Schematherapie, Schematherapeut, Schematherapeuten (© Photographee.eu / stock.adobe.com)

Was machen Schematherapeuten? – Einführung in die Schematherapie

Was macht ein Schematherapeut anders als andere Psychotherapeuten?

Die meisten Uneingeweihten werden nicht wissen, was eine Schematherapie ist. Während vielen Menschen Begriffe wie Psychotherapie oder deren häufig gewählte Form/Methode „Verhaltenstherapie“ mittlerweile geläufig sind, ist die Arbeit und Methodik von Schematherapeuten eher weniger bekannt. Doch auch diese integrative Therapieform ist eine spezielle Form der Psychotherapie. Sie wird zu den kognitiv-verhaltenstherapeutischen Therapien gezählt.

Es handelt sich jedoch nicht um eine Therapieform, die wegen ihres schematischen Vorgehens so benannt wurde. Es geht hier vielmehr um eine integrative Therapieform, die bestimmte Reaktionsmuster oder Schemata beim Klienten verändern möchte. Diese in der Kindheit erlernten Verhaltensmuster sind mittlerweile eingefahren. Sie stellen daher eine ungute, starre und unflexible Reaktion auf bestimmte Situationen dar. Diese Reaktionsweise hat in der Folge zu einer psychischen Erkrankung geführt. Da diese Erkrankung bereits jahrelang besteht, herrscht bei den Betroffenen entsprechend großer Leidensdruck vor.


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Was kennzeichnet die Schematherapie?

Die Schema-Therapie erweitert als spezielle Form der Psychotherapie das kognitive Therapiekonzept um Elemente, die mehreren anderen Therapieformen entlehnt wurden. So finden sich bei diesem integrativen Therapieansatz beispielsweise psychodynamische Konzept-Anteile, Entlehnungen aus der Transaktionsanalyse, der Objektbeziehungs-Theorie, der Gestalttherapie, der Psychoanalyse oder der Hypnotherapie. All diese Elemente werden zu einer eigenständigen Therapieform zusammengefasst.

Als Entwickler dieser speziellen Therapieform gilt Jeffrey E. Young. Young war Schüler von A. Beck, der mit seinem Konzept der kognitiven Therapie zur Behandlung von Persönlichkeitsstörungen die Grundlagen für die heutige Schematherapie gelegt hatte.

Die Schema-Therapie sieht bei vielen langjährig psychisch kranken Menschen bestimmte Grundschemata im Denken und Fühlen gegeben. Diese emotionellen Muster werden bereits in der Kindheit erlernt. Ziel dieses eigenständigen Lernprozesses ist es, seelische Grundbedürfnisse zu befriedigen. Seine emotionellen Bedürfnisse nach Anerkennung, Sicherheit oder Liebe sind dem Kind allerdings nicht bewusst. Sie werden von dessen Eltern oder dessen Familie jedoch offensichtlich nicht hinreichend erfüllt.

Das Kind versucht nun, durch bestimmte Reaktionsweisen einen Mittelweg zwischen der eigenen Bedürfniserfüllung und den Erwartungen seiner Familie zu finden. Dabei fließt die persönliche Veranlagung in das neue Verhaltensmuster ein. Die Reaktionen, mit denen nun auf Konflikte, Herausforderungen oder Stress reagiert wird, können wahlweise

  • unterordnend-erduldenden,
  • gefühlsabspaltend-vermeidend oder
  • kämpferisch-überkompensierend ausfallen.

Die eingefrästen Grundschemata steuern Youngs Theorie zufolge anschließend auch das Verhalten bei den erwachsen werdenden Betroffenen. Viele dieser Menschen lernen nie, dass die als Kind erarbeiteten Strategien im Erwachsenenleben hinderlich sind. Besonders im Berufsleben sind sie fehl am Platze. Reaktionsmuster wie Fluchtgedanken oder Vermeidungsstrategien sind einer angestrebten oder erhofften Karriere wenig förderlich.

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Entwickelt wurde die Schema-Therapie, um chronische und charakterbedingte Störungen im Bereich der Psyche mit unterschiedlichen Methoden und Strategien behandeln zu können. Erfolgreich kann die Schematherapie folglich bei chronisch kranken Patienten angewendet werden. Diese Menschen leiden an

Der typische Schematherapeut arbeitet aber auch an der Behandlung von anhaltenden Essstörungen, von jahrelangem Drogen- und Medikamentenmissbrauch (s. Suchtverhalten), von anhaltenden Beziehungsstörungen und Paarproblemen.

Die Schematherapie kann im klinischen Bereich (vgl. Psychiatrie) ebenso eingesetzt werden wie im ambulanten Bereich (die Arbeit von niedergelassenen Psychotherapeuten).

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Quellen:

Was genau ist mit Schemata gemeint?

Der Schematherapeut beruft sich auf die Existenz bestimmter Schemata oder Gedankenmuster. Diese Muster sollen unser Verhalten als erwachsene Menschen bestimmen, wann immer diese Schemata angesprochen werden. Grundlage der Schema-Bildung sind unsere seelischen Bedürfnisse, nach deren Erfüllung wir trachten. Oftmals erleben wir aber, dass unsere elementarsten Bedürfnisse nicht hinreichend erfüllt werden. Das klingt für die meisten Menschen recht abstrakt. Über dieses Thema ist bereits vieles geschrieben worden, sowohl theoretisch als auch praxisbezogen und erklärend.

Möglicherweise wird dieses Konzept verständlicher, wenn unsere Leser sich den Weg erlernter Verhaltensweise wie eine neuronale Autobahn im Gehirn vorstellen. Häufig wiederholte und angewendete Verhaltensweisen oder Gedankenmuster fräsen sich als Muster (Schemata) in den Nervenbahnen ein. Die Verhaltensweisen und Gedankengänge werden früher oder später zur Gewohnheit. Folglich erfolgen sie mehr oder weniger automatisch und unbewusst, sobald dieses Thema angesprochen wird. Die Arbeit von Schematherapeuten besteht nun darin, dem Klienten diese Muster bewusst zu machen. Anschließend geht es darum, neue neuronale Autobahnen mit anderen Verhaltensmustern im Gehirn anzulegen (kognitive Umstrukturierung).



Verinnerlichte Verhaltensmuster wie Flucht oder Rückzug wirken sich Young zufolge vor allem in zwischenmenschlichen Beziehungen aus. Diese Beziehungen können aber auch am Arbeitsplatz bestehen. Haben die Menschen als Kind ein bestimmtes Schema samt der daraus folgenden Reaktionsmuster entwickelt, verhalten sie sich ständig diesem Muster gemäß. Der Ursprung solcher Muster liegt in der gefühlten oder tatsächlichen Missachtung elementarer menschlicher Bedürfnisse – beispielsweise:

  • einer gesicherten Bindung zu anderen (Akzeptanz, Zuwendung, Zuneigung, Stabilität, Anerkennung)
  • persönlicher Autonomie, Identitätsgefühl und dem Gefühl von Kompetenz
  • der Freiheit, seine Bedürfnisse oder Gefühle gegenüber anderen Personen frei und ungehindert ausdrücken zu dürfen
  • dem spontanen und spielerischen Ausleben seiner Bedürfnisse und
  • der Möglichkeit einer realistischen Grenzziehung sowie
  • dem Gefühl der Kontrolle.

Nehmen wir also einmal an, ein Mensch fühlt sich schon als Kind unzulänglich und wertlos. Er meint, er werde von seiner Familie nicht ausreichend geliebt, sondern ständig missachtet und klein gemacht. Dieses Erleben kann realistischen Wahrnehmungen entspringen oder nur gefühlt so sein.

Alles, was dieser Mensch in seinem direkten Umfeld erlebt, scheint seine Sichtweise zu bestätigen. Wird dieser Mensch nun erwachsen, verfestigt sich aus diesen Erfahrungen und dieser Wahrnehmung ein Muster.

Der Betroffene hat den Glauben daran verloren, dass er um seiner selbst willen liebenswert ist. Nun fürchtet er sich geradezu vor Liebe. In der Folge siehe auch: Bindungsängste / bindungsunfähig, Beziehungsphobiker, Beziehungsängste.

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Solche Menschen zweifeln in der Folge oft an der Echtheit oder Tiefe einer Liebesbeziehung. Sie zweifeln oft sogar an deren Existenz – sogar entgegen aller anderslautenden Versicherungen von Menschen, die diese Personen lieben. Die daraus resultierende schematische Bewältigungsreaktion dieses Gefühls ist, dass dieser Mensch vor engeren Bindungen und Liebesbeziehungen flieht. Er bekämpft sie oder erstarrt innerlich, statt sich ihnen hinzugeben. Je nach Persönlichkeit reagiert ein Mensch mit Rückzug oder Duldung, Überkompensation oder Gefühlstaubheit und emotionaler Kälte.

Je nach verinnerlichtem Gedankenmuster entstehen Young zufolge ein passendes Schema und eine daraus resultierende Bewältigungsreaktion.

  • Das Gefühl der Unzulänglichkeit und Inkompetenz endet dann damit, dass der Klient die Dominanz eines anderen erträgt, den der Betroffene als vermeintlich kompetenteren Menschen ansieht.
  • Verzogene und verwöhnte Kinder entwickeln demnach ein Schema, das sich in einer zu hohen Anspruchshaltung manifestiert. Eine daraus resultierende Bewältigungsreaktion könnte sein, dass ein Betroffener als erwachsener Mensch ausrastet, wann immer er nicht das bekommt, was ihm seiner Sicht nach zusteht.
  • Kinder, die früher oft sich selbst überlassen waren, fühlen sich einsam und verlassen.
  • Kinder, die häufig Zurückweisungen der arbeitenden oder mit sich selbst beschäftigten Eltern erlebten, entwickeln in der Folge oft ein Schema, das Verlassenheit als Angstgegner beinhaltet. Daraus entsteht dann ein zukünftiges Verhaltensmuster, das alle engeren Beziehungen belastet. Aus Angst davor, von anderen Menschen verlassen zu werden, entwickeln solche Menschen eine Reaktion des Klammerns an andere. Ob sich ein verinnerlichtes Muster nur gedanklich auswirkt oder in eine aktive Bewältigungsreaktion mündet, ist unterschiedlich.

Zudem können sich Bewältigungsreaktionen und Bewältigungsstile in unterschiedlichen Lebensphasen oder bestimmten Lebenssituationen verändern. Das verinnerlichte Schema kann hingegen dasselbe bleiben. Deshalb werden meistens die Schemata und die daraus resultierenden Bewältigungsreaktionen getrennt voneinander beschrieben.

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Was sind maladaptive Bewältigungsstile und -reaktionen?

Unterschieden werden positive (adaptive) von negativen (maladaptiven) Bewältigungsstrategien. Nach Jeffrey E. Young sind bei den langjährig kranken Patienten lediglich drei maladaptive – also nicht gelungene oder fehlangepasste – Bewältigungsstile festzustellen. Diese werden von den Betroffenen schon in sehr jungen Jahren entwickelt. Die verinnerlichten Schemata ziehen das Bemühen nach sich, sich schwer auszuhaltenden Erlebnissen durch ein bestimmtes Verhalten anzupassen. In den meisten Fällen ist die Reaktion auf solche Situationen keine besonders kluge Strategie.

Der entwickelte Bewältigungsstil ist aber kein Bestandteil des Schemas. Er kann sich sogar wandeln, während das verinnerlichte Schema selbst stabil bleibt. Es kann folglich sein, dass bei gleichbleibendem Gedankenmuster ein jeweils anderer Bewältigungsstil entwickelt wird, wenn die Situation es erfordert. Young zufolge variieren die Bewältigungsstile bei seinen Klienten nicht besonders. Er machte lediglich drei Bewältigungsreaktionen und -stile aus:

  1. das sich fügen und erdulden
  2. die Überkompensation und
  3. die Meidung.

Diese Reaktionsmuster entsprechen im Großen und Ganzen Verhaltensmustern wie Flucht, Duldung oder Anpassung, die schon evolutionsbedingt tief im Menschen verankert sind.

  1. Die Reaktion der Fügsamkeit ergibt sich aus einem kindlichen Verhalten gegenüber einem anderen. Als Resultat lässt sich so ein Mensch von anderen dominieren oder verletzen. Er fügt sich aufgrund seines Schemas in sein vermeintliches Schicksal, keine bessere Behandlung zu verdienen.
  2. Der überkompensierende Mensch bemüht sich, sich genau entgegengesetzt seines verinnerlichten Schemas zu verhalten. Jemand, der sich ein Leben lang unzulänglich fühlt, wird zum Beispiel als erwachsener Mensch durch Überkompensation dieses Gefühls zu einem Perfektionisten. Jemand, der sich anderen unterlegen fühlte, unterwirft nun andere, um sich dadurch stärker zu fühlen. Vielfach finden wir ähnliche Muster bei homosexuellen Männern und lesbischen Frauen wieder. Im Wissen, in der Gesellschaft nicht als gleichwertig anerkannt zu werden, kompensieren diese Menschen die vermeintlichen Ressentiments anderer damit, bei der Arbeit durch vermehrte Leistungsbereitschaft aufzufallen. Dabei handelt es sich allerdings nicht um ein Reaktionsmuster mit Krankheitswert, sondern eine bewusste Entscheidung.
  3. Wählt ein psychisch labiler Mensch das Vermeidungsverhalten als unbewussten Bewältigungsstil, möchte er seinem Lebensthema möglichst gar nicht begegnen. Er möchte seine verinnerlichten schematischen Gefühlsmuster lieber gar nicht aktiviert sehen. Folglich wählt er als Reaktion auf entsprechende Situationen einen typischen Vermeidungsstil, um sich diesem Thema nicht stellen zu müssen. Ob das Vermeiden einer Gefühlskonfrontation durch Alkoholkonsum, Gefühlsunterdrückung, Zwangshandlungen wie Waschzwang oder die Vermeidung beruflicher Karrieresprünge ausgelebt wird, ist individuell verschieden.

Schematherapie Karten für die Arbeit von Schematherapeuten (Beltz Therapiekarten, Amazon)
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Young sieht in diesen drei Bewältigungsstilen durchaus den Versuch, der belastenden Situation mit kreative Strategien zu begegnen. Diese werden dazu genutzt, um durch verschiedene Bewältigungsreaktionen oder Strategien seinem dominierenden Gefühl oder emotionellen Schema zu entkommen.

Young zufolge wird eine typische Bewältigungsreaktion als Strategie zu einem bestimmten Bewältigungsstil entwickelt. Dieser dient dem Reagieren auf ein verinnerlichtes Schemas oder Gedankenmuster. Diese erhält wiederum nur in bestimmten Situationen eine Relevanz.

Ein Beispiel: Manche Menschen werden sich bei Beziehungskonflikten immer mit dem Trinken von Alkohol der unangenehmen Situation entziehen. Der Grund dafür ist, dass ihr zugrundeliegendes, unbewusstes Gefühlsmuster des Verlassenwerdens diese Reaktion lostritt. Mit dem Vermeiden eines Gespräches möchte der Betroffene sich seiner Angst vor dem Verlassenwerden nicht stellen. Wenn die Beziehung durch solche Reaktionsweisen über Jahre stark belastet wird, hilft nur noch eine Psychotherapie. Hier wäre die Schema-Therapie die richtige Wahl. Der Betroffene könnte sich endlich der Altlasten, die er als Kind verinnerlicht hat, bewusst werden und die Reaktionen darauf loslassen.

Quellen:

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Schematherapie
  • https://www.therapie.de/psyche/info/index/therapie/schematherapie/artikel/
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Bew%C3%A4ltigungsstrategie
  • https://www.schematherapie-freiburg.de/wp-content/uploads/Was-ist-maladaptives-Bew%C3%A4ltigungsverhalten.pdf
  • https://www.schematherapie-roediger.de/down/Bewaeltigungsversuche.pdf
    Wie arbeitet nun die Psychotherapie mit solchen Schemata?

Schematherapeuten widmen sich vor allem schwer behandelbaren Patienten. Diese leiden beispielsweise an chronischen Depressionen oder langjährigen Borderline-Persönlichkeitsstörungen. Sie bekommen ihre Essstörungen oder ihre Tablettensucht einfach nicht in den Griff. Manche Klienten fallen durch schwerwiegende narzisstische Störungen auf.

Der vertrauensvollen Beziehung zwischen dem Schematherapeuten und dem Klienten kommt eine wichtige Rolle bei der Behandlung zu. Die typischen Muster, die das Verhalten eines Klienten steuern, müssen zunächst für diesen Klienten sichtbar gemacht werden.

Die dahinter stehenden psychischen Grundbedürfnisse werden damit erkennbar. Wenn diese seelischen Bedürfnisse in der Kindheit missachtet wurden, leidet der Klient ein Leben lang unter falschen Reaktionen auf solche Situationen. Ihm ist jedoch nicht bewusst, was sein Verhalten steuert.

Der Schematherapeut will die ungünstigen Erlebens- und Verhaltensmuster bewusst machen. Es soll vom Klienten erkannt werden, dass diese Muster aufgrund nicht erfolgender Bedürfnis-Befriedigung in der Kindheit erlernt wurden – und folglich veränderbar sind. Dann sollen die unguten Bewältigungsreaktionen in kleinen Schritten verändert werden. Der Klient soll lernen, seine seelischen Bedürfnisse wahrzunehmen. Er soll sie mit neuen – und dieses Mal sinnvollen – Strategien zu erfüllen versuchen. Gelingt das, können auch die Depressionen, die narzisstischen Persönlichkeitsstörungen oder langjährigen Borderline-Störungen bewältigt werden.

Angewendet wird die Schematherapie jedoch auch bei jahrelangen Angstproblematiken, Essstörungen oder jahrelangem Substanzmissbrauch. In manchen Fällen wird diese Therapieform auch erfolgreich in der Paartherapie oder nach langjährigen Beziehungsproblemen eingesetzt. Diese Therapieform kann auch bei Jugendlichen erfolgreich angewendet werden. Sie beinhaltet als therapeutische Arbeitsschritte beispielsweise eine Schema-Aktivierung, das Führen eines Schema-Tagebuches durch den Klienten und die Schema-Veränderung.


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Quellen:



Wie verläuft eine Schematherapie?

  1. Um ein Vertrauensverhältnis herzustellen, befragt der Therapeut seinen Klienten zunächst. Er möchte wissen, was seine aktuellen Probleme in Beziehungen oder am Arbeitsplatz sind. Es wird hinterfragt, woraus diese Probleme entstanden sind und wie lange sie bereits bestehen. Das Ermitteln der Basis-Daten kann per Fragebogen oder in einem einführenden Gespräch geschehen. Nach diesem Gespräch werden gemeinsam die Therapieziele festgelegt. Danach wird der Klient vom Schematherapeuten über die speziellen Strategien und Methoden des Verfahrens aufgeklärt. Der Therapeut erklärt sein Vorgehen. Er erläutert, auf welchen Annahmen und Konzepten diese Therapieform basiert.
  2. Im zweiten Schritt werden die vorliegenden Schemata beim Klienten herausgearbeitet. Der Klient soll verstehen, welche Grundbedürfnisse er hat, die er schon seit seiner Kindheit als nicht erfüllt ansieht. Der Klient soll beispielsweise erklären, wann er als Kind oder Erwachsener Situationen erlebte, die in ihm eine starke emotionale Reaktion ausgelöst haben. Oftmals waren die Anlässe für seine starke Reaktion eher nichtig. Doch das erinnerte Erlebnis kann verdeutlichen, dass die emotionelle Reaktion aufgrund eines eingefrästen gedanklichen Musters erfolgte, das automatisch ein entsprechendes Reaktionsmuster lostrat.
  3. Dem Klienten wird nun erklärt, welche drei Standard-Reaktionsmuster sich aus solchen Gedankenmustern ergeben können. Er soll verstehen, wie diese Muster im Einzelnen situationsgerecht angepasst werden können, ohne dass das zugrunde liegende Gedankenmuster verändert wird. Der Klient erlebt erstmals Anerkennung dafür, dass seine – zwar falschen – Muster als Strategien gewählt wurden, um elementare seelische Grundbedürfnisse zu erfüllen. Der Klient wusste früher eben keine bessere Lösung. Im Erwachsenenalter aber haben sich die vermeintlich guten Lösungen als hinderlich erwiesen.
  4. Im nächsten Schritt geht es darum, intelligentere und bewusste Lösungen und Strategien zu erarbeiten. Die alten Gedankenmuster und Fehlschlüsse sollen abgemildert oder durch den Klienten selbst verändert werden. Der Patient soll lernen, seine Grundbedürfnisse wahrzunehmen. Er soll versuchen, diese auf eine angemessenere Weise zu befriedigen. Er soll sich durch die Therapie zu einem gesunden Erwachsenen weiterentwickeln können, der seinen eigenen Bedürfnissen gerecht werden kann.
  5. Der nachfolgende Schritt besteht folglich darin, die neu erlernten Strategien und Reaktionsmuster auch im Alltagsleben anzuwenden. Die Loslösung vom Therapeuten ist wichtig. Um nicht gänzlich hilflos dazustehen, wenn der Alltag ihn wieder übermannt, trainiert der Therapeut zuvor hilfreiche Strategien, die bei drohenden Rückfällen in alte Reaktionsmuster genutzt werden können.

Quellen:

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