Psychosen - Was ist eine Psychose / psychotische Störung? (© jiris / Fotolia)

Psychosen ► Was ist eine Psychose / psychotische Störung?

Bei dem Ausdruck Psychose handelt es sich um einen Sammelbegriff für schwere psychische Störungen mit unterschiedlichen Ursachen, jedoch einem mehr oder weniger ausgeprägten, gemeinsamen Symptomkomplex. Die Abgrenzung zum Begriff Neurose ist schwierig, da die Übergänge unter Umständen fließend sein können und die Differenzierung an eine bestimmte Theorie über die Natur der Psyche gebunden ist. Überwiegend werden jedoch die Schwere und der fehlende biographische Bezug einer Psychose als Abgrenzung zur Neurose herangezogen. Während für Betroffene, die neurotisch sind, ihr Verhalten zumindest grundsätzlich noch kontrollierbar ist, ist dies für solche, die psychotisch sind, nicht mehr möglich. Generell wird die übergeordnete Diagnose „Neurose“ in der Praxis aufgrund ihrer Ungenauigkeit nahezu nicht mehr genutzt.

Im historischen Kontext wurde „Psychose“ erstmalig vom österreichischen Arzt Ernst von Feuchtersleben Mitte des 19. Jahrhunderts verwendet. Zuvor wurden viele Zustände, die heute zu den Psychosen gerechnet werden, schlicht als „Wahnsinn“ bezeichnet und mit oft sehr drastischen Mitteln bekämpft, die ihren Höhepunkt in gezielten Tötungen im Nationalsozialismus erreichten. Später wurde der Begriff „Psychose“ vor allem durch Siegmund Freud geprägt. Das Wort selbst entstammt dem Altgriechischen und bezeichnet einen krankhaften Zustand der Seele. Umgangssprachlich wird es unrichtig häufig mit der Erkrankung Schizophrenie gleichgesetzt, diese stellt jedoch nur eine unter verschiedenen Formen der Psychose dar.

Abgrenzung psychotisch / neurotisch

Die Abgrenzung zwischen Psychose und Neurose ist schwierig und wird heutzutage kaum noch vorgenommen – zumal der Übergang häufig fließend ist und die Störungsbilder jeweils zu vielfältig sind. Ein Beispiel bilden Depressionen: Bipolare (manisch-depressive) Erkrankungen werden klar den Psychosen zugerechnet, ebenso wie schwere unipolare Depressionen. Leichtere Depressionen gelten jedoch als mitunter Neurosen. In der Praxis existieren allerdings fast ausschließlich Übergänge zwischen leichten, mittleren und schweren Depressionen, beziehungsweise Betroffene durchleben diese als verschiedene Phasen der Depression.

Psychotisch? Neurotisch? - Die Abgrenzung von Psychosen und Neurosen bleibt oft schwer. (© Photographee.eu / Fotolia)
Psychotisch? Neurotisch? – Die Abgrenzung von Psychosen und Neurosen bleibt oft schwer. (© Photographee.eu / Fotolia)

Abgrenzungen sind zudem zu Angst- und Persönlichkeitsstörungen notwendig, insbesondere dann, wenn diese als komorbide Störungen auftreten. Dies gilt vor allem für Borderline-Persönlichkeitsstörungen und schizoide Persönlichkeitsstörungen. Speziell bei Kindern ist auch eine Abgrenzung zu Störungen aus dem autistischen Formenkreis sowie geistigen Behinderungen und Entwicklungsstörungen vorzunehmen. Psychosen gehen dabei grundsätzlich ohne Intelligenzminderung einher.

Speziell im Fall der Schizophrenie müssen zudem weitere Störungen ausgeschlossen werden, dazu zählen dissoziative Identitätsstörungen und verschiedene organische Erkrankungen, die eine sekundäre Psychose verursachen können. In jüngster Zeit wurde zudem eine spezifische Autoimmunerkrankung entdeckt, Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis genannt, die Symptome verursacht, die bislang einer Schizophrenie zugeordnet und als psychotisch wahrgenommen wurden.

Entstehung und Ursachen

Die Entstehung von psychotischen Erkrankungen ist nach wie vor nicht abschließend geklärt – auch aufgrund ihrer Vielfalt. Es existieren jedoch Hinweise für sehr verschiedene Risiko- und Einflussfaktoren. Eine Ausnahme bilden organische Psychosen, deren Ursachen weiter unten besprochen werden. Der Konsum von Cannabis stellt nachweislich einen Faktor für einen früheren und unter Umständen intensiveren Ausbruch einer psychotischen Erkrankung dar. Ob es jedoch auch einen ursächlichen Zusammenhang gibt, konnte bislang nicht geklärt werden. Weitere bislang bekannte begünstigende oder möglicherweise begünstigende Faktoren sind:

  • familiäre Faktoren (beispielsweise: Mehr als 50% Wahrscheinlichkeit, an Schizophrenie zu erkranken, wenn beide Elternteile erkrankt sind), jedoch ist unklar, ob diese genetisch oder durch Verhalten oder aber beides bedingt sind
  • intensiver Stress im ersten Trimenon der Schwangerschaft (erhöhtes Risiko des Kindes), nicht aber in den beiden weiteren Dritteln
  • akute Belastungen
  • Substanzen, die auf die Dopaminrezeptoren wirken

Zurzeit wird eine Mischung aus akuten Faktoren wie Stress oder Substanzmissbrauch und einer anderweitig bedingten, noch ungeklärten Vulnerabilität für den Ausbruch einer Psychose als am wahrscheinlichsten angenommen.

Symptome und Differenzierung

Psychotische Störungen gelten als Erkrankung mit tausend Gesichtern. Das hat zum einen mit den verschiedenen Arten und Entstehungsgeschichten einer Psychose zu tun, zum anderen aber auch mit den teilweise individuell sehr unterschiedlich ausgeprägten Symptomen. Aus diesem Grund findet sich der Ausdruck „Psychose“ in der medizinischen Klassifikation des internationalen Systems ICD-10 sowie des psychiatrischen Einordnungssystems DSM-IV in verschiedenen Kategorien.

Grundsätzlich häufige Anzeichen sind eine veränderte Wahrnehmung der Umgebung und von sich selbst. Das gesamte Gefühlsleben kann sich verändern, viele Reize und Aspekte der Umwelt werden sowohl anders beobachtet als auch verarbeitet und bewertet. Zusätzlich treten oft Halluzinationen und Wahnvorstellungen auf. Nicht selten werden zufällige Ereignisse wie Begegnungen, Gespräche, Umweltreize oder das Fernsehprogramm als strukturierte, auf die eigene Person bezogene Kommunikation interpretiert.

Zu den Psychosen werden je nach medizinischer Strömung verschiedene Krankheiten gerechnet, die nach unterschiedlichen Merkmalen wie folgt eingeteilt werden können:

► Affektive Psychose

Die affektive Psychose umfasst schwerer ausgeprägte Depressionen und manische Psychosen. Dabei kann es sich sowohl um unipolare Depressionen handeln, die eine stetig niedergedrückte, antriebsarme und von gefühlter Wertlosigkeit geprägte Stimmung oder aber das genaue Gegenteil in Form einer Manie mit sich bringen. Manische Psychosen sind vor allem durch Positivsymptomatik geprägt. Es kann sich aber auch um bipolare Depressionen handeln, die durch einen raschen Stimmungswechsel zwischen depressiven und wahnhaft euphorischen, sehr aktiven Phasen geprägt sind. Auch hier unterscheiden sich Symptomausprägung und –zusammensetzung von Patient zu Patient unter Umständen stark. Weiterführende Erläuterungen lassen sich beispielsweise hier finden:

YOUTUBE: Depression neue Dokumentation – Eine Krankheit erobert die Welt – 2015 | Arte
(youtube.com/watch?v=17Nz4dC2DIk)

► Schizophrenie

Schizophrenie stellt die zweithäufigste, und innerhalb dieser die paranoide Schizophrenie – gelegentlich auch paranoide Psychose genannt – wiederum die größte Gruppe dar. Weiterhin wird die Schizophrenie nach Ausprägung oder der Lebensphase des Auftretens unterschieden. Sie geht mit einem ganzen Komplex unterschiedlicher Anzeichen einher, die sich sowohl in Einschränkungen als auch Übersteigerungen (Plus- und Minussymptomatik) des normalen Gedanken-, Gefühls- und Wahrnehmungserlebens äußern.

► Organische Psychosen

Organischen Psychosen liegt eine andere, körperliche Ursache zugrunde. Diese kann beispielsweise ein Tumor, eine Gehirnverletzung, eine Nervenerkrankung wie Alzheimer oder eine Stoffwechselerkrankung sein. Auch wenn die Symptome sich manchmal nicht von anderen Formen psychotischer Probleme unterscheiden, zielt die Behandlung – soweit möglich – auf die Beseitigung der Grundursache ab.

► Substanzinduzierte Psychose

Die auch drogeninduzierte Psychose genannte Erkrankung wird auf einen temporären oder konstanten psychotischen Zustand angewandt, dem die Einnahme einer oder mehrerer psychotroper Substanzen vorausging. Zu den Substanzen, die im Verdacht stehen, eine drogeninduzierte Psychose zumindest zu befördern, zählen Opioide, Kokain, Hypnotika, Cannabinoide, Halluzinogene, Lösungsmittel und weitere berauschende Substanzen, aber auch bestimmte Medikamente, Alkohol, Koffein und Nikotin.

► Schizoaffektive Psychosen

Schizoaffektive Psychosen oder Störungen vereinen Symptome mehrerer Unterkategorien der psychotischen Störungen. Dazu zählen nicht nur depressive Empfindungen wie Antriebsarmut und Schuldgefühle (vgl. Depression Symptome), sondern auch wahnhafte Episoden und Verfolgungsangst. Die Abgrenzung zur Schizophrenie gestaltet sich in der Praxis schwierig, die konkrete Behandlungsgestaltung sollte sich an den vorhandenen Symptomen orientieren.

Grundsätzlich gilt jedoch anzumerken, dass es zum Konzept „psychotische Störung“ verschiedene Einteilungskriterien gibt, auch weil sie nach wie vor intensiv erforscht werden. So werden unter „endogene Psychose“ von verschiedenen Autoren sowohl affektive als auch schizophrene Psychosen zusammengefasst. Aus diesem Grund wird die Bezeichnung als „endogene Psychose“ heute nicht mehr durchgängig genutzt.

Komorbiditäten: Psychotische Störung + weitere Probleme

Viele Psychosen weisen eine hohe Komorbidität mit weiteren Erkrankungen auf. Sehr große Bedeutung haben vor allem Suchterkrankungen. Diese stellen einen erschwerenden Faktor für eine mögliche Genesung dar, da sie sowohl die Intensität der Erkrankung, die Häufigkeit der Rückfälle als auch die Bereitschaft zur Therapie negativ beeinflussen. So wurden beispielsweise unter an Schizophrenie erkrankten Patienten fast 50% Konsumenten psychotroper Substanzen, insbesondere Cannabis, ermittelt.

Wichtig scheinen hierbei in erster Linie das Einstiegsalter, die konsumierte Menge sowie Häufigkeit zu sein. In letzter Zeit wird jedoch auch die Rolle der unterschiedlichen Cannabissorten diskutiert, da sie sich stark im Verhältnis der Inhaltsstoffe Tetrahydrocannabinol zu Cannabidiol unterscheiden. Während ersteres mit psychoseauslösenden Wirkungen in Zusammenhang gebracht wird, entfaltet letzteres möglicherweise psychosehemmende Wirkungen und ist unter anderem deshalb Gegenstand der aktuellen Forschung.

Auch bei bipolaren Erkrankungen werden sehr häufig weitere Störungen angetroffen, hier ebenfalls Substanz- und Alkoholmissbrauch. Doch auch die Wahrscheinlichkeit, zumindest einmal im Leben an einer Angsterkrankung zu leiden, liegt zwischen 70 und 90 Prozent. Zusätzlich besteht ein höheres Risiko für verschiedene Persönlichkeitsstörungen ebenso wie für Zwangserkrankungen.

Auswirkungen psychotischer Störungen

Die Auswirkungen von Psychosen können ebenso vielfältig sein wie die Störungsbilder selbst. In einer Akutphase sind Betroffene normalerweise nicht arbeits- und oft auch nur eingeschränkt alltagsfähig. Zumeist findet ein sozialer Rückzug statt, wenn nicht, wird das Verhalten der Betroffenen oft als so eigenartig empfunden, dass ein sozialer Kontakt am Missempfinden von Freunden und Verwandten scheitert. Umgekehrt scheint Isolation jedoch kontraproduktiv für den Verlauf der Erkrankung zu sein.

Häufig können sowohl die psychotische Störung selbst als auch die zur Behandlung eingesetzten Medikamente zu Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Aufmerksamkeitsdefiziten führen (siehe Antipsychotika Wirkung und Nebenwirkungen), die die Betroffenen leicht bis stark beeinträchtigen.

Unabhängig davon erfordern die Wiedereingliederung in ein Arbeitsverhältnis, aber auch die Eigenständigkeit im Alltag manchmal sozialtherapeutische und rehabilitative Maßnahmen.

Prognose

Die Prognose für psychotische Erkrankungen ist ebenfalls sehr unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren ab. Zu ihnen zählen die Qualität der therapeutischen Behandlung und ihrer begleitenden Angebote, Art und Stärke der Erkrankung, Umfeld des Betroffenen und eigene Ressourcen sowie weitere, unbekannte Einflüsse.

Bei schizophrenen Psychosen erkrankt ungefähr ein Drittel der Betroffenen nur einmal in ihrem Leben und danach nicht noch einmal. Ein weiteres Drittel hat mit gelegentlichen Schüben zu kämpfen, die jedoch teilweise in Abständen von mehreren Jahren auftreten können. Das letzte Drittel leidet unter der chronischen Variante, die zu beständigen Symptomen unterschiedlicher Stärke führt und unter Umständen lebenslang mit Medikamenten behandelt oder wenigstens beobachtet werden muss.

Psychotherapeutische Ansätze

Bei der Wahl der Therapie sind die genauen Spezifika der psychotischen Erkrankung entscheidend (siehe Psychotherapieformen). Im Falle einer drogeninduzierten Psychose, die durch Substanzmissbrauch begünstigt oder aufrechterhalten wird, sollte der Konsum sofort eingestellt werden. Im Falle einer Alkoholabhängigkeit ist ein professioneller Entzug dringend anzuraten. Handelt es sich um eine organisch bedingte – sekundäre – Psychose, sollte, soweit irgend möglich, die zugrunde liegende Ursache beseitig werden.

Unabhängig davon werden vor allem ruhige, positive Bedingungen als heilsam beschrieben. Insbesondere sollten Stress und übermäßige Reize vermieden werden, da diese im psychotisch geprägten Zustand kaum verarbeitet werden können. Umso wichtiger scheinen ausreichender Schlaf und Nahrung zu sein.

Ein weiterer wichtiger Faktor scheint in der menschlichen Nähe und Wärme zu liegen. Insbesondere da viele Psychotiker unter Ängsten, Isolierung und sozialer Ausgrenzung leiden. Wenn möglich sollte ein stabiler Tagesrhythmus angestrebt werden. Diese Konzepte können je nach Betroffenem sowohl ambulant als auch teilstationär, stationär im betreuten Wohnen oder in alternativen Konzepten wie der Soteria verwirklicht werden.

Psychotherapie

Eine begleitende Therapie erzielt bei vielen Psychosen gute Wirkungen. Dabei sollen Verbesserungen im Umgang mit der Krankheit, der damit einhergehenden Reizüberflutung und besonders den auftretenden Ängsten erreicht werden. Gelingt dies, kann es erhebliche positive Auswirkungen auf das Gesamtbefinden der Betroffenen haben. Wenn möglich wird gezielt die Handhabung der Halluzinationen, aber auch von Negativsymptomen wie Antriebsarmut trainiert. Eie weitere Möglichkeit besteht in der kognitiven Therapie, die auf eine Förderung des Denkvermögens abzielt.

Psychotherapeutische Interventionen sind bei vielen Formen von psychotischem Verhalten nötig und hilfreich - ob in Einzelsitzungen, Gruppensitzungen, ob ambulant oder (teil-)stationär (© pressmaster / Fotolia)
Psychotherapeutische Interventionen sind bei vielen Formen von psychotischem Verhalten nötig und hilfreich – ob in Einzelsitzungen, Gruppensitzungen, ob ambulant oder (teil-)stationär (© pressmaster / Fotolia)

Stationärer Aufenthalt

Viele Patienten werden im Rahmen ihrer Erkrankung stationär behandelt. Dies gilt vor allem bei schweren Fällen psychotischer Störungen, wenn ein vollständiger Realitätsverlust eintritt – nicht selten kommt es hier zur Zwangseinweisung (siehe Zwangseinweisung Psychiatrie). Eine stationäre Behandlung wird sehr unterschiedlich wahrgenommen. Dabei kommt es darauf an, ob sie freiwillig oder unfreiwillig erfolgt, wie individuell das Behandlungskonzept und die Medikamentierung abgestimmt werden und wie der Patient sein Umfeld erlebt. Im Falle großer Ängste und Paranoia kann eine stationäre Unterbringung als verschärfend und kontraproduktiv betrachtet werden. Das gilt vor allem, da Psychosen durch Stress und Reizüberflutung gefördert werden und eine Umstellung von Umgebung, Routine und Personenkreis immer Stress bedeutet. Andererseits wird das Umfeld der Klinik von vielen Betroffenen als eine Art Schutzraum betrachtet, in dem sie sowohl vor echter Überforderung als auch vor subjektiv empfundenen Gefahren in Sicherheit sind.

Antipsychotische Medikamente

Um den teilweise schwerwiegenden Symptomen einiger Psychosen beizukommen, werden verschiedene Antipsychotika eingesetzt. Dazu zählen unterschiedliche Stoffklassen, die je nach Einsatz schlaffördernd (siehe Schlaftabletten), sedierend oder in erster Linie den Ängsten oder Halluzinationen entgegenwirkend sein können. Je nach Art der psychotischen Störung wird das Antipsychotikum nur kurzfristig, nur im Akutfall oder dauerhaft eingenommen. Die Medikation muss sehr genau auf den individuellen Bedarf des Patienten abgestimmt werden. Dies liegt zum einen daran, dass die Wirkung der Medikamente bei jedem Betroffenen anders ausfällt. Zum anderen begründet es sich aber auch aus den in einigen Fällen erheblichen Nebenwirkungen (vgl. auch Antidepressiva Nebenwirkung). Diese bestehen häufig in Stoffwechselstörungen, Gewichtszunahme, Müdigkeit, Motorikstörungen, Krämpfen, Störungen der Nieren- und Herztätigkeit und weiteren Problemen.

Antipsychotisch wirkende Arzneimittel lindern zwar einige Probleme bei Psychosen, haben aber auch ihre Nebenwirkungen. Mitunter verweigern sich Patienten entsprechender Medikamentation (© Photographee.eu / Fotolia)
Antipsychotisch wirkende Arzneimittel lindern zwar einige Probleme bei Psychosen, haben aber auch ihre Nebenwirkungen. Mitunter verweigern sich Patienten entsprechender Medikamentation (© Photographee.eu / Fotolia)

Zu den Langzeit-Nebenwirkungen zählen unter anderem Thrombosen, Hypophysentumore und Störungen des Problemlöse- und Lernvermögens. Aus diesem Grund ist ihr Einsatz, speziell der unter Umständen kontinuierliche Einsatz, nicht unumstritten. Während die meisten Fachärzte eine medikamentöse Behandlung mit einem Antipsychotikum als unabdingbar betrachten, empfinden Betroffene den Einsatz in vielen Fällen nur als bedingt empfehlenswert. Andererseits berichten Patienten häufig davon, die Symptome ihrer Psychose sowie den damit verbundenen Kontrollverlust als derart beängstigend und einschränkend zu erleben, dass die antipsychotische Wirkung aller Nebenwirkungen zum Trotz als Erleichterung betrachtet wird. Dies kann besonders dann der Fall sein, wenn eine paranoide Psychose vorliegt. Im Falle einer dauerhaften oder Langzeiteinnahme sollte allerdings auf die niedrigste mögliche Dosierung geachtet werden – unter Umständen ergänzt durch Bedarfsmedikation, die nur zum Einsatz kommt, wenn psychotische Anfälle akut zu befürchten sind.

Weitere Ansätze der Behandlung

Betroffene, die mit den vorhandenen Möglichkeiten unzufrieden sind, suchen häufig – ersatzweise oder aber zusätzlich – nach weiteren Ansätzen, um mit ihrer Erkrankung umzugehen. Viele Ideen beruhen darauf, psychotische Anfälle früh zu erkennen und persönliche Kompensationsmaßnahmen zu entwickeln. Bei diesen kann es sich um die Gesellschaft bestimmter Menschen, Bedarfsmedikation, Entspannungsübungen, Sport und viele weitere Maßnahmen handeln, die individuell unterschiedlich sind. Solche Kompensationsmaßnahmen entfalten im Idealfall antipsychotische Wirkung.

Sowohl was alternative Maßnahmen zum Umgang mit der Krankheit angeht, als auch bei der Suche nach professionellem Beistand, empfinden viele Erkrankte den Kontakt mit anderen Betroffenen als sehr hilfreich. Sowohl in örtlichen Selbsthilfegruppen als auch in Internetforen kann sich beispielsweise über Psychiater, Psychologen und Kliniken, mit denen besonders gute oder schlechte Erfahrungen vorliegen, informiert werden. Weiterhin können sich Betroffene sowohl über Medikamente und Nebenwirkungen als auch neue Therapieansätze oder das Erleben der Erkrankung an sich und Tipps rund um dieses austauschen.

Quellen und weiterführende Ressourcen

Ängste, Phobien, Panikattacken > Angststörungen und Angsterkrankungen behandeln