Wahnvorstellung verstehen - Symptome, Ursachen; Wahnvorstellungen im Alter (© Visions-AD / stock.adobe.com)

Wahnvorstellungen ▲ Symptome, Ursachen und das Problem der Wahnvorstellung im Alter

Wahnvorstellung, wahnhafte Wahrnehmungen, Paranoia und Halluzinationen – was unterscheidet diese Begriffe eigentlich? In der Psychologie zählen Wahnvorstellungen zu den psychischen Krankheiten (siehe psychische Probleme). Möglich sind aber auch organische bzw. körperliche Verursacher. Organische Fehlfunktionen oder gestörte Stoffwechselprozesse können ebenso zu psychischen Folgen führen, wie es umgekehrt der Fall sein kann.

Wahnvorstellung – Symptome und Formen

Es geht bei wahnhaftem Denken und dadurch bedingten Realitätsverlusten um inhaltliche Denkstörungen, die trotz mangelnder oder gegenteiliger Beweise für ihre Existenz aufrechterhalten werden. Ein Beispiel für solche Wahnvorstellungen ist der Verfolgungswahn. Entgegen jeder Realität fühlen Menschen sich von anderen verfolgt oder von fremden Mächten überwacht. Realitätsverluste und wahnhaftes Denken können im Rahmen einer Schizophrenie (siehe Schizophrenie Krankheitsbild), aber auch altersbedingt durch eine Demenzerkrankung, einen Schlaganfall oder einen Hirntumor auftreten.

Auch eine Porphyrie wäre ein denkbarer, wenn auch ein weniger offensichtlicher Auslöser für wahnhaftes Denken oder Halluzinationen. Außerdem sind Drogenmissbrauch oder Alkoholabusus sowie ein Entzug der Drogen mögliche Auslöser für wahnhafte Vorstellungen und Halluzinationen. Bekannt sind die weißen Mäuse oder Ameisen, die solche Menschen zu sehen glauben. Als differenzierende Begriffe in diesem Umfeld sind Wahnstimmung, Wahngedanken, Wahndynamik, Wahnwahrnehmung, Wahneinfall und systematischer Wahn gebräuchlich.

Die Paranoia ist ebenfalls eine psychische Störung, die mit Wahnvorstellungen verbunden ist. Hier geht es aber um ein verzerrtes, paranoides Denken, die zu einer regelrechten Besessenheit führen kann. Der Schweregrad der Paranoia kann unterschiedlich sein. Die Gedanken der Betroffenen kreisen darum, dass böse Mächte sie bedrohen. Paranoide Symptome können im Rahmen einer paranoiden Persönlichkeitsstörung oder einer Borderline-Störung (vgl. Borderline Syndrom), bei Hirnschäden nach schwerem Alkoholmissbrauch, durch eine Schizophrenie, einen Hirntumor, eine Alzheimer-Erkrankung und andere Erkrankungen auftreten.

Die Halluzination beruht hingegen auf einer falschen Wahrnehmung irgendeines Sinnesorgans, die ohne einen erkennbaren Reiz auftritt. Die halluzinierenden Menschen sehen Dinge, die nicht da sind. Sie riechen etwas, das niemand anders wahrnimmt oder hören Kirchenglocken, wenn keine Kirche in der Nähe ist. Im Gegensatz zur Wahnvorstellung, die reale Wahrnehmungen mit irrealen Interpretationen unterlegt, beruht die Halluzination meist auf psychischen Störungen, etwa einer Psychose (siehe psychotisch). Eine Halluzination kann aber auch durch ein Alkoholdelirium oder nach einem Rauschmittelentzug auftreten. Außerdem können krankhafte Prozesse im Gehirn, lang andauernder Schlafentzug – zum Beispiel als Foltermethode – oder eingenommene Halluzinogene Halluzinationen auslösen.

Quellen:

Wahnvorstellungen im Alter

Obwohl wahnhafte Störungen potenziell in jedem Lebensalter auftreten können, stellt die zunehmende Überalterung der Gesellschaft eine besondere Gefahr für das Auftreten wahnhafter Vorstellungen im Alter dar. Dank der falschen bzw. verzerrten Beurteilung der Realität, die auch beim Beweis des Gegenteils und entgegen jeder Logik aufrechterhalten wird, ist es für Verwandte und geschultes Pflegepersonal gleichermaßen schwer, mit den Erkrankten umzugehen. Diese sehen ihre irrwitzigen Verdächtigungen immer wieder neu bestätigt. Sie finden auch für jede gegenteilige Wahrnehmung eine logische Erklärung. Ihr gesamtes Denken entwickelt im fraglichen Verdachtsbereich eine eigene, interne und in sich stimmige Logik.

Die Wahnvorstellungen alter Menschen beruhen zum Teil auf realen Ängsten und Befürchtungen. Für diese gibt es aber in der Regel keine reale Grundlage. Das wahnhafte Denken kreist immer wieder um dasselbe Thema. Es führt zu entsprechenden Verdachtsmomenten, inneren Abwehrhaltungen und vielfach zu entsprechenden Selbstgesprächen. Alle Versicherungen und Beweise anderer, dass die Realität nichts mit den verwirrten und verzerrten Gedanken der Erkrankten zu tun haben, fruchten nichts. Sie laufen ins Leere. Zudem entsteht in Zuge solcher als hilfreich gedachten Gegenmaßnahmen oft ein Vertrauensverlust. Wenn die Verwandten allzu oft darauf bestehen, dass der Kranke wahnhaftem Denken und realitätsfernen Interpretationen unterliegt, sieht er sich oft erst recht in seinem wahnhaften Denken bestätigt, dass eine Verschwörung gegen ihn im Gange ist. Für diese Menschen sind ihre verzerrten Wahrnehmungen absolut glaubhaft. Sie folgen einer kranken Logik, die unangreifbar erscheint.


Wahnvorstellungen im Alter - Wenn Demenzkranke sich bestohlen fühlen oder seltsame Dinge sehen - Wahn, Halluzination und Verkennungen bei Demenz (Informationen der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e.V.)
Wahnvorstellungen im Alter – Wenn Demenzkranke sich bestohlen fühlen oder seltsame Dinge sehen – Wahn, Halluzination und Verkennungen bei Demenz (Informationen der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e.V.)

An sich sind Wahnvorstellungen nicht als eigenständiges Krankheitsbild zu sehen. Sie treten meist im Rahmen einer Demenzerkrankung, einer Schizophrenie oder einer Depression auf (siehe auch: schwerste Depressionen Symptome). Auch aus einer starken Vereinsamung heraus kann es zu wahnhaften Vorstellungen kommen. Selbst organische Ursachen oder Fehlfunktionen auf der Ebene der Stoffwechselprozesse sollten als mögliche Verursacher hinterfragt werden. Die Lebenssituation der Betroffenen begünstigt oftmals den Wahn, der insofern auch als lebensgeschichtlich bedingt angesehen werden sollte. Meistens bezieht sich der Wahn auf eine bestimmte Vorstellung – zum Beispiel darauf, von der Polizei gesucht und verfolgt zu werden, von Verwandten ins Altersheim abgeschoben zu werden oder von der Pflegerin oder Mitpatienten bestohlen zu werden. Typische Themen einer Wahnvorstellung sind

  • Verfolgungswahn
  • Bedrohungswahn
  • Bestehlungswahn
  • Eifersuchtswahn
  • Liebeswahn
  • sexueller Wahn
  • Abhörwahn
  • Bestrahlungswahn
  • Größenwahn
  • Kleinheitswahn
  • körperbezogene Wahnvorstellungen
  • oder hypochondrischer Wahn.

Problematisch ist, dass kein Gegenbeweis, kein Beruhigungsversuch und kein Argument die Betroffenen davon überzeugen kann, dass sie nicht bestohlen, verfolgt oder bedroht sind. Sie glauben schlichtweg nicht, dass ein bestimmter Mensch sie nicht sexuell belästigt, dass sie nicht ins Heim abgeschoben werden oder verhungern werden. Ihre irrigen Vorstellungen folgen einer Obsession, die trotz aller Beweise des Gegenteils aufrechterhalten wird. Jenseits der Wahnvorstellung können diese Menschen aber oft ganz normal agieren und auch für sich selbst sorgen.

Die Auslöser und Verursacher für solche Krankheitsbilder sollten durch entsprechende Untersuchungen ermittelt werden. Stehen die Verursacher dieser psychischen Krankheitsbilder fest, sollten die Patienten nach Möglichkeit therapeutisch betreut und medikamentös behandelt werden. Eine Einweisung in die Psychiatrie (siehe auch Zwangseinweisung Psychiatrie) ist gelegentlich unvermeidbar. In anderen Fällen kann die Therapie einer organische Funktionsstörung oder eines entgleisten Stoffwechselgeschenens zur Problemlösung beitragen.

Quellen:


Wahnvorstellungen Ursachen:

Wahnvorstellungen Ursachen (Screenshot https://deximed.de/home/b/psychische-stoerungen/patienteninformationen/was-kann-das-sein/wahnvorstellungen/ vom 15.08.2018)
Wahnvorstellungen Ursachen (Screenshot deximed.de/home/b/psychische-stoerungen/patienteninformationen/was-kann-das-sein/wahnvorstellungen/ vom 15.08.2018)

Wahnvorstellungen Symptome & Formen:

Wahnvorstellungen Symptome & Formen - der Wikipedia-Artikel zu Wahn liefert einen Überblick über die Vielfalt der Ausprägungen von Wahnideen (de.wikipedia.org/wiki/Wahn#Beispiele_von_Wahn)
Wahnvorstellungen Symptome & Formen – der Wikipedia-Artikel zu Wahn liefert einen Überblick über die Vielfalt der Ausprägungen von Wahnideen (de.wikipedia.org/wiki/Wahn#Beispiele_von_Wahn)

Wie können Helfer mit solchen Erkrankungen umgehen?

Folgen wie verzerrte Wahrnehmungen, Halluzinationen, Psychosen oder Schizophrenie haben bei einem Auftreten im fortgeschrittenen Alter ihre Ursachen oft in einer Alzheimer- oder Demenzerkrankung, einer schweren Depression oder einem Hirntumor. Die Wahnvorstellung ist also oft auf Veränderungen im Gehirn oder im Gehirnstoffwechsel zurückzuführen.

Zunächst müssen sich die pflegenden Kräfte die Frage stellen, ob sie die betroffenen Personen mit ihren verzerrten Vorstellungen konfrontieren sollten oder nicht. Jede Konfrontation mit der Realität kann zu Konflikten und Verunsicherung führen. Manchmal scheint es klüger zu sein, auf die verzerrten Wahrnehmungen der paranoiden Patienten einzusteigen. In anderen Fällen ist dieses Verhalten nicht angezeigt oder gar kontraproduktiv. Es bestätigt den Verdacht der betroffenen Menschen und kann ungeahnte Folgen haben. Die pflegenden Menschen müssen genau abwägen, wie sie mit solchen Umständen angemessen umgehen können.

In der Psychiatrie gilt mittlerweile der Standard, dass man bei Demenzerkrankungen nicht in die Wahnvorstellung des Patienten einsteigen sollte. Die Experten anderer Fachrichtungen streiten sich aber zu diesem Thema. In der Zwischenzeit bemühen sich Pflegekräfte und Angehörige, den Erkrankten ihre Würde nicht zu nehmen und einen möglichst wertschätzenden und wahrhaftigen Umgang zu pflegen. Oftmals scheint schlichtes Zuhören wichtiger zu sein als alles andere. Fakt ist, dass etwa ein Drittel aller Demenzbetroffenen eine Periode wahnhafter Vorstellungen erlebt, es mit Halluzinationen, Schizophrenie oder Psychosen zu tun bekommt. Solche Perioden können durch einen Schlaganfall, durch Alkoholprobleme oder chronische Dehydrierung ausgelöst werden. Eine Phase der Wahnhaftigkeit kann mit oder ohne eine Therapie durchaus mehrere Monate oder gar Jahre andauern.

Quellen:

Der Wert der Psychotherapie bei wahnhaften Vorstellungen

Im Rahmen einer Demenz im Alter oder bei einem Hirntumor macht eine Behandlung durch eine Psychotherapie oft keinen Sinn, weil die Patienten der Therapie nicht folgen könnten. Ihre Wahrnehmungsstörungen sind bei einer Demenzerkrankung zunächst nur als gebetsmühlenartig wiederholte Behauptungen und Befürchtungen präsent. Die Menschen sind misstrauisch. Sie wittern hinter jeder noch so harmlosen Begebenheit einen Hinweis dafür, dass sie mit ihrem Verdacht Recht haben. Dadurch wird dieser zu einer Art selbsterfüllenden Prophezeiung. Später aber können die aufgehäuften Verdachtsmomente zu drastischen Aktionen führen, die den eingetretenen Realitätsverlust zum Anlass für schädigendes oder selbstschädigendes Verhalten nimmt. In diesem Fall sind Einweisungen in entsprechende Einrichtungen oft die Folge des wahnhaften Denkens.

Eine Psychotherapie kann jedoch bei jüngeren Erkrankten und bei bestimmten Krankheitsbildern und Störungen Sinn machen (vgl. verschiedene Formen von Persönlichkeitsstörungen). Sie setzt ein, wenn die Symptome der Grunderkrankung erkannt und behandelt wurden. Operable Hirntumore können also auch zum Verschwinden solcher Störbilder führen. Schwierig ist es aber, die Grenze zur Behandlungsbedürftigkeit festzustellen. Eine akute Wahrnehmungsstörung kann manchmal eine kurze Dauer haben und dann wieder vorbei sein. Die Psychotherapie ist als Behandlungsoption immer dann sinnvoll, wenn der Realitätsverlust das Urteilsvermögen stark beeinträchtigt hat oder der Patient beginnt, sich selbst oder anderen Schaden zuzufügen. In diesem Fall sollte ein Facharzt für Psychiatrie über die Behandlung entscheiden.

Eine akute Behandlungsbedürftigkeit besteht bei einem wahnhaften Verhalten, das als schwere inhaltliche Denkstörung im Verlauf einer psychischen Erkrankung diagnostiziert wird. Die psychotherapeutische Behandlung zielt darauf ab, dem Patienten die Realität auf schonende Weise erkennbar zu machen. Bei der Behandlung können unterstützend Psychopharmaka (Psychopharmaka Liste) eingesetzt werden. Außerdem können kognitive Übungen in die Behandlung integriert werden. Die aufgetretenen Wahrnehmungsstörungen können dann vielfach behoben werden.

Quellen:

Wahnvorstellung – Ein Fall für die Psychosomatik oder die Somatopsychologie?

In der Psychosomatik sind Menschen gut aufgehoben, deren Realitätsverluste auf organische Ursachen zurückgehen. Selbst durch eine falsche Ernährung und einen zu geringen Flüssigkeitsausgleich können Menschen vorübergehend an Wahrnehmungsstörungen und Halluzinationen leiden. Aktuelle Forschungsergebnisse lassen beispielsweise die Vermutung zu, dass auch ein aus dem Ruder gelaufenes Immunsystem bei schizophrenen Menschen zu Halluzinationen, wahnhaftem Denken, Realitätsverlusten und krankhaften Denkstörungen führen kann. Daneben liegen meist genetische Veranlagungen für solche Krankheitsbilder vor. Außerdem wurden bei mindestens zehn Prozent der untersuchten Menschen mit schizophrenen Erkrankungen entzündliche NMDA-Glutamat-Rezeptor-Antikörper gefunden. Ob aus diesen Erkenntnissen neue Behandlungsansätze für wahnhaftes Denken entstehen können, ist noch offen.

Neben der Psychosomatik kann die Somatopsychologie (vgl. somatoforme Störungen) wichtige Erkenntnisse zu diesen Themenbereichen liefern – beispielsweise beim Vorliegen einer Porphyrie. Viele Störungen, die sich mit Halluzinationen und wahnhaftem Denken bemerkbar machen können, sind durch Stoffwechselprobleme verursacht worden. Die Psychosomatik geht davon aus, dass Störungen auf psychischer Ebene auch zu körperlichen Symptomen führen können (vgl. psychosomatische Erkrankung und psychosomatische Behandlung). Verzerrte Gedanken und intensive Gefühle können demnach körperliche Funktionskreise nachhaltig stören. Umgekehrt können aber auch organische Erkrankungen zu massiven Auswirkungen im Bereich der emotionalen oder kognitiven Prozesse führen.

Die Somatopsychologie ist ein noch wenig bekannter Bereich der medizinischen Psychologie, der solchen Störungen nachgeht. Demnach könnten die Symptome einer Schizophrenie oder Psychose auch körperliche Ursachen haben. Das Krankheitsbild kann also trügerisch sein. Es weist augenscheinlich auf eine psychische Erkrankung hin, während die Wahnvorstellung in Wahrheit nur eines der Symptome einer Fehlfunktion auf organischer Ebene ist. Es ist leicht, paranoide Menschen als psychisch krank abzustempeln. Die vorgenommenen Untersuchungen sollten aber auch andere Möglichkeiten in Betracht ziehen. Angesichts solcher Symptome sind also ausführliche differentialdiagnostische Untersuchungen wünschenswert. Eine gestörte Wahrnehmung kann auf vielen Ursachen basieren. Sie kann vorübergehender oder ständiger Natur sein.

Quellen: