Statistik: Burn-out-Syndrom - Krankheitstage nach Geschlecht 2004-2011 >> Die vorliegende Statistik zeigt die Anzahl der Krankheitstage (AU-Tage) je 1.000 Mitglieder aufgrund des Burn-out-Syndroms in Deutschland nach Geschlecht in den Jahren 2004 bis 2011. Im Jahr 2004 kamen durchschnittlich 4,6 Krankheitstage auf Tausend Versicherte (ohne Rentner) aufgrund des Burn-out-Syndroms. Der BKK Gesundheitsreport erfasst und analysiert die gesundheitlichen Befunde von 12 Millionen BKK Versicherten, die einen Anteil von 17 Prozent an der gesetzlichen Krankenversicherung und ca. 20 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland ausmachen. Die BKK Analysen stellen damit ein gutes Abbild des Krankheitsgeschehens in Deutschland dar. (Quelle: Statista / BKK Bundesverband)

Burnout durch Angst / Angsterkrankungen?

Eine ganze Zeit lang haben viele selbst ernannte und echte Experten in den Medien behauptet, ein Burn-out sei wahrscheinlich dasselbe wie eine Depression. Man kolportierte oft und gerne, Burnout sei eine reine Mode-Erscheinung – eine viel zu oft gestellte Fehldiagnose, die die richtige Therapie verhindere und eine Zivilisationserkrankung, die auf Massenhysterie, Falschbenennung und Übertreibung beruhe.

Ganz so einfach ist es aber nicht. 

Mit einer Psychiatrisierung der Betroffenen und mit derartigem Schubladendenken ist niemandem geholfen.

Unser modernes Leben treibt uns zunehmend in Richtung eines Burnouts, weil es unserer genetischen Dispositition entgegen verläuft. Während die Technisierung und das Lebenstempo – vor allem in den Großstädten – immer schneller werden, kommen unser Körper, unser Geist und unsere Seele nicht mehr mit.

Statistik: Burn-out-Syndrom - Krankheitstage nach Geschlecht 2004-2011 >> Die vorliegende Statistik zeigt die Anzahl der Krankheitstage (AU-Tage) je 1.000 Mitglieder aufgrund des Burn-out-Syndroms in Deutschland nach Geschlecht in den Jahren 2004 bis 2011. Im Jahr 2004 kamen durchschnittlich 4,6 Krankheitstage auf Tausend Versicherte (ohne Rentner) aufgrund des Burn-out-Syndroms. Der BKK Gesundheitsreport erfasst und analysiert die gesundheitlichen Befunde von 12 Millionen BKK Versicherten, die einen Anteil von 17 Prozent an der gesetzlichen Krankenversicherung und ca. 20 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland ausmachen. Die BKK Analysen stellen damit ein gutes Abbild des Krankheitsgeschehens in Deutschland dar. (Quelle: Statista / BKK Bundesverband)
Statistik: Burn-out-Syndrom – Krankheitstage nach Geschlecht 2004-2011 >> Die vorliegende Statistik zeigt die Anzahl der Krankheitstage (AU-Tage) je 1.000 Mitglieder aufgrund des Burn-out-Syndroms in Deutschland nach Geschlecht in den Jahren 2004 bis 2011. Im Jahr 2004 kamen durchschnittlich 4,6 Krankheitstage auf Tausend Versicherte (ohne Rentner) aufgrund des Burn-out-Syndroms. Der BKK Gesundheitsreport erfasst und analysiert die gesundheitlichen Befunde von 12 Millionen BKK Versicherten, die einen Anteil von 17 Prozent an der gesetzlichen Krankenversicherung und ca. 20 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland ausmachen. Die BKK Analysen stellen damit ein gutes Abbild des Krankheitsgeschehens in Deutschland dar. (Quelle: Statista / BKK Bundesverband)

Wovon wir uns fertig machen lassen…

Obwohl wir gefühlt meinen, es gehe uns so gut wie nie, überfordern uns:

  • Lärm,
  • Hektik,
  • Anspruchsdenken,
  • Multitasking,
  • gewisse Gruppenzwänge,
  • soziale Pflichten,
  • häufige Präsenz und Interaktion in allerlei Netzwerken,
  • gefüllte Terminkalender,
  • ständige Erreichbarkeit und der
  • Mangel an Mußestunden

Es kommt dementsprechend immer öfter zum Burnout.

Geht es uns nicht allen so?

Als Freunde, Kollegen, Geschwister und Verwandte pflegen wir oft einen ganz ähnlichen Lebensstil, der heute für normal gehalten wird. Trotzdem kann es uns gelingen, am Beispiel eines anderen Menschen zu erkennen, wohin das führen kann. Dieses Erkennen kann einen hohen Nutzen für einen selbst haben. Vor allem aber kann man jemanden, der einem nahe steht, vor dem völligen Ausbrennen bewahren – sofern er es denn zulässt.

Als Minimum kann man einen Betroffenen durch alle Phasen eines Burnout-Prozesses begleiten, so gut man kann. Dieser Artikel soll Ihnen das Verständnis und das Handwerkszeug dazu vermitteln.

Die Vorstufe: Multitasking rund um die Uhr

Für Verwandte, Freunde und Kollegen ist das Erlebnis des totalen Ausgebranntseins eines nahe stehenden Menschen vielleicht ein Schock. Jemand, der beruflich oder sozial voll engagiert war, funktioniert plötzlich nicht mehr wie erwartet.

Wir können das erst nicht so recht einordnen, wissen nicht, wie wir damit umgehen sollen. Gleichzeitig ist dieser dramatische Vorfall für viele von uns aber auch ein Weckruf, die eigene Lebenshaltung und Lebensführung zu hinterfragen.

Burnout: Fünf vor zwölf: Hektik, Stress, Angst, Burn-out-Syndrom (© GiZGRAPHICS - Fotolia)
Fünf vor zwölf: Hektik, Stress, Angst, Burn-out-Syndrom (© GiZGRAPHICS – Fotolia)

Typische Ursachen und Facetten von Burnout

  • Arbeitgeber erwarten heutzutage von uns, dass wir flexibel, leistungsbereit und jederzeit erreichbar sind. Sie erwarten von uns Internetaffinität und komplexes Wissen, eine hervorragende Ausbildung und kreatives Denken. Soweit scheint alles gut zu sein. Im wahren Leben jedoch entpuppen sich solche allgemeinen Vorgaben oft als Bumerang und Falle.
  • Wer Karriere machen möchte, geht meist engagiert und idealistisch ans Werk und setzt alle Energie daran, die Chefetage zu überzeugen. Für viele Menschen hat die Karriere oberste Priorität. Die Familie wird oftmals hintenan gestellt.
  • Börsenberichte und liegen gebliebene Akten werden in der Bahn gelesen, am Smartphone macht man seine Termine klar. Die Freizeit wird knapp, weil man Geschäftspartner nach Feierabend trifft oder mit wichtigen Managern am Sonntag Golfen geht. Der geplante Vertragsabschluss wird wichtiger als das Handicap.
  • Je engagierter man ist, desto mehr Aufgaben werden auf einen übertragen. Als Folge davon möchte man erst recht überzeugen. Anzeichen von Schwäche zuzulassen oder gar das Denken an ein mögliches Versagen erlaubt man sich nicht.
  • In dem Bemühen, besser als andere zu sein, mutet man sich mehr zu als man tragen kann. Delegieren kommt nicht in Frage. Lieber geht der Feierabend drauf, das Familien-Wochenende entfällt und man trinkt immer mehr Kaffee, um sich aufzuputschen.
  • Anerkennung, Lohn und aufgewendete Mühe stehen oftmals in keinem gesunden Verhältnis mehr. Was man normalerweise in einer Stunde schaffen könnte, braucht nun doppelt so lange. Die einstige Effektivität und die bisherige Qualität der Arbeit wenden sich ins Gegenteil.
  • Starker Konkurrenzdruck (tatsächlich oder gefühlt) sorgt dafür, dass man immer mehr arbeitet, aber immer weniger schaffen kann. Die Zeiteinteilung ist nicht mehr effektiv. Man macht wegen der mittlerweile eingetretenen Erschöpfung mehr Fehler und muss sie anschließend wieder ausbügeln. Das kostet noch mehr Zeit und Kraft.

Nach außen hin funktioniert man scheinbar noch, nach innen hin brodelt es aber bereits. Das Selbstwertgefühl ist bereits angeschlagen. Zweifel, Stress-Symptome und Versagensängste (siehe auch allgemein den Übersichtsartikel zu Ängste) machen sich breit. Hin und her gerissen zwischen persönlichem Engagement, Druck und zu viel Anspruchsdenken gerät man in eine Falle. Man kann nicht mehr „Nein“ sagen. Man bittet nicht um Entlastung von Aufgaben oder tut dies viel zu zaghaft. Gesundheitliche oder psychische Grenzen aufzuzeigen, fällt vielen Burnout-Betroffenen schwer. Gelegentlich trauen sie anderen auch keine ähnlich guten Leistungen zu und delegieren Teile ihrer Arbeit deswegen nicht.

Wodurch entsteht ein Burnout noch, wenn nicht durch Stress und Mentales?

Tatsache ist: Ein Burnout entsteht nicht von heute auf morgen und hat wie oben geschildert viele Facetten, Treiber, Ursachen bzw. verstärkende Faktoren. Sie zu verstehen, ist unerlässlich, um mit einem Betroffenen richtig umzugehen. Auf der anderen Seite liegt die Ursache des „Ausgebranntseins“ in vielen Fällen nicht nur Problembereich „Stress“.

In etwa einem Viertel der Fälle ist keine Depression, sondern eine unerkannte Nährstoffproblematik der Auslöser des Burnout.

In einigen Fällen liegt eine Mischform auf der Auslöserebene vor. Eine schlechte Nährstofflage und Depressionen können sich gegenseitig beeinflussen und bedingen, aber auch unabhängig voneinander zustande kommen. Das bedeutet, dass durch eine längerfristig schlechte Nährstoffversorgung eine Depression eintreten kann – aber auch, dass eine bereits länger vorhandene und nicht erkannte bzw. behandelte Depression durch eine schlechte Nährstofflage verschlimmert und zu einem Burn-out werden kann.

Ob die Depression auslösende Ursache oder nur Nebenwirkung einer lang anhaltenden Fehlernährung mit der fatalen Folge eines gravierenden Vitalstoffmangels ist, muss ärztlicherseits genau eruiert werden. Auf jeden Fall ist es zu kurz gegriffen, dem Betroffenen durch die Blume zu sagen, er sei psychisch wohl nicht belastbar. Der abfällig geäußerte Satz „Du musst nur mal eine Therapie machen“, ist heute eine Floskel derer geworden, die in Schemata denken, Vorurteile vor sich her schieben, alles über einen Kamm scheren und an Allheilmittel glauben.

Es ist wichtig, bei diesem Thema Unterscheidungen zu treffen, es mit der Ursachenforschung genau zu nehmen und dem Betroffenen Hilfestellungen zu geben, ohne sie ihm aufzudrängen.

Um eine neue Balance im Leben zu finden und alte Fehler zu vermeiden, muss der Betroffene aber auch selbst aktiv werden und alte Verhaltensmuster auf den Prüfstand stellen.

Burn-out durch Minderversorgung mit bestimmten Nährstoffen

Wie also kann ein Burnout durch eine Minderversorgung mit bestimmten Nährstoffen entstehen? Wie bereits angedeutet, gibt es hier verschiedene Szenarien.

  1. Es kann bereits eine Depressionsneigung bestanden haben und eine schlechte Nährstofflage ist aufgrund von Stress, häufig verschobenen Mahlzeiten, schnell herunter geschlungenem Fastfood, Süßigkeiten, Alkohol und stark industriell verarbeiteter Nahrung hinzukommen. In der Summe und im Zusammenwirken mit anderen Faktoren kann daraus ein Burnout entstehen.
  2. Die schlechte Nährstofflage kann bereits über lange Zeit erarbeitet worden sein. Oftmals wird schon im Elternhaus literweise Cola getrunken und nur Fastfood, Pizza, Döner und Co verzehrt. Die Versorgung mit frisch zubereitetem Gemüse entfällt in der modernen Convenience-Ernährung zunehmend. Ist man daran gewöhnt, wird man auch als Berufstätiger wenig gut essen. Regelmäßigkeit ist bei den hastig eingeschobenen Mahlzeiten meist nicht gegeben, wenn man ständig Überstunden schiebt. In Folge der langfristig andauernden Überlastung und der jahrelangen Minderversorgung mit bestimmten Vitalstoffen kann eine Depression eintreten, die mittel- bis langfristig zum Burnout führt. Hinzu kommt die erhöhte Toxinbelastung, die durch industriell verarbeitete Nahrung und andere Umstände unseres modernen Lebens in unserem Organismus vorhanden ist. Wir nehmen unbekannte Mengen Schwermetalle, Pestizide, Antibiotika, Weichmacher aus Plastik und Schadstoffe aus dem Grundwasser auf. Auch sie können dazu beitragen, dass Depressionen oder Erschöpfungszustände eintreten.
  3. Auch Stress und Mobbing können über Jahre zu einer Burnout Symptomatik mit Depressionsneigung führen. In Folge der psychischen Belastung isst man immer öfter Dinge, die eher Frustfutter als Lebensmittel sind. Stress baut Vitalstoffe wie Magnesium, Kalzium oder Vitamin C massiv ab. In der Nahrung fehlen zunehmend Vitalstoffe, die die Nerven oder das Herz schützen. Stattdessen werden Stresshormone ausgeschüttet und der Organismus muss seine lebenswichtigen Funktionen unter erhöhter Belastung ausführen. Auf Dauer kann er das nicht durchhalten. Wenn der Akku erst einmal leer ist, geht nichts mehr.

Der Schluss aus diesen beispielhaften Szenarien kann nur sei, das Vorhandensein einer Depression nicht zum Anlass von „Schema-F“-Diagnosen zu nehmen. Auch Sie als Verwandter, Kollege oder Freund eines Betroffenen sollten die Multikausalität der Verursachungskette anerkennen. Die Wissenschaft ist noch nicht weit genug, um diese neuen Erkenntnisse zum medizinischen Standard und Paradigma zu machen. Sie werden oft genug erleben, dass ein Diagnostiker von einer Depression spricht und die Behandlung entsprechend aufbaut. Angemessen wäre es aber, eine umfassende Diagnostik der Krankheitsverursacher vorzunehmen. In manchen Fällen kommen nämlich noch organische Erkrankungen mit ähnlichen Auswirkungen in Frage.


Burnout - Anteil der Krankschreibungen mit und ohne andere Diagnosen > Die vorliegende Statistik zeigt den Anteil der Krankschreibungen aufgrund von Burn-out mit und ohne andere Diagnosen im Jahr 2011. In diesem Jahr wurde bei rund 48,8 Prozent aller Burn-out-Krankschreibungen weitere psychische Erkrankungen diagnostiziert. (Quelle: Statista / AOK)
Burnout – Anteil der Krankschreibungen mit und ohne andere Diagnosen > Die vorliegende Statistik zeigt den Anteil der Krankschreibungen aufgrund von Burn-out mit und ohne andere Diagnosen im Jahr 2011. In diesem Jahr wurde bei rund 48,8 Prozent aller Burn-out-Krankschreibungen weitere psychische Erkrankungen diagnostiziert. (Quelle: Statista / AOK)

Burnout durch organische Erkrankungen

Können organische Erkrankungen zu Burnout-ähnlichen Symptomen führen? Sie können! Zunehmende Erschöpfung und ein gravierender Leistungseinbruch können beispielsweise durch

  • eine jahrelang unerkannte Schilddrüsen-Unterfunktion,
  • durch chronisch-rezidivierende Infektionen,
  • ein schlechtes Blutbild aufgrund einer Leberstörung oder
  • durch eine unerkannte Tumorerkrankung entstehen.

Liegt zusätzlich noch eine Depression vor, kommt man als Arzt schnell zu einem Schluss, der ein medizinischer Trugschluss sein kann.

Ohne spezielle Untersuchungen wie Ultraschall, Blutbild oder bildgebenden Verfahren kann man nicht nachweisen dass ein dem Burn-out ähnliches Erschöpfungssyndrom durch organische Verursacher vorliegt. Nicht zu verwechseln ist dieses mit dem Chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS).

Bevor nicht all diese Aspekte differentialdiagnostisch abgeklärt wurden, sollten sich Betroffene und Helfer nicht zufrieden gegen.

Helfen kann man dem Betroffenen nur dann, wenn man seinen Zustand in allen Einzelheiten versteht, ihn angemessen behandelt weiß und eine Besserung sinnvoll unterstützen kann. Ist die Burn-out Problematik allein durch eine Depression in Verbindung mit langfristiger Überforderung entstanden, kann man andere Dinge zum Heilungsprozess beitragen als wenn ein organisches Leiden vorliegt oder komplexe Nährstoffdefizite die Überforderung ausgelöst, zumindest aber verschlimmert haben.

 

Die Akutstufe: der voll eingetretene Burnout

Ein Zusammenbruch, wie er beim Burnout typisch ist, kann für einen Außenstehenden schockierende Dimensionen haben. Während es dem Betroffenen an sich schon extrem schlecht geht, wissen wir als Angehörige auch nicht so recht, was wir jetzt machen sollen, wie wir damit umgehen sollen und welche Art von Hilfe jetzt sinnvoll ist, nötig ist oder besser auch erst einmal unterlassen werden sollte.

Burnout Symptome | Erschöpfung, Verzweiflung, depressive Stimmung sind typische Symptome des Burn-out-Syndroms (© sad dogg design - Fotolia)
Burnout Symptome | Erschöpfung, Verzweiflung, depressive Stimmung sind typische Symptome des Burn-out-Syndroms (© sad dogg design – Fotolia)

Der Zusammenbruch: So habe ich Dich noch nie erlebt!

Man kennt den Menschen, der einem vertraut war, plötzlich kaum noch. Dabei hat sich der Prozess bis zu diesem Punkt schleichend und für Sie durchaus sichtbar und spürbar entwickelt. Vieles am scheinbaren Zerfall Ihres Freundes oder Verlobten wurde aber auch übertüncht.

  • Der abendliche Wein zu viel wurde mit zu viel Stress schön geredet.
  • Der Betroffene kapselte sich zunehmend ab, wurde schweigsamer oder kam nicht mehr mit zu Freundestreffen.
  • Er war mürrisch, schien schlechter gelaunt zu sein und wirkte oft deprimiert. Über seine Schlafstörungen und Grübelattacken sprach er vielleicht nie.
  • Das stundenlange Herzrasen oder die alles überschattende geistige Erschöpfung ließ er erst recht unerwähnt.

Trotzdem haben Sie vielleicht versucht, ihn aus seinem Tal herauszuholen. Möglicherweise waren die gewählten Mittel nicht richtig oder der Betroffene konnte Ihre sachgerechten Kommentare nicht zum Ausstieg aus dem Hamsterrad nutzen.

Was nun, was tun? – Ohne professionelle Hilfe geht’s nicht.

Ist die Akutstufe des Burnout-Syndrom bereits eingetreten, sind

  • medizinische Ursachenforschung,
  • umfassende Diagnostik und
  • angemessene Behandlung

unbedingt notwendig. Ist es bereits soweit gekommen, überlassen sie zunächst den Ärzten das Feld und bieten erst anschließend Hilfe an.

Hätte ich doch… oder kann ich auch jetzt noch… (helfen)?

Im Vorfeld der Akutstufe hätten Sie aber einiges tun können. Aber hilft das jetzt weiter? Ja, denn vieles hilft auch noch danach bzw. während der durch Mediziner initiierten Behandlung(en):

  • Ein ernsthaftes Gespräch unter Freunden kann manchmal Wunder wirken. Es muss allerdings zur rechten Zeit geführt werden – wenn der Betroffene und Burn-out-Gefährdete noch zugänglich ist.Vorwürfe sind fehl am Platze. Stattdessen sind eigene Beobachtungen und mögliche eigene Erfahrungen mit akuten Stress-Situationen oder langfristigen Belastungssituationen hilfreich. Dadurch fühlt der andere sich verstanden und versteht, dass er mit seinen Nöten nicht allein ist.
  • Hören Sie intensiv zu, animieren Sie den Burn-out-Gefährdeten, seine wahren Gefühle zu zeigen. Dazu muss er darauf vertrauen können, nicht ausgelacht oder wegen seiner Überforderung verspottet zu werden.Nehmen Sie seine Ängste, körperlichen Symptome, Ohnmachtsgefühle oder Enttäuschungen bewusst wahr. Vermutlich haben sich solche Emotionen im Laufe der Zeit angestaut und müssen sich einmal Luft machen.Interveniert man bei jedem Satz, ist das Gespräch bald beendet. Filtern Sie lieber die wichtigen Aussagen heraus und bestätigen Sie diese mit einem Satz wie „Du fühlst durch also überlastet, weil Deine Kollegen alles auf Dich abwälzen.“ Das gibt Ihrem Gegenüber die Möglichkeit, die Aussage näher zu erklären. Der Betroffene spürt Ihr Interesse.
  • Setzen Sie gegen dieses Jammertal auch die Frage nach persönlichen Erfolgen, um die einseitig gewordene Sichtweise des Betroffenen zu relativieren. Schildern Sie seine positiven Eigenschaften und Stärken aus Ihrer Sicht. Mancher vergisst im „Mustopf“ der Überforderung, dass er Kompetenzen hat (siehe auch soziale Kompetenzen) und beachtenswerte Leistungen erbracht hat. Übertreiben Sie nichts, bleiben Sie bei der Realität. Einem Burn-out-Betroffenen ist nicht damit geholfen, wenn Sie seine Eigenschaften und Kenntnisse überzeichnen.Mittlerweile können ihm seine Probleme unüberwindbar groß vorkommen und er kann am Rande dessen sein, was er ertragen kann. Den Blick gelegentlich auf seine Fähigkeiten und Erfolge zu richten, erinnert ihn daran, dass er kein Versager ist.
  • Zu viele gute Ratschläge oder Hilfsangebote überfordern einen Menschen mit Burnout-Syndrom. Er ist mittlerweile vielleicht schon nicht mehr in der Lage, Ihnen zu folgen. Stellen Ihre Hilfsangebote weiteren Stress und weitere Konflikte her, sind sie als kontraproduktiv anzusehen. Auch die Konzentration und Zeit zum Lesen wichtiger Bücher zum Thema ist oft nicht mehr da.
    Bevor der Betroffene zusammenbricht, sind Zuhören und Verständnis wichtiger als alles andere. Auch dadurch kann ein Betroffener die Dimension seiner eigenen Probleme erkennen. Solange ein Ausgebrannter seine Probleme vor sich selbst leugnet, können Sie ohnehin nicht allzu viel tun. Ein Workaholic muss spüren lernen, wo seine Grenzen sind. Gegebenenfalls muss sein Körper sie ihm aufzeigen.
  • Machen Sie Ihrem gestressten Freund oder Verwandten Mut, schon vor dem drohenden Zusammenbruch eine Auszeit zu nehmen, deutlich weniger zu arbeiten, Tätigkeiten zu delegieren oder Überstunden abzubummeln.
    Ständige Belastungen und ständiger Stress führen dazu, dass man keine Energietankstelle mehr findet. Die Kurzzeiterholung am Wochenende reicht gerade aus, um die nächste Stunde zu überstehen, aber man hat keine echten Energiereserven mehr.Der Kopf ist nicht mehr frei, die Seele schwingt nicht mehr. Das geschwundene Lebensgefühl und die Kraft, Entscheidungen zu treffen, findet man nur, wenn man sich einige Zeit aus dem Hamsterrad beurlaubt. Oft erkennt man erst dann, wohin man sich gebracht hat.
  • Einfach da zu sein und den Betroffenen in seiner Isolation und Überforderung nicht allein zu lassen, ist der beste Dienst, den man einem ausgebrannten Verwandten oder Freund anbieten kann.
  • Ob Ihr Gegenüber in diesem Moment zu Verstehen oder Dankbarkeit in der Lage ist, ist kaum zu sagen. Die Gefühlslage eines Burnout-Kandidaten kann nicht mehr als ’normal‘ angesehen werden. Er ist zu sehr in seiner Situation verstrickt, um noch den Überblick zu haben. Umso wichtiger ist es, dass Sie ihn behalten.

Beim obigen Text handelt es sich um einen Auszug aus dem eBook „Burnout – Das Buch für Angehörige“, erhältlich bei Amazon für den Kindle eBook-Reader sowie die Kindle Apps für alle gängigen Smartphones und Tablets.


 

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