Koprophobie / Coprophobie / Excrementophobie / Kotphobie | Angst vor Exkrementen (© D. Ott / Fotolia)

Koprophobie / Coprophobie

Krankhafte Angst vor Exkrementen: Kotphobie / Excrementophobie verstehen

Koprophobie (auch Coprophobie, aus dem Griechischen für Exkremente, oder Excrementophobie aus dem Lateinischen entlehnt) bezeichnet die irrationale und übersteigerte Angst und den ebenfalls irrationalen und übersteigerten Ekel vor Kot.

Bei einer Phobie löst das jeweilige Objekt Angstzustände, aber auch Ekel aus. Die Koprophobie ist eine spezifische Phobie nach ICD-10 F40.2. Betroffene verspüren nicht nur einen intensiven Ekel, sondern auch Angst vor Exkrementen. Dazu können auch die eigenen Ausscheidungen zählen und es kann auch zu einer Angst vor speziellen Krankheiten führen.

Koprophobie Definition / Abgrenzung von Phobie, Angst und Ekel

Eine Phobie zeichnet sich in erster Linie durch die Angst vor dem jeweiligen Objekt aus, also einer nicht kontrollierten und irrationalen Angstreaktion bei einer Konfrontation des Betroffenen mit dem entsprechenden Angstobjekt. Ekel kann dabei häufig ebenfalls eine Rolle spielen. Allerdings ist nicht jeder Ekel vor etwas, der durchaus auch zu einer Vermeidung der Konfrontation mit dem entsprechenden Objekt führen kann, eine Phobie. Extremer Ekel kann ähnliche Symptome hervorrufen, für die Einteilung als Phobie gehört jedoch die Angst notwendig dazu. Eine genaue Definition und scharfe Abgrenzung bleibt jedoch schwierig.

Bei der Kotphobie ist der angstbesetzte Gegenstand etwas, das bei Menschen generell instinktiv einen gewissen Ekel hervorruft. Krankhaft wird diese Ekel jedoch erst, wenn Angstsymptome dazu kommen (siehe Angsterkrankung Symptome).

Excrementophobie: Symptome und Verlauf

Zu den Angstsymptomen, die bei Phobien generell auftreten können, zählen etwa:

  • Atembeschwerden
  • Hitzewallungen
  • Herzklopfen sowie Pulsbeschleunigung
  • Zittern und auch Schwindel
  • Mundtrockenheit und Schweißausbruch

Welche dieser Symptome wann und in welcher Intensität auftreten, ist individuell unterschiedlich. In besonders schweren Fällen können sie zu ausgewachsenen Panikattacken und auch zu Ohnmacht führen (vgl. auch Panikattacken Symptome).

Betroffene der Koprophobie können auf Exkremente von Anderen, aber auch auf die eigenen Exkremente mit Angst reagieren. Im zweiten Fall kann natürlich ein sehr hoher Leidensdruck entstehen, weil somit der Akt der Ausscheidung problematisch werden kann. Aber auch der erste Fall kann äußerst problematische Züge annehmen. Zwar ist es im Alltag durchaus möglich, Situationen mit den Ausscheidungen von anderen Menschen oder auch Tieren zu vermeiden, allerdings können Betroffene der Koprophobie / Excrementophobie auch eine Angst vor einer Art „Ansteckung“ entwickeln. Dabei geht es weniger um die Ansteckung mit Krankheiten, als viel mehr um das Gedankenkarussell, das übersteigerte und irrationale Verbindungen schafft (siehe auch Angst vor Krankheiten besiegen). Das kann zum Beispiel so weit gehen, dass die Betroffenen sich gedanklich ausmalen, wie ihr Gegenüber gerade auf der Toilette war und „schmutzig“ ist und so ein Händeschütteln bereits problematisch wird. Theoretisch kann sich das auf alles ausweiten, was potentiell von anderen Menschen berührt werden kann, sodass die Betroffenen nahezu alle Gegenstände erst einmal desinfizieren müssen. Mitunter kann das über eine Phobie hinaus gehen und Züge von einer Zwangserkrankung inklusive Zwangsvorstellungen annehmen.

YOUTUBE: Kotphobie / Coprophobie | In diesem Video schildert eine Betroffene ihre Koprophobie und bietet einen Einblick in das Gedankenkarussell und die Ausmaße, die diese Phobie annehmen kann (youtube.com/watch?v=l0x2hq-_PIc)

Ursachen einer Kotphobie / Coprophobie

Eine Phobie besteht allgemein darin, dass der Betroffene das spezifische Objekt seiner Phobie mit Angst zu verknüpfen gelernt hat. Diese Verknüpfung geschieht in der Regel durch besonders negative und traumatische Erfahrungen mit dem entsprechenden Angstobjekt. Das können extreme, einmalige Erfahrungen sein, die häufig bereits in der Kindheit vorkommen. Es können aber auch vergleichsweise harmlosere Erfahrungen über einen längeren Zeitraum hinweg ein. Außerdem muss das Angstobjekt nicht notwendig ursächlich für die gemachten negativen Erfahrungen sein, sondern kann auch nur zufällig in den Situationen gerade vorhanden sein, ohne überhaupt eine Rolle zu spielen. Durch eine Reizkopplung kann das Gehirn die negative Erfahrung mit dem Objekt verknüpfen und so eine Angstreaktion programmieren.

Speziell bei der Koprophobie / Excrementophobie kommt zu den Ursachen die natürliche, instinktive Ablehnung hinzu, die Menschen generell gegenüber Ausscheidungen verspüren. Dieser Grundekel vor Exkrementen kann tendenziell leicht mit negativen Erlebnissen verknüpft werden. Dabei kommt es jedoch auch auf die spezifische Art und Weise der Coprophobie an. Die exakten Ursachen sind stets individuell.

Der Besuch der Toilette: Für Menschen mit Excrementophobie / Kotphobie / Coprophobie / Koprophobie kein Vergnügen | Nichtbetroffene können sich den Leidensdruck der Symptome nur schwer vorstellen (© Gudellaphoto / Fotolia)
Der Besuch der Toilette: Für Menschen mit Excrementophobie / Kotphobie / Coprophobie / Koprophobie kein Vergnügen | Nichtbetroffene können sich den Leidensdruck der Symptome nur schwer vorstellen (© Gudellaphoto / Fotolia)

Therapie und Heilung

Die erfolgreichste Therapie bei Phobien ist die Konfrontationstherapie als spezieller Teil der Verhaltenstherapie. Dabei geht es darum, die Angstverknüpfung zu verlernen. Das geschieht durch Gewöhnung an das angstbesetzte Objekt, die im Rahmen einer Konfrontationstherapie äußerst behutsam, also langsam und vorsichtig, geschieht. Die Konfrontation kann zu Beginn z. B. darin bestehen, mit einem Psychotherapeuten (Verhaltenstherapeut) über den angstbesetzten Gegenstand lediglich zu reden. Und auch muss das Ende nicht in einer direkten Konfrontation bestehen. Das hängt ganz von den Zielen der Betroffenen ab.

Falls die Kotphobie zusammen mit einer Zwangserkrankung auftritt, muss diese in einer allgemeineren Verhaltenstherapie behandelt werden.

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Quellen:

 

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