Dysmorphophobie / körperdysmorphe Störung (© Photographee.eu / Fotolia)

Dysmorphophobie / körperdysmorphe Störung –
wenn die körpereigene Wahrnehmung trügt

Die Dysmorphophobie (auch: körperdysmorphe Störung oder Entstellungssyndrom) gilt als eine psychische Erkrankung, der eine gravierende Wahrnehmungsstörung des eigenen Körperbildes vorausgeht. Die Betroffenen fühlen sich oder einzelne Teile ihres Körpers entstellt, obwohl meistens, rein organisch, kein Grund dazu besteht. Sie leiden unter zwanghaften Gedanken, die weit über die ab und an bestehende normale Unzufriedenheit mit dem eigenen Erscheinungsbild hinausgehen.

Ihr Selbstbild ist gestört, sie fühlen sich unattraktiv, hässlich und sind davon überzeugt, ihr Umfeld nimmt sie genauso wahr. Ein häufiger Störfaktor ist das Gesicht, z.B. aufgrund einer vermeintlich zu großen Nase, Akne oder anderer Defizite.

Hautveränderungen, dazu zählen neben starker Akne auch Ekzeme, oder extrem ausgeprägte Gesichtsbehaarung geben Anlass zu Scham und Unsicherheit. Im übrigen Körperbereich scheinen z.B. die Größe, das Gewicht oder der Bauch unansehnlich. Auf vegetativer Ebene macht eine übermäßige Schweiß- und Errötungsneigung den Betroffenen zu schaffen.

In der Öffentlichkeit fühlen sich Menschen mit einer dysmorphen Erkrankung oft angestarrt, sie befürchten, aufgrund ihrer angeblichen Deformierung von anderen abgelehnt und verachtet zu werden. Bei einer stark ausgeprägten Störung kann dies zum Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben führen.

Anzeichen der Dysmorphophobie

Bei den Erkrankten kreist ihr ganzes Denken um die mutmaßliche Entstellung, sie können sich nicht mehr sehen, ihr eigenes Spiegelbild nicht mehr ertragen. Leichte körperliche Veränderungen empfinden sie als Anormalität.

Weitere Dysmorphophobie Symptome sind das Überprüfen ihrer Erscheinung im Spiegel, sie befassen sich stundenlang mit der eigenen für sie negativen Optik und das Vergleichen ihres Aussehens mit dem Anderer. Das Fokussieren ihres Äußeren bestimmt ihren Alltag.

Da die Betroffenen sich häufig nicht ihrer psychischen Erkrankung bewusst sind – es wird eher der Schönheitsspezialist aufgesucht als der Arzt – lässt sich die Diagnose einer körperdysmorphen Störung nur sehr schwierig stellen. Treffen einige der hier aufgeführten Dysmorphophobie Symptome auf einen zu, können sich Interessierte einem speziellen Test, dem sogenannten Dysmorphophobie Test, unterziehen. Die Meinung eines Therapeuten ersetzt ein solcher hier und da online durchführbarer Test aber nicht.

Dysmorphophobie / körperdysmorphe Störung (© Photographee.eu / Fotolia)
Dysmorphophobie / körperdysmorphe Störung (© Photographee.eu / Fotolia)

In der Medizin gibt es eine weltweite Diagnoseklassifikation, die ICD 10 (Version von 2016), an einer Neufassung wird derzeit gearbeitet. Sie wird von der Weltgesundheitsorganisation herausgegeben, alle Ärzte sind verpflichtet, ihre Diagnosen nach ICD 10 anzugeben. Unter den Codes F00-F99 werden die psychischen Störungen klassifiziert. Die dysmorphe Störung, die Häufigkeit der Erkrankung liegt bei ca. 0,7-2,4% der Bevölkerung, ist heute als eigenständiges psychiatrisches Krankheitsbild anerkannt.

Die körperdysmorphe Störung gehört zu der Gruppe der Zwangsstörungen, stets wiederkehrende Gedanken quälenden Charakters und vielfach wiederholte Handlungen wie der permanente Blick in den Spiegel zeichnen diese aus. Die Zwangshandlungen verringern die innere Anspannung.

Ursachen der Dysmorphophobie

Es gibt soziale Gründe, die bei der Entstehung einer körperdysmorphen Störung eine Rolle spielen, z.B. emotionale Vernachlässigung in der Kindheit. Menschen, deren Zugang zu Bestätigung und Anerkennung allein aufgrund ihres guten Aussehens erfolgt, sind ebenfalls empfänglich.

Wie bei vielen psychischen Störungen gibt es mehrere Gründe, die einer Erkrankung zugrunde liegen. Oftmals kommen sie ganz allgemein mit ihrem Leben nicht zurecht, schmerzliche Erfahrungen wurden nicht verarbeitet, sie sind traumatisiert, ihr Selbstwertgefühl ist eher gering, sie meinen, nicht liebenswert zu sein (vgl. auch negative Gefühle).

Ursachen mit biologischem Hintergrund, manche Wissenschaftler vermuten einen Mangel des Glückshormons Serotonin im Gehirn, kommen ebenfalls als Erklärung in Betracht.

YOUTUBE: Keine Angst vorm Spiegel – ein Video von dysmorphophobie.de
(youtube.com/watch?v=3oAJd-rXUS8)

Hilfe und Selbsthilfe

Neben der Teilnahme an einem Dysmorphophobie Test kann man sich einer Selbsthilfegruppe anschließen.

Ein Forum zur Selbsthilfe ist z.B. unter www.dysmorphophobie.de zu finden, hier können sich Interessierte umfangreich über die vielen Facetten der Störung informieren und sich mit anderen austauschen. Auch Angehörige, die eventuell keine Erklärung für das Verhalten ihrer Lieben haben, können sich in einem Forum mit dem Thema vertraut machen, vielleicht hilft es, die Gedankenwelt der Betroffenen besser zu verstehen. Der Austausch der Erfahrung mit der Krankheit kann für Erkrankte und Angehörige schon eine erste Hilfe sein, die „körperdysmorphe Störung“ zu verstehen und zu überwinden.

Wie bei fast allen psychischen Leiden gibt es auch bei der Körperdysmorphophobie unterschiedlich stark ausgeprägte Störungen. Bei einigen ist die verzerrte Realitätssicht durch das „Entstellungssyndrom“ so dominant, dass sie ihr Leben beherrscht. Sie ziehen sich, oft aus Scham, von ihren Freunden und der Familie zurück, vernachlässigen ihre Arbeit. In diesem Stadium besteht eine erhöhte Anfälligkeit für Depressionen.

Wer sich seine Erkrankung eingesteht und Hilfe annehmen möchte, kann einen Therapeuten aufsuchen und eine entsprechende Behandlung beginnen. Bewährt hat sich die kognitive Therapie, bei der die subektive Wahrnehmung der Patienten in den Vordergrund gestellt wird (siehe auch kognitive Verhaltenstherapie). Während der Behandlung werden gemeinsam kleine Schritte erarbeitet, um verzerrte Denkweisen zu erkennen, zu bewerten und dann zu ändern. Erkennt der Betroffene, dass seine körperbezogene Selbstwahrnehmung falsch ist, beginnt der Heilungsprozess.

Bei der kognitiven Therapie wird der zu Behandelnde aktiv unterstützt, Herausforderungen werden gestellt, die gemeistert werden sollen, das Selbstbewusstsein wird gestärkt, Minderwertigkeitsgefühle abgebaut.

YOUTUBE: Mein Aussehen macht mich krank – körperdysmorphe Störung (youtube.com/watch?v=VO8GpvBmmnk)

Manche Menschen entwickeln parallel zu einer psychischen Störung eine leichte Depression, hier ist zunächst auch eine Psychotherapie ohne medikamentöse Behandlung angezeigt. Bei schwereren Verlaufsformen der Depression kommen jedoch in aller Regel Antidepressiva zum Einsatz. Diese sollten jedoch nie als einzige Behandlungsoption verabreicht werden, sondern nur begleitend zu einer Therapie.

Eines der am häufigsten verschriebenen Antidepressiva ist Citalopram, es hat eine aktivierende und stimmungsaufhellende Wirkung und hilft, wieder neuen Antrieb im Leben zu finden. Escitalopram ist ebenso ein Arzneistoff aus der Gruppe der selektiven Serotin-Wiederaufnahmehemmer und kommt in der Behandlung von Depressionen und Zwangsstörungen zum Einsatz. Die Einnahme von Citalopram und Escitalopram bewirken eine höhere Serotoninkonzentration in der Gewebeflüssigkeit des Gehirns und sollen somit die Psyche positiv beeinflussen.

Die Häufigkeit der an depressiven Phasen (siehe depressive Episode) leidender Menschen, es sind ca. 3 Millionen in Deutschland, spiegelt die weite Verbreitung psychischer Erkrankungen wider.

Dysmorphe Störung / Entstellungssyndrom –
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Dysmorphophobie / dysmorphe Störung (© chocolatefather / Fotolia)
Dysmorphophobie / dysmorphe Störung (© chocolatefather / Fotolia)

Schlusswort körperdysmorphe Störung:

Kleine körperliche Makel gehören zu uns und unserem Leben dazu, niemand ist perfekt, auch wenn uns die Medien gerne was anderes vorgaukeln, und niemand muss perfekt sein. Wenn wir anfangen, uns selbst zu lieben, wie wir sind, können wir in ein glückliches, zufriedenes Leben starten. Wer seine körperdysmorphe Störung überwinden will, sollte sich nicht scheuen, einen Psychotherapeuten mit Spezialisierung auf die Dysmorphophobie Therapie zu suchen!