medikamentöse Behandlung oder unterstützende Behandlung durch Tabletten sollte nur in schweren Fällen erfolgen, wo zum Beispiel angstlösende Medikamente die Anfangsphase einer Verhaltenstherapie deutlich erleichtern und erfolgreicher machen können (siehe auch: kognitive Umstrukturierung). Antidepressiva zum Beispiel benötigen eine längere Einnahme, bis sich schlussendlich die gewünschte Wirkung erzielen lässt (siehe Citalopram, Opipramol). Parallel sollte immer das Gespräch mit professionellen Ärzten gesucht werden, um den eigentlichen Grund der Sorgen aufzuspüren und zu verarbeiten.

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Psychische Krankheiten: Weitere Quellen und weiterführende Ressourcen

Ängste, Phobien, Panikattacken > Angststörungen und Angsterkrankungen behandeln