Citalopram als Psychopharmaka hilft bei vielen psychischen Erkrankungen, hat aber auch seine Nebenwirkungen (© molekuul.be / Fotolia)

Citalopram – eine Pille gegen eine Vielzahl von psychischen Erkrankungen

Ist Citalopram das geeignete Medikament / Antidepressivum für mich?

Citalopram ist ein Wirkstoff aus der Kategorie der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Er wird in Medikamenten zur Behandlung von Depressionen, den sogenannten Antidepressiva, eingesetzt. Citalopram ist ein breitgefächertes Psychopharmakon, das bei einer Vielzahl von psychischen Erkrankungen verwendet wird. Hierzu zählen vor allem depressive Krankheiten, Phobien, Persönlichkeitsstörungen, Schizophrenie, Leiden, die zu emotionaler Instabilität führen oder Angst- bzw. Panikattacken hervorrufen. Bei der Heilung von posttraumatischen Belastungsstörungen (siehe posttraumatische Störungen) sowie bei Epilepsie wird das Arzneimittel ebenfalls angewandt. Hochdosiert soll Citalopram auch gegen Zwangsstörungen wirksam sein. Citalopram ist eine verschreibungspflichtige Arznei. Sie wird meist durch einen Facharzt für Psychiatrie oder Neurologie („Psychiater“) in Zusammenhang mit einer Psychotherapie (beim „Psychotherapeuten“) verschrieben.

Die Ursache von Depressionen und wie Antidepressiva wie Citalopram 20 mg dagegen wirken.

Die Ursache von Depressionen liegt im menschlichen Gehirn. Unsere Nervenzellen sind miteinander über neuronale Verknüpfungen verbunden. Diese als Synapsen bezeichneten Stellen sorgen für die Weitergabe von Informationen, wie z.B. der Übertragung von Erregung. Dies geschieht im synaptischen Spalt, der zwischen zwei Synapsen liegt. Hier wird in Form von Neurotransmittern wie dem Botenstoff Serotonin oder dem Noradrenalin die Information weitergereicht.

Bei einem gesunden Menschen wird durch einen elektrischen Impuls das Serotonin in den synaptischen Spalt freigesetzt. In der Folge bindet es sich im Nervenwasser an die Rezeptoren der nächsten Synapse. Dieser Prozess löst die gewünschte Reaktion aus.

Nach der Übertragung wird ein Teil der Transmittermoleküle durch Serotonin-Transporter wieder in der vorangehenden Nervenzelle aufgenommen. Der Nervenzelle steht nun wieder ausreichend Serotonin zur Verfügung.

Bei depressiv erkrankten Menschen ist die Serotonin-Produktion vermindert. Die Übertragung von Informationen wird gebremst, indem Serotonin kaum im synaptischen Spalt vorhanden ist. Die Folge: Antriebslosigkeit, der Verlust von Freude, Verringerung von Selbstwertgefühl und Leistungsfähigkeit.

Um die Konzentration von Serotonin zu erhöhen muss die Wiederaufnahme von Serotonin am Serotonin-Transporter verhindert werden. Dies geschieht durch die SSRI (Selective Serotonin Reuptake Inhibator). Citalopram wie auch das vergleichbare Escitalopram ist ein SSRI. Durch die Einnahme kommt es im Laufe der Zeit zu einer Erhöhung des Serotonin-Spiegels. Infolge bessert sich die Stimmung des Patienten.

Was Sie bei der Dosierung und Einnahme beachten müssen.

Citalopram ist ein verschreibungspflichtiges Medikament. Es war früher auch unter dem Namen Cipramil bekannt. Aufgrund der Vielzahl potentieller Nebenwirkungen ist es erforderlich, die Einnahme im Rahmen einer Untersuchung mit einem Arzt gründlich abzuwägen (siehe Nebenwirkung Antidepressiva). Damit Citalopram seine Wirkung optimal entfalten kann, muss das Medikament über einen Zeitraum von sechs Monaten eingenommen werden. Es dauert ungefähr zwei bis vier Wochen bis die gewünschte Wirkung erstmalig eintritt.

Die übliche Dosierung liegt bei 20 mg Citalopram pro Tag. Sie kann in Absprache mit dem Arzt auf maximal 40 mg pro Tag gesteigert werden. Bei Patienten über 65 Jahren wird eine Dosierung von 10 bis 20 mg pro Tag empfohlen – diese Empfehlungen folgen aus einer Studie zum Originalpräparat Cipramil von Lundbeck (mehr hier). Laut Beipackzettel sollten Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren das Medikament nicht einnehmen.

Hat man die Einnahme vergessen, sollte man am nächsten Tag keinesfalls die doppelte Dosis schlucken. Vielmehr ist es ratsam, die gewohnte Dosis von 20mg zu nehmen und das Versäumnis mit dem behandelnden Arzt zu besprechen.

Citalopram vorzeitig absetzen? Das gilt es zu beachten.

Das abrupte Absetzen von Citalopram / Cipramil sollte unbedingt vermieden werden. Vielmehr sollte die Dosis über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen schrittweise verringert werden (sogenanntes „Ausschleichen“). Andernfalls kann es zu Absetzreaktionen („Entzugserscheinungen“) kommen. Typische Folgen beim Absetzen von Citalopram sind:

  • Schwindelgefühl
  • Schlafstörungen
  • Empfindungsstörungen
  • Übelkeit oder Erbrechen
  • Durchfall
  • Herzklopfen
  • Kopfschmerzen
  • Zustände von Erregtheit oder Angst

Diese Reaktionen können bei abrupter Absetzung leicht bis mittelschwer vorkommen. Das vorzeitige Absetzen des Medikaments sollte unbedingt vor dem Vollzug mit dem Arzt besprochen werden.

Citalopram Nebenwirkungen – das müssen Sie bei der Einnahme beachten

Bei der Einnahme von Psychopharmaka wie Citalopram kann es zu einer Vielzahl von Nebenwirkungen kommen (vgl. auch SSRI Antidepressiva Nebenwirkungen). Darum ist es wichtig eventuelle Risiken vor Einnahme mit einem Arzt genauestens zu besprechen. Bei Eintritt von schwereren Nebenwirkungen muss das Medikament ggf. sofort abgesetzt werden.

Recht häufig kommt es bei Einnahme von Citalopram zu Kopfschmerzen und Mundtrockenheit. Auch Schlaflosigkeit und Zittern, Übelkeit und Verstopfungen sind häufige Nebenwirkungen bei der Behandlung mit diesem Medikament. Darüber hinaus wurde beobachtet, dass das Risiko zu Knochenbrüchen bei der Einnahme dieses Medikaments steigt.

Gemäß Beipackzettel kann es zu folgenden Nebenwirkungen bei der Dosierung von Citalopram 20 mg kommen:

Sehr häufige Nebenwirkungen (kann mehr als 1 von 10 Patienten betreffen):

  • Kopfschmerzen
  • Mundtrockenheit
  • Schlaflosigkeit mit einhergehender Müdigkeit
  • Zittern
  • Übelkeit
  • Verstopfungen

Häufige Nebenwirkungen (kann bis zu 1 von 10 Patienten betreffen):

  • Durchfall, Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen
  • Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Teilnahmslosigkeit, Konzentrationsstörungen
  • Nervosität, Ängstlichkeit
  • Schwindel
  • Störung der Empfindungen in Händen und Beinen (z.B. Kribbeln)
  • Störungen der Bewegungsabläufe
  • Hautausschlag, Juckreiz
  • Störungen beim Urinieren
  • Vermehrter Speichelfluss
  • Müdigkeit
  • Fieber
  • Störung der Sexualfunktion, verminderte Ejakulationsfähigkeit bis hin zur Impotenz
  • Störungen der Sinne, Geschmacksstörungen, Sehstörungen und Ohrgeräusche (Tinnitus)

Gelegentliche Nebenwirkungen (kann bis zu 1 von 100 Patienten betreffen):

  • Haarausfall
  • Krampfanfälle
  • gesteigerter Appetit, Gewichtszunahme
  • Atemnot und Hustenanfälle
  • Schwellungen der Arme und der Beine
  • Hautblutungen
  • bei Frauen: intensivere Menstruationsblutungen
  • Lichtüberempfindlichkeit, erweiterte Pupillen
  • Aggression, Halluzination, Manie
  • Erhöhte Leberenzymwerte
  • Ohnmacht

Seltene Nebenwirkungen (kann 1 von 1.000 Patienten betreffen):

  • Leberentzündungen (Hepatitis)
  • vermehrtes Wasserlassen
  • Serotonin-Syndrom
  • Haut- oder Schleimhautblutungen (Ekchymosen)

Citalopram in der Schwangerschaft

Die Einnahme von Citalopram in der Schwangerschaft ist nicht ratsam. Es wurde beobachtet, dass SSRI-Arzneimittel die Entwicklung des Fötus verzögern können. Beim neugeborenen Kind kann es zu Absetzreaktionen kommen. Vor allem Magen-Darm-Probleme und vermehrtes Schreien sind mögliche Belastungen für das Baby. Eine Therapie mit dem chemischen Antidepressivum / Psychopharmakon wird von Ärzten in der Schwangerschaft nur in akuten Fällen befürwortet.

In der Stillzeit kann Citalopram Nebenwirkungen beim Baby wie zum Beispiel Trinkschwäche und Unruhe hervorrufen. In diesem Fall sollte auf Zufütterung durch Flaschennahrung umgestellt werden.

Gewichtszunahme durch Antidepressiva?

Ein gesteigerter Appetit durch Citalopram ist eher selten. Die Appetitlosigkeit ist laut Beipackzettel eine häufigere Nebenwirkung als die Gewichtszunahme. Erfahrungsberichten zufolge kann es aber in Wechselwirkung mit einzelnen Erkrankungen dennoch zur Gewichtszunahme kommen. Besonders bei Depressionen versuchen Betroffene ihre Stimmung vereinzelt durch Essen aufzuhellen. Heißhungeranfälle einhergehend mit Bewegungsmangel verursacht durch für Depressionen typische Lethargie kann zur Gewichtszunahme führen (siehe depressive Episode).

Suizidgedanken durch Psychopharmaka / SSRI?

Vielen (chemischen) Antidepressiva ist ein erhöhtes Suizidrisiko des Patienten als äußerst unerwünschte (mögliche) Begleiterscheinung gemein, insbesondere in der Anfangsphase der Einnahme. Entsprechend sollten Menschen mit Suizidgedanken vorsichtig bei der Einnahme von Citalopram sein – und auch die Menschen im Umfeld entsprechend aufgeklärt und wachsam sein.

Da SSRI den Antrieb steigern, die Stimmung sich Berichten zufolge aber erst im Laufe der Zeit bessert, ist es möglich, dass Menschen mit akuten Selbstmordgedanken befähigt werden ihren Plan in die Tat umzusetzen. Wenn Sie zu Suizidgedanken neigen sollten Sie auf jeden Fall mit dem Facharzt vor Einnahme von Citalopram darüber sprechen.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Vor allem die parallele Einnahme von Citalopram mit sogenannten Monoaminoxoidase-Hemmern (MAOIS) ist unbedingt zu vermeiden. Durch MAO-Hemmer (vgl. onmeda.de/Wirkstoffgruppe/MAO-Hemmer.html) wie zum Beispiel die Wirkstoffe Moclobemid oder Tranylcypromin im Wechsel mit Citalopram steigt das Risiko eines Serotonin-Syndroms (vgl. pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=43232). Dies bedeutet, dass ein lebensbedrohlicher Serotonin-Überschuss im Körper vorhanden ist. Dieser Effekt wurde ebenfalls bei gleichzeitiger Einnahme von Schmerzmitteln mit dem Wirkstoff Fentanyl beobachtet.

Auch die Einnahme von Johanniskrautpräparaten mit Citalopram ist zu vermeiden. Arzneimittel zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen eignen sich ebenfalls nicht zur gleichzeitigen Einnahme mit Citalopram.

Generika

Da das Patent auf Citalopram im Jahr 2003 abgelaufen ist, gibt es eine Reihe von Generika auf dem Markt. Diese Medikamente enthalten den gleichen Wirkstoff, sind aber im Preis wesentlich günstiger, als das Original von Lundbeck. Zu den Generika zählen zum Beispiel die Präparate der Firmen Neuraxpharm, Stada, Ratiopharm und Hexal. Gleichzeitig versucht der ursprüngliche Patenthalter eine äußerst ähnliche Wirkstoff-Variante namens Escitalopram am Markt durchzusetzen.

Citalopram gibt es als Generika inzwischen von vielen Pharmaherstellern und Marken (hier: Hexal, aber auch Neuraxpharm, Stada, Ratiopharm) - Screenshot shop-apotheke.com am 10.11.2016)
Citalopram gibt es als Generika inzwischen von vielen Pharmaherstellern und Marken (hier: Hexal, aber auch Neuraxpharm, Stada, Ratiopharm) – Screenshot shop-apotheke.com am 10.11.2016)

Erfahrungsberichte: Was Menschen berichten, die das Mittel eingenommen haben.

Sucht man im Internet nach Erfahrungen von Menschen, die mit Citalopram / Escitalopram therapiert wurden, findet man ein großes Spektrum von unterschiedlichen Erfahrungen.

  • Die negativen Erfahrungsberichte nennen vor allem die Appetitlosigkeit, die Förderung von Ängsten bzw. Panik, gesteigerter Harndrang, Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit und Schlafstörungen. Auch von gesteigerten Suizidgedanken berichten einzelne Patienten im Internet.
  • Positive Erfahrungsberichte heben vor allem die Steigerung der Lebensqualität durch die Wirkung Citalopram hervor. Die Stimmungsschwankungen ließen vor allem bei Patienten, die richtig eingestellt sind, relativ schnell nach.

Auf der Video-Plattform Youtube finden sich einige Erfahrungsberichte von Patienten. Die Nutzerin Pearly Pocahontas (https://youtu.be/tmajyUseDp4) berichtet von Kopfschmerzen in den ersten Tagen nach der Einnahme. Ihre Ärztin riet ihr deswegen verstärkt Wasser zu trinken. Die Youtuberin Freya (https://youtu.be/JwG2ZVwTjGk) berichtet (auf englisch, aber etwas positiv-fröhlicher), dass die Kopfschmerzen hartnäckig waren, aber nach zwei Wochen plötzlich verschwanden.

Das Fazit: Citalopram ja oder nein?

Ob Citalopram / Escitalopram das richtige Medikament für Ihre Erkrankung ist, kann nur ein qualifizierter Facharzt entscheiden. Holen Sie sich daher auf jeden Fall ärztlichen Rat ein, wenn Sie Ihr bisheriges Medikament absetzen wollen, um zu wechseln. Insbesondere Vorerkrankungen müssen vom Arzt abgecheckt werden, um mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen zu vermeiden.

Quellen:

(Artikel-Titelbild: © molekuul.be / Fotolia)

Ängste, Phobien, Panikattacken > Angststörungen und Angsterkrankungen behandeln