Arachnophobie / Angst vor Spinnen / Spinnenphobie (© blende11.photo / Fotolia)

Arachnophobie oder die Angst vor Spinnen: Ursachen und Tipps zur Therapie

Die Angst vor Spinnen ist uns nicht in die Wiege gelegt. In den meisten Fällen ist Spinnenangst erlernt. Wie Menschen, die unter Arachnophobie leiden, sie wieder loswerden können, soll der folgende Artikel erläutern.

Angst ist eine normale menschliche Emotion. In der Frühzeit unserer Geschichte diente sie dazu, uns vorsichtiger und aufmerksamer agieren zu lassen. Feinde und Raubtiere wurden frühzeitig erkannt, so dass genügend Zeit für Fluchtwege blieb.

In bestimmten Situationen helfen also Ängste dem Menschen beim Überleben. Doch zu viel Angst hemmt oder versetzt in irrationale Panik. Genau das empfinden Menschen, die Angst vor Spinnen haben. Der aus dem Altgriechischen stammende Begriff Arachnophobia beschreibt eine Furcht, die vielschichtig ist, sich oft im Kindesalter entwickelt und bis zum Erwachsenenalter steigert.

Weshalb der Mensch Angst vor Spinnen hat

Die Dokumentation Von Spinnen und Menschen beginnt mit der Feststellung, dass Spinnen das Pech hätten, nicht dem sogenannten Kindchenschema zu entsprechen, das Menschen üblicherweise als niedlich und anziehend empfinden – vereinfacht: ein rundes Gesicht mit zwei großen Augen. Stattdessen sehen Spinnen völlig anders aus: Sie haben acht Augen und acht Beine sowie einen kleinen Kopf. Sie sehen fremd aus und in allem anders, womit sich der Mensch identifizieren könnte. Die einzige Gemeinsamkeit zwischen Menschen und Spinnen scheint darin zu bestehen, dass sie einander aus dem Weg gehen.

Dazu kommt, dass sich Spinnen völlig anders verhalten als Menschen. Ihre Bewegungen sind schnell und kaum nachvollziehbar. Scheinbar plötzlich und wie aus dem Nichts tauchen sie auf, beispielsweise wenn sie sich direkt vor den Augen des Menschen an ihrem Faden abseilen. Dann ist der Mensch überrascht und erschrickt. Diese Reaktion ist jedoch natürlich. Sie ist ein Reflex, der noch nicht mit einer Arachnophobia („Spinnen Phobie“) in Verbindung gebracht werden kann. Der Schreck und damit einhergehend Schwitzen oder erhöhter Puls entstehen aufgrund der plötzlichen Anwesenheit der Spinne – möglicherweise auch ihrer anschließenden plötzlichen Abwesenheit.

Die Phobie vor Spinnen ist in den meisten Fällen irrational und unbegründet. Denn wirklich gefährlich werden können die Krabbeltiere dem Menschen nicht. In Deutschland gibt es lediglich drei Arten von Giftspinnen, die Wasserspinne, die Kreuzspinne und der Dornfinger. Diese Spinnen leben jedoch im Wasser oder sind so selten respektive klein, dass auch von ihnen keine wirkliche Gefahr ausgeht, auch wenn ein Mensch gebissen wird.

Vielleicht ist die Angst vor den Spinnen teilweise noch eine ererbte aus der Frühzeit der Menschheit. Doch hauptsächlich scheint die Spinnenangst von klein auf erlernt zu sein. Eltern, andere Verwandte oder nahe Bezugspersonen leben die Angst oder den Ekel vor Spinnentieren vor – das Kind übernimmt das Verhalten.

Dass hauptsächlich Mädchen und Frauen Angst vor Spinnen haben, liegt daran, dass eher Jungen zu Mutproben tendieren. Dazu gehört auch, als eklig empfundene Tiere zu berühren, was diese Menschen letztlich an die Spinnen gewöhnt.

Welche Symptome auf eine Arachnophobie deuten

Wenn aus dem üblichen Unbehagen gegenüber einer Spinne regelrechte Furcht wird, wenn Vermeidungsstrategien ersonnen werden, die sogar zu Zwangshandlungen und / oder Abschottung von der Außenwelt führen können, dann muss von einer Arachnophobia (Spinnenphobie) gesprochen werden, die behandelt werden sollte.

Auslöser für eine krankhafte Spinnenangst kann ein einziges einschneidendes Erlebnis sein: Beim Erwachen am Morgen ist der erste Anblick eine große Spinne an der Wand; eine Spinne fällt in den Ausschnitt des Kleides einer Frau und krabbelt anschließend den Oberkörper hinunter; in einem spinnenreichen Keller geht plötzlich das Licht aus.

Für Arachnophobiker sind diese Bilder Horrorvorstellungen, denen sie sich unter keinen Umständen aussetzen mögen. Menschen, die von Spinnenangst geplagt sind, stellen sich mehr und mehr derartiger Szenarien vor, also Situationen, in denen sie Spinnen begegnen könnten. Um es nicht dazu kommen zu lassen, versuchen Menschen mit Spinnenangst diese Situationen zu vermeiden. Sie gehen nicht mehr in den Keller, schlafen nicht mehr in dem Bett, an dessen Wand die Spinne saß, kontrollieren ständig Zimmerecken oder verfallen gar einem Putzzwang.

Neben diesen Vermeidungsstrategien zeigen sich bei Menschen mit Spinnenangst, insbesondere beim akuten Anblick einer Spinne, folgende Symptome:

  • Schwindel;
  • Schweißausbruch;
  • erhöhter Puls;
  • Herzrasen;
  • Atemnot;
  • Angststarre;
  • Panikattacke (vgl. Angst Attacken).

Für einige Arachnophobiker genügt das Bild oder das Plastikmodell einer Spinne, um bei ihm diese Symptome hervorzurufen. Dabei ist von dem Grundsatz auszugehen: je weniger Kontakt ein Mensch mit Spinnenangst zu diesen Tieren hat, desto schrecklicher sind die Vorstellungen – die Fantasie gebiert wahre Monster, die Zwangshandlungen oder Abschottung noch verstärken können. So haben Psychologen des Otto-Selz-Instituts der Universität Mannheim herausgefunden, dass Menschen, die unter einer Arachnophobie leiden, Spinnen früher, länger und dominanter erkennen als Menschen ohne diese Angststörung. Die Angst sorgt offenbar dafür, dass die für die Angst verantwortliche Spinne derart prominent in den Fokus der Wahrnehmung rückt, dass andere Handlungen zu diesem Zeitpunkt praktisch unmöglich werden. Die Spinne bestimmt folglich das Leben von Menschen mit Spinnenphobie, auch oder vor allem wenn sie alles dafür tun, ihnen nicht zu begegnen.

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Hörbuch zum Thema Angst vor Spinnen / Spinnenphobie bekämpfen: „Spinnenangst, nein Danke“ (Amazon / Audible, B009AYGL1E)*

Wie sich die Spinnenangst behandeln lässt

Eine weit verbreitete Therapie, um die Angststörung gegenüber Spinnen behandeln und die schließlich Arachnophobie überwinden zu können, ist es, sich der Angst zu stellen – im wahrsten Sinne des Wortes. Die sogenannte Konfrontationstherapie sollte jedoch in jedem Fall mit Hilfe eines Psychologen oder dafür ausgebildeten Therapeuten vorgenommen werden. Denn so wie ein einziges traumatisches Ereignis Auslöser für die Spinnen Phobie sein kann, kann etwa der plötzliche Rückzug von der Konfrontation zu einer Verstärkung der Angst vor Spinnen führen.

Schritt für Schritt wird der Patient bei der Konfrontationstherapie an die Spinne herangeführt, zuerst mit einem Bild, dann einem Modell und schließlich einer echten Spinne, deren Größe gesteigert werden kann. Am Ende der Therapie kann der nunmehr Geheilte im Idealfall ohne Probleme eine Vogelspinne über seine Hand laufen lassen.

Selbstverständlich ist es stets nützlich, sich mit den Dingen näher zu beschäftigen, vor denen man Angst hat. Wenn Menschen lediglich ihren Ekel vor Spinnen, der noch keine Phobie ist, überwinden möchten, hilft es, sich eine Dokumentation anzuschauen, die den Fokus auf die körperliche Schönheit und ihre Nützlichkeit für den Menschen richtet. Ein Spaziergang mit Freunden über eine Wiese, bei dem nach Spinnen Ausschau gehalten und ihr Verhalten beobachtet wird, kann eine leichte Form der Furcht mindern oder völlig verschwinden lassen, bevor wirklich durch Spinnen Phobie-Symptome und Reaktionen ausgelöst und problematisch werden.

Doch auch die Krankheitsform der Arachnophobie ist bei jedem Menschen individuell ausgeprägt. Das heißt, dass Betroffene durch die Spinnenangst in ihrer Lebensqualität mehr oder weniger stark eingeschränkt sind. Ein erstes Gespräch mit dem Psychologen wird klären, welche Form der Therapie bei dem einzelnen Menschen angewandt wird, welche die beste Heilung verspricht. In den meisten Fällen werden die Ursachen einer Spinnenphobie schnell zu ergründen sein, da sich der Patient oft noch deutlich an das die Angst vor Spinnen auslösende Ereignis erinnern kann. Wenn die Lebensqualität durch Zwangshandlungen oder Panikattacken bereits eingeschränkt ist, sollte ein Psychologe oder Facharzt aufgesucht werden (vgl. Was tun bei Panikattacken?).

Eine Alternative zur Konfrontationstherapie ist die Hypnose. Diese Therapie kann schneller und sicherer die gewünschten Ergebnisse bringen (siehe Ängste durch Hypnose verlieren?), denn sie setzt beim Unterbewusstsein an und nicht auf bewusste Konfrontation, die durchaus mit Risiken behaftet ist, vor allem wenn der Patient unter einer besonders schweren Form der Angststörung leidet.

Eine noch recht neue Therapieform bezieht die virtuelle Welt in die Behandlung ein. Durch die Virtual-Reality-Brille wird eine Welt voller Spinnen generiert, in der Berührungen mit dem Angstobjekt erst nach einer gewissen Gewöhnung ergänzt werden. Diese Methode wird jedoch in Deutschland noch kaum eingesetzt.

Ursachen für die Spinnenphobie bekämpfen und überwinden: vorbeugende Maßnahmen

Jegliche Art von Angst lässt sich in der Regel damit bekämpfen oder wenigstens mindern, wenn sich der Betroffene mit dem Thema beschäftigt. Vollständig ergründet sind die Ursachen für das Entstehen einer Angststörung gegenüber Spinnen zwar noch nicht, doch die Angst vor Spinnen beruht oft vor allem darauf, dass der Mensch kaum bis gar nichts über diese faszinierenden Tiere weiß. Die Angst aus Unkenntnis wird schließlich noch geschürt, wenn reißerische Zeitschriftenartikel gelesen, wenn Horrorfilme geschaut werden, die Spinnen zum Thema haben.

Angst vor Spinnen bei Kindern: "Projektbuch SPINNE: Mit Spaß und Spiel Spinnenangst vorbeugen" (Amazon Kindle, B074HBDMCB)
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Dass Spinnen in Mitteleuropa pro Jahr etwa 1.500 Kilogramm Insekten verspeisen und damit einen erheblichen Teil zum unbeschwerten Gedeihen vieler Sorten Obst und Gemüse beitragen, was wiederum dem Menschen zugutekommt, ist nur ein positiver Effekt, der oft unerwähnt bleibt.

Wirkungsvolle Tipps dafür, eine Spinnenangst gar nicht erst entstehen zu lassen, setzen bereits im Kleinkindalter an. Eltern sollten dem Nachwuchs einen informationsreichen, angstfreien Umgang mit Spinnen ermöglichen, beispielsweise mit dem Buch Spinnen. Jäger am seidenen Faden der Kinderbuchreihe Was ist was.

"Spinnen. Jäger am seidenen Faden" (WAS IST WAS Sachbuch, Band 73; Amazon, 3788620609)
„Spinnen. Jäger am seidenen Faden“ (WAS IST WAS Sachbuch, Band 73; Amazon, 3788620609)*

Das muss nicht sofort dazu führen, dass Sohn oder Tochter eine Vogelspinne im hauseigenen Terrarium halten möchten. Doch ein unbeschwerter Umgang mit den Tieren im Kindesalter hilft dabei, als Erwachsener nicht an einer Angst vor Spinnen zu erkranken. In jedem Fall hilft die Beschäftigung mit den Spinnen, um Ängste langsam abzubauen. Über die Funktion der Spinne als Nutztier erlernt so mancher Arachnophobiker gewiss einen entspannteren Umgang mit dem Tier.

Spinnen Phobie | Weiterführende Links

Wer seinen Ekel vor Spinnen bekämpfen oder gar überwinden möchte, dem seien folgende Links zu Videos und Artikeln ans Herz gelegt:

Ängste, Phobien, Panikattacken > Angststörungen und Angsterkrankungen behandeln