Neurasthenie - Ursachen, Symptome, Behandlung, Dauer (© hikrcn / Fotolia)

Neurasthenie nach ICD 10 ► Ursachen, Symptome, Behandlung

Nervenschwäche, Müdigkeit, Erschöpfung?

Neurasthenie bezeichnet eine Nervenschwäche oder eine Überreizung der Nerven entsprechend ICD 10 (F48.0). Das Hauptsymptom ist die Ermüdung oder Erschöpfung, meist nach verhältnismäßig geringem Aufwand. Diese kann in zwei verschiedenen, sich aber durchaus auch überschneidenden Hauptformen auftreten.

  • Bei der geistigen Ermüdung treten Müdigkeit oder Erschöpfung bei oder nach geistigen Tätigkeiten auf. Diese kommen meist auch in Form von Konzentrationsschwäche und ineffektivem Denken vor, was zu zu einer verminderten Arbeitsleistung führen kann. Auch die Bewältigung des Alltags kann darunter leiden.
  • Bei der anderen Form liegt der gefühlte Fokus auf dem Körperlichen. Die Ermüdung tritt als körperliche Schwäche auf.

Die Formen können kulturell unterschiedlich ausfallen.

Quellen > ICD 10:

Abgrenzung Neurasthenie // Burn out

Die genaue Definition der Neurasthenie ist allerdings schwierig, da sie kaum oder nur sehr schwer von dem Burn out und dem Erschöpfungssyndrom bzw. dem Ermüdungssyndrom abzugrenzen ist. Diese Schwierigkeit liegt einerseits darin, dass die Erkrankung unter diesem Etikett heute kaum noch diagnostiziert wird. Stattdessen ist die Symptomatik weitgehend mit dem Burnout-Syndrom identisch, sodass heute eben das die Diagnose ist.

Andererseits aber ist es nicht einfach so, dass die Neurasthenie eine alte Erklärung aus dem 19. und dem beginnenden 20. Jahrhundert für das ist, was heute „Burn-out“ genannt wird. Nach ICD 10 ist sie nach wie vor ein eigenes Krankheitsbild in der Kategorie „Andere neurotische Störungen“ (siehe neurotische Störung). Jedoch wird sie sehr selten diagnostiziert. Ein wesentlicher Unterschied ist die gesellschaftliche Wertung, die bei dem modernen Burnout-Syndrom im Rahmen der Leistungsgesellschaft eine gewisse Anerkennung impliziert. Im Gegensatz dazu galt die F48.0 als „Lehrer-Krankheit“ und als etwas, das mit wesentlich mehr Scham behaftet war, als es bei der modernen Entsprechung der Fall ist.

Quellen > Neurasthenie Burn out:

Neurasthenie Symptome

Das Hauptsymptom ist die häufig oder rasch auftretende Ermüdung und bzw. oder Erschöpfung. Vor allem auch bei bereits geringem geistigen oder körperlichen Aufwand. Das führt zu einer dauerhaft mangelnden Leistungsfähigkeit sowohl geistig als auch körperlich. Eine beständige innere Unruhe oder das Gefühl, ausgebrannt zu sein, tritt auf. Das kann chronisch sein, aber auch nur wiederholt temporär vorkommen. Daneben können viele verschiedenen Symptome dazukommen wie z. B. :

  • Ängstlichkeit bis hin zu Panikattacken
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschmerzen, Verspannungen
  • sexuelle Unlust (sexuelle Neurasthenie)
  • Neuralgie
  • Konzentrationsstörung
  • erhöhte Reizbarkeit bis hin zur Aggressivität
  • Melancholie bis hin zu depressiven Verstimmungen und zur Suizidalität
  • Hypersomnie (Schlafsucht), aber auch Schlaflosigkeit / Schlafprobleme

Die Symptomatik kann sehr variieren. Außerdem bestehen kulturelle Unterschiede und gesellschaftlich geprägte Besonderheiten. Es hängt auch von dem Zusammenspiel mit anderen Krankheiten oder Störungen ab. Bei einer häufig damit verbundenen depressiven Verstimmung z. B. kommt es verstärkt zur Melancholie, Freud- und Antriebslosigkeit, der sexuellen Neurasthenie und einer generellen Lustlosigkeit.

Quellen > Neurasthenie Symptome:

Neurasthenie Ursachen

Obgleich die ICD F48 begrifflich auf die Schwäche der Nerven hinweist, gilt sie als von äußeren Ursachen / Einflüssen verursacht. Bei dem Begriff des Burnouts und bzw. oder dem Boreout wird das besonders deutlich. Häufig tritt sie als Folge einer längeren Episode von geistiger Anspannung, Stresssituationen oder Krankheiten auf. Das Musterbeispiel ist permanenter (z. B. beruflicher) Arbeits- und Leistungsdruck. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass die äußeren Faktoren verschiedene, individuelle Auswirkungen haben können. Es gibt hierbei keinen wirklich objektiven Maßstab, bei wie viel Leistungsdruck ein Individuum gefährdet ist. Das hängt stark von der individuellen Beschaffenheit ab. Die Fähigkeit zur Stressbewältigung spielt dabei auch eine große Rolle.

Daneben gibt es allerdings eine Reihe von persönlichen Eigenschaften und Einstellungen, die besonders anfällig machen. Dazu zählt ein hoher Perfektionismus und ein übertriebener Ehrgeiz. Insbesondere Letzterer kann auch durch äußere Faktoren, wie etwa gesellschaftlicher/sozialer Leistungsdruck, entstehen. Deswegen sind auch Menschen besonders gefährdet, die es stets allen Anderen Recht machen wollen oder ein Helfersyndrom haben. Aber auch Menschen mit einem hohen Verantwortungsbewusstsein können besonders gefährdet sein.

Der Kern für diese Gefährdung ist immer die Diskrepanz zwischen den eigenen Ansprüchen und dem Nicht-Gerechtwerden eben dieser. Zu hohe, unrealistische Ziele und Ansprüche können zu einem regelrechten Teufelskreis führen. Eine Veranschaulichung könnte das Bild des Esels darstellen, vor dessen Augen eine Karotte hängt, der er nachjagt. Nur, dass Betroffene diese Karotte selbst vor sich hängen oder zumindest haben hängen lassen. Je höher und unrealistischer die Anforderungen sind, desto mehr strengen Betroffene sich an und desto größer ist die Enttäuschung. Bei immer mehr Anstrengungen, die auf ein Ziel gerichtet sind, das nicht erreicht werden kann, folgt schließlich die Frustration. Je mehr Anstrengung, desto mehr Frustration und je mehr Frustration, desto mehr Anstrengung wiederum.

Unter anderen Umständen wäre das möglicherweise als hohe Fähigkeit zur Motivation zu betrachten. Jedoch steht am Ende dieses Prozesses eben kein erreichtes Ziel, sondern ein psychisch kranker Mensch.

Quellen > Neurasthenie Ursachen:

Verlauf der Erkrankung

Ein chronischer Verlauf der Erschöpfung und Ermüdung ist bei der Neurasthenie ebenso möglich, wie das Auftreten in unregelmäßigen Episoden. In der Regel bildet sie sich langsam und schleichend heraus. Bei den unregelmäßigen Episoden steigert sich die Intensität langsam. Am Anfang kann eine rasche Ermüdung oder Erschöpfung bei geringem Arbeitsaufwand stehen. Oft äußert sich die die Erkrankung anfangs jedoch auch durch eines oder mehrere der Nebensymptome. Das können auch Gliederschmerzen oder andere grippeähnlichen Zustände, darunter sogar Fieber, sein. Es hängt allerdings stark von der Situation der Betroffenen ab.

Insbesondere bei berufsbedingten und situativen Schwierigkeiten kann es auch relativ zügig zu einem Burnout kommen. Hierbei steht die rasche Erschöpfung meist am Anfang, die als ein eindeutiges Zeichen für eine Überlastung verstanden werden muss. Diese ist oft auch einem übermäßigen Arbeitseifer geschuldet und eigentlich wäre bereits an diesem Punkt, sobald eine rasche Erschöpfung eintritt und man nicht mehr zur Ruhe kommt, ein Eingreifen notwendig. Oft jedoch können Betroffene ihre Situation nicht richtig einschätzen oder unterschätzen sie ganz einfach. Zumal der Leidensdruck sich zu Beginn noch in Grenzen hält. In der nächsten Phase kommt es zu Gleichgültigkeit gegenüber der Arbeit bis hin zu Zynismus und Aggressivität auch anderen Menschen gegenüber.

Ein weiteres Zeichen kann es auch sein, wie lange krankgeschrieben die Betroffenen sind. Denn nach und nach kommen körperliche Beschwerden hinzu, die zu einer vermehrten Krankschreibung führen. Schließlich empfinden Betroffene auch Verdruss, Frust, eine innere Unruhe und sind leicht zu reizen, aber auch zu erschöpfen. Auch sexuelle Unlust und ein allgemeines Desinteresse können auftreten. Dazu kommen kognitive Leistungseinbußen wie Schwierigkeiten mit der Konzentration, Entscheidungsfindung, dem Denken und sogar dem Wahrnehmen. Individuell können sich die Umgangsmöglichkeiten stark unterscheiden und entsprechend starken Einfluss auf den weiteren Verlauf ausüben. Natürlich wäre es spätestens an dieser Stelle am besten, wenn die Betroffenen sich professionelle Hilfe holen würden. Häufig jedoch kommt es stattdessen erst einmal zu einer Flucht in Alkohol, Medikamenten oder Drogen. Das kann bis zu sozialer Isolation und bis zu depressiven Zuständen führen (siehe depressive Episode).

Quellen > Neurasthenie Verlauf:

Zusammenhänge mit anderen Krankheiten

Wie bereits im vorigen Abschnitt angedeutet, kann Neurasthenie bzw. ein Burn out zu einer Depression oder zu depressiven Verstimmungen führen. Außerdem kann eine depressive Verstimmung auch zur Symptomatik gehören. Diese treten jedoch in der Regel im späten Verlauf der Krankheit auf. Vor allem bei einer Nichtbehandlung und bei der Flucht in z. B. Alkohol führt die gefühlte und somit sogar verstärkte Ausweglosigkeit zu Depressionen. Die dabei typische Antriebslosigkeit und Gefühle von Überdruss und Überforderung bis hin zur Suizidalität können auftreten (siehe Selbstmordgedanken).

Bei dem chronischen Erschöpfungssyndrom (oder auch Ermüdungssyndrom) können ähnliche Beschwerden auftreten, obgleich es eine andere Krankheit ist. Hierbei handelt es sich um Fehlregulationen des Nerven-, Immun- und Hormonsystems. Sie ist also körperlich bedingt und weniger eine Reaktion auf äußere Umstände wie Stress und zu hohe Erwartungen (auch, wenn diese durchaus eine Rolle spielen). Deswegen ist eine richtige Diagnose sehr wichtig. Die Schwierigkeit einer genauen Definition und Abgrenzung macht das allerdings häufig problematisch.

Quellen > Komorbiditäten, Abgrenzung Burn out, Chronisches Erschöpfungssyndrom:

Neurasthenie Behandlung –
Therapie und Heilung

Es gibt verschiedene Ansätze zur Neurasthenie Behandlung, die sich nach Art und Weise und nach dem jeweiligen Stadium der Krankheit richten. Außerdem müssen sowohl die Wirkungen als auch die Ursachen bekämpft werden. In der Regel ist eine Psychotherapie, speziell eine Verhaltenstherapie, sinnvoll (siehe Psychotherapien). Dabei lernen Betroffene, aus der akuten Situation herauszukommen, indem sie ihr Verhaltensmuster ändern. Dieser Lernprozess jedoch ist gleichzeitig auch langfristig als Prävention entscheidend.

Damit die Neurasthenie Behandlung erfolgreich sein kann, müssen auch die Rahmenbedingungen angepasst werden. Dazu zählt eine gesunde, ausgewogene Ernährung, gesunder Sport / Bewegung, Entspannungsübungen sowie das Einhalten von Entspannungsphasen. Stress sollte selbstverständlich vermieden werden und auch ist viel Ruhe für die Heilung nötig.

Zusätzlich können auch Heilpraktiker oder Mittel aus dem Bereich der Homöopathie helfen. So werden die Schüssler Salze, insbesondere das Magnesium Phosphoricum, häufig bei Nervenleiden eingesetzt.

Falls die Neurasthenie zu problematischen Angstzuständen oder Depression führt, kann auch die Verwendung von Medikamenten wie z. B. Antidepressiva notwendig sein (siehe Antidepressiva Liste). Kurzfristig und als anfängliche Unterstützung der Therapie können sie helfen, den akuten Leidensdruck zu mindern. Mitunter kann das ein notwendiger Schritt sein, um den Betroffenen die Möglichkeit zur Hilfe und Selbsthilfe zu geben.

In der Regel kann die Neurasthenie mit einer Psychotherapie und den damit verbundenen Änderungen im Lebensalltag der Betroffenen geheilt werden. Wichtig ist, dass sowohl die auslösenden äußeren Umstände als auch die damit verbundene auslösende innere Einstellung erkannt und überwunden werden. Das kann durchaus Zeit, Aufwand und auch Kraft in Anspruch nehmen – aber die Möglichkeit zur Heilung besteht.

Quellen > Neurasthenie Behandlung:

Zum Schluss hier noch ein kurzer Spiegel-Bericht von Betroffenen mit Erläuterungen: https://www.youtube.com/watch?v=RbvPhHVZXBY

Und wer sich ausführlicher mit der Thematik auseinandersetzen möchte, der kann sich diese Arte-Dokumentation anschauen:

YOUTUBE: Arte DOKU | Gegen die Wand – Rätsel Burnout, die überforderte Gesellschaft (youtube.com/watch?v=se3-eWdJV9I)

Ängste, Phobien, Panikattacken > Angststörungen und Angsterkrankungen behandeln