F43.2g Diagnose Anpassungsstörung laut ICD 10 (© thingamajiggs - stock.adobe.com)

Diagnose F43.2g laut ICD 10

Die ICD-10 Diagnose F43.2g verstehen und behandeln

Eine Diagnose mit dem Code „F43.2“ bedeutet laut dem ICD 10 eine Anpassungsstörung. Ursächlich dafür sind bestimmte Erlebnisse. Diese werden in der Folge als emotionell belastend erlebt. Gemeint sind beispielsweise Trauerfälle, Scheidungen oder andere lebensgeschichtliche Einschnitte. Das ICD10 unterteilt die daraufhin erfolgenden Anpassungsstörungen in mehrere Abschnitte. Diese tragen jeweils eigene Kennziffern. Durch die Kennziffern werden bestimmte Zustände in ihrer Symptomatik voneinander unterschieden.

Der Code F 43.2 steht im ICD 10 für emotionell verunsichernde Erlebnisse. Beispiele dafür sind ein Kulturschock, emotionelle Reaktionen auf Trauer oder Hospitalismus bei Kindern. Es geht hier um länger anhaltende Zustände. In diesen fühlt jemand sich subjektiv überfordert und emotional aufgewühlt. Das geht in diesem Fall soweit, dass das übliche Funktionieren im Alltag nicht mehr gewährleistet ist. Der auslösende Vorfall war ein belastender Einschnitt, der ungeahnte Folgen hatte. Es bleibt einem Betroffenen nicht übrig, an der Krise zu wachsen, statt zu verzweifeln.

Einen Sonderfall stellen solche Krisen bei Kindern und Jugendlichen dar. Diese besitzen noch nicht die Fähigkeiten, mit emotionalen belastenden Erlebnissen angemessen umzugehen.

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Die Diagnose F43.2 gemäß dem ICD 10

Viele Belastungssituationen entsprechen dem im ICD10 genannten Diagnosebild. Schwerwiegende Erlebnisse wie der plötzliche Verlust eines geliebten Menschen, eine Scheidung, Flucht oder Emigration, aber auch Frühverrentung nach einem Unfall können Anpassungsstörungen gemäß F 43 2 auslösen. Der oder die Betroffene kommt plötzlich mit seinem Leben nicht mehr klar. Er verliert die emotionelle Richtschnur. Manche Menschen treffen solche Krisen härter als andere. Anscheinend liegen bei diesen Menschen eine höhere Vulnerabilität oder ein tieferes Gefühlserleben vor.

Wichtig ist, dass die Anpassungsstörung ohne das belastende Ereignis nicht ausgelöst worden wäre. Wie sich die Reaktion auf das Belastungserlebnis darstellt, ist unterschiedlich. Es kann zu übermäßiger Besorgtheit, Angstzuständen oder depressiven Phasen kommen. Die Betroffenen haben manchmal das Gefühl, den roten Faden für ihr Leben verloren zu haben. Solche Krisen können sich auch auf das gewohnte Sozialverhalten auswirken. Typisch ist, dass die Anpassungsstörung binnen eines Monats nach dem belastenden Ereignis eintritt. Die Störung kann bis zu einem halben Jahr andauern.

Sollte die Krise länger anhalten, könnte gemäß ICD10 entweder eine Anpassungsstörung mit anhaltender depressiver Reaktion (F43.21) oder eine depressive Episode (F32) vorliegen. Nicht immer ist bei solchen Störungen Therapiebedürftigkeit gegeben. Manchmal helfen menschliche Zuwendung und tröstende Worte darüber hinweg. Je nach Schwere der Diagnose sind aber auch eine Psychotherapie, z.B. in Form einer Verhaltenstherapie oder gar ein klinischer Aufenthalt in einer Psychiatrie-Einrichtung sinnvoll. Auch eine medikamentöse Begleit-Therapie ist zu Beginn denkbar.


Anpassungsstörung (psychisch)


Wie äußern sich die Beschwerden bei Anpassungsstörungen à la F43 2?

Die von F43.2 Betroffenen haben Probleme, mit ihrem Alltag zurecht zu kommen. Die Gedanken kreisen bei manchen Menschen beständig um das belastende Erlebnis. Die Trauer nagt an ihnen. Sie können sie nicht mehr loslassen (siehe auch: Vergangenheit loslassen). Es kann zu Freudlosigkeit, Depressionen, Sorgen oder Ängsten kommen.

Die Frage ist nun, ob das Gefühlstief in einem normalen Rahmen bleibt oder bereits Krankheitswert hat. Dieser wäre beispielsweise durch begleitende körperliche Symptome erkennbar. Wer in einer belastenden Situation anhaltend unter Verspannungen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Konzentrationsproblemen oder Herzschmerzen leidet, sollte sich behandeln lassen. Auch ein Rückzug von Familie und Freunden kann ein Warnsignal sein.

Die Diagnose F 43 2 gemäß ICD 10 wird gestellt, wenn eine nachvollziehbare psychosoziale Belastung der Auslöser für seelische oder körperliche Probleme ist. Die Anpassungsstörung manifestiert sich binnen eines Monats nach dem Ereignis. Die beobachtbaren Symptome und Verhaltensänderungen sind eindeutig als psychische Befindlichkeitsstörungen – beispielsweise neurotisches Verhalten, Depressionen oder somatoforme Störungen – einzuordnen. Die Beschwerden halten maximal sechs Monate an. Bei der Diagnose mit dem Code F43 2 können die Symptome unterschiedlich schwer ausfallen.


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Die Therapie bei einer F43.2g Diagnose

Bei einer Anpassungsstörung gemäß F43 2 des ICD 10 kann es genügen, wenn Verwandte und Freunde den Betroffenen ein bisschen unter die Fittiche nehmen. Gute Gespräche und liebevolle Zuwendung genügen bei einer Anpassungsstörung mit dem Code F 43.2 aber nicht immer. Oftmals sind lebensgeschichtliche Ereignisse der Grund dafür, dass es nun zu einer Unfähigkeit gekommen ist, mit einer aktuellen Krise angemessen umzugehen.

Oftmals tut es gut, wenn in dieser Situation eine neutrale Person die Gespräche mit dem Betroffenen übernimmt. Es kann sich dabei um einen Seelsorger oder einen ausgebildeten Therapeuten handeln (Psychotherapeuten finden). Dieser hört genau zu. Er erkennt, was der Patient lernen muss und woran er momentan scheitert. Solche Menschen verfügen über andere Tipps und Ratschläge als wohlmeinende Verwandte. In schwereren Fällen von Anpassungsstörungen ist eine psychologische Krisenintervention sinnvoll. Eine Gesprächspsychotherapie kann bei Anpassungsstörungen laut ICD 10 Code F 43.2 gute Ergebnisse erzielen.

Anpassungsstörungen sind vorübergehende Krisensituationen. Diese lassen sich meist gut behandeln. Möglich ist auch, emotionelle Krisen anfangs durch eine medikamentöse Begleit-Therapie zu erleichtern. Dazu eignen sich beispielsweise Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (Antidepressiva der SSRI-Klasse). Schlafstörungen können kurzfristig mit Schlafmitteln behandelt werden. Mit zunehmender Klärung der emotionellen Krise sollte auch der Schlaf wieder besser werden.

Wichtig ist, dass der Therapeut bei krisenhaften Zuspitzungen sofort reagiert. Selbstmordabsichten oder übermäßige Verzweiflung gelten auch bei der Diagnose F 43.2 oder F43 2 g allgemein als „Red Flags“. Sie gelten als Warnzeichen, die eine vorübergehende stationäre Behandlung rechtfertigen.


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F43.2g – Quellen und weiterführende Ressourcen:


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