Anxiolytikum - Anxiolytika ist der Sammelbegriff für angstlösende Medikamente (© shidlovski / Fotolia)

Anxiolytika – Was Sie über angstlösende Medikamente wissen sollten

Anxiolytika (Singular: Anxiolytikum) sind der Fachbegriff für angstlösende Medikamente bzw. Arzneimittel. Anxiolytika bezeichnen Substanzen, die dazu dienen, Angstzustände und ihre Symptome zu behandeln. Dabei kann es sich sowohl um kurzfristige als auch langwierige Angsterlebnisse und –erkrankungen handeln, die sehr unterschiedlich intensiv ausfallen können. Demzufolge sind auch die Stoffgruppen und Wirkungsweisen der verwendeten Medikamente sehr divers. Andere Begriffe für anxiolytisch wirkende Präparate sind Ataraktikum oder Tranquilizer, auch die Bezeichnungen Sedativa und Hypnotika werden analog dazu verwendet.

Welche Indikationen gibt es für Anxiolytika?

Da angstlösende und beruhigende Präparate zumeist deckungsgleich sind, sind auch die Diagnosen und Zustände, bei denen sie verabreicht werden, häufig dieselben. Dabei kann es sich auch um kurzfristige Ausnahmesituationen handeln, die nicht in erster Linie Angst, sondern Trauma, Schock oder Aufregung zuzuschreiben sind – beispielsweise bei Betroffenen von Verbrechen, Unfällen oder Todesfällen.

Des Weiteren machen viele psychische Erkrankungen (siehe psychische Probleme) die Nutzung von angstlösenden Medikamenten notwendig, weshalb sie häufig in der Psychiatrie verwendet werden. Zu ihnen zählen selbstverständlich die

Auch bei körperlichen Erkrankungen, die mit Angstzuständen einhergehen, können Präparate mit anxiolytischem Effekt hilfreich in der Therapiebegleitung sein. Zu ihnen können Krebs oder degenerative Erkrankungen wie ALS, Alzheimer oder Parkinson gehören.

Da die Behandlung mit angstlösenden Substanzen normalerweise nur symptomatischer Natur ist, ist in den meisten Fällen eine zusätzliche Therapie der Ursachen notwendig. In Betracht kommen eine Gesprächs- oder Verhaltenstherapie (vgl. Verhaltenstherapie Definition, Gesprächstherapien sowie allgemein Psychotherapie) ebenso wie eine Bekämpfung körperlicher Grundursachen, sofern vorhanden. Zudem sind positive Resultate und Nebenwirkungen sorgfältig gegeneinander abzuwägen. Insbesondere aufgrund der großen Bandbreite unterschiedlicher Präparate sollten deren Stärke und konkrete Eigenschaften bei der Anwendung möglichst exakt das jeweils vorliegende Störungsbild berücksichtigen.

Besondere Vorsicht ist, wie bei allen Arzneimitteln, bei der Einnahme in der Schwangerschaft geboten. Diese muss in jedem Fall gesondert mit einem Arzt besprochen werden. Das gilt ebenfalls für rezeptfreie pflanzliche Präparate, die als natürlich und damit vermeintlich harmlos gelten (vgl. angstlösende Medikamente pflanzlich). Auch Wechselwirkungen sind zu beachten, in diesem Fall kann eine Medikamentenliste helfen, um mögliche Probleme mit einem Arzt abzuklopfen.

Angstlösende Arznei - Mit Anxiolytika gegen die Symptome von Angsterkrankungen; aber was ist mit den Ursachen der Ängste bzw. Angststörung?! (© Paulista / Fotolia)
Angstlösende Arznei – Mit Anxiolytika gegen die Symptome von Angsterkrankungen; aber was ist mit den Ursachen der Ängste bzw. Angststörung?! (© Paulista / Fotolia)

Wie wirken Anxiolytika?

Dem Namen entsprechend wirkt ein Anxiolytikum Angstzuständen entgegen. Dabei greifen sie unterschiedlich stark in verschiedene gehirnchemische Prozesse ein – nicht in allen Fällen ist die genaue Wirkweise bekannt. Dabei können zusätzlich sedierende (beruhigende) und/oder muskelrelaxierende (muskelentspannende) Effekte hinzukommen, die unter Umständen erwünscht sind oder aber eine Kontraindizierung begründen. Weitere Gründe, den Gebrauch eines Anxiolytikum zu reduzieren oder gänzlich zu meiden, können Schwangerschaft oder vorangegangene Abhängigkeiten sein, zudem Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Eine besondere Gefahr geht von der Kombination einiger Präparate mit Alkohol (s. Alkohol und Depression, Alkohol und Antidepressiva) oder weiteren, ähnlich gearteten Wirkstoffen aus, da es zu atem- und kreislaufdepressiven Effekten kommen kann.

In einigen Fällen lehnen Patienten bestimmte Psychopharmaka auch aufgrund der Nebenwirkungen ab (siehe auch Psychopharmaka Nebenwirkungen; vgl. zum Beispiel die Mirtazapin Nebenwirkungen). Die hirnorganischen Effekte von als Hypnotika oder Sedativa wirksamen Stoffen können unter Umständen zu Erschöpfung, Lustlosigkeit, Tagesmüdigkeit und weiteren Schwierigkeiten führen.

Die Möglichkeit zum Führen eines Kraftfahrzeugs, die Arbeit an Maschinen oder die Konzentrationsfähigkeit können durch angstlösende Medikamente beeinträchtigt sein. Dies sollte bei der Wahl des Mittels berücksichtigt werden. Da Handelsnamen zwar häufig klangvoll, jedoch verwirrend und wenig aussagekräftig sind, ist es zumeist sinnvoller Arztgespräche und Recherche anhand der Wirkstoffe zu führen. Genauere Informationen darüber, wie ein Anxiolytikum im Körper wirkt, bietet beispielsweise dieser Film, allerdings sollten zum Verständnis biochemische und physiologische Kenntnisse vorhanden sein:

YOUTUBE: Tranquillanzien / beruhigende und angstlösende Psychopharmaka, Anxiolytische Arzneimittel in ihrer Wirkung

Welche Anxiolytikum Arten gibt es?

Die unterschiedlichen Gruppen anxiolytisch wirksamer Substanzen lassen sich grob in folgende Klassen einteilen:

Es gibt viele Medikamente, die anxiolytisch (angstlösend) wirken. Oftmals haben diese jedoch auch weitere Wirkungen sowie Nebenwirkungen. Welches Anxiolytikum für den jeweiligen Patienten die richtige Wahl ist, ist für den behandelnden Arzt gar nicht so einfach zu entscheiden und hängt stark von der individuellen Symptomatik ab, ob z.B. die Ängste auch mit Depressionen einhergehen u.v.a.m. (© Ocskay Bence / Fotolia)
Es gibt viele Medikamente, die anxiolytisch (angstlösend) wirken. Oftmals haben diese jedoch auch weitere Wirkungen sowie Nebenwirkungen. Welches Anxiolytikum für den jeweiligen Patienten die richtige Wahl ist, ist für den behandelnden Arzt gar nicht so einfach zu entscheiden und hängt stark von der individuellen Symptomatik ab, ob z.B. die Ängste auch mit Depressionen einhergehen u.v.a.m. (© Ocskay Bence / Fotolia)

Benzodiazepine und Thienodiazepine

Die sicher bekannteste und in vielen Fällen auch am häufigsten verwendete Gruppe der Anxiolytika stellen die Benzodiazepine dar. Zu ihnen gehören beispielsweise Diazepam (Faustan, Valium) oder Lorazepam (Tavor). Die Angehörigen dieser Medikamentengruppe haben sedierende, anxiolytische, antikonvulsive und schlafanregende Effekte. Ihre Wirksamkeit beruht auf einer positiven Modulation des GABA-Rezeptors. Dank ihres raschen Wirkungseintritts und des verhältnismäßig beherrschbaren Nebenwirkungsprofils werden sie häufig zur Behandlung kurzfristiger Beschwerden oder Krisen sowie als Bedarfsmedikation eingesetzt. Für einen längeren oder gar dauerhaften Einsatz sind sie hingegen aufgrund des hohen Suchtpotentials und des problematischen Entzugs nicht geeignet.

Thienodiazepine sind den Benzodiazepinen chemisch ähnlich und werden auch ähnlich genutzt, verfügen jedoch auch über vergleichbare Risiken. Dank des häufig stärkeren schlafauslösenden Effekts sind sie für die Tagesbehandlung nicht immer geeignet.

Antihistaminika

Bestimmte Antihistaminika wie Doxylamin zeichnen sich unter anderem durch angstlösende und schlaffördernde Effekte aus, die sich zunutze gemacht werden können. Das gilt umso mehr, da sie gewöhnlich zu keiner Abhängigkeit führen. Allerdings zählen auch Schwindel und Muskelschwäche zu den Nebenwirkungen, sodass sie nicht in jedem Fall eine gute Alternative bieten.

Neuroleptika

Viele Neuroleptika weisen eine beruhigende und angstlösende Komponente auf. Zu den bekanntesten zählt Chlorpromazin, aber auch viele weitere Präparate wie beispielsweise Sulpirid gehören dazu. Geeignet sind Präparate, deren antipsychotischer Effekt (vgl. Antipsychotika Wirkung) weniger und deren anxiolytischer Effekt stärker ausgeprägt ist. Üblicherweise ist die Dosierung zur Angstbekämpfung erheblich geringer als die beim Einsatz gegen psychotische Symptome. Allerdings haben viele Neuroleptika nichtsdestotrotz erhebliche Nebenwirkungen, weswegen ein Einsatz genau abgewogen werden muss. Für einen dauerhaften Gebrauch bei Angsterkrankungen sind sie aus demselben Grund nicht geeignet.

Antidepressiva als Anxiolytikum?

Auch eine ganze Reihe an Antidepressiva weisen anxiolytische Eigenschaften auf – insbesondere Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI) -, aber auch weitere Gruppen. Von Vorteil ist, dass unter Umständen gleichzeitig weitere Schwierigkeiten behandelt und die Präparate möglichst exakt nach der vorliegenden Symptomkombination und den Bedürfnissen des Patienten ausgewählt werden können. Das ist insbesondere dann interessant, wenn Kombinationen aus Angststörungen und Depressionen auftreten. Nachteilig sind der langsame Wirkungseintritt und mögliche unerwünschte Effekte, von denen beispielsweise ein Libidoverlust häufig beschrieben wird. Zudem sind Mechanismus und Wirksamkeit auch in der Psychiatrie und Forschung nicht unumstritten.

Weitere anxiolytisch wirkende Arzneimittel

Es existieren noch einige weitere Einzelwirkstoffe, die in der Behandlung von Angstsymptomatik eingesetzt werden können. Zu ihnen gehört unter anderem Buspiron, das die Vorteile besitzt, einerseits zu keiner körperlichen Abhängigkeit zu führen und andererseits keinen sedierenden Effekt zu haben. Nachteilig ist die lange Dauer bis zum Wirkeintritt, die es für einen kurzfristigen Einsatz ungeeignet macht. Ähnliches gilt für den noch verhältnismäßig neuen Wirkstoff Fabomotizol, dem bislang eine gute Wirksamkeit bescheinigt wird. Im Falle von Pregabalin ist es exakt umgekehrt – es besteht Suchtgefahr, eine Sedierung findet statt, ein rascher Wirkeintritt ist gegeben (netdoktor.de/medikamente/pregabalin/)

Pflanzliche Anxiolytika

Besonders bei weniger gravierenden Beschwerden können natürliche Mittel, sogenannte Phytotherapeutika, eine gute Alternative zu anderen Präparaten darstellen. Bei leichten Beschwerden können Betroffene sie zumeist auch rezeptfrei kaufen und anwenden (siehe u.a. Beruhigungsmittel rezeptfrei, Antidepressiva rezeptfrei, hochdosiertes Johanniskraut rezeptfrei, Schlafmittel rezeptfrei). Sie können ebenfalls begleitend zur Therapie eingesetzt werden. Das gilt insbesondere, weil sie häufig über das bessere Nebenwirkungsprofil verfügen und keine Gefahr körperlicher Abhängigkeit besteht. Allerdings sind einige Punkte zu beachten: Mit Präparaten aus Pflanzenbestandteilen wird selten ein schneller Wirkeintritt erreicht, für heftige und akute Beschwerden sind sie daher wenig geeignet. Betroffene sollten die gewählten Präparate zudem auf mögliche Wechselwirkungen und Allergien gegen die pflanzlichen Inhaltsstoffe überprüfen. Eine besondere Stellung hat Cannabis, da es zwar anxiolytische Effekte hat (vgl. Cannabis und Ängste), aufgrund seiner Nutzung als Freizeitdroge jedoch normalerweise nicht als Medikament verwendet wird.

Dazu kommt, dass viele Substanzen verkauft werden, denen ein klarer Wirknachweis fehlt. In einigen Fällen existieren zumindest Hinweise auf das gewünschte Resultat, in anderen beruht eine scheinbare Besserung lediglich auf dem Placebo-Effekt. Hier ist oft auch die Wirkstoffkonzentration ausschlaggebend, die sehr unterschiedlich ausfallen kann. Beispielsweise werden im Falle von Kapseln mit Passionsblume sowohl solche mit 40mg als auch solche mit 400mg pro eingenommener Dosis angeboten. Erstere enthält zwar Bestandteile der genannten Pflanze, die Menge ist jedoch – Studien nach zu urteilen – kaum relevant (siehe auch Passionsblume Wirkung).

Pascoflair im Check – Passionsblume und ihre beruhigende Wirkung

Insgesamt ist die Studienlage zu den verschiedenen natürlichen Mitteln sehr unterschiedlich, weshalb es sich lohnt, sich vorher gründlich über das jeweilige Präparat zu informieren. Zurzeit erhältliche Präparate mit dem Anspruch, angstlösende Ergebnisse zu erzielen, enthalten eine oder eine Kombination mehrerer der folgenden Pflanzen:

  • Passionsblume
  • Baldrian
  • Lavendel
  • Kamille
  • Johanniskraut
  • Weihrauch

Passionsblume gilt als traditionelles Heilmittel, unter anderem bei Angst- und Unruhezuständen sowie Schlafstörungen. Studien legen einen möglichen Effekt bei diesen Beschwerden nahe, allerdings sind die Ergebnisse noch nicht ausreichend eindeutig. Als positiv wird bewertet, dass keine sedierende Wirkung auftritt, die in einigen Fällen als unerwünscht gilt.

Bei Baldrian handelt es sich wahrscheinlich um eines der ältesten und bekanntesten Mittel überhaupt. Zumindest im Fall von Schlafproblemen gilt seine Wirkung als bestätigt (vgl. Baldrian Wirkung, siehe auch Schlafprobleme), bei Angstzuständen konnte lediglich die Kombination mit Johanniskraut überzeugen.

In den vergangenen Jahren konnten einige Studien einen Wirknachweis für die Anwendung von Lavendelblüten bei Angststörungen und durch Unruhe bedingten Schlafstörungen erbringen, der allerdings als nur leicht beschrieben wird.

„Lasea“ gegen Angst, Unruhe, kreisende Gedanken und Einschlafstörungen?

Echte Kamille hat eine Reihe medizinisch nützlicher Inhaltsstoffe, in einigen Ländern zählen zu den vermuteten Effekten auch Angstlösung. Dieser Nutzen ist jedoch nicht belegt.

Anders verhält es sich mit Johanniskraut, das jedoch seltener bei Unruhe und eher bei Depressionen eingesetzt wird – die allerdings nicht selten mit Ängsten einhergehen. Eine Wirksamkeit ist in etwa so häufig wie bei anderen Antidepressiva, allerdings lediglich bei leichteren Formen der Erkrankung.

Johanniskraut gegen Depression?

Incensol, einem Inhaltsstoff des Weihrauchs, werden sowohl anxiolytische als auch antidepressive Effekte zugeschrieben. Diese Wirkung konnte bislang anhand von Tierstudien belegt werden und resultiert aus der Wirkung auf bestimmte Rezeptoren des Gehirns. Allerdings ist die Anwendung nicht risikofrei.


Das könnte Sie auch interessieren zum Thema Ängste:

Angststörungen: Ursachen, Formen, Symptome, Therapie, Selbsthilfe

Angstbewältigung: Angst bewältigen mit den richtigen Strategien

Das könnte Sie auch interessieren zum Thema „Angstlösende Medikamente“:

Neurapas Balance | Stimmungsaufheller aus Johanniskraut, Baldrian, Passionsblume

Amitriptylin im Überblick

SSRI gegen Angststörungen und Depressionen

Ängste, Phobien, Panikattacken > Angststörungen und Angsterkrankungen behandeln