Anpassungsstörung / Anpassungsstörungen erklärt (© thingamajiggs / Fotolia)

Anpassungsstörung (psychisch)

Was genau sind Anpassungsstörungen, wie erfolgt die Behandlung?

Wir leben in hektischen Zeiten. „Sich an neue Situationen und Umstände anpassen zu können“ ist daher eine Fähigkeit, ohne die man dem Alltag schnell nicht mehr gewachsen ist. Wenn sich mangelnde Anpassungsfähigkeit nicht nur vorübergehend zeigt, sondern der Betroffene darunter in einer Lebenskrise dauerhaft leidet und Ängste entwickelt, dann kann eine ernstzunehmende und in ihrer Häufigkeit zunehmende behandlungsbedürftige Anpassungsstörung vorliegen.

Was sind Anpassungsstörungen?

Eine Anpassungsstörung ist eine Reaktion auf bestimmte Lebensereignisse, die eine Lebenskrise beim Betroffenen auslösen. Sie entsteht, wenn Menschen sich an eine neue Lebenssituation über längere Zeit nicht adäquat anpassen können. In dieser für sie ausweglosen Lage leiden die Betroffenen unter Angstzuständen, Erschöpfung, Schlafstörungen, fühlen sich bedrängt und ziehen sich häufig von anderen zurück. Man spricht auch von depressiver Anpassungsstörung, da durch ein bestimmtes Ereignis bei den Betroffenen ein depressiver Zustand hervorgerufen wird.

Ob und wie stark die Krankheit auftritt und wie ihr Verlauf ist hängt von individuellen Faktoren ab, etwa von der generellen Belastbarkeit und der Fähigkeit, Probleme zu bewältigen. Manche Menschen haben im Leben Strategien entwickelt, um erfolgreich mit schwierigen Lebenssituationen umzugehen und entwickeln daher seltener eine Depression. Entscheidend ist zudem, wie die Betroffenen das Erlebnis bewerten und behandeln. Manche eher ängstliche Menschen fühlen sich schneller bedroht und überfordert. Außerdem kommt es darauf an, wie stark und wie lang das belastende Ereignisse auf das Leben des Betroffenen einwirkt und in welchem Umfeld er lebt. Befindet sich der Betroffene in stabilen familiären Verhältnissen steigert dies das Wohlbefinden und beugt Depressionen und anhaltender Erschöpfung vor.

Symptome und Anzeichen einer Anpassungsstörung

Im Laufe seines Lebens ist jeder Mensch einigen belastenden Ereignissen und Erlebnissen sowie Enttäuschungen ausgesetzt, die er auch bewältigen und verarbeiten kann, ohne an einer Depression zu erkranken. Ab und an auftretende Gefühle von Trauer, Wut, Ärger, Betroffenheit und Hilflosigkeit sowie Angst auf, die durch Belastungssituationen oder Schicksalsschläge ausgelöst werden. Damit beispielsweise einhergehende Schlafstörungen sind üblich. Im Einzelfall kann es daher schwierig sein, eine noch normale Reaktion oder eine leichte Form von Burnout von einer beginnenden depressiven Anpassungsstörung zu unterscheiden.

Ein guter Indikator zur Diagnose einer depressiven Anpassungsstörung ist die Dauer und die Stärke der auftretenden Beeinträchtigungen.. Ob und wann man tatsächlich therapeutische Hilfe benötigt, kann am besten ein Therapeut in einerm persönlichen Gespräch beurteilen.

Die Kriterien zur Diagnose nach ICD 10 lauten:

  • Identifizierbare psychosoziale Belastung von einem nicht außergewöhnlichen oder katastrophalen Ausmaß
  • Beginn der Symptome innerhalb eines Monats nach Auftreten der Belastung
  • Symptome und Verhaltensstörungen unterschiedlicher Dauer und Schwere wie sie bei anderen Störungen vorkommen, ohne dass jedoch die Kriterien der einzelnen Störungen erfüllt werden
  • Dauer der Symptome nicht länger als 6 Monate (bei längeren depressiven Reaktionen nicht länger als 2 Jahre) nach Ende der Belastung oder deren Folgen.
Diagnose / Test auf Anpassungsstörung erfolgt in der Regel nach den Kriterien des sogenannten ICD 10 Katalogs; dort findet man Anpassungsstörungen in der Rubrik F43.2 (Screenshot icd-code.de vom 26.06.2017)
Diagnose / Test auf Anpassungsstörung erfolgt in der Regel nach den Kriterien des sogenannten ICD 10 Katalogs; dort findet man Anpassungsstörungen in der Rubrik F43.2 (Screenshot icd-code.de vom 26.06.2017)

Bezogen auf das vorherrschende Symptome werden gemäß ICD 10 sogenannte Untertypen der depressiven Anpassungsstörung (nach F-Diagnose F 43.2) unterschieden und in verschiedene F-Diagnosen unterteilt:

  • Kurze depressive Reaktion
  • Längere depressive Reaktion, mit bis zu zwei Jahren Dauer (F 43.21)
  • Angst und depressive Reaktion gemischt (F 43.22)
  • Mit vorherrschender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen (F 43.23)
  • Mit vorherrschender Störung des Sozialverhaltens
  • Mit Störung von Gefühlen und Sozialverhalten
  • Mit sonstigen genannten Anzeichen.

Diagnose laut DSM IV

Im Gegensatz zu ICD 10 werden im DSM IV die Anpassungsstörungen als eigenständige Diagnosegruppe aufgeführt (während sie in ICD 10 zusammen mit akuten Belastungsreaktionen und posttraumatischen Belastungsstörungen geführt werden) (vgl. posttraumatische Störung). Auch kann das Beschwerdebild im DSM IV innerhalb von drei (und nicht nur einem) Monaten auftreten. Und schließlich wird hier ein deutlicher Leidensdruck mit einer bedeutsamen Beeinträchtigung des sozialen oder beruflichen Funktionsniveaus gefordert. Außerdem wird ausdrücklich auf die Abgrenzung von einer einfachen Trauer bestanden, um zur Diagnose Anpassungsstörung zu gelangen.

Zur Häufigkeit der Anpassungsstörung in der Allgemeinbevölkerung gibt es nur wenige empirische (wissenschaftliche abgesicherte Erfahrungs-)Daten. Und dort, wo man dieses Thema näher zu behandeln versucht, spricht man von 0,3% (ICD 10 Kriterien) bzw. 0,5% (DSM IV Kriterien).

Anpassungsstörungen werden im englischsprachigen Raum unter dem Begriff "Adjustment Disorder" zusammengefasst (© hafakot / Fotolia)
Anpassungsstörungen werden im englischsprachigen Raum unter dem Begriff „Adjustment Disorder“ zusammengefasst (© hafakot / Fotolia)

Komorbiditäten

Anpassungsstörungen können nicht nur isoliert, sondern auch im Zusammenhang mit somatischen Krankheiten auftreten (vgl. auch Somatisierung Erklärung). Häufig sind sie unmittelbare Begleiter von Krebserkrankungen, Diabetes, Niereninsuffizienz mit Dialyse oder sie treten nach einem Herzinfarkt auf. Alle diese Krankheiten zeichnen sich dadurch aus, dass sie das Leben der Betroffenen einschneidend verändern und der Betroffene in der Folge Probleme haben kann, sich der neuen Situation anzupassen.

Halten Anpassungsstörungen so lange an, dass sie eine immer größere Belastung für den Betroffenen darstellen, können begleitend auch Suchterkrankungen, Depressionen und Angsterkrankungen sowie Burnout auftreten. In diesem Fall ist besonders auf eine ganzheitliche Behandlung aller parallel auftretenden Krankheiten zu achten.

Ursachen von Anpassungsstörungen

Schon der Begriff „Anpassungs-Störungen“ legt nahe, dass sich hier ein Mensch an etwas nicht anzupassen vermag, sei es seelischer, körperlicher oder psychosozialer Ursache. Ohne ein bestimmtes belastendes Ereignis würde die Anpassungsstörung daher nicht auftreten. Die Ursachen können vielfältig sein, etwa

  • familiäre oder berufliche Konflikte,
  • verbunden mit Burnout,
  • oder Probleme wie Trennungen und Scheidungen,
  • Geldsorgen,
  • Todesfälle im näheren Umfeld (siehe auch: Angst vorm Tod),
  • Arbeitsplatzverlust,
  • Unfälle,
  • Krankheiten,
  • die Geburt eines Kindes verbunden mit Wochenbettdepression oder
  • das Eingewöhnen in einer neuen Umgebung nach einem Umzug.

Gemeinsam haben diese Faktoren, dass sie oft in einschneidender Weise das Leben von Betroffenen verändern. Gerade wenn viele solcher prägenden Erlebnisse in zeitlich engem Zusammenhang auftreten, kann aus anfänglicher Überforderung oder einem leichten Burnout schnell eine Anpassungsstörung werden.

Mögliche Therapie und Ansätze zur Behandlung und Heilung

Bei einer leichten Anpassungsstörung kann bereits die Unterstützung durch Freunde und Familie helfen und zur Behandlung ausreichen. Durch einfühlsame Gespräche und hilfreiche Tipps kann man die Selbstheilungskräfte des Betroffenen anregen. Aber wenn die Symptome lange anhalten oder besonders stark sind, hilft oft nur noch eine Psychotherapie zum Behandeln der Anpassungsstörung. Mitunter ist eine bereits Kurzzeittherapie ausreichend.

Behandeln und Heilung via Psychotherapie

In der Psychotherapie haben sich als wirksame Behandlungsmethoden vor allem die Gesprächstherapie und die kognitive Verhaltenstherapie bewährt.

  • In der Gesprächstherapie konzentriert sich alles auf eine gute (Kommunikations-)Beziehung zwischen Patient und Therapeut, um die Anpassungsstörung zu behandeln. Der Therapeut bemüht sich, im Rahmen der durch Gespräche erfolgenden Psychotherapie um eine angenehme Atmosphäre, in dem sich der Patient öffnen und über seine Ängste reden kann. Dieses sich-Öffnen, das professionelle Besprechen der psychischen Belastungen, das gemeinsame Analysieren potentieller Ursachen und Erklärungsansätze etc. kann vielen Betroffenen sehr helfen – insbesondere wenn im Umfeld keine ausreichend kompetenten und/oder gewillten Helfer sind.
  • Die spezielle Form der kognitiven Verhaltenstherapie konzentriert sich darauf, wie der Betroffene mit seinem Leben besser umgehen kann. Er soll neues Verhalten ausprobieren und erlernen, um seine Probleme inkl. zu bewältigender Angst zu überwinden. Wichtig ist auch, dass der Patient wieder in ein beständiges soziales Umfeld integriert wird. So kann Schritt für Schritt eine vollständige Heilung des Patienten erreicht werden.
Man hat die ICD Diagnose F43/2 bekommen. Doch wie lässt sich eine solche Anpassungsstörung behandeln? Die Website dieser Klinikgruppe listet als Beispiel für die Behandlung eine Patientengeschichte mit Behandlungsplan auf (Screensshot dbkg.de/behandlungsangebot/behandlungsbeispiele/anpassungsstoerung vom 26.06.2017)
Man hat die ICD Diagnose F43/2 bekommen. Doch wie lässt sich eine solche Anpassungsstörung behandeln? Die Website dieser Klinikgruppe listet als Beispiel für die Behandlung eine Patientengeschichte mit Behandlungsplan auf (Screensshot dbkg.de/behandlungsangebot/behandlungsbeispiele/anpassungsstoerung vom 26.06.2017)

Medikamentöse Hilfen

  • Bei schwerem Verlauf werden zusätzlich zur Psychotherapie Antidepressiva wie zum Beispiel Fluoxetin verabreicht. Wenn der Wunsch nach pflanzlichen Antidepressiva besteht, kann auch Johanniskraut verabreicht werden. Johanniskraut hilft als leichtes Antidepressivum bei allen Arten von depressiven Störungen (vgl. Mittel wie Laif 900 Balance und Neuroplant).
  • Neben diesen klassischen Möglichkeiten der Therapie kann zur Behandlung und Selbsthilfe auch Sport und Bewegung, das Ausüben von Hobbys, Entspannung durch Yoga und Meditation sowie die sogenannte Achtsamkeitsbasierte Therapie hilfreich sein und zur Besserung der Symptome bis hin zur vollständigen Heilung beitragen.

Was hilft sonst zum Behandeln?

Auch Berichte von Betroffenen und ihre Tipps zu richtigem Verhalten (etwa unter https://www.youtube.com/watch?v=MZVsHHp80Jg) können zur Selbsthilfe beitragen und dazu motivieren, sich nötigenfalls professionell behandeln zu lassen, etwa in einer Tagesklinik, um die Krankheit zu überwinden.

Nach der Diagnose einer Anpassungsstörung gibt es unter Zuhilfenahme der verschiedenen Behandlungsmethoden somit gute Aussichten auf Heilung und eine erfolgreiche Therapie.

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