Akute Belastungsreaktion - ICD 10 F43.0g (© thingamajiggs / stock.adobe.com)

Bedeutung der Diagnose F43.0g laut ICD 10

Was genau meinen Diagnose-Angaben F43 0, ICD F43.0 respektive F43.0g? – Es handelt sich um den ärztlichen Schlüssel für die Diagnose einer psychischen Erkrankung. Um den Hintergrund zu verstehen, muss kurz etwas ausgeholt werden:

Seit Ende des Zweiten Weltkrieges suchte man die Kriterien für die Erfassung psychischer Störungen weltweit zu standardisieren. Maßgeblich bis heute ist dabei die „International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems“ (ICD), die seit ihrer sechsten Ausgabe von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegeben wird. Seit der Version von 1948 enthält der ICD ein eigenes Kapitel über psychische Störungen, die in Codes aufgegliedert sind. Inzwischen wurde das ICD-10 veröffentlicht (2016), das ICD-11 ist derzeit in Vorbereitung.

Ein zweiter wichtiger Kriterienkatalog ist das „Diagnostic and Statistic Manual of Mental Disorders“ (DSM) der „American Psychiatric Association“, das seit 1952 in den USA herausgegeben wird. Aktuell ist das DSM-V von 2013 verbindlich. In Europa ist das DSM allerdings nicht gültig.

Die beiden Standardwerke sind zwar verbindlich, jedoch nicht unumstritten, zumal die offizielle Neuaufnahme von psychischen Störungen in die beiden Kataloge per Akklamation (per Handzeichen) durch die anwesenden Mitglieder erfolgt und diesen oft genug Interessenkonflikte vorgeworfen werden. In Deutschland ist die Nutzung der Codes und Diagnosen des ICD seit dem Jahr 2000 für alle Ärzte Pflicht.

Wie ist das ICD gegliedert?

Kennzeichen für den Kriterienkatalog des ICD 10/ICD10 ist die Verschlüsselung in bis zu 5-stelligen Codes, die aus Buchstaben- und Zahlenkombinationen bestehen: So steht das übergeordnete Kapitel „F“ etwa für psychische und Verhaltensstörungen (F00 – F99). Die folgenden Nummern spezifizieren diese Störungen näher.

Wenn ein Arzt eine Diagnose stellt, verwendet er diesen Code, um einen weltweit einheitlichen Standard zu gewährleisten. Wenn von F43 0 etwa gesprochen wird, dann ist die Rede von einer „akuten Belastungsreaktion“.

Was bedeutet F 43.0?

Was bedeutet nun F43.0/F 43.0 konkret?

Im entsprechenden Unterkapitel des ICD 10/ICD10 ist zu lesen, dass F 43 für psychische Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen steht. Darunter versteht man im Einzelnen:

  • die akute Belastungsreaktion
  • die posttraumatische Belastungsstörung (siehe PTBS)
  • Anpassungsstörungen (siehe Anpassungsstörung ICD)
  • sonstige Reaktionen auf schwere Belastungen
  • Reaktion auf schwere Belastung, nicht näher bezeichnet

F43.0/F 43.0 (seltener: F43 0) wiederum spezifiziert die Definition „akute Belastungsreaktion“, die

„als Reaktion auf eine außergewöhnliche physische oder psychische Belastung entwickelt [wird], und die im Allgemeinen innerhalb von Stunden oder Tagen abklingt“,

wie nachzulesen ist. Die Symptome der akuten Belastungsreaktion sind die folgenden:

  • Gefühl der „Betäubung“
  • Bewusstseinseinengung
  • eingeschränkte Aufmerksamkeit
  • Unfähigkeit, Reize zu verarbeiten
  • Desorientiertheit
  • Dissoziation bis hin zum dissoziativen Stupor (Erstarrung)
  • Unruhe oder Überaktivität (Fluchtreaktion)
  • vegetative Zeichen panischer Angst (Herzklopfen, Schwitzen und Erröten)
  • teilweise oder vollständige Amnesie (Erinnerungslücken) sind möglich

Der umgangssprachliche Ausdruck für die „akute Belastungsreaktion“ im Sinne einer F43.0 ist der Nervenzusammenbruch.

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Ursachen für eine akute Belastungssituation

Was aber sind die Auslöser für eine „akute Belastungsreaktion“?

Hier sind verschiedene Ursachen denkbar: sexueller oder körperlicher Missbrauch, Naturkatastrophen, Kriegsereignisse, dramatische Verkehrsunfälle, der Verlust eines nahestehenden Menschen, Flucht etc. Im Gegensatz zur posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) tritt die Belastungsreaktion unmittelbar nach einem traumatischen (erschütternden) Ereignis ein und klingt spätestens nach ein paar Tagen wieder ab. Ist dies nicht der Fall, muss eine andere Diagnose erwägt werden. Die posttraumatische Belastungsstörung kann beispielsweise noch Jahre später virulent sein und sich verfestigen, während die akute Belastungssituation bald wieder abklingt. Kommen mehrere Traumata zusammen oder hält die Traumatisierung an, spricht man von einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung.

Dabei spielen offenbar zum einen die persönliche Disposition (Verletzlichkeit bzw. Vulnerabilität) und die bereits entwickelten Strategien zur Bewältigung (Coping-Strategien) von Stresssituationen eine Rolle, ob eine akute Belastungsreaktion eintritt oder eine Person das potenziell traumatisierende Ereignis unbeschadet übersteht. Nicht jedes Ereignis ruft bei jeder Person die gleiche Reaktion hervor. Aus diesem Grunde geht man von einem komplexen Ursachengeflecht für die akute Belastungsreaktion aus. Im Übrigen können auch außenstehende Beobachter wie Retter oder Helfer bei einem Unfall von einer akuten Belastungsreaktion im Sinne der F43.0g betroffen sein.


 

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Traumatherapie – Trauma behandeln ► Wege der Traumabewältigung


F43.0g – Behandlung der akuten Belastungsreaktion

Wichtig ist es zunächst, dass der Betroffene sich nach dem traumatischen Ereignis in Sicherheit fühlt und dass weitere Belastungen vermieden werden. Die Umgebung sollte Verständnis zeigen. Um im Akutzustand zu helfen, können auch (kurzfristig) schlafanstoßende Medikamente wie Benzodiazepine verabreicht werden. Es ist essenziell, dass eine professionelle Person wie ein Arzt, ein psychologisch ausgebildeter Rettungshelfer oder ein Seelsorger Kontakt zum Betroffenen aufnimmt. Auf Dauer kann eine Therapie hilfreich sein, um das Trauma zu verarbeiten, wobei hier verschiedene Methoden zur Verfügung stehen, beispielsweise das EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing): Durch gezielte Augenbewegungen nach therapeutischer Anleitung wird das Trauma neu erlebt und dabei besser verarbeitet.

EMDR Therapie: Eye Movement Desensitization and Reprocessing als Methode in der Traumatherapie

Gesicherte Diagnose, Verdachtsdiagnose und Ausschlussdiagnose

Doch die Diagnose F43.0 /F43.0 /F43 0 kann noch enger ausgeführt werden:

  • Trägt ein Arzt gemäß dem ICD 10/ICD10 als Diagnose den ICD Code F43.0g ein, dann bedeutet das „g“ in F43 0g, dass die Diagnose „gesichert“ ist. Das bedeutet, man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass die Diagnose zutrifft. Bei bloßem Verdacht hingegen notiert der Arzt „F43.0v“ bzw. „F43.0a (Diagnose ausgeschlossen).

Denkbar sind folgende nähere Bezeichnungen, die näheren Aufschluss über die Zuverlässigkeit der Diagnose geben:

  • A = Ausschluss der angegebenen Störung/Erkrankung
  • V = Verdacht auf
  • G = gesicherte Diagnose
  • Z = symptomfreier Zustand nach Abklingen der angegebenen Störung/Erkrankung
  • R = rechts
  • L = links
  • B = auf beiden Seiten

0g steht in unserem Fall also dafür, dass die Diagnose der „akuten Belastungsreaktion“ als gesichert angesehen werden kann. F42.0g hingegen würde für eine Zwangsstörung (genauer gesagt: „vorwiegend Zwangsgedanken oder Grübelzwang“) stehen, wobei die Diagnose ebenfalls gesichert wäre.

ICD10 F43.0g >>> Hilfreiche Videos:

Quellen und weiterführende Ressourcen:

Dr. Jan Martin - Virtueller Chefredakteur - Digitale Redaktionsleitung Dr. Jan Martin ist virtueller Chefredakteuer von www.angst-verstehen.de. Er ist das Außengesicht der digitalen Redaktionsleitung, verantwortlich für Qualitätssicherung und Publikation der Texte der Redaktion.