Cymbalta 30 mg / 60mg Tabletten (Google Bildersuche)

Cymbalta ► Überblick für Patienten

Bei Cymbalta handelt es sich um ein Antidepressivum der Klasse Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI). Der zugrunde liegende Wirkstoff heißt Duloxetin, es wird jedoch auch unter den Handelsnamen Ariclaim, Xeristar, Yentreve und Duloxalata sowie als Generikum vertrieben. Unter vergleichbaren Präparaten gilt es als relativ teuer, verbunden mit einem ähnlich bewerteten Nutzen. Das Medikament ist in jeder Form verschreibungspflichtig, wird zurzeit jedoch nur als magensaftresistente Hartkapseln vertrieben. Als SSNRI entfaltet es seine Wirkung sowohl bei den Noradrenalin- als auch bei den Serotonin-Transportern. Hierdurch wird die Wiederaufnahme beider Botenstoffe gehemmt und ein Anstieg ihrer Konzentration erreicht. Eine kurze Zusammenfassung zu dem Medikament in Videoform findet sich hier:

Indikationen und Erfahrungen bzgl. der Wirkung

Cymbalta wird aufgrund seiner Beeinflussung des Serotonin- und Adrenalinspiegels vorwiegend als Antidepressivum sowie im Rahmen der Behandlung generalisierter Angststörungen eingesetzt (vgl. generalisierte Angststörung heilen). Die Indikation gilt sowohl für einmalig auftretende Depressionen als auch für wiederholte Schübe (vgl. F33 rezidivierende depressive Störung, vgl.  auch Neurasthenie). Es ist allerdings ebenfalls bei diabetischer Polyneuropathie – einer Erkrankung des peripheren Nervensystems – sowie Harninkontinenz verfügbar. In diesem Fall wird es gegen die sogenannte Belastungsinkontinenz, die durch erhöhten Bauchinnendruck entsteht, verschrieben. Der Einsatz ist jedoch vorwiegend auf weibliche Betroffene beschränkt, da die Ursachen andere sind als bei männlichen Leidenden.

In der alleinigen oder kombinierten Therapie gegen Depressionen wurde nach den Erfahrungen in Studien auch ein Effekt gegen somatische Begleitsymptome, beispielsweise psychisch bedingte Schmerzen, aber auch Schmerzen im Rahmen einer Fibromyalgie oder Chemotherapie beschrieben. Diese Wirkung konnte in späteren Analysen jedoch nicht ausreichend bestätigt werden.

Art der Anwendung und Dosierung (Cymbalta 30mg / 60 mg)

Bei der jeweils empfohlenen Dosis ist die zu behandelnde Erkrankung ausschlaggebend. So ist zur Stärkung der Blasenmuskulatur, Verschlussförderung und Verbesserung der Belastbarkeit des Blasenschließmuskels nach gängigen Erfahrungen eine Dosis von 20-40 mg indiziert. Die Dosierung bei der Behandlung von Angsterkrankungen liegt bei 30-60 mg und die Dosis bei Depressionen wird mit 60-120 mg angegeben. Cymbalta wird dabei üblicherweise als Kapseln – nicht in Form von Tabletten – eingenommen, je nach Dosierung ein- bis zweimal am Tag, unabhängig von den Mahlzeiten. Cymbalta Nebenwirkungen treten Erfahrungen nach weniger intensiv auf, wenn mit einer niedrigeren Milligrammzahl begonnen und diese nach und nach gesteigert wird. Ist die Einnahme auch mit ausreichend Wasser nicht möglich, können die Hartkapseln geöffnet und die darin befindlichen Pellets eingenommen werden, sie dürfen jedoch keinesfalls zerkaut werden. Sowohl genaue Menge (30 mg, 60 mg, 120 mg) als auch Dauer der Anwendung richten sich nach den individuellen physiologischen Parametern des Betroffenen sowie der Art und Intensität seiner Erkrankung.

Cymbalta Tabletten: Die Dosierung hängt auch von der Indikation ab (© fizkes / stock.adobe.com)
Cymbalta Tabletten: Die Dosierung hängt auch von der Indikation ab (© fizkes / stock.adobe.com)

Wirkstoff und Wirkungsweise

Bei dem Cymbalta Wirkstoff Duloxetin handelt es sich um ein Stereoisomer, pharmazeutisch eingesetzt wird lediglich die S-Form. Das Medikament blockiert sowohl die Aufnahme der Botenstoffe Adrenalin als auch Serotonin, letzteren jedoch im Vergleich zehn mal stärker als ersteren. Auch ein Effekt auf Dopamin ist vorhanden, in der Größenordnung jedoch vernachlässigbar. Eine antidepressive Wirkung soll nach einigen Wochen aufgrund der höheren biologischen Verfügbarkeit der verantwortlichen Transmitter eintreten. Diese These lässt sich jedoch bislang nur bedingt durch Labordaten untermauern. Wirkungseintritt, Bioverfügbarkeit und Halbwertzeit hängen von unterschiedlichen Faktoren wie Alter, Gewicht, Raucherstatus, Geschlecht und Lebertätigkeit ab – ebenso von weiteren Erkrankungen.

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Cymbalta Nebenwirkungen, Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

Wie bei allen Medikamenten kann die Einnahme von Cymbalta mit einigen Nebenwirkungen nach Wirkungseintritt einhergehen (siehe auch Antidepressiva Nebenwirkungen). Genaue Informationen finden sich im Beipackzettel und sollten vor Behandlungsbeginn ausführlich mit dem jeweiligen Facharzt besprochen werden. Aufgrund der erhöhten Suizidneigung und weiterer Risiken ist das Medikament für Kinder oder Jugendliche ungeeignet.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen von Cymbalta können auch deutlich vor Wirkungseintritt entstehen, einige von ihnen verschwinden jedoch mit der Zeit wieder. Zu den am häufigsten beobachteten Problemen, sowohl was Erfahrungen von Nutzern des Präparats als auch was den anhand von Studien verfassten Beipackzettel betrifft, gehören:

  • Magen-Darm-Probleme wie Übelkeit, Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung, Durchfall, Aufstoßen, Erbrechen, Gewichtszunahme und Gewichtsverlust
  • Mundtrockenheit, Mundgeruch und Entzündungen der Schleimhäute des Verdauungsapparats
  • Schwindel, Schlafstörungen, intensives Träumen, Müdigkeit
  • Appetitlosigkeit, Geschmacksstörungen, Durst
  • Verwirrung, Nervosität, Unruhe, Konzentrationsschwierigkeiten, Apathie
  • Missempfindungen, Bewegungsstörungen, Kälteempfinden
  • Muskelzuckungen, Restless-Legs-Syndrom, Zittern, Muskelkrämpfe
  • Vermehrtes, vermindertes oder nächtliches Urinieren, Harnverhalt
  • Anstieg der Nieren-, Leber- und Blutfettwerte, Leberentzündung
  • Unterzucker, Schilddrüsenunterfunktion
  • Knochen- und Kopfschmerzen, Schwäche, Schüttelfrost, Schwitzen
  • Veränderungen von Puls und Herzschlag, Bluthochdruck
  • Störungen der Sexualität, Libidoverlust, Erektionsprobleme
  • Psychische Veränderungen

… und weitere, seltenere Probleme, die bei weniger als einem von 1000 Patienten aufgetreten sind. Als häufigster Grund für einen schnellen Behandlungsabbruch wird Brechreiz genannt.

Cymbalta Erfahrungen bei Sanego:

Cymbalta Erfahrungen zu Nebenwirkungen, Anwendung, Wirksamkeit und Verträglichkeit (Screenshot sanego.de/Medikamente/Cymbalta/ am 07.08.2018)
Cymbalta Erfahrungen zu Nebenwirkungen, Anwendung, Wirksamkeit und Verträglichkeit (Screenshot sanego.de/Medikamente/Cymbalta/ am 07.08.2018)

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen von Cymbalta Tabletten sind mit allen Präparaten zu befürchten, die sich auf den Serotoninstoffwechsel auswirken, speziell Antidepressiva. Eine gleichzeitige künstliche Erhöhung des Serotoninspiegels kann zu Vergiftungserscheinungen bis hin zum unter Umständen tödlichen Serotoninsyndrom führen. Aufgrund der Halbwertszeiten ist zu beachten, dass oft eine deutliche Pause von einer oder mehreren Wochen zwischen der Einnahme der Medikamente liegen muss. Das gilt auch für das pflanzliche Antidepressivum Johanniskraut (vgl. Laif 900 und Neuroplant Aktiv).

Weiterhin problematisch sind eine Reihe stärkerer Schmerzmittel, Schlafmittel und Beruhigungsmittel, einige Antihistaminika, Antipsychotika sowie Mittel, die einen Einfluss auf die Harnbildung haben. Die sichere Verwendung mit eventuell gleichzeitig eingenommenen Medikamenten ist daher immer mit dem behandelnden Arzt abzusprechen. Alkohol sollte idealerweise ebenfalls nicht parallel konsumiert werden, da es die Wirkung verstärken kann. Möchten Betroffene aufgrund der Behandlungsdauer trotzdem nicht ganz darauf verzichten, ist ein langsames Herantasten anzuraten.

Antidepressiva und Alkohol ⚠ Tückische Wechselwirkungen

Gegenanzeigen und Schwangerschaft

Als Randnotiz sei bemerkt, dass sich die Gegenanzeigen je nach Indikation unterscheiden. Wird Duloxetin nicht als Antidepressivum, sondern gegen Belastungs-Inkontinenz eingesetzt, stellen Depressionen einen Ausschlussfaktor dar. Denn da Duloxetin antriebssteigernd wirken soll, ist bei diesen Patienten ein höheres Suizidrisiko möglich, neben weiteren Nebenwirkungen wie Panikattacken und Angst. Diese Vermutung wurde auch in entsprechenden Studien bestätigt.

Nicht eingenommen werden darf der Wirkstoff im Falle von Nieren- und Leberfunktionsstörungen sowie bekannter Überempfindlichkeit. Hoher, vor allem aber unkontrollierter Bluthochdruck stellt ebenfalls eine Kontraindikation dar, da dieser durch Duloxetin weiter ansteigen kann.

Da pharmazeutische Tests an schwangeren Probandinnen generell untersagt sind, ist die Datenlage sehr dünn. Sinnvolle Aussagen zu Schäden an Embryos sind deshalb nicht möglich. Tierversuche zeigten bei längerer Einwirkung von Duloxetin teilweise häufigere Frühgeburten, Missbildungen des Skeletts und Herzens, Wachstumsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten des Nachwuchses. Diese Ergebnisse lassen sich jedoch nicht eins zu eins auf menschliche Schwangerschaften übertragen. Sicher ist, dass die Einnahme von Cymbalta im letzten Trimester zu teils erheblichen Entzugserscheinungen bei Neugeborenen führen kann. Eine Einnahme ist jedoch kein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch. Gleichzeitig sollte ein radikales Absetzen jedoch ebenso vermieden werden. Stattdessen sollte die Dosis in kleinen Schritten verringert werden, um belastende Entzugserscheinungen beim Absetzen für Mutter und Fötus zu minimieren. Diese Methode wird als Ausschleichen bezeichnet.

Cymbalta Nebenwirkungen - Bevor der Arzt das Präparat verschreibt, gilt es die Indikation und die möglichen Neben- und Wechselwirkungen genau abzuwägen (© nenetus / stock.adobe.com)
Cymbalta Nebenwirkungen – Bevor der Arzt das Präparat verschreibt, gilt es die Indikation und die möglichen Neben- und Wechselwirkungen genau abzuwägen (© nenetus / stock.adobe.com)

Cymbalta absetzen / ausschleichen: Absetzerscheinungen

Wer Cymbalta absetzen möchte, sollte es ausschleichen. Zwar treten nicht generell Entzugserscheinungen auf, sie sind jedoch sehr häufig. Das Ausschleichen kann dieses Risiko nicht vollständig ausschließen, die Wahrscheinlichkeit und Intensität des Auftretens aber verringern. Die wichtigsten Absetzsymptome sind Reizbarkeit, Angst und Schlafstörungen, hinzu können Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, sensorische Störungen, Schwitzen und Kopfschmerzen kommen. Auch Empfindungen, die als kleine Stromschläge beschrieben werden, sind häufig. Besonders problematisch daran ist das Auftreten psychischer Symptome, die mit der ursprünglichen Erkrankung verwechselt werden können – auch seitens des Fachpersonals. Das kann im schlechtesten Fall zu einer An- und Absetzspirale der Medikamentierung führen. Beim Absetzen ist es daher umso wichtiger, Geduld zu zeigen und sich nicht zu sehr durch die Symptome beunruhigen zu lassen.

Alternative Psychopharmaka

Sofern der spezielle Wirkstoff nicht vertragen wird, kommen ähnliche Arzneimittel aus der Gruppe der SSRI und SSNRI infrage. Für unangenehme Begleiterscheinungen der Tabletten hingegen ist dieser Ansatz nur bedingt geeignet, da sich einige Erfahrungen und Nebenwirkungen, wie Sexual- und Verdauungsstörungen, in der gesamten Medikamentengruppe ähneln. Um einerseits dem Ursprung der Depression oder Angststörung auf den Grund zu gehen (siehe auch Angstbewältigung) und andererseits einen sinnvollen Umgang mit der Erkrankung zu finden ist daher eine Therapie häufig sinnvoll. Auch Maßnahmen zur Entschleunigung des Lebens und zum Erlernen von mehr Achtsamkeit – beispielsweise Meditation oder autogenes Training – sind nicht selten hilfreich, speziell bei Personen, die zu Stress und hohen Ansprüchen an sich selbst neigen (vgl. auch Versagensängste). Studien haben zudem gezeigt, dass körperliche Bewegung, besonders an der frischen Luft, einen oft ähnlich positiven Effekt zeigt – ohne Nebenwirkungen (siehe auch: reaktive Depression). Als pflanzliche Alternative kann beispielsweise Johanniskraut dienen, das jedoch keinesfalls gleichzeitig eingenommen werden darf (vgl. den Abschnitt zu Cymbalta Nebenwirkungen und Wechselwirkungen).

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