Sertralin Medikament in unterschiedlicher Dosierung (Screenshot Google-Bildersuche)

Sertralin im Überblick: Erfahrungen zu Wirkung und Dosierung, zu Nebenwirkungen und zum Absetzen

Sertralin zählt zu den Antidepressiva, konkret zur Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Seine erstmalige kommerzielle Verwertung erfolgte 1991 unter dem Handelsnamen Zoloft durch das Pharmaunternehmen Pfizer. Zunächst wurde es lediglich zur Antriebssteigerung bei Depressionen verschrieben, das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat seine Anwendungsmöglichkeiten 2009 jedoch beträchtlich erweitert. Gleichzeitig stellen sowohl Erfahrungen von Betroffenen als auch aktuelle Studien die Wirksamkeit von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) inklusive Sertralin bei leichten und mittelschweren depressiven Störungen generell infrage.

Sertralin Antidepressivum (molekuul.be / Fotolia)
Sertralin Antidepressivum (molekuul.be / Fotolia)

Indikationen

Sertralin wird in erster Linie zur Behandlung von depressiven Störungen unterschiedlicher Schweregrade sowie Dysthymie eingesetzt. Häufig kommt gleichzeitig eine Psychotherapie zum Einsatz, die sich mit (weiteren) Ursachen der bestehenden Erkrankung beschäftigt oder den Umgang mit ihr erleichtert. Dabei soll Sertralin in erster Linie antriebssteigernd, im späteren Verlauf der Therapie auch stimmungsaufhellend und konzentrationsfördernd wirken. Weitere Anwendungsgebiete bestehen in der Linderung von Symptomen von Zwangserkrankungen, Posttraumatischen Belastungsstörungen (siehe PTBS) und Essstörungen sowie verschiedenen Ängsten (siehe Ängste). Zu ihnen können die Generalisierte Angststörung ebenso gehören wie Panikstörungen (vgl. Panik), soziale Phobien und spezifische Phobien. In Einzelfällen kommen Sertralin Medikamente auch bei der Behandlung des vorzeitigen Samenergusses zum Einsatz.

Sertralin Dosierung und Art der Anwendung

Sertralin wird ausschließlich oral in Form von Tabletten verabreicht. Die Sertralin Dosierung hängt von der Art und Schwere der zu behandelnden Erkrankung ebenso ab wie von der persönlichen Verträglichkeit und der Physiologie des Betroffenen. Sertralin wird in Dosierungen von 25 mg, 50 mg und 100 mg angeboten.

Die übliche Dosis beträgt 50 mg, niedrigere Dosierungen wurden in der Vergangenheit vor allem für leichte, empfindliche oder minderjährige Patienten genutzt. Zeigt eine geringere Dosis keine Wirkung, kann sie auf 100 mg, in Ausnahmefällen auch auf 200 mg am Tag erhöht werden – die Höchstdosis sollte jedoch nicht überschritten werden.

Sertralin 100mg gibt es von verschiedenen Pharmafirmen und -marken (Screenshot Google-Bildersuche am 28.12.2017)
Sertralin 100mg gibt es von verschiedenen Pharmafirmen und -marken (Screenshot Google-Bildersuche am 28.12.2017)

Bei älteren Patienten sind eher niedrigere Mengen angeraten. Üblicherweise wird die halbe Tagesdosis morgens und die halbe abends mit Wasser eingenommen. Nach Abklingen der Symptome wird häufig eine weitere Einnahme von bis zu sechs Monaten empfohlen, um das Risiko eines erneuten Auftretens der Erkrankung zu verringern.

Wirkstoff und Wirkweise

Die vermutete Wirkweise des Medikaments beruht auf dem Wirkstoff Sertralinhydrochlorid, der den Abbau des Botenstoffs Serotonin an dessen Rezeptoren im Gehirn hemmen soll. Das soll zu einem insgesamt höheren Serotoninspiegel beitragen und die Stimmung des Patienten auf diese Art bessern. Chemisch gesehen handelt es sich um eine tricyclische, aromatische Verbindung, die sowohl das Halogen Chlor als auch Ammoniak enthält und daher zu den Aminen zählt. Durch das Sertralin soll es zu einer höheren Verfügbarkeit von Serotonin im synaptischen Spalt kommen. Dadurch soll eine vermutete negative Wirkung eines geringen Serotoninspiegels (Serotoninmangel) des Patienten ausgeglichen und dessen Effekt auf Gemütszustände positiv beeinflusst werden. Der Wirkungseintritt den Serotoninabbau hemmender Medikamente beginnt laut den Herstellern zwischen einer und vier Wochen nach Beginn der Einnahme.

Die Website sanego.de liefert für das Medikament Sertralin Erfahrungen von Patienten hinsichtlich Wirkung und Wirksamkeit, Nebenwirkungen und Verschreibungsgrund sowie Alternativen (Screenshot https://www.sanego.de/Medikamente/Sertralin/ am 28.12.2017)
Die Website sanego.de liefert für das Medikament Sertralin Erfahrungen von Patienten hinsichtlich Wirkung und Wirksamkeit, Nebenwirkungen und Verschreibungsgrund sowie Alternativen (Screenshot sanego.de/Medikamente/Sertralin/ am 28.12.2017)

Sertralin Nebenwirkungen, Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

Grundsätzlich darf Sertralin aufgrund möglicher Wechselwirkungen nicht angewendet werden, wenn gleichzeitig Monoaminooxidase-Hemmer verwendet werden. Zwischen den Anwendungen muss ein Zeitraum von wenigstens zwei Wochen liegen. Ebenso darf der Wirkstoff Pimozid nicht zeitgleich eingenommen werden. Weiterhin darf keine gleichzeitige Behandlung mit auf die Erhöhung des Serotoninspiegels abzielender Wirkung durchgeführt werden.

Da Sertralin sowohl plazentagängig ist als auch in die Muttermilch übergeht, ist eine Anwendung in der Schwangerschaft oder Stillzeit nicht angemessen, da sich Schäden für den Fötus oder Säugling ergeben können. Inwieweit sich die Behandlung mit Sertralin auf eine Verhütung mit der „Pille“ auswirkt, muss individuell mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden, das gleiche gilt für den Wunsch nach einer Schwangerschaft.

Besondere Vorsicht ist weiterhin geboten, wenn der Patient in der Vergangenheit unter Epilepsie gelitten hat, eine niedrige Natriumkonzentration im Blut aufweist, an Diabetes, Augenproblemen oder einer Lebererkrankung leidet. In diesen Fällen kann sich die Gabe einer höheren Sertralin Dosierung negativ auf die bestehende Erkrankung auswirken. Das gleiche gilt für eine medikamentös oder krankheitsbedingt veränderte Blutgerinnung.

Sertralin Nebenwirkungen - eine Suche in Google listet bereits so manche Nebenwirkung auf (Screenshot 28.12.2017)
Sertralin Nebenwirkungen – eine Suche in Google listet bereits so manche Nebenwirkung auf (Screenshot 28.12.2017)

Ob Sertralin zusammen mit Alkohol eingenommen werden kann, hängt vom jeweiligen Patienten ab. Im Allgemeinen wird während der Behandlung vom Konsum von Alkohol abgeraten, da es zu Wechselwirkungen kommen kann (siehe auch unsere Artikel Antidepressiva und Alkohol sowie Alkohol und Depression).

Sollten vor oder während der Erkrankung Suizidgedanken auftreten, ist es anzuraten, Hilfe zu suchen und abzuwägen, ob eine weitere Einnahme von Sertralin empfehlenswert ist. Dies gilt insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, da es in der Vergangenheit bereits vermehrt zu Selbsttötungen und Selbsttötungsversuchen nach Beginn einer Therapie mit SSRIs gekommen ist. Bisherige Erfahrungen besagen, dass bereits vorhandene Suizidgedanken verstärkt werden können – das hat etwas mit der antriebssteigernden Sertralin Wirkung zu tun.

Da der Wirkstoff im Darm aufgenommen wird und auch hier Serotonin als wichtiger Botenstoff wirkt, sind bei der Einnahme von Sertralin Nebenwirkungen in diesem Bereich häufig. Es kann zu Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung und Durchfall kommen. Sowohl eine Gewichtszunahme als auch eine Gewichtsabnahme sind möglich.

Weitere häufige Nebenwirkungen sind Schwindel, Müdigkeit und Kreislaufprobleme. Auch Schwitzen, veränderter Herzschlag, Sehstörungen, Tinnitus, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit und Gewichtsveränderungen wurden beobachtet. Zudem wirkt sich Sertralin negativ auf die Libido aus, sodass es zu Erektionsproblemen und Orgasmusstörungen kommen kann.

Es existiert eine Vielzahl weiterer, seltenerer Nebenwirkungen, die dem Beipackzettel entnommen werden können. Subjektiv werden oft Erfahrungen beschrieben, sich wie in Watte gepackt zu fühlen, neben sich zu stehen oder andere Varianten einer Depersonalisation zu erleben. Zumeist schwächen sich die Nebenwirkungen einige Wochen nach Beginn der Behandlung ab.

Eine der am meisten gefürchteten Komplikationen bei der Einnahme von Sertralin stellt das sogenannte Serotoninsyndrom dar. Durch eine Überdosis des Botenstoffs können Herzrasen, unkontrollierte Hitzewallungen sowie Verwirrung, Krämpfe und Unruhe auftreten. Sind diese Symptome stark ausgeprägt, spricht man von einem Serotoninsyndrom, das zum Tod durch Hyperthermie oder Herzstillstand führen kann. Sollten Patienten Warnzeichen einer Überdosis an sich bemerken, ist eine sofortige Krankenhausbehandlung mit Angabe des eingenommenen Präparates und der Dosierung notwendig.

Sertralin absetzen – Wie minimiert man mögliche Absetzerscheinungen?

Sertralin sollte nicht spontan abgesetzt werden, insbesondere bei längerer Einnahme höherer Dosierungen. Zwar führt die Behandlung nicht zu einer psychischen Abhängigkeit, allerdings gewöhnt sich der Körper an die Zufuhr und reagiert mit Absetzerscheinungen. Wenn Patienten Sertralin absetzen, treten häufig Kreislauf- und Verdauungsprobleme auf, ebenso Schlafstörungen (siehe Schlafstörung), Kopfschmerzen, Müdigkeit, Stimmungsschwankungen und Muskelzuckungen. Um diese Probleme zu vermeiden, sollte Sertralin über einen längeren Zeitraum herabdosiert werden, insbesondere wenn zuvor die Höchstdosis eingenommen wurde. Diese Technik, ein Medikament abzusetzen, wird auch als „Ausschleichen“ bezeichnet.

Sertralin absetzen? - Der NDR-Bericht "Antidepressiva: Vorsicht beim Absetzen" erläutert typische Probleme und Gefahren beim (falschen) Absetzen von Antidepressiva wie Sertralin (http://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Depressionen-Medikamente-langsam-absetzen,depression210.html)
Sertralin absetzen? – Der NDR-Bericht „Antidepressiva: Vorsicht beim Absetzen“ erläutert typische Probleme und Gefahren beim (falschen) Absetzen von Antidepressiva wie Sertralin (http://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Depressionen-Medikamente-langsam-absetzen,depression210.html)

Sertralin Erfahrungen vs. wissenschaftliche Kritik

Während Sertralin ebenso wie viele weitere SSRIs zunächst als Durchbruch bei der Behandlung von depressiver Symptomatik gelobt wurde, werden in den vergangenen zwei Jahrzehnten zunehmend Kritik und Zweifel laut.

Kritik aufgrund der Wirkweise

Es wird angenommen, dass einer Depression ein Serotoninmangel zugrunde liegt. Dabei ist jedoch auffällig, dass zur Anamnese üblicherweise keine Kontrolle des Serotoninwerts oder seiner Abbauprodukte stattfindet. Auch während oder nach der Behandlung mit Sertralin oder anderen SSRIs erfolgt keine Beobachtung des Serotoninspiegels. Daher kann nicht geklärt werden, ob die jeweiligen Wirkstoffe einen Einfluss auf den individuellen Serotoninwert haben. Das liegt in erster Linie daran, dass in der zugehörigen Literatur zwar häufig von einem Serotoninmangel gesprochen wird, tatsächlich aber kein Referenzwert existiert, aufgrund dessen allein von einer Erkrankung ausgegangen werden kann. Zwar geben einige Untersuchungen an, Depressive und niedrige Serotoninwerte in Zusammenhang gebracht zu haben, weisen jedoch auch auf die Existenz von Depressiven mit normalem Serotoninspiegel und Nicht-Depressiven mit niedrigem Serotoninspiegel hin. Weitere Untersuchungen werden allerdings häufig nur an der ersten Gruppe durchgeführt. Ein Laborwert, der generell mit einer Depression einhergeht, wurde hingegen bislang nicht nachgewiesen. Auch der lange Zeitraum bis zum Wirkungseintritt lässt sich bislang nicht hinreichend erklären.

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Kritik aufgrund der Behandlungsergebnisse

Während erste Studien noch sehr hoffnungsvolle Ergebnisse für die Therapie mit Sertralin und anderen auf der Veränderung des Serotoninspiegels beruhenden Antidepressiva lieferten, mehrt sich in den vergangenen Jahrzehnten die Kritik. Das liegt in erster Linie daran, dass neue Metastudien Anlass geben, an der Wirksamkeit der gesamten Medikamentengruppe zu zweifeln – mindestens, insoweit es die Behandlung von leichten und mittelschweren Depressionen betrifft. Der große Unterschied zur vorherigen Datenlage ergibt sich daraus, dass nicht nur die seitens der Pharmahersteller veröffentlichten, sondern auch die bis dahin zurückgehaltenen Studien in die Analyse eingingen. Sertralin gehörte jedoch nicht zu den auf diese Art überprüften Wirkstoffen: Die wissenschaftlichen Autoren befanden die Studien zu dem Medikament als von zu geringer Qualität für eine Auswertung. Als Reaktion auf diese Ergebnisse werden die Arzneimittel in Großbritannien nur noch in Ausnahmefällen bei leicht en oder mittleren Beschwerden und generell nicht mehr an minderjährige Patienten verschrieben. In Deutschland erfolgte bisher keine derartige Reaktion – eher im Gegenteil, wie diese Dokumentation anschaulich zeigt:

Alternativen

Sowohl aufgrund der Nebenwirkungen als auch aufgrund der oben genannten Kritik suchen viele Patienten nach sinnvollen Alternativen zu herkömmlichen Antidepressiva. Diese können, speziell bei leichten bis mittelschweren Depressionen, oftmals zu guten Ergebnissen führen. Die Suche ist jedoch häufig schwierig, da sich seriöse Methoden und Präparate mit einer erheblichen Menge pseudowissenschaftlicher Angebote mischen, die über keinerlei wissenschaftlichen Hintergrund oder nachgewiesene Wirkung verfügen und gelegentlich erhebliche Kosten verursachen. Für Patienten ist daher eine sorgfältige eigene Recherche oftmals sehr wichtig.

Zu den simpelsten Alternativen, um eine Depression zu lindern, gehört regelmäßiger Sport, idealerweise im Freien. Das mag nach einer Volksweisheit klingen, ist jedoch in Studien vielfach belegt worden. Frische Luft, ausreichend Sonnenlicht, Ruhe und die Effekte körperlicher Aktivität können, sofern regelmäßig angewendet, nach einigen Wochen zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden führen. Zusätzlich können Techniken zur Stressbewältigung wie Meditation genutzt werden. Auch gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf stellen Säulen der psychischen Gesundheit dar, reichen allein jedoch nicht aus, um eine bereits manifestierte Depression zu behandeln.

Oft liegen Depressionen schädliche Gewohnheiten, vergangene Traumata oder aktuelle Belastungen zugrunde. Diese zu identifizieren und zu bearbeiten kann helfen, die Depression zu bekämpfen. Gelingt dies allein nicht, ist es ratsam, sich professionelle Hilfe in Form einer Therapie, beispielsweise einer kognitiven Verhaltenstherapie, zu suchen (vgl. Verhaltenstherapie Definition). Gemeinsam mit einem professionell ausgebildeten Therapeuten kann den Ursachen nachgeforscht und es können Veränderungen im Leben eingeleitet sowie begleitet werden.

Psychotherapie – Ein einführender Überblick für Patienten

Im Falle einiger pflanzlicher Arzneimittel liegen gute Hinweise zu einer positiven Beeinflussung von Depressionen vor (vgl. rezeptfreie pflanzliche Antidepressiva). Hierzu zählt beispielsweise Johanniskraut, Rosenwurz oder Passionsblume sowie Mischungen mit diesen Phytoextrakten. Allerdings ist auch hier immer auf eine ausreichende Wirkstoffmenge zu achten. Welche Wirkstoffe für die gewünschten Effekte der Therapie verantwortlich sein könnten, ist nicht in jedem Fall ausreichend geklärt.

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