Lamotrigin Wirkung bei Depression (© bacsica / stock.adobe.com)

Lamotrigin bei / gegen Depressionen? – Erfahrungen zu Wirkung, Nebenwirkungen, Dosierung und dem Absetzen

Lamotrigin ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Es kommt aus der Gruppe der Antiepileptika (Antikonvulsiva) und wurde in Deutschland 1993 zur Behandlung von Epilepsie bei Betroffenen ab dem 12. Lebensjahr zugelassen. Es gehört zur neuen Generation von Antiepileptika und weist daher deutlich weniger Nebenwirkungen auf. Neben der Epilepsie wird es jedoch auch zur langfristigen Behandlung bei affektiven Störungen wie der unipolaren Depression oder einer bipolaren Störung eingesetzt. Bei einer rezidivierenden Depression können solche Phasenprophylaktika (Stimmungsstabilisierer) aus der Gruppe der Antikonvulsiva durchaus effektiv sein.

Hersteller

In Deutschland gibt es mehrere Hersteller von Lamotrigin, die das Medikament in Form von Tabletten anbieten. Dazu gehören:

  • Aurobindo: 200 mg, 100 mg, 50 mg, 25 mg
  • Aristo: 200 mg, 100 mg, 50 mg, 25 mg
  • Hexal: 200 mg, 100 mg, 50 mg, 25 mg
  • Heumann: 200 mg, 100 mg, 50 mg, 25 mg
  • Ratiopharm: 200 mg, 100 mg, 50 mg
  • Desitin: 200 mg, 100 mg, 50 mg

Desitin bietet die 100er Tablette auch in der Form quadro an. Diese kann vierfach geteilt werden.

Im Internet kann man die Beipackzettel zu den Herstellern Aurobindo, Aristo, Desitin, Heumann, Hexal und Ratiopharm einsehen:

Lamotrigin Wirkung und Wirkungseintritt

Als Mittel gegen eine Depression korrigiert Lamotrigin in erster Linie die synaptische Neurotransmission bzw. Erregungstransmission des Glutamats. Bei der Neurotransmission empfangen die Nervenzellen die elektrochemischen Signale und leiten diese weiter. Dieses Mittel normalisiert somit die Aktivität der glutamergen Neuronen.

Zudem nimmt das Antiepileptikum Einfluss auf den Hippocampus. Es verhindert, dass die Kalziumkanäle der Neuronen in diesem Hirnareal arbeiten können. Dies ist von Bedeutung, da bei einer Depression die Neuronen des Hippocampus übermäßig aktiv sind. Lamotrigin reduziert diese krankhafte Hyperaktivität in der CA1 Region. Genau dieser zerebrale Bereich reguliert maßgeblich die Emotionen, kognitive Prozesse und das subkortikale (unterhalb der Hirnrinde) sowie kortikale (in der Hirnrinde) Zusammenwirken.

Weiterhin konnten Studien nachweisen, dass dieses Medikament als nichtselektiver Monoaminwiederaufnahmehemmer wirkt (siehe: Monoamine Oxidase Hemmer). Dies bezieht sich auch auf das Serotonin. Zudem blockiert es die Monoaminoxidase A und B. Der Glukosestoffwechsel als auch der Blutstrom in verschiedenen Hirnregionen des Zentralnervensystems (ZNS) werden verbessert, insbesondere im paralimbischen System, dem Thalamus und dem Kortex. Die GABA-Level im Gehirn steigen an. GABA bezeichnet die Gamma-Aminobuttersäure. Sie ist eine der wichtigsten hemmenden Neurotransmitter.

Die Wirkung von Lamotrigin macht es zu einem wirksamen Mittel bei einer Depression, bipolaren Störung und Ängsten. Eine emotionale Destabilisierung ist bei diesem Medikament nicht zu beobachten. Die Stimmung kann bei den eben genannten Erkrankungen nicht nur aufgehellt werden, sondern weist zudem generelle antidepressive Eigenschaften auf.

Dennoch sollte dieses Mittel aufgrund der vielen Risiken nur bei einer schweren oder / und rezidivierenden Depression eingenommen werden.

Der Wirkungseintritt kann schon nach etwa drei Wochen erfolgen und bleibt zumeist während der medikamentösen Therapie bestehen. Letzteres bietet einen großen Vorteil gegenüber vielen anderen Medikamenten aus dem Bereich Depression. Prinzipiell sollte der Wirkungseintritt bei antidepressiven Tabletten spätestens nach sechs Wochen erfolgen.



Die Lamotrigin Wirkung bei Depression hängt von der Dosierung ab - und je stärker die letzte Dosis, um so länger braucht man zum Ausschleichen (© bacsica / stock.adobe.com)
Die Lamotrigin Wirkung bei Depression hängt von der Dosierung ab – und je stärker die letzte Dosis, um so länger braucht man zum Ausschleichen (© bacsica / stock.adobe.com)

Dosierung und Überdosierung

Die anfängliche Dosis ist während der ersten zwei Wochen in der Regel sehr niedrig. In der dritten und vierten Woche kann die Dosierung erhöht werden, sofern keine Probleme auftreten. Ab der fünften Woche kann alle sieben bis 14 Tage die Dosis erhöht werden, bis eine effektive Stimmungsverbesserung greift. Die Höchstdosis ist individuell abhängig, sollte jedoch i. d. R. 400 mg nicht überschreiten, sonst kann es zu einer Überdosis kommen. Diese kann folgende Symptome auslösen:

  • Benommenheit
  • Ataxie (Probleme mit der Bewegungskoordination)
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Tachykardie (Herzrasen)
  • Schwindel
  • Nystagmus (Augenzittern)
  • Koma
  • Bluthochdruck
  • veränderter mentaler Zustand
  • epileptische Anfälle
  • gesteigerte Atemfrequenz (Tachypnoe)
  • Veränderungen im EKG (QRS-Komplex)
  • Muskelzuckungen
  • Veränderung der Muskelfasern (Rhabdomyolyse)

Die Halbwertszeit beträgt zwischen 22,8 und 37,4 Stunden. Dabei werden 43 bis 87 % einer einzigen Einnahme über den Urin abgegeben.


Lamotrigin absetzen?

Betroffene, die Lamotrigin absetzen wollen, sollten mit ihrem Arzt einen genauen Plan erarbeiten, da man das Medikament langsam ausschleichen sollte. Dabei sollte die Erfahrung mit den Tabletten nicht außer Acht gelassen und folgende Fragen bedacht werden:

  • Wie hoch ist die derzeitige Dosis?
  • Auf wie viele Dosierungen pro Tag wird die Einnahme verteilt?
  • Seit wann wird das Medikament eingenommen?
  • Aus welchen Gründen soll das Mittel abgesetzt werden?

Prinzipiell empfiehlt es sich, das Ausschleichen nur langsam anzugehen, wenn man das Mittel absetzen möchte.



Wechselwirkung mit Alkohol bzw. Medikamenten

Alkohol

Die Mixtur aus Alkohol und Psychopharmaka resp. Antiepileptika ist zumeist als kritisch zu bewerten. Alkohol kann dazu führen, dass mögliche Nebenwirkungen des Antiepileptikums, wie Schwindelgefühle, Benommenheit, Beeinträchtigung der Konzentration, des Denkens und Urteilens erst hervorgerufen werden. Siehe auch:

Antidepressiva und Alkohol ⚠ Tückische Wechselwirkungen

Andere Medikamente

Lamotrigin kann mit anderen Medikamenten interagieren, sodass es zu einer ungewollten Wechselwirkung kommen kann. Aus diesem Grund sollte der behandelnde Arzt über alle Medikamente informiert werden. Eine mögliche Wechselwirkung kann es mit den folgenden Medikamenten geben:

  • Valproinsäure
  • Phenobarbital
  • Primidon
  • Phenytoin
  • Rifampicin, das zur Behandlung von Tuberkulose eingesetzt wird
  • Paracetamol

Siehe: onmeda.de/Wirkstoffe/Lamotrigin/wechselwirkungen-medikament-10.htmldr-gumpert.de/html/lamotrigin.html

Schwangerschaft und die Anti-Baby-Pille

Während einer Schwangerschaft ist es wichtig, dass die werdenden Mütter nicht in ein hormonell bedingtes Stimmungstief fallen. Daher sollten die verschriebenen Medikamente auch in dieser Lebensphase weiter eingenommen werden. Seit dem Jahr 2009 durchgeführte Studien weisen darauf hin, dass es nur in sehr wenigen Fällen zu einer Schädigung des Fötus während der Schwangerschaft in Form von Missbildungen kommt. Allerdings ist es wichtig hier Vorsicht walten zu lassen. Bei einer Schwangerschaft sollte unbedingt Rücksprache mit einem Arzt gehalten werden. Während der Stillzeit kann ein Säugling die Wirkung des Medikaments über die Milch aufnehmen. Hier ist ebenfalls Vorsicht geboten.

Wird das Medikament gegen Depression gemeinsam mit der Anti-Baby-Pille eingenommen, kann es zu einer eingeschränkten Wirksamkeit der Pille kommen. Zusätzliche Vorsorgemaßnahmen sollten vorgenommen werden.

Siehe: m.apotheken-umschau.de/Medikamente/Beipackzettel/LAMOTRIGIN-Desitin-100-mg-Tabletten-3360822.htmldr-gumpert.de/html/lamotrigin.html

Antidepressiva in der Schwangerschaft?

Die potenziellen Nebenwirkungen von Lamotrigin

Die möglichen Begleiterscheinungen dieses Antiepileptikums sind zahlreich. Man sollte nach Beginn der Einnahme für einige Zeit die körperlichen Reaktionen auf dieses Medikament beobachten, kein Autofahren, keine schweren Maschinen bedienen oder risikoreiche Tätigkeiten durchführen.

Bei einer Reihe von Psychopharmaka bzw. Antikonvulsiva kommt es zur Gewichtszunahme. Lamotrigin fallt jedoch nur bedingt darunter. Lediglich eine geringe Gewichtszunahme ist i. d. R. zu verzeichnen.

Diese weiteren Nebenwirkungen treten bei oraler Aufnahme häufig auf:

  • Schwindelgefühl
  • Benommenheit
  • Kopfschmerzen
  • Doppelbilder
  • verschwommenes Sehen
  • Übelkeit
  • Erbrechen (s.a. Angst vor Erbrechen)
  • Bauchschmerzen
  • Durchfall
  • Gleichgewichtsprobleme
  • Koordinationsprobleme
  • Schlafstörungen
  • Rückenschmerzen
  • verstopfte Nase
  • Halsschmerzen
  • trockener Mund
  • Fieber
  • Hautausschlag
  • Tremor (Muskelzittern)
  • Angst

Treten diese Begleiterscheinungen lediglich in milder Form auf, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie spätestens nach einigen Wochen wieder verschwinden. Sind sie jedoch ernsthafter oder flauen nicht ab, sollte ein Arzt zurate gezogen werden.

Ernsthafte Lamotrigin Nebenwirkungen

Einige Begleiterscheinungen bzw. Nebenwirkungen von Lamotrigin können lebensgefährlich werden. In diesem Fall muss man das Medikament nach Rücksprache mit einem Arzt absetzen. Zu den kritischen Symptomen gehören:

Massive Hautausschläge (Stevens-Johnsom Syndrom) und die toxisch epidermale Nekrolyse. Potenzielle Symptome zeigen sich in:

  • Blasen auf der Haut
  • Abpellen der Haut
  • Hautausschlag
  • Nesselausschlag
  • schmerzhafte Wunden im Mund oder um die Augen herum

Eine Hypersensitivität der Organe kann ebenfalls auftreten. Dies wird als DRESS-Syndrom bezeichnet und ist Medikamenten-bedingt. Das DRESS-Syndrom steht für Drug Rash with Eosinophilia and Systemic Symptoms. Dazu gehören die Eosinophilie, eine Form der Leukozytose (eine Vermehrung der Leukozyten) und systemische Manifestationen.

Symptome können sein:

  • Fieber
  • Hautausschlag
  • geschwollene Lymphdrüse
  • starke Muskelschmerzen
  • gehäuftes Auftreten von Infektionen
  • Anschwellen des Gesichts, der Augen, Lippen oder Zunge
  • Ungewöhnliche Blutergüsse oder Blutungen
  • Schwächegefühl
  • Müdigkeit
  • gelbliches Verfärben der Haut oder des weißen Teils der Augen

Auch die Zahl der Blutkörperchen kann sinken. Anzeichen dafür sind:

  • Müdigkeit
  • Schwächegefühl
  • häufige Infektionen oder eine Infektion, die nicht vorübergeht
  • unerklärliche Prellungen
  • wiederkehrendes Nasenbluten
  • Zahnfleischbluten

Veränderungen der Stimmung oder des Verhaltens

Aseptische Meningitis

Eine aseptische Meningitis kann ebenfalls bei einigen wenigen Betroffenen auftreten. Dies ist eine spezifische Erkrankung der Hirnhäute.

Hier zeigen sich die Symptome in:

  • Kopfschmerzen
  • Fieber
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • steifer Nacken
  • Hautausschlag
  • Lichtempfindlichkeit
  • Muskelschmerzen
  • Schüttelfrost
  • Verwirrtheit
  • Benommenheit

siehe: m.apotheken-umschau.de/Medikamente/Beipackzettel/LAMOTRIGIN-Desitin-100-mg-Tabletten-3360822.htmlbipolar-forum.de/read.php?5,507895,507895

Hier berichten zwei Patientinnen über ihre Erfahrung mit Lamotrigin und beschreiben die Wirkung als auch Nebenwirkungen von Lamotrigin auf Youtube:

Zu den unerwünschten Arzneimittelwirkungen lohnt sich auch ein Blick auf die Gebrauchsinformation der diversen Hersteller.

Lohnt sich die Einnahme?

Bei einer schweren unipolaren bzw. rezidivierenden Depression kann es sinnvoll sein, die Behandlung mit Phasenprophylaktika zu ergänzen. Dabei sollte der Wirkungseintritt jedoch nicht zu lange auf sich warten lassen. Auch unerwünschte Begleiterscheinungen sollten nur graduell vorhanden und nicht zu stark oder gar lebensdrohlich sein. Andernfalls sollte man das Medikament wieder absetzen. Berichte zu Erfahrung mit diesem Medikament im Kontext einer unipolaren Depression sind derzeit noch rar gestreut.

Depression & Co: Zum Weiterlesen auf dieser Website:

F32.9G Diagnose – Unklare depressive Episode?

Bipolare Störungen verstehen: Zwischen Manie und Depression

Psychopharmaka im Überblick: Arten, Einsatzgebiete, Wirkstoffe, Nebenwirkungen

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