Coulrophobie - Angst vor Clowns und Puppen | Ein Blick in die Google Bildersuche zeigt, wie erschreckend manch Clown-Gesicht aussehen kann (Screenshot 17.09.2019)

Coulrophobie: Angst vor Clowns und Puppen

Wer die Folgen von „Freak Show“ der Netflix-Serie „American Horror Story“ gesehen hat, der ahnt vielleicht, warum manche Menschen an Angst vor Clowns leiden können. Der hier porträtierte Clown war schon in seinem Auftreten kein „Lustiger August“. Er wirkte hinter seiner Maske bedrohlich und bösartig. Doch auch jenseits des Erlebens solcher Grusel-Clowns können Menschen an Coulrophobie, einer panischen Angst vor Clowns und Puppen leiden.

Betroffen sind vor allem kleine und größere Kinder. Diese können nicht verstehen, warum sich diese stark geschminkten und angeblich lustigen Menschen so seltsam verhalten. Doch auch Erwachsene können Angst vor Clowns haben. Dabei geht es aber nicht um sogenannte „Scary Clowns“ aus Horrorfilmen, sondern um den ganz gewöhnlichen Clown, den jeder aus dem Zirkus kennt. Dieser verkörpert an sich eine tölpelhafte und lustige Figur. Sie kann durchaus auch Trauer empfinden und trostbedüftig sein. Was dem Clown jedoch zunächst gefehlt hat, ist jede Form von Bösartigkeit oder Grausamkeit. Diese Zuschreibungen erfolgten erst in neuerer zeit, beispielsweise durch Romane von Stephen King oder Gruselschocker im Fernsehen.

Quellen:

Was ist Coulrophobie?

Möglicherweise liegt die Angst vor Clowns und clownartigen Puppen in deren stark geschminkten Gesichtern begründet. Offensichtlich sind Clowns, die nicht ganz so stark geschminkt sind, für manchen Betroffenen nicht so angstbesetzt. Für andere Betroffene wirken alle Clowns gleichermaßen angstauslösend.

Die Coulrophobie ist im Vergleich zu anderen Phobien relativ selten (siehe unsere Liste verschiedener Phobien). Den meisten Menschen ist die Angst vor Clowns fremd. Sie finden diese lustig und zum Lachen. Befremdlich sind in ihren Augen lediglich die sogenannten Grusel- und Horrorclowns. Diese verkehren das lustige Image des Clowns ins Gegenteil. Ungefähr in der Mitte der Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts traten Gruselclowns verstärkt in der Populärkultur in Aktion. Es gab diverse Romane und Filme, in denen ein Gruselclown sein Unwesen trieb. Um 2010 herum gab es eine Periode, in der ahnungslose Passanten von verkleideten Menschen, die Horrorclowns darstellten, erschreckt, verfolgt und teilweise attackiert wurden. Bücher und Filme stellten dafür die Grundlagen her. Damit wurde auch die Coulrophobie als Krankheitsbild präsenter.

Prinzipiell können Menschen Ängste vor allem möglichen entwickeln – zum Beispiel vor vermeintlich harmlosen Dingen wie Knöpfen oder Puppen. In den Augen anderer sind solche Objekte nicht angstbesetzt. Entsprechen wenig Verständnis erhalten jene, die sich vor solchen Objekten ängstigen oder ekeln.

Doch die Automatonophobie oder Angst vor Puppen ist ein Krankheitsbild, das eine Angststörung kennzeichnet. Sie kann Puppen oder Ähnliches betreffen, also auch Schaufensterpuppen oder Statuen. Bei diesen handelt es sich um mehr oder weniger realistische Nachbildungen von Menschen. Viele Passanten fühlen sich von solchen Figuren angesehen und mit Blicken verfolgt. Auch hier können frühkindliche Erlebnisse. Träume oder unverarbeitete Traumata für panische Angst vor Clownsfiguren sorgen, die bis ins Erwachsenenleben anhält.

Auch Puppen haben in verschiedenen Horrorfilmen oder Horror-Bestsellern aus der Literatur eine Rolle gespielt. Viel gravierender ist aber, dass auch sexueller Missbrauch in Gegenwart einer Puppe stattgefunden haben kann. Die Puppe wird dann zum Objekt einer angstbesetzten Projektion, während das eigentliche Geschehen über Jahre und Jahrzehnte verdrängt wird. Daher scheint die Angst vor Puppen unerklärlich zu sein. Sie ist es aber nicht wirklich.

Symptome der Coulrophobie und der Angst vor Puppen

Die Symptome der Angst vor Clowns und der Angst vor Puppen ähneln denen jeder anderen Angststörung (vgl. Angstsymptome und Angstzustände Symptome sowie Angstattacke Symptome). Der Unterschied mag darin liegen, dass oft Kinder von diesen Ängsten betroffen sind. Diese können eine Angststörung nicht alleine überwinden. Sie brauchen professionelle Hilfe, um ihre Ängste zu bewältigen (siehe Angstbewältigung generell versus Angsttherapie bei Kindern). Erhalten betroffene Kinder diese Hilfe nicht, sondern werden belächelt, kann sich die Angststörung bis ins Erwachsenenelter erstrecken. Zunächst besteht vielleicht nur eine Angst vor Clowns und Puppen. Später kann daraus aber eine generalisierte Angststörung werden. Deren Symptome können in

  • Schweißausbrüchen
  • Herzrasen
  • Panikattacken
  • Meidungsverhalten
  • Ohnmachtsgefühlen
  • Beklemmungen
  • Schwindel
  • Atembeschwerden wie Kurzatmigkeit oder Hyperventilation

bestehen. Es nützt nichts, den Zirkus zu meiden und Spielzeuggeschäfte zu umschiffen. Schocktherapien eines vermeintlich verweichlichten Kindes durch die Eltern erreichen meist das Gegenteil dessen, was damit erzielt werden soll. Solange die eigentlichen Ursachen der Symptome nicht als Auslöser der Panik erkannt wurden, erhält das Kind keine fachgerechte Behandlung. Die Auswirkungen der Traumata werden nicht als behandlungsbedürftige Phobie oder Angststörung erkannt.


Coulrophobie - Angst vor Clowns und Puppen | Ein Blick in die Google Bildersuche zeigt, wie erschreckend manch Clown-Gesicht aussehen kann (Screenshot 17.09.2019)
Coulrophobie – Angst vor Clowns und Puppen | Ein Blick in die Google Bildersuche zeigt, wie erschreckend manch Clown-Gesicht aussehen kann (Screenshot 17.09.2019)

Kindliche Ängste, die normal sind

Der familiäre Nachwuchs durchlebt im Laufe seiner Entwicklung verschiedene Ängste. Diese liegen meist in normaler Ausprägung vor. Im ersten halben Jahr dominieren Ängste vor lauten Geräuschen. Im halben Jahr danach „fremdeln“ die Kleinen. Im Jahr danach entwickeln sich Trennungsängste und Ängste davor, eine Toilette zu benutzen. Im Alter von zwei treten oft Ängste vor Dunkelheit oder Tieren auf. Mit drei oder vier jahren haben die Kleinen oft Angst vor Riesen, Hexen, Monstern und anderen Fantasiegestalten. Wenn der Nachwuchs ab dem fünften Lebensjahr Ängste vor bösen Menschen und dem Verlust der Eltern entwickelt, ist das normal. Später kommen weitere Ängste dazu:

Wenn sich aus diesen an sich normalen Entwicklungsphasen eine psychische Störung entwickelt, nehmen die Ängste überhand. Sie beeinträchtigen die alltäglichen Tätigkeiten und führen zu einer ungesunden, permanenten inneren Anspannung. Beteiligt an einer solchen Entwicklung können verschiedene Faktoren sein. Zu diesen gehören genetische Faktoren, der Erziehungsstil, Bindungsprobleme, belastende Eriegnisse, die unverarbeitet geblieben sind, oder die seelische Konstitution des Kindes. Empfindsame Kinder können solche Ängste nicht ohne Hilfe überwinden.

Wie können Betroffene ihre Angststörung überwinden?

Ob es nun um die Angst vor Clowns oder vor Puppen geht, ist weniger wichtig. Vielmehr ist relavant, wie es zu dieser Angststörung kam, und was hinter der damit verbundenen Panik steht. Möglicherweise sind es traumatische Erlebnisse, die nicht verarbeitet wurden.

Wenn ein Kind oder Jugendlicher von einer Panikstörung betroffen ist, suchen viele Eltern zunächst hilfreiche Tipps im Internet. Sie finden so heraus, dass nicht nur ihr Kind an Coulrophobie oder Automatonophobie leidet, sondern auch andere. Doch da der Nachwuchs sich in jungen Jahren nicht gut genug ausdrücken kann, kann er bestenfalls seine Symptome schildern. In den meisten Fällen verhalten Kids sich einfach auffällig und eigenartig. Sie wirken übermäßig ängstlich. Manche Betroffenen wirken geradezu verstört. In ihren Augen steht blankes Entsetzen. Sie suchen Schutz bei der Mutter, und weinen beim Anblick eines Clowns oder einer Puppe.

Die angstbesetzten Objekte können jedoch nicht auf den eigentlichen Auslöser zurückgeführt werden. Das Erlebte wurde in der Regel verdrängt. Es wird auf das angstbesetzte Objekt projiziert. Dieses spielte in irgendeiner Weise eine Rolle bei der Traumatisierung des Kindes. Kinder mit einer Angststörung (siehe Angststörungen bei Kindern) erhalten meistens Hilfe durch eine kognitive Verhaltenstherapie, damit sie ihre Ängste bewältigen können. An deren Ende kann der Besuch in einem Zirkus oder einem Puppenmuseum stehen. Gerät das Kind nicht mehr in Panik, sondern wirkt interessiert, ist die Therapie erfolgreich verlaufen. Es konnte seine Ängste überwinden und bewältigen.

Die Behandlung von kindlichen Angsterkrankungen

Wenn es sich bei einer Panikstörung um ein Kind handelt, muss die Konfrontationstherapie behutsam und spielerisch ausfallen. Manchmal sind Ängste jedoch so dominant, dass eine medikamentöse Behandlung angezeigt ist. Auf jeden Fall nehmen die Eltern des Kindes eine prominente Rolle bei der Bewältigung der Phobie ein.

Bis zu 10 Prozent aller Kinder sind in den ersten 15 Lebensjahren von einer Angststörung betroffen. Dabei fällt auf, dass Mädchen häufiger von Ängsten betroffen sind als Jungen. Ängste sind im kindlichen Alter zwar normal. Entscheidend ist jedoch, wie gravierend die Ängste ausfallen, und ob sie zu Symptomen führen, die behandlungsbedürftig sind. Übersteigerte Ängst, die monatelang anhalten und zu Meidungsverhalten führen, sind nicht mehr als normale Ängste zu bezeichnen. Es handelt sich dann um Phobien oder generalisierte Ängste.

Familiennachwuchs, der wegen seiner Angst nicht mehr schlafen kann, nicht zur Schule gehen will oder andere Störungen aufweist, sollte dem Kinderarzt und gegebenenfalls einem Kinder- und Jugendpsychotherapeuten (siehe Kinderpsychotherapie) vorgestellt werden. Offensichtlich können die betroffenen Menschen ihre Probleme nicht mehr alleine überwinden. Sie erkennen die Ursachen ihrer Ängste ebensowenig wie die Eltern. Wenn Tipps aus Online-Ratgebern nichts bewirken, ist ein Kindertherapeut die beste Wahl. Er kann dem Kind durch eine kindgerechte Behandlung helfen, seine Ängste loszulassen und auf ein gesundes Maß zurückzufahren.

Manche kleinen Menschen sind von der seelischen Konstitution her robuster. Andere sind ängstlicher. Die fachgerechte Behandlung von unverarbeiteten Traumata und Ängsten in jungen Jahren kann verhindern, dass die Symptome chronisch werden und sich bis ins Erwachsenenalter erstrecken. Das ist oft der Fall, wenn

  • die Störung sich bereits vor dem 13. Lebensjahr atebliert hat,
  • sie durch negative Lebensereignisse und Traumata verursacht wurde
  • das Kind bereits andere somatoforme Störungen aufweist

Möglicherweise kann durch die Behandlung keine hundertprozentige Heilung erreicht werden. Doch die Therapie führt in fast allen Fällen zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität. Durch methodische Vielfalt aus Psychoedukation, kognitiver Umstrukturierung, behutsamer Konfrontation und Rückfallprophylaxe lernt das Kind, dass es Hilfe erhält und mit seinen Problemen ernst genommen wird. Je nach Ursache und Auswirkung der Traumata werden zusätzlich Entspannungstherapien oder verschiedene Formen von Kompetenztraining eingesetzt (siehe auch Sozialkompetenztraining). Der Einsatz von Psychopharmaka wird überlegt, wenn die Ängste zu belastend sind, um dem Kind eine kognitive Therapie zuzumuten.


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Quellen und weiterführende Ressourcen zu Coulrophobie / Clownsangst & Co:

Dr. Jan Martin - Virtueller Chefredakteur - Digitale Redaktionsleitung Dr. Jan Martin ist virtueller Chefredakteuer von www.angst-verstehen.de. Er ist das Außengesicht der digitalen Redaktionsleitung, verantwortlich für Qualitätssicherung und Publikation der Texte der Redaktion.

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