Radiophobie / Strahlenangst - Angst vor Strahlung, Röntgenstrahlung & Co. (© emirkoo / Fotolia)

Radiophobie (Strahlenangst) – Angst vor Strahlung und Röntgenstrahlen

Radiophobie, Strahlenangst, Angst vor Strahlung – Dass mancher Mensch wegen der Risiken von Strahlenbelastungen Angst davor hat, zu oft geröntgt zu werden, ist eine gesunde Einstellung. Diese schützt die Gesundheit. Sie bezieht sich auf allgemeine Erkenntnisse über (angeblich!) verträgliche Strahlendosen. Wenn sich aber jemand von fremden Mächten aus dem All bestrahlt und von Strahlungen förmlich verfolgt fühlt, ist das anders zu bewerten. Hier steckt eindeutig eine psychische Erkrankung dahinter. Ihre Ursache liegt wahrscheinlich in der Angst vor Strahlung.

Die überzogene Angst vor Strahlung (Radiophobie)

Jeder auf der Erde lebende Mensch hat es von Natur aus mit Strahlung – beispielsweise durch die Sonne – zu tun. Dass wir heutzutage auch diese fürchten müssen, weil es ein Ozonloch gibt, ruft bei manchen Menschen Ängste auf den Plan. Auch unser Wissen um die Strahlung aus früheren Atombombenabwürfen, aus Atomversuchen, Reaktorkatastrophen wie Tschernobyl oder Fukushima, sowie die elektromagnetische Strahlung aus Steckdosen, PCs oder Smartphones ist ständig präsent.

Wenn jemand an Strahlenangst oder Radiophobie leidet, hat er panische Angst vor den negativen Folgen, die er bestimmten Strahlungsarten zuschreibt. Darunter fallen auch Röntgenstrahlen, Radiopharmaka oder strahlende Apparaturen, die im medizinischen Bereich zum Einsatz kommen. Dass die Menschen, die rund um das havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl leben, an Strahlenangst leiden, ist verständlich. Doch wenn einige Beamte und Mediziner vor Ort dies als Hypochonder- und Simulantentum kleinreden, ist das eine politisch begründete Verschleierungstaktik.

Strahlung kann potenziell gefährlich sein. Grenzwerte sind sehr relativ. Gesunden Respekt vor Strahlung und Überdosen von gefährlicher Strahlung zu haben, ist klug. Die Angst sollte aber nicht ausufern und keine Regie über das Leben übernehmen. Tut sie das, ist die Lebensqualität gemindert. Ein Krankheitswert ist bei dieser Form der Strahlenangst anzunehmen. Schwierig wird es, wenn die Betroffenen wegen Krebs eine Strahlentherapie oder Radiopharmaka erhalten sollen.

Quellen:

Wann ist Strahlenangst als Radiophobie anzusehen?

Wenn jemand überall Quellen von Strahlung wittert und versucht, sich mit allerlei Vermeidungsstrategien und Gegenmaßnahmen davor zu schützen, ist ein gesundes Maß an Umgang mit diesem Thema verloren gegangen. Meidet jemand das Fliegen wegen erhöhter Strahlung, lebt aber ansonsten ein normales Leben, ist von keinem Krankheitswert auszugehen.

Krankheitswert entsteht erst, wenn es wegen irgendeiner Art von Strahlung oder einer anstehenden Röntgenuntersuchung zu Panikattacken, Schweißausbrüchen, Herzrasen und sozialem Rückzug kommt. Bei manchen Menschen entsteht aufgrund einer solchen Angstproblematik Verfolgungswahn. Dieser soll hier nicht Thema sein. Verfolgungswahn kann auf eine schwerere psychische Erkrankung wie Schizophrenie hinweisen.

Angsterkrankungen sind mit Hypnotherapie oder kognitiver Verhaltenstherapie gut behandelbar (siehe Verhaltenstherapien). Als Begleittherapie können Entspannungsübungen oder pflanzliche Beruhigungsmittel eingesetzt werden. Prekär ist jedoch, dass viele Menschen mit Strahlenangst sich erst nach Jahren in Behandlung begeben. Ihre Ängste sind ihnen peinlich. Der Leidensdruck ist trotz vieler Einschränkungen anscheinend noch nicht hoch genug.

Quellen:

Was verursacht Strahlenangst?

Die Ursachen für eine übersteigerten Angst vor Röntgenstrahlen oder anderer Strahlung sind individuell. Manche Menschen haben von Natur aus eine ängstliche Grundhaltung. Kommt dann ein negatives Erlebnis dazu, oder jemand berichtet über die Gefahren von Strahlung, reicht das oft schon aus für die Entwicklung einer Radiophobie. Viele Menschen informieren sich in sozialen Medien. Sie wählen dabei die Quellen nicht quellenkritisch genug aus. Viele Menschen lassen sich von Horrorszenarios einfangen und glauben Verschwörungs-Theoretikern.

Solange die Geschichten um Strahlungseinflüsse in sich glaubhaft klingen, ist ihr Wahrheitsgehalt kaum auszumachen. Damit werden zum Teil bewusst Ängste geschürt. Viele Nachrichten-Konsumenten können nicht mehr unterscheiden, was Fake News und was sachlicher Inhalt ist. Oft sitzen sogar seriöse Journalisten glaubwürdig klingenden Fehlinformationen auf. Zudem wird unsere Welt immer mehr von intelligenten Technologien, Terroristen und Demagogen bevölkert, die vielen Menschen Angst machen.

Damit sind bereits die Grundlagen für eine seelische Dysbalance gelegt. In einer Lebenskrise ballen sich solche Ängste oft zusammen und manifestieren sich als Phobie.

Quellen:

Elektrosensibilität – eine Ursache für Strahlenangst?

Auffallend ist, dass viele Menschen keine gesunde Angst vor der Strahlung entwickeln, der sie durch Smartphones, PCs und andere Technologien täglich ausgesetzt sind. Möglich ist, infolge hoher Strahlendosen elektrosensibel zu werden. Inwieweit Elektrosmog tatsächlich gesundheitsgefährlich ist, ist bisher ungeklärt. Wie bei anderen potenziellen Gefahrenquellen auch, stehen sich Lobbyisten, Interessengruppen und Betroffene gegenüber und diskreditieren sich gegenseitig. Geholfen ist damit niemandem.

Quellen:

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