Venlafaxin Antidepressiva - Google Bildersuche vom 23.06.2017

Venlafaxin Antidepressiva ► Wirkung, Nebenwirkungen, Dosierung

Bei Venlafaxin handelt es sich um einen Wirkstoff, der in Medikamenten wie z.B. Trevilor, Venlafaxin Heumann, Venlafaxin Neuraxpharm usw. zur Behandlung von Depressionen und Angsterkrankungen (generalisierte Angststörung, soziale Angststörung / soziale Phobie, Panikstörung, Agoraphobie) eingesetzt wird. Ein solches Antidepressivum ist rezeptpflichtig und gehört zur Kategorie der Selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI).

Die Wirksamkeit von Venlafaxin beruht darauf, dass es die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin an den dazugehörigen Synapsen im Gehirn verringert. Die Wiederaufnahme von Dopamin wird ebenfalls beeinflusst, allerdings erst in relativ hoher Dosierung. Dadurch stehen diese Botenstoffe dem Zentralnervensystem in höherer Konzentration zur Verfügung und können depressive Symptome lindern, bzw. gegen Ängste wirken.

Im Fall von Venlafaxin wird die Serotonin-Wiederaufnahme etwa 30-mal stärker gehemmt als die Noradrenalin-Wiederaufnahme, was bedeutet, dass Venlafaxin in geringeren Dosen einem Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wie z.B. Fluoxetin, Citalopram oder Escitalopram in der Wirkung ähnelt: Es wirkt stimmungsaufhellend, angstlösend und antriebssteigernd. Erst in höheren Dosen kommt die Noradrenalin Komponente mit ihrem stimulierenden Effekt stärker zum Tragen.

Die besten Ergebnisse und Heilerfolge werden in Verbindung mit einer Psychotherapie erzielt, in der die Ursachen der Ängste und Depressionen erfolgreich aufgearbeitet werden können.

Wann wird Venlafaxin verschrieben?

Folgende Symptomatiken gelten als Indikation für Venlafaxin:

  1. Depressionen
  2. Angsterkrankungen:
  3. Erhaltungstherapie und Vorbeugung von:
    • Rückfällen (Rezidivprophylaxe)
    • Wiederholung von depressiven Episoden
    • Auftreten von neuen depressiven Erkrankungen
  4. Off-Label:
    • diabetische Polyneuropathie
    • ADHS (bei Versagen von anderen Stimulanzien)
    • Begleiterscheinungen wie Hitzewallungen
    • chronische Schmerzen

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Darreichungsform und Dosis

Venlafaxin als Wirkstoff wird in Tablettenform rezeptpflichtig zur peroralen Einnahme (schlucken) angeboten. Marken wie Trevilor, Venlafaxin Heumann, Venlafaxin Neuraxpharm usw. gibt es als Hartkapseln in folgenden Dosierungen: 37.5 mg, 75 mg und 150 mg – dies entspricht den Tagesdosen, die in der ambulanten Behandlung eingesetzt werden.

In der stationären Behandlung sind Tagesdosen von 75 mg bis 225 mg üblich und in Einzelfällen bis zu einer Maximaldosis von 300 mg möglich. Da die hohen Dosierungen unter bestimmten Umständen psychotische Reaktionen auslösen können, werden sie jedoch nur bei dringender Indikation verabreicht.

Oft sind Kapseln, auch relativ niedrig dosierte (37.5 mg oder 75 mg), retardiert, d.h. sie setzen den Wirkstoff nach und nach über einen gewissen Zeitraum frei. Dies soll die Wirksamkeit begünstigen und das Auftreten von möglichen Magen-Darm-Reizungen verhindern.

Erfahrungsgemäß hat eine Tagesdosis von 150 mg die beste Wirkung bei gleichzeitig guter Verträglichkeit. Jedoch muss die individuell beste Dosierung grundsätzlich immer in enger Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt erarbeitet und festgelegt werden.

Venlafaxin und andere Antidepressiva

Die Studienlage zur Vergleichbarkeit der Wirkungsweise von Velafaxin gegenüber anderen Arten von Antidepressiva, so den Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI), den Trizyklischen Antidepressiva (TZA) oder den Monoaminooxidase-Hemmern (MAO-Hemmer) ist noch nicht eindeutig geklärt.

Im Vergleich zu SSRI wie Flouxetin, Citalopram oder Escitalopram soll Venlafaxin eine leicht erhöhte Wirksamkeit gezeigt haben. Dadurch, dass es zusätzlich zum Serotonin auch das Noradrenalin im Gehirn erhöht, soll eine bessere Stimulierung erreicht werden, was bei einer ausgeprägten Antriebsschwäche von Vorteil sein kann (vgl. Serotoninmangel). Insbesondere gegen Ängste soll es damit besser helfen als reine SSRI.

Allerdings weisen einige Studienergebnisse darauf hin, dass es bei Venlafaxin aufgrund von unerwünschten Effekten etwas häufiger zum Behandlungsabbruch kommt als bei den reinen SSRI.

Gegenüber den Trizyklika wird eindeutig keine höhere Wirksamkeit unterstellt. Manche trizyklischen Antidepressiva wie z.B. Opipramol wirken nicht stimulierend, sondern im Gegenteil beruhigend und haben dadurch eine andere Indikation. Außerdem werden Trizyklika gern bei älteren Patienten eingesetzt, bei denen sich mit einer Medikation mit SSRI/ SSNRI kein befriedigendes Ergebnis erreichen ließ. – Sowohl SSRI als auch SSNRI sind auf jeden Fall nebenwirkungsärmer als diese ältere Kategorie von Antidepressiva (siehe Antidepressiva Nebenwirkung).

Dasselbe gilt auch für die MAO-Hemmer, die einen stärkeren – eben weniger selektiven – Eingriff in den Körper ermöglichen, von hoher Wirksamkeit sind, dadurch aber auch komplexer in ihren Neben- und Wechselwirkungen. Eine Behandlung mit irreversiblen MAO-Hemmern ist eine starke Kontraindikation für eine gleichzeitige Einnahme von Venlafaxin.

Ob Venlafaxin insgesamt anderen Stoffen vorzuziehen ist, entscheidet die Erfahrung des Arztes und die individuelle Diagnose.

Venlafaxin Nebenwirkungen und Kontraindikation

Wie bei anderen Antidepressiva, die rezeptpflichtig sind (vgl. Antidepressiva rezeptfrei), kommt es auch bei Venlafaxin in der Eingewöhnungsphase gelegentlich zu unerwünschten Symptomen, die sich während der Behandlung in der Regel wieder legen. Am häufigsten werden hier Magen-Darm-Beschwerden berichtet, die eine zusätzliche Gabe von Magenschutzmitteln nötig machen können.

Charakteristisch gerade für Venlafaxin als SSNRI sind Unruhezustände zu Behandlungsbeginn. Häufig sind sie ein Anzeichen für das Einsetzen der eigentlichen Wirkung des Antidepressivums und legen sich nachdem es seine Wirksamkeit (antidepressiv, angstlösend usw.) voll entfaltet hat.

Außerdem können gelegentlich bis selten folgende Symptome auftreten:

  • Kopfschmerzen
  • stärkeres Schwitzen (auch in der Nacht)
  • erhöhter Blutdruck
  • Herzbeschwerden (selten, aber möglich)
  • Übelkeit (gerade zu Beginn häufiger)
  • Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Verstopfung
  • Schwindel
  • Schlaflosigkeit
  • Nervosität
  • Zähneknirschen
  • Zittern
  • Sehstörungen
  • Benommenheit und Müdigkeit
  • sexuelle Funktionsstörungen
  • Verminderung der Libido

In sehr hoher Dosierung kann Venlafaxin eine dopaminerge Wirkung entfalten, was in Einzelfällen psychotische Reaktionen auslösen kann, weshalb die Behandlung mit Dosierungen ab 225 mg in aller Regel stationär erfolgen sollte.

Für Kinder und Jugendliche wird von einer Behandlung mit Venlafaxin grundsätzlich abgeraten. Studien konnten in dieser Altersgruppe keine Wirksamkeit feststellen.

Bei älteren Patienten sollte die Behandlung mit Vorsicht erfolgen, da eine Beeinträchtigung der Nierenfunktion oder ein Änderung der Neurotransmittersensitivität auftreten könnte.

Venlafaxin schrittweise absetzen!

Nicht unterschätzen sollte man auch die Absetzerscheinungen von Venlafaxin, so dass man Trevilor und ähnliche Mittel niemals abrupt absetzen, sondern immer unter ärztlicher Beobachtung ausschleichen sollte (vgl. auch Opipramol ausschleichen).

Die Absetzerscheinungen von Trevilor, Venlafaxin Heumann, Venlafaxin Neuraxpharm und anderen SSNRI können folgende Symptome umfassen:

  • Appetitlosigkeit,
  • Angstzustände,
  • Unruhe und Bewegungsdrang,
  • Verwirrung,
  • Durchfall,
  • Benommenheit,
  • Mundtrockenheit,
  • Müdigkeit,
  • Kopfschmerzen,
  • Schlafstörungen,
  • starkes Schwitzen,
  • Schwindel,
  • Übelkeit,
  • Erbrechen,
  • Zittern,
  • Geschmacksveränderungen,
  • Sehstörungen,
  • Verwirrtheit,
  • Tinnitus und
  • psychotische Reaktionen.

Ob und wie intensiv diese Symptome auftreten könnten, hängt von der Dosis, der Behandlungsdauer und der individuellen Konstitution des Patienten ab. Grundsätzlich gilt: man sollte Antidepressiva nur schleichend und unter strenger ärztlicher Beobachtung absetzen. Dann fallen Absetzerscheinungen, falls überhaupt welche auftreten, wenig schwerwiegend aus und klingen in der Regel innerhalb weniger Wochen aus.

Die Packungsbeilage des jeweiligen Mittels liefert weitere wertvolle Warnungen und Hinweise zu Kontraindikationen und sollte vor der Einnahme auf jeden Fall konsultiert werden.

Schwangerschaft und Venlafaxin – was ist zu beachten?

Besteht eine Schwangerschaft, so sollten Medikamente, die Venlafaxin enthalten (Trevilor usw.) nur bei dringlicher Indikation eingesetzt werden. Eine Konsultation des behandelnden Arztes ist unbedingt erforderlich.

Folgende Symptome können Neugeborene betreffen, die während der späten Schwangerschaft mit Venlafaxin in Berührung gekommen sind:

  • Ess- und Schlafstörungen
  • Atmungsschwierigkeiten
  • Krampfanfälle
  • Schwierigkeiten bei der Regelung der Körpertemperatur
  • niedriger Blutzuckerspiegel
  • Zittern
  • angespannte oder übermäßig entspannte Muskulatur
  • Erbrechen
  • Reizbarkeit und ständiges Weinen

Für stillende Mütter besteht nach gegenwärtiger Studienlage keine Kontraindikation für Venlafaxin – jedoch sollte auch hier die Medikation unter fachärztlicher Beobachtung erfolgen.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Zu beachten ist, dass das Mittel die Verstoffwechslung von anderen Substanzen verlangsamen kann, was unter Umständen eine toxische Wirkung auslösen könnte. Sein Einsatz zusammen mit anderen Medikamenten muss also allgemein sorgfältig abgewogen und überwacht werden.

Insbesondere der Einsatz von Venlafaxin, z.B. Trevilor in Kombination mit weiteren serotonergen Wirkstoffen (dazu gehören z.B. auch pflanzliche Alternativen wie Johanniskraut sowie Lithium, Triptane, die SSRI, Sibutramin und Tramadol) kann zum lebensbedrohlichen Serotonin-Syndrom führen. Es gibt zwar Behandlungsansätze, die mehrere Serotonin-Hemmer gemeinsam einsetzen, so auch Venlafaxin Citalopram kombinieren, jedoch wird außerhalb begründeter Einzelfälle davon abgesehen.

Eine absolute Kontraidikation für Venlafaxin-haltige Medikamente besteht bei einer gleichzeitigen Behandlung mit irreversiblen Monoaminooxidase-Hemmern (MAO-Hemmern). Auch reversible MAO-Hemmer werden nur in seltensten Ausnahmefällen gleichzeitig mit Serotonin-hemmenden Medikamenten eingesetzt. Diese Substanzen sollte man mindestens zwei Wochen vor einem Medikationswechsel absetzen.

Schmerzmittel und Pille

Vor dem gleichzeitigen Gebrauch von Schmerzmitteln: z.B. Venlafaxin und Ibuprofen oder Venlafaxin und Aspirin sollte auf jeden Fall der Arzt konsultiert werden. Da das Medikament die Verstoffwechslung verlangsamt, muss sein Einsatz in Kombination mit anderen Medikamenten grundsätzlich mit der individuellen Verträglichkeit (Leber- und Nierenfunktion) abgeglichen werden.

Der gleichzeitige Gebrauch von Venlafaxin und Pille ist nach gegenwärtigem Stand des Wissen kein Problem. Dennoch sollte auch dies individuell abgeklärt werden.

Venlafaxin und Alkohol

Zusätzlich zu Venlafaxin Alkohol zu sich zu nehmen, ist keine gute Idee, da das Medikament dadurch nicht richtig wirken kann. Der Alkohol beeinflusst die gleichen Rezeptoren im Gehirn wie das Antidepressivum und destabilisiert dessen Wirkmechanismus.

Wer also trotz Einnahme von Venlafaxin Alkohol konsumiert riskiert heftige Wechselwirkungen, insbesondere da Venlafaxin mehrere Arten von Rezeptoren anspricht.

Die Verkehrstüchtigkeit

Die Fahrtauglichkeit / Verkehrstüchtigkeit wird durch die Einnahme von Venlafaxin nur dann beeinträchtigt, wenn es zu bestimmten Nebenwirkungen (z.B. starke Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Schwindel) kommt. Das Führen von Kraftfahrzeugen und Bedienen von Maschinen ist in diesem Fall natürlich nicht angesagt.


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