Bupropion Antidepressivum - Wirkung, Nebenwirkungen, Wirkweise, Wirkdauer (© lyricsai / stock.adobe.com)

Bupropion – Wirkung und Wirkweise, Nebenwirkungen, Wirkdauer

Bupropion ist ein pharmazeutischer Wirkstoff aus der Gruppe der Amphetamine. Es fungiert als Dopamin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer und wird in deutschsprachigen Ländern unter den Namen Elontril, Wellbutrin und Zyban als Antidepressivum und Unterstützung zur Rauchentwöhnung angeboten. Alle Präparate sind verschreibungspflichtig und haben nicht zu vernachlässigende Nebenwirkungen.

Wirkweise und Einsatzgebiete von Bupropion

Mechanismus der Bupropion Wirkung

Üblicherweise werden Bupropion-Antidepressiva als Retardpräparate verschrieben, bei denen die Wirkstoffabgabe über längere Zeit hinaus verzögert ist. Dies dient weniger der Erhöhung der Wirkdauer als der besseren Verträglichkeit durch eine geringere Gesamtkonzentration im Blut. Anschließend wird die Substanz im Körper – hauptsächlich in der Leber – mehrfach umgewandelt, wobei die eigentlich wirksamen Metaboliten entstehen. Die Wirkweise des Medikamentes beruht auf Freisetzung und Hemmung des Abtransportes der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn. Dadurch verbleiben sie länger in den Nervenzellen und können die entsprechenden Rezeptoren besser aktivieren. Ungleichgewichte in den Konzentrationen dieser Substanzen stehen in unmittelbarem Zusammenhang zu psychischen respektive psychiatrischen Erkrankungen.

Einsatz bei bzw. gegen Depressionen

Das Haupteinsatzgebiet liegt in dem Bereich, in dem auch andere moderne Antidepressiva ihre Wirkung tun: Die Behandlung depressiver Symptome wie Antriebslosigkeit, krankhafte Prokrastination, negativer Grundstimmung oder stärkerer körperlicher und geistiger Ermüdbarkeit profitiert vom Einsatz dieses Wirkstoffs. Die Kombination mit analytischer Psychotherapie, Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologischer Psychotherapie ist dabei in der Wirkung besonders nachhaltig. Weiterhin kann die im Mechanismus andere Wirkweise von Bupropion in Ergänzung zu anderen Substanzen Vorteile bieten: Wenn zum Beispiel Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder verringerte Libido auftreten, kann dies durch den eher anregenden Effekt des Bupropions ausgeglichen werden.

Durch die Amphetamin-Eigenschaften gibt es ein gewisses Missbrauchspotential (eine Anleitung dazu wird hier bewusst nicht formuliert). Darüber hinaus ist die Bupropion Wirkung im direkten Vergleich mit anderen Antidepressiva wie Venlafaxin weniger effektiv und verhindert Rückfälle weniger effektiv. Da auch der Stoffwechsel der Substanz und der Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System insgesamt noch als erforschungsbedürftig gelten, gibt es bei der Empfehlung als Antidepressivum Einschränkungen.


Bupropion Antidepressivum - Wirkung, Nebenwirkungen, Wirkweise, Wirkdauer (© lyricsai / stock.adobe.com)
Bupropion Antidepressivum – Wirkung, Nebenwirkungen, Wirkweise, Wirkdauer (© lyricsai / stock.adobe.com)

Aufhören mit Rauchen

Darüber hinaus kommt es auch zum Einsatz, damit Patienten bei der Rauchentwöhnung nicht ständig gereizt sind. Auch das Verlangen nach einer erneuten Nikotinzufuhr lässt sich insgesamt senken. Im Vergleich sind Menschen, die mit dem Rauchen aufhören, mit dem Medikament fast doppelt so oft erfolgreich wie ohne.

ADHS

Als Amphetamin-Wirkstoff könnte Bupropion ebenfalls zur Behandlung von ADHS eingesetzt werden, wo der oft sprunghafte Persönlichkeitsstil ausgeglichen werden soll (s. sprunghafter Persönlichkeitsstil). Insbesondere für minderjährige Patienten ist die Sicherheit des Stoffes aber umstritten. Daher wurde es für die Behandlung noch nicht zugelassen.

Abnehmen

Ebenfalls existieren Studien, in denen der Einsatz zur Gewichtsreduktion beschrieben wird. Auch hier ist die Evidenzlage allerdings noch nicht zureichend, um Empfehlungen auszusprechen.

Anwendung und Wirkdauer

Zum Einsatz kommen Retardtabletten von üblicherweise 150 mg. Die Maximaldosis liegt bei 300 mg pro Tag.

Bupropion und die Zwischenprodukte seines Abbaus haben im Körper eine große Halbwertszeit, wodurch sich bei kontinuierlicher Einnahme im Laufe der Zeit ein relativ konstanter Wirkstoffspiegel im Blut einstellt. Wie bei anderen Antidepressiva auch können die Auswirkungen der Einnahme in sehr unterschiedlichen Zeitfenstern beobachtet werden. Die aktivierende und antriebssteigernde Bupropion Wirkung tritt in der Regel sehr rasch, oft schon nach wenigen Tagen ein, während die Stimmungsaufhellung oft eine Frage von Wochen oder gar Monaten ist. Man kann sich das so erklären, dass das Gehirn dazu neigt, in festgelegten Bahnen zu denken und das Beschreiten von neuen, glücklicheren Pfaden eine Umstellung erfordert, die erst nach einiger Zeit bewerkstelligt und bemerkt werden kann. Wie für alle Antidepressiva gilt, dass das Absetzen des Medikamentes zu schlagartigen Stimmungsveränderungen, Symptomrückkehr bis hin zu Suizidgedanken führen kann, weshalb ein Abbruch der Einnahme nur mit ärztlicher Begleitung erfolgen sollte.

Die rauchentwöhnende Wirkung tritt nach einigen Studien unmittelbar bzw. nach wenigen Tagen ein.

Molekülstruktur von Bupropion - Gute Wirkung und unerwünschte Nebenwirkungen gehen Hand in Hand, wie Erfahrungen zeigen... (© molekuul.be / stock.adobe.com)
Molekülstruktur von Bupropion – Gute Wirkung und unerwünschte Nebenwirkungen gehen Hand in Hand, wie Erfahrungen zeigen… (© molekuul.be / stock.adobe.com)

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Bei der Einnahme von Bupropion müssen eine Reihe von Dingen beachtet werden, vor allem die Kombination mit einer Vielzahl von Medikamenten ist kontraindiziert/ problematisch:

  • MAO-Hemmer (z.B. bestimmte Parkinson-Medikamente): können lebensgefährliche Störungen der Körperfunktionen wie das Serotonin-Syndrom auslösen
  • Wirkstoffe, die die Schwelle für Krampfanfälle herabsetzen können, z.B. Tramadol, Steroide, einige Antimalariamittel, bestimmte Antidepressiva und Antipsychotika
  • Alkohol: kann das Auftreten von Nebenwirkungen fördern, insbesondere bei erhöhtem Alkoholkonsum
  • Hinweise darauf, dass der Abbau von Bupropion beeinflusst werden kann, gibt es z.B. bei Cyclophosphamid oder Orphenadrin
  • Bupropion wiederum hemmt den Abbau vieler Antidepressiva, Antipsychotika, Betablocker und weiterer Wirkstoffe, kann also deren Wirkdauer beeinflussen

Bupropion Nebenwirkungen

► Allgemein

Sehr häufige Nebenwirkungen sind Schlafprobleme, Kopfschmerzen, mangelnde Speichelproduktion und Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit oder Erbrechen. Um nachts besser schlafen zu können, sollte Bupropion deswegen nach dem Aufstehen eingenommen werden.

Seltenere Bupropion Nebenwirkungen umfassen Benommenheit, Appetitlosigkeit, Gelenk- und Muskelschmerzen, Zittern, Angst und Verwirrtheit. Auch Beeinflussungen des Herz-Kreislauf-Systems sind gelegentlich aufgetreten. Anders als viele SSRI-Antidepressiva wirkt sich Bupropion nicht dämpfend auf die Libido aus, sondern kann sehr selten sogar andauernde schmerzhafte Erektion bei Männern (Priapismus) verursachen (vgl. auch Erektionsstörungen / Erektionsprobleme).

► Krampfneigung

Nebenwirkungen, die sich um das Auftreten von epileptischen Krampfanfällen drehen, haben die Zulassung des Medikamentes erst erschwert, mittlerweile ist bekannt, dass erst höhere Dosierungen (ab 600 mg/d) diese Probleme auslösen. Dennoch sollte bei der gleichzeitigen Einnahme anderer Wirkstoffe darauf geachtet werden, dass die Senkung der Krampfschwelle verstärkt werden kann.

Ebenfalls gibt es Hinweise, dass der Wirkstoff das Auftreten von Psychosen begünstigt und bei bipolaren Patienten den Einsatz manischer Phasen fördert.

► Suizidalität

Beim Einsatz von Bupropion insbesondere bei jungen Personen bis 25 Jahren muss eine engere ärztliche Überwachung gewährleistet sein, da spontan Suizidgedanken auftreten können. Durch die verzögerte Wirkweise der antidepressiven Eigenschaften gegenüber der antriebssteigernden Effekte fühlen manche Patienten den Drang und neue Energie, ihre selbstzerstörerischen Ideen umzusetzen (siehe auch SVV Selbstverletzung).

Die Angst durchzudrehen, kann für die Betroffenen unerträglich werden. Aufklärung über diese Effekte (siehe auch Psychoedukation) und regelmäßige Kontrolle in der Ansetzphase sind deshalb zwingend erforderlich.

Überdosis

Im Falle einer Überdosierung ist insbesondere die Krampfneigung problematisch. Weitere Effekte können Herzrhythmusstörungen, Halluzinationen und Bewusstseinseintrübungen sein. Insbesondere bei Vergiftungsfällen in Kombination mit Alkohol und anderen Medikamenten können diese Symptome stark verstärkt auftreten und bis zum Tod führen.

Youtube-Videos

Weitere Informationen zu Bupropion Wirkung sowie Bupropion Nebenwirkungen kann man in folgenden (englischsprachigen) Videos erhalten:

Quellen:

  • https://www.drugcom.de/drogenlexikon/buchstabe-b/bupropion/
  • Compound Summary”. Bupropion. PubChem Compound. United States National Library of Medicine – National Center for Biotechnology Information. 28 July 2018. Retrieved 29 July 2018.
  • Schwasinger-Schmidt, TE; Macaluso, M (8 September 2018). “Other Antidepressants”. Handbook of Experimental Pharmacology
  • https://www.test.de/medikamente/wirkstoff/bupropion-w965/
  • https://en.wikipedia.org/wiki/Bupropion

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