Klaustrophobie | Wenn Enge zur Angst wird; Claustrophobia; klaustrophobische Ängste (© Gina Sanders / Fotolia)

Klaustrophobie: Wenn Enge zur Angst wird

Menschen, die unter einer Klaustrophobie leiden, können es nicht oder nur schwerlich ertragen, in geschlossenen, engen oder überfüllten Räumen zu sein. Ob im Flugzeug, im Bus, in der U-Bahn, im Kino, im Kaufhaus oder im Fahrstuhl – klaustrophobische Ängste können in vielen Situationen auftreten und das zuweilen ganz plötzlich.

Sie sind im alltäglichen Leben weit verbreitet. Es wird angenommen, dass etwa fünf bis acht Prozent der Bevölkerung mit klaustrophobischen Angstzuständen unterschiedlichster Ausprägungen zu kämpfen haben, wobei doppelt so viele Frauen betroffen sind. Doch die gute Nachricht hierbei ist: Betroffene können eine Klaustrophobie mit der richtigen Therapie gut bekämpfen!

Klaustrophobie: Definition und Abgrenzung

Die Klaustrophobie (Englisch: Claustrophobia) gehört zu den sogenannten spezifischen (isolierten) Phobien, worunter weder angemessene noch innerhalb eines normalen Maßes liegende Ängste zu verstehen sind, welche durch bestimmte Auslöser entstehen. Etymologisch ist der Begriff zusammengesetzt aus dem lateinischen Wort „claustrum“, welches mit Verschluss, Sperre, Riegel übersetzt werden kann, sowie aus dem griechischen Wort für Furcht – „phobos“.

Per Definition ist die Klaustrophobie also eine Angst vor verschlossenen Räumen und Enge bzw. eine Furcht davor, eingesperrt zu sein.

Klaustrophobische Ängste können im Rahmen einer sogenannten Agoraphobie (von griech. „agora“, der Marktplatz) auftreten. Hierbei befürchten Betroffene, dass ihnen in gewissen Situationen bzw. an bestimmten Orten keine Fluchtmöglichkeiten zur Verfügung stehen, falls sie eine klaustrophobische Panikattacke haben oder aber, dass sie in einem solchen Fall keine Hilfe bekommen. Diese Phobien treten in aller Regel auf größeren, öffentlichen Plätzen, auf Reisen oder in einer großen Menschenmenge auf. Allerdings können sie ebenfalls enge Räumlichkeiten betreffen, weshalb Klaustrophobien auch in das Krankheitsbild einer Agoraphobie fallen könnten.

Dennoch ist der Begriff der Klaustrophobie (Claustrophobia) unbedingt von der im Volksmund häufig dafür synonym verwendeten Bezeichnung der Platzangst abzugrenzen. Denn nach wissenschaftlicher(er) Definition gilt im Gegensatz zur allgemeinen Umgangssprache: wer unter Platzangst leidet, der fürchtet sich vor weiten Plätzen. Bei Klaustrophobikern hingegen werden die Ängste durch den Aufenthalt in engen, geschlossenen Räumen geschürt, weshalb hierfür der Begriff der Raumangst treffender ist. Die Platzangst stellt das genaue Gegenteil von Klaustrophobie dar – nur wird das im Alltag eher nicht so sprachlich genutzt.

Claustrophobia | Platzangst / Klaustrophobie ist ein häufig anzutreffendes Phänomen. Doch wie bekämpfen, wie behandeln, wie überwinden? (© marcinmaslowski / Fotolia)
Claustrophobia | Platzangst / Klaustrophobie ist ein häufig anzutreffendes Phänomen. Doch wie bekämpfen, wie behandeln, wie überwinden? (© marcinmaslowski / Fotolia)

Auslöser klaustrophobischer Panikattacken

Eine klaustrophobische Panikattacke kann je nach Ausprägung der Phobie sowie je nach Ursache für die Angststörung unterschiedliche Auslöser haben. Während etwa manche Betroffene „lediglich“ in einem Fahrstuhl Angst haben, können andere den Aufenthalt in sämtlichen geschlossenen oder engen Räumlichkeiten nicht ertragen.

Erkrankte können also in verschiedensten Situationen plötzlich eine Klaustrophobie bzw. allgemein Ängste entwickeln, vor allem beim Aufenthalt in:

  • Flugzeug, Bus, Zug, U-Bahn oder Straßenbahn
  • geschlossenen, engen Räumen
  • Räumlichkeiten mit einer großen Menschenmenge
  • Kinosaal, Oper oder Theater
  • Aufzügen
  • Umkleidekabinen
  • Autos
  • öffentlichen Toiletten

Für manch einen Klaustrophobiker gleichen auch bestimmte ärztliche Untersuchungen einem wahren Alptraum. So gibt es für viele nichts schlimmeres, als in die „Röhre“ zu müssen. Gemeint ist die Magnetresonanztomographie (MRT), bei welcher Patienten in der Regel mehrere Minuten lang in dem engen Tomographen verharren müssen. Menschen mit klaustrophobischen Ängsten schaffen es oftmals nicht, die MRT durchzustehen. Für diese gibt es allerdings die Option, die MRT-Untersuchung mit einem Mittel zur Beruhigung durchführen zu lassen (vgl. hierzu auch Beruhigungstabletten vs. pflanzliche Beruhigungsmittel). Darüber hinaus sind viele Arztpraxen mittlerweile auch mit solchen Magnetresonanztomographen ausgestattet, die seitlich offen sind und die Patienten somit nicht allzu einengen.

MRT Platzangst | Die Vorstellung, für eine medizinische Untersuchung in irgendeine Art "Scanner" / "Röhre" o.ä. zu müssen, ist für viele Klaustrophobiker die Hölle. Entsprechend tauchen erste Panik-Symptome schon beim Gedanken an Begriffe wie CT, MRT u.ä. auf (© emirko / Fotolia)
MRT Platzangst | Die Vorstellung, für eine medizinische Untersuchung in irgendeine Art „Scanner“ / „Röhre“ o.ä. zu müssen, ist für viele Klaustrophobiker die Hölle. Entsprechend tauchen erste Panik-Symptome schon beim Gedanken an Begriffe wie CT, MRT u.ä. auf (© emirko / Fotolia)

Klaustrophobische Ängste: Das sind die Symptome

Ebenso vielfältig wie die Auslöser sind die Symptome klaustrophobischer Angstzustände. Neben einem psychischen Unwohlsein und Angst- bzw. Panikgedanken treten nicht selten auch überaus starke körperliche Reaktionen auf. Hierzu zählen beispielsweise:

  • Herzklopfen, Herzrasen
  • Engegefühl in der Brust
  • Zittern
  • Schweißausbrüche
  • Übelkeit
  • Atemnot
  • Ohnmachtsgefühle
  • Harn- und Stuhldrang

Klaustrophobiker haben eine ständige Angst davor, in bestimmten Situationen die Kontrolle zu verlieren. Sie glauben, zu ersticken, zu sterben, verrückt oder ohnmächtig zu werden. Und deshalb wollen Betroffene nur eines: So schnell wie möglich aus der Situation entkommen.

Die Klaustrophobie Symptome können allerdings genauso außerhalb der eigentlichen brenzligen Situation auftreten. Häufig müssen Betroffene nur daran denken, zum Beispiel mit dem Fahrstuhl zu fahren oder ein Bild von einem engen Raum sehen und schon verfallen sie in Panik.

Vier Frauen im engen Fahrstuhl - klaustrophobische Angstzustände? (© eyeQ / Fotolia)
Vier Frauen im engen Fahrstuhl – klaustrophobische Angstzustände? (© eyeQ / Fotolia)

Wie für sämtliche Phobien ist es genauso für die Claustrophobia typisch, dass Erkrankte ein Vermeidungsverhalten zeigen (siehe Vermeidungsverhalten Definition). Aus Angst vor einem bestimmten Umstand meidet der Klaustrophobiker diesen. So nimmt er keinen Bus oder keine Bahn mehr aus Furcht vor der Enge oder er schiebt die MRT-Untersuchung immer weiter vor sich her, weil er den Aufenthalt in dem Gerät fürchtet. Dieses Vermeidungsverhalten kann sich im Laufe der Zeit auf immer mehr Situationen einstellen, sodass das alltägliche Leben der Betroffenen teils drastisch eingeschränkt sein kann.

Mögliche Klaustrophobie Ursachen

In der Regel gibt es keinen alleinigen Grund für eine klaustrophobische Angststörung. Vielmehr kommen mehrere Klaustrophobie Ursachen zusammen, wobei die wichtigsten sind:

  • Genetische Disposition: Einige Forscher gehen davon aus, dass nur solche Menschen Phobien, wie Platzangst oder Raumangst entwickeln, wenn sie dafür besonders anfällig sind. Folglich spielt auch eine individuelle Komponente für die Entstehung von Angststörungen eine Rolle. Es wird vermutet, dass bei Angstpatienten das autonome Nervensystem, welches einzelne Organfunktionen kontrolliert sowie reguliert, bereits von Geburt an leicht erregbar und labil ist. Dadurch empfinden diese sehr schnell Ängste. Ebenso scheint das für die Gefühlsverarbeitung wichtige limbische System im Gehirn bei Klaustrophobikern anders ausgeprägt zu sein, als bei nicht-ängstlichen Menschen.
  • Psychischer Stress: Gerät die Psyche unter starken und/oder anhaltenden Stress, kann dies in Form einer Raumangst oder ebenso einer Platzangst zum Vorschein treten. Auch eine schwere Erkrankung oder der Tod eines geliebten Menschen sowie eine Trennung oder der Arbeitsplatzverlust können zuweilen plötzlich eine Klaustrophobie auslösen.
  • Überbehütete Kindheit: Besonders anfällig für eine Raumangst sind zudem Menschen, deren Eltern in ihrer Kindheit zu ängstlich und übertrieben sicherheitsbedacht mit ihnen umgegangen sind. Sie haben nämlich oftmals nicht gelernt, in belastenden Situationen Verantwortung zu übernehmen und diese allein erfolgreich zu überwinden.
  • Traumatische Erfahrungen: Zum einen kann ein bedrohliches Engegefühl stark traumatisieren, wenn ein Betroffener etwa in einem Fahrstuhl steckenbleibt oder nach einem Unfall für längere Zeit im Fahrzeug eingesperrt ist. Zum anderen kann auch eine bestimmte belastende Erfahrung, welche mit einem engen Raum verknüpft ist, von der Psyche auf ebendiesen übertragen werden.
Platzangst, Raumangst, Klaustrophobie | Die Symptome sind relativ klar bzw. bei allen Betroffenen sehr ähnlich, die genauen Ursachen bleiben jedoch auch heute noch weitestgehend unklar. Die Therapie / Behandlung ist entsprechend herausfordernd. (© Tatyana / Fotolia)
Platzangst, Raumangst, Klaustrophobie | Die Symptome sind relativ klar bzw. bei allen Betroffenen sehr ähnlich, die genauen Ursachen bleiben jedoch auch heute noch weitestgehend unklar. Die Therapie / Behandlung ist entsprechend herausfordernd. (© Tatyana / Fotolia)

Diagnose: So diagnostiziert der Arzt „Claustrophobia“

Zunächst muss der Arzt beim Verdacht auf eine Raumangst / „Platzangst“ seine Diagnose sichern. Dazu befragt er den Patienten zu seinen

  • Beschwerden (Symptomen),
  • wann sie auftreten und
  • ob die Angstzustände an ganz bestimmte Objekte oder Situationen gebunden sind. Darüber hinaus ist für den behandelnden Arzt wichtig, zu erfahren,
  • wie lange die Symptome anhalten und
  • wie stark diese sind.

Anhand dieser Informationen ist es dem Experten möglich, herauszufinden, ob der Patient an einer „echten“ (pathologischen) Klaustrophobie leidet oder ob nicht doch eine andere Erkrankung, wie etwa eine Agoraphobie bzw. Platzangst ursächlich ist.

Da Symptome wie Herzrasen, Schweißausbrüche und Zittern, die für eine Angststörung typisch sind, ebenfalls bei unterschiedlichen körperlichen Krankheiten auftreten können, muss der Patient auch körperlich untersucht werden. Denn nur so kann der Arzt ausschließen, dass organische Ursachen, wie beispielsweise eine Schilddrüsenüberfunktion, den Beschwerden zugrunde liegen. In der Regel werden deshalb verschiedene Laborwerte bestimmt sowie ein EKG erstellt.


Klaustrophobie Behandlung und Prognose

So bedrohlich die unerklärbaren und ungreifbaren Angstzustände bei einer Klaustrophobie sowie einer Platzangst sein mögen, das Gute daran ist: Diese Angststörungen lassen sich gut behandeln und überwinden. Je früher dabei die Therapie anfängt, desto besser ist die Aussicht, die Erkrankungen gänzlich bekämpfen zu können. Schließlich betragen die Chancen auf Heilung dann bis zu 80 Prozent. Für die Klaustrophobie Behandlung gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Medikamentöse Behandlung: Insbesondere zu Beginn einer Therapie können bestimmte Medikamente den Patienten entlasten. So unterdrücken etwa einige Antidepressiva Ängste. Die medikamentöse Behandlung sollte allerdings lediglich eine vorübergehende Maßnahme sein. Denn Medikamente können das Grundproblem nicht dauerhaft lösen und somit keine Heilung hervorrufen (siehe auch: medikamentöse Behandlung von Angststörungen).
  • Psychodynamische Psychotherapie: Bei diesem Therapieansatz findet der betroffene Patient im Gespräch mit einem Psychotherapeuten heraus, welche Erfahrungen und Ängste aus der Vergangenheit für seine Phobie verantwortlich sein könnten. Diese kann er sodann mit Unterstützung seines Therapeuten aufarbeiten, womit im besten Fall auch die Anzeichen seiner Platzangst bzw. Klaustrophobie verschwinden.
  • Verhaltenstherapie: Hierbei wird der Klaustrophobiker gesteuert vom Therapeuten Stück für Stück mit den angstauslösenden Situationen konfrontiert. Ziel der Therapie ist es, dass der Betroffene lernt, dass er nicht ersticken oder sterben muss, wenn er zum Beispiel einen Fahrstuhl betritt. Mit jedem Mal verringert sich die Angst und das so lange, bis irgendwann die Vernunft siegt.
  • Hypnose: Eine beliebte und häufig eingesetzte Behandlungsmethode bei einer Klaustrophobie ist die Hypnose, bei der die Ursachen für die Angststörung ans Tageslicht gebracht werden. Problematisch ist hieran nur, dass sich nicht jeder auf eine Hypnose einlassen kann (siehe auch unseren Artikel zu Angst & Hypnose). Zudem sollte stets der Therapeut grünes Licht für diese Maßnahme geben.
  • Homöopathie und Schüssler Salze: Klaustrophobische Ängste lassen sich  – so glauben und berichten zumindest manche Betroffene – auch mit Hilfe der Homöopathie überwinden, wobei die Auswahl der homöopathischen Mittel (unter anderem Natrium muriaticum, Aconitum sowie Arnica) unbedingt durch einen seriösen Homöopathen erfolgen sollte. Auch bestimmte Schüssler Salze wie Kalium sulfuricum D6, Kalium phosphoricum D6 oder Magnesium phosphoricum D6 können unterstützend wirken. In puncto Schüssler Salze sollten sich Betroffene ebenfalls gut von Heilpraktikern beraten lassen; hier auch ein umfassendes eBook über Schüssler Salze).
  • Angstzustände selbst behandeln: Je nach Ausprägung der Phobie und Stärke der Betroffenen, können Klaustrophobiker ihre Angst durchaus selbst behandeln. Oftmals hilft es beispielsweise schon, sich den Ängsten bewusst auszusetzen und mit anderen Menschen darüber zu reden. Auf diese Weise gelingt es ihnen, die Klaustrophobie zu überwinden und sie können sie auf Dauer loswerden.

Quellen und weiterführende Ressourcen rund um Symptome, Ursachen und Behandlung von Klaustrophobie / Platzangst / Raumangst

Ängste, Phobien, Panikattacken > Angststörungen und Angsterkrankungen behandeln