Psychosomatische Störungen | Die Schwierigkeit, psychosomatische Erkrankungen richtig zu diagnostizieren (© Picture-Factory / stock.adobe.com)

Psychosomatische Störungen / Erkrankungen: Warum die Beschwerden oft nicht richtig diagnostiziert werden

Im Begriff „psychosomatische Beschwerden“ bzw. psychosomatische Störungen und psychosomatische Erkrankungen stecken zwei Begriffsteile, die gleichermaßen aussagefähig sind:

  1. Zum einen der Begriffsteil „psycho“, der auf die seelische Komponente der vorliegenden Beschwerden hinweist.
  2. Zum anderen enthält der Begriff auch den Wortteil „somatisch“. Wenn etwas somatisch wird, dann spielt es sich vornehmlich oder gänzlich auf der körperlichen Ebene ab. Hier haben wir bereits eine Schwierigkeit zu fassen, die viele Menschen verunsichert. Denn wenn sich die Symptomatik vorwiegend oder ganz im Körper abspielt, glauben die meisten Menschen, dass es sich um eine organische oder körperliche Erkrankung handelt. Und um es noch deutlicher zu machen: Viele Betroffene hoffen das auch. Denn seelische Probleme gelten in der Gesellschaft als weniger angesehen.

Dass die Symptomlage körperliche Ursachen hat, ist aber nur zum Teil wahr – zum Beispiel auf der symptomatischen Ebene. Doch die auslösenden Ursachen für eine psychosomatische Störung sind meist woanders zu suchen, nämlich in der Seele. Die verursachenden Gefühle sind meist konfliktbeladen. Sie wurden oft verdrängt oder abgespalten, um nicht sofort bewältigt werden zu müssen. Der Grund dafür ist, dass viele der erlebten Konflikte oder Traumata trotz aller Bemühungen nicht gelöst werden können. Sie können die Betroffenen zu stark belasten. Die meisten Krankheiten bzw. Beschwerden, die sich dann bemerkbar machen, spielen sich daher auf der körperlichen Ebene ab. Anders formuliert, können seelische Konflikte und Belastungen, die auch nach längerer Zeit keine Lösung finden oder bewusst verdrängt werden, den Betroffenen auf Dauer krank machen.

Quellen:

Psychosomatische Krankheiten: Was ist das Problem?

Beim Blick auf Symptome und Ursachen haben wir es gleich mit mehreren Problemen zu tun. Zum einen ist es die falsche Selbsteinschätzung der Betroffenen. Diese fühlen sich oft nicht ernst genug genommen, wenn sie an körperlichen Symptomatiken leiden. Der behandelnde Arzt kann aber trotz aller Untersuchungen keine Erkrankung feststellen, die als Ursache infrage käme.

Problematisch ist auch, dass ein zurückliegendes Trauma, das die Gefühle verletzt hat und deswegen verdrängt wurde, sich erst Jahre oder Jahrzehnte später im Körper als Störung manifestieren kann. Der Arzt kann dann nur vermuten, dass die Ursachen der Erkrankung im seelischen Bereich liegen – zum Beispiel in einer „somatisierten“ Angststörung (siehe auch Somatisierungsstörung) einem unverarbeiteten Trauma aus vergangenen Zeiten, oder in andauerndem Stress, der auf das Herz oder den Magen geschlagen ist.

Somatisierungsstörung (ICD / DSM) > Symptome, Ursachen, Therapie

Problematisch ist außerdem, dass viele psychosomatische Erkrankungen tatsächlich organische Ursachen haben können. Diese werden vom Behandler aber auf die Seele geschoben, weil es so einfacher für ihn ist. Insistiert der Betroffene nicht, bleibt es oft dabei. Alternativ kommt es zum „Ärzte-Hopping“, also einem häufigen Arztwechsel. Dahinter steht die Hoffnung der Betroffenen, ein kompetenterer Mediziner werde die wahre Ursache schon finden. Die „Du-musst-mal-eine-Therapie-machen“-Mentalität im Zeitalter esoterischen Denkweisen ist leider weit verbreitet.

Daher werden an der einen Stelle viele unsinnige Untersuchungen und Behandlungen vermeintlich körperlicher Beschwerden vorgenommen, statt die verdrängten Gefühle, Ängste und seelischen Konflikte als Auslöser der Symptomlage im Körper zu erkennen. An anderer Stelle werden aber häufig dringlich notwendige und sinnvolle Untersuchungen unterlassen. Der Grund liegt darin, dass die Patienten als seelisch belastet, hypochondrisch oder depressiv eingeschätzt werden. So kommt es beispielsweise, dass jemand fortgeschrittenen Krebs hat, der trotz aller Arztbesuche des Patienten nicht rechtzeitig erkannt wird. Auch MS-Patenten erleben immer wieder, dass ihre Symptomlage auf die Psyche geschoben wird. Diese ist aber nicht die Ursache ihrer gesundheitlichen Probleme.

Ähnlich pauschalisierende Fehleinschätzungen erleben zum Beispiel die sogenannten „Umweltkranken“ tagtäglich. Statt diese Patienten als chronisch langzeitvergiftete Menschen anzusehen, die einer Entgiftung und Immunstärkung bedürfen, werden sie psychiatrisiert. Patienten mit MCS werden oftmals als Depressive oder psychisch Kranke behandelt (siehe Bin ich psychisch krank?). Diese Einschätzung ist nicht nur durch die geltenden medizinischen und politischen Paradigmata begründet. Auch die seelischen und psychischen Symptome der Betroffenen, die durch Toxine ausgelöst wurden, begünstigen diese Haltung. Damit ist in Kürze, und an einem klassischen Beispiel skizziert, was so problematisch an psychosomatischen Beschwerden sein kann. Es sind unter anderem die Betrachtungsweisen und die stigmatisierenden Bewertungen, die damit einhergehen.

Ein anderes Beispiel, das die komplexe Problematik der Psychosomatik verdeutlichen kann, sind posttraumatische Belastungsstörungen. Diese können neben seelischen Befindlichkeitsstörungen auch zahlreiche körperliche Symptome verursachen – und zwar lange nachdem das eigentliche Trauma erlebt wurde. Hier ist aber das traumatische Erlebnis meist so eindringlich gewesen, dass es dann relativ schnell als Ursache erkannt werden kann. Bevor das der Fall ist, kann das traumatische Erlebnis aber vollkommen in die Verdrängung geschickt werden. Das geschieht als Schutzmaßnahme der Seele, weil der Betroffene seine Gefühle nicht sofort verarbeiten könnte.


Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ausführlich erklärt


Die Betroffenen leiden also im Vorfeld einer späteren Verarbeitung oft längere Zeit an vermeintlichen körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Migräne oder Verspannungen. Sie durchleben Ängste, Depressionen, sogenannte Flashbacks oder andere psychosomatischen Beschwerden, bevor sie eine adäquate Behandlung des eigentlichen Auslösers erfahren.

Quellen:

Wodurch entstehen entsprechende Beschwerden und Krankheiten?

Psychosomatische Beschwerden werden oft durch Konflikte, Stress, Beziehungsprobleme oder krisenhafte Ereignisse ausgelöst. Die meisten Menschen erleben im Laufe ihres Lebens eine oder mehrere Episoden mit psychosomatischen Beschwerden. Jeder kennt zum Beispiel Magenschmerzen wegen ständiger berufliche Probleme. Viele Menschen erleben durch Prüfungsstress oder Mobbing-Erlebnisse, wegen Depressionen (vgl. die unterschiedlichen Arten von Depressionen, z.B. reaktive Depressionen, manische Depressionen, agitierte Depressionen und depressive Verstimmungen) nach einer Scheidung oder Ähnlichem solche Episoden.

Das vegetative Nervensystem bleibt von den anhaltenden seelischen Spannungen auf der seelischen Ebene nicht unberührt. Instanzen wie die Hormone, der Stoffwechsel, das Immunsystem oder andere Instanzen im Organismus reagieren ebenfalls auf den Stress. Sie tun das aber in unterschiedlicher Weise und Intensität. Daraus erwächst eine Reihe von Krankheitssymptomen oder Schmerzen. Diese scheinen von den eigentlichen Auslösern – den seelischen Stressoren -, mittlerweile losgelöst zu sein. Trotzdem, oder gerade deswegen, sind die Betroffenen der Ansicht, ihre Symptome seien körperlich verursacht. Für die Patienten sind organische Ursachen folglich wahrscheinlicher, als die seelischen Konflikte, oder die traumatisierten und verdrängten Gefühle.

Die häufigsten Ursachen für psychosomatische Krankheiten finden sich

  • in anhaltendem Stress
  • in belastenden oder traumatischen Erlebnissen
  • in Lebenskrisen wie Scheidung, Tod eines nahen Angehörigen oder schwerer Erkrankung
  • in Depressionen
  • in finanziellen Notlagen oder anhaltender Arbeitslosigkeit
  • oder verdrängten inneren Konflikten.

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Die Mediziner unterscheiden mehrere Arten psychosomatischer Erkrankungen. Da sind zum Beispiel funktionelle Organstörungen, die scheinbar ohne eine erkennbare Ursache entstehen. Hier haben wir es beispielsweise mit gestörten Darmfunktionen durch innere Konflikte, die nicht „verdaut“ werden können, oder mit stressbedingten Herzrhythmus-Störungen zu tun. Auf der anderen Seite stehen gravierende körperliche Erkrankungen, die ursprünglich durch psychische Komponenten ausgelöst wurden. Koronare Herzerkrankungen gehören genauso dazu wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn oder Bronchialasthma. Diese Erkrankungen müssten sowohl auf seelischer, wie auf organischer Ebene eine Behandlung erfahren. Ob das immer der Fall ist, ist von Fall zu Fall verschieden.

Außerdem gibt es noch körperliche Krankheiten, die im Verlauf auch zu psychischen Störungen und psychosomatischen Beschwerden führen können. Hier sind zum Beispiel schwere Krebserkrankungen zu nennen, aber auch Multiple Sklerose. Auch die bereits erwähnten „Umwelterkrankungen“, die eigentlich vergiftungsbedingte Multisystemerkrankungen mit psychischen Folgeerscheinungen sind, gehören in diese Kategorie. Am Rande des Geschehens spielen sich seelische Störungen oft auch auf der körperlichen Ebene ab, wenn sie als Magersucht, Bulimie, Binge Eating, Alkoholismus, Drogensucht oder Übergewicht ausgelebt werden (Definition Sucht).

Quellen:

Welche Erkrankungen gelten als psychosomatische Erkrankungen?

Hier finden sich eine Reihe von Beschwerden, an denen viele Menschen leiden. Ob die Ursache tatsächlich immer im seelischen Bereich zu suchen ist, sei einmal dahingestellt. Sie ist es aber häufig. Die Liste der Symptome, die als Anzeichen für psychosomatische Beschwerden gelten, ist interessant. Dazu gehören häufig in der Bevölkerung auftretende Probleme wie

  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Reizdarm, Reizblase und Reizmagen
  • Neurosen und Ängste, z. B. als Herzbeschwerden manifestiert
  • chronische Schmerzsyndrome
  • psychogener bzw. belastungsbedingter Juckreiz
  • oder Ess-Störungen wie Magersucht, Fettsucht, Binge Eating oder Bulimie.

Prekär ist jedoch, dass es für alle genannten Störungen bzw. Erkrankungen durchaus auch organische Ursachen geben kann. Es wäre also zu kurz gegriffen, diese einfach als psychosomatische Symptome abzutun, und eine ausführliche Anamnese und Differenzialdiagnostik zu unterlassen. Einige Beispiele sollen das illustrieren.

  1. Chronische Ohrgeräusche bzw. Tinnitus können durchaus auf seelisch bedingte Nacken- und Kiefer-Verspannungen, chronische Lärmbelastungen oder anhaltend hohe Stressfaktoren wie Mobbing oder Stalking hinweisen. Dann wären sie der Psyche und äußerlichen Belastungen zuzuschreiben. Möglich ist aber auch, dass ein Tinnitus durch bestimmte Mittel- oder Innenohrerkrankungen, Bluthochdruck oder Kieferfehlstellungen ausgelöst wurde. Außerdem kommen auch Nebenwirkungen mancher Medikamente in Betracht.
  2. Ein Reizdarm-Syndrom kann durchaus seelisch bedingt sein. Es kann aber auch als Nebenwirkung bestimmter Medikamente, aufgrund einer immunologischen Schwäche oder wegen bisher nicht erkannter Nahrungsmittelunverträglichkeiten auftreten.
  3. Die Reizblase kann durchaus eine nervliche Überlastung oder latente Ängste anzeigen. Sie kann aber auch auf eine altersbedingte Blasensenkung, eine beginnende Inkontinenz oder unverträgliche Lebensmittel zurückzuführen sein.

An diesen simplen Beispielen wird ersichtlich, dass die Ursache der Befindlichkeitsstörungen oft komplexer ist. Daher sollten alle Symptome und Beschwerden sorgfältig geprüft werden, bevor im Rahmen einer Ausschlussdiagnose auf die Psyche als Verursacher der Beschwerden geschlossen wird. Nicht in jedem Fall ist es zu rechtfertigen, dass nach der Anamnese eine Psychotherapie empfohlen wird. Die Behandlung solcher Symptomatiken kann manchmal aus multimodalen Ansätzen bestehen. Sie kann aber auch in einer Psychotherapie und gleichzeitig einer begleitenden Therapie organischer Folgebeschwerden bestehen. Jeder Fall ist anders gelagert und sollte individuell behandelt werden.

Psychotherapie – Ein einführender Überblick für Patienten

Quellen:


Psychosomatische Medizin | Über psychosomatische Beschwerden und Erkrankungen (Amazon)
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Psychosomatische Störungen diagnostizieren

Bei allen Symptomen, die als körperlich eingeschätzt werden, ist in der Regel der Hausarzt der erste Ansprechpartner. Diese wird Standarduntersuchungen vornehmen oder den Betroffenen gleich an einen Facharzt für Innere Medizin oder Gastroenterologie, einen Hautarzt oder einen Psychologen überweisen. Welche diagnostischen Methoden im Einzelnen eingesetzt werden, hängt ganz von der vorliegenden Symptomatik ab.

Bei Tinnitus wird vom Patienten meist ein HNO-Arzt aufgesucht. Es kann aber auch sein, dass der Zahnarzt eine Fehlstellung des Kiefergelenks durch nächtliches Zähneknirschen feststellt, und erfolgreich behandelt. Damit ist auch der Tinnitus Geschichte. Er wurde nicht unmittelbar durch seelische Umstände verursacht. Vielmehr entstanden die Ohrgeräusche aufgrund einer Kiefer-Fehlstellung. Diese allerdings kann durch nächtliches Zähneknirschen entstehen – und sie kann somit eben doch seelisch verursacht worden sein. Im Schlaf werden Erlebnisse und Konflikte verarbeitet. Viele psychosomatische Krankheitsbilder erfordern eine längere Diagnostik, bevor sie als seelische Störungen bzw. psychosomatische Störung erkannt werden können.

In heutiger Zeit haben die Ärzte wegen der Budgetierung immer weniger Zeit für ihre Patienten. Daher unterbleibt oft das vertrauliche und ausreichend lange Gespräch über akute oder vergangene Belastungssituationen. Auch der Blick auf bereits vergangene Konsultationen kann den Hausarzt auf die richtige Spur führen. Begleitend können jedoch bei psychosomatischen Erkrankungen immer auch organische Ursachen vorliegen. Diese müssen mitbehandelt werden.

Besonders schwierig sind in der Psychosomatik Patienten, die an Beschwerden durch Drogensucht, Alkoholismus, Magersucht, Bulimie oder Binge-Eating leiden. Hier liegt meist nicht nur eine mangelnde Krankheitseinsicht vor, sondern es können auch viele körperliche und organische Folgeerscheinungen auftreten. Oft handelt es sich um langjährige Erkrankungen, die lange vor der Entdeckung versteckt werden. Das macht die Behandlung solcher Patienten sehr schwer.

Quellen:

Psychosomatische Krankheiten diagnostizieren und behandeln: Leitfaden Psychosomatische Medizin und Psychotherapie: Orientiert an den Weiterbildungsrichtlinien der Bundesärztekammer (Amazon)
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Die Behandlung psychosomatischer Störungen

Eine psychosomatische Erkrankung besteht oft längere Zeit. Sie treten einzelne oder als eine ganze Reihe von Symptomen auf, die aufgrund seelischer Konflikte oder Befindlichkeiten entstanden sind. Diesen Beschwerden muss vom Betroffenen nicht unbedingt ein Krankheitswert zugeschrieben werden. Belastend sind die Symptome aber allemal.

In manchen Fällen sind die Krankheitssymptome sogar so belastend und einschränkend, dass sie behandelt werden müssen. Wenn die psychosomatische Störung das Wohlbefinden, die Arbeitsfähigkeit oder die Lebensqualität einschränkt, und somit Krankheitswert erhält, ist eine Reha dringlich angeraten. Diverse psychosomatische Kliniken haben sich auf psychosomatische Krankheiten spezialisiert. Hier werden nicht nur die vorliegenden Krankheits-Symptome behandelt. Stattdessen werden auch die dahinter liegenden Gefühle, Traumata und Konflikte einer Betrachtung unterzogen. Körper, Seele und Geist gehören zusammen. Sie sind daher oft gleichermaßen von verdrängten Traumata oder Konflikten betroffen.


Psychosomatische Kliniken: Was macht man dort, und wie?


Kliniken, die auf die Behandlung psychosomatischer Krankheiten spezialisiert sind, bieten ein weit gefasstes Spektrum an therapeutischen Möglichkeiten. Neben Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie und anderen Formen der Psychotherapie werden auch Maltherapien, Musiktherapien und Ähnliche geboten. Hier landen Patienten, die an Depressionen, Angstproblematiken, Burn-out, einem posttraumatischem Belastungssyndrom, chronischen Schmerzsyndromen oder Ähnlichem leiden. Menschen mit Magersucht, Adipositas oder anderen Essstörungen werden meist in spezielle Kliniken eingewiesen. Top-Manager und Prominente können von psychosomatischen Krankheiten genauso betroffen sein wie Hausfrauen oder Kinder (siehe Kindertherapie). Erstere können sich allerdings teure Privatkliniken leisten. Alle anderen Betroffenen landen in Kliniken, bei denen die Krankenkassen die Behandlungskosten übernehmen. Manchmal wird die Reha aber auch von Berufsgenossenschaften oder der Rentenversicherung finanziert.

Der Klinikfinder erleichtert es den Betroffenen, eine psychosomatische Klinik in der Nähe des Wohnortes zu finden. Auch Kur- und Reha-Kliniken kommen für die Behandlung solcher Störungen infrage. Problematisch ist jedoch, dass psychosomatische Krankheiten häufig als Stigma wahrgenommen werden. Sie gelten als Beleg für psychischer Labilität. Viele Menschen kommen daher gar nicht in den Genuss einer Behandlung, weil sie psychosomatische Erkrankungen als stigmatisierend empfinden und deren Entdeckung umschiffen.

Zwar verrät der Diagnoseschlüssel in der Krankmeldung dem Arbeitgeber nicht unbedingt, um was es geht – aber jeder kann diesen Schlüssel heute im Internet recherchieren, und dadurch Aufschluss über die Diagnose bekommen. Das sorgt dafür, dass viele an sich psychosomatische Krankheiten falsch behandelt, oder gar keinem Arzt vorgestellt werden. Möglich ist aber, dass der Patient nach längerer Warte- und Leidenszeit eine Psychotherapie absolviert (-> Psychotherapeutensuche) oder andere Lösungen findet – zum Beispiel eine Heilpraktikerin, die eine psychologische Zusatzausbildung hat.

Quellen:

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Dr. Jan Martin - Virtueller Chefredakteur - Digitale Redaktionsleitung Dr. Jan Martin ist virtueller Chefredakteuer von www.angst-verstehen.de. Er ist das Außengesicht der digitalen Redaktionsleitung, verantwortlich für Qualitätssicherung und Publikation der Texte der Redaktion.

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