Psychotherapie Termin - Wie genau wird der Psychotherapeut helfen?! (© Janina Dierks / Fotolia)

Psychotherapie – Ein einführender Überblick für Patienten

Was machen Psychotherapeuten, und wie? Wann macht eine Psychotherapie Sinn?

Über Psychotherapie und die Arbeit von Psychotherapeuten kursieren viele Fakten, aber auch Gerüchte und Vermutungen, die manch einen, der sich informieren will, zunächst eher verwirren. Dazu existieren viele verschiedene Therapieformen und –anbieter, über die sich einen Überblick zu verschaffen nicht einfach ist. Welche Herangehensweise wann sinnvoll ist, lässt sich nicht allgemeingültig bestimmen. Die richtige Wahl hängt sowohl von der Art und Schwere der Probleme ab als auch von jeweiligen Vorlieben, Zielen und Vorstellungen sowie letztlich von der persönlichen Chemie zwischen Therapeut und Klient. Zuvor lohnt es sich jedoch, sich über die unterschiedlichen Möglichkeiten zu informieren, das jeweilige Pro und Contra zu beachten sowie Grenzen und Chancen einer Therapie auszuloten.

Psychologischer Psychotherapeut und Klient im Dialog - Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie, Psychoanalyse (© StockPhotoPro / Fotolia)
Psychologischer Psychotherapeut und Klient im Dialog – Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie, Psychoanalyse (© StockPhotoPro / Fotolia)

Was ist eine Psychotherapie?

Das Wort Psychotherapie entstammt dem Griechischen und lässt sich mit Seelenpflege oder Seelenheilung übersetzen. Es ist eine alte, allerdings heterogene Disziplin, weshalb eine Definition nicht leichtfällt. Allgemein gesagt widmet sich die Psychotherapie der Feststellung psychischer Probleme und Krankheiten, ihrer Behandlung, Erforschung sowie der Beratung der von ihnen Betroffenen. Eine gängige wissenschaftliche Definition lautet:

„Versuche, Leiden und Behinderung zu vermindern werden gewöhnlich Behandlung genannt, und jede Gesellschaft bildet einige ihrer Mitglieder aus, diese spezielle Form der Einflussnahme auszuüben. Behandlung umfasst üblicherweise eine persönliche Beziehung zwischen Heiler und Leidendem. Bestimmte Arten von Therapie beruhen primär auf der Fähigkeit des Heilers, heilende Kräfte im Leidenden mit psychologischen Mitteln zu mobilisieren. Diese Form der Behandlung wird gewöhnlich Psychotherapie genannt.“  [J. D. Frank, J. B. Frank: Persuasion and Healing: A Comparative Study of Psychotherapy. 3. Aufl. 1991, Baltimore, MD: Johns Hopkins University Press]

Konkret heißt das für Patienten, dass eine Psychotherapie dazu dienen soll, eine psychische Krankheit zu heilen oder zu lindern (siehe auch: Psychische Probleme – bin ich psychisch krank?), eine Krise zu überwinden oder mit einem oder mehreren Problemen in der Lebensführung umzugehen. Demzufolge kann sie sowohl bei als pathologisch zu bezeichnenden (Krankheits-)Zuständen als auch bei anderweitig bedingten seelischen Problemen eingesetzt werden, beispielsweise Todesfällen oder Ehestreitigkeiten. Dies kann in Einzel-, Paar-, Familien- oder Gruppensitzungen erfolgen, deren Zahl von Therapieausrichtung und Problematik abhängt. Neben der ambulanten Therapie gibt es auch die Möglichkeit eines Aufenthalts in einer spezialisierten Klinik (Tagesklinik oder vollstationärer Auftenthalt, siehe Einweisung in Psychiatrie), wenn die Probleme im häuslichen Umfeld nicht mehr zu bewältigen sind.

Wann ist eine Psychotherapie sinnvoll?

Lapidar ließe sich an dieser Stelle sagen, dass eine Therapie für jeden sinnvoll ist, der das Gefühl hat, eine solche zu benötigen. Ganz korrekt ist das jedoch nicht, denn vielen Menschen ist nicht bewusst, dass ihnen eine psychotherapeutische Behandlung helfen könnte. Andere schämen sich und halten den Besuch beim Therapeuten fälschlicherweise für ein Zeichen von Schwäche oder Hilflosigkeit. Tatsächlich handelt es sich in den meisten Fällen jedoch – ganz im Gegenteil – um einen Akt der Selbstüberwindung, der Reflexionsvermögen beweist. Sich einzugestehen, dass es ein Problem gibt und es eventuell nicht allein lösbar ist, ist der erste Schritt in die richtige Richtung.

Selbstverständlich hat jeder Mensch in seinem Leben irgendwann einmal Probleme, schwierige Phasen und solche, in denen es ihm nicht gut geht – diese gehören zu einer normalen Biographie. In den meisten Fällen enden diese Krisen von selbst oder lassen sich von dem oder der Betroffenen lösen. Oft ist es jedoch bereits hilfreich, sich mit Vertrauten zu beraten, seien es Partner, andere Familienmitglieder oder enge Freunde. Für religiöse Personen ist häufig auch ein Priester oder Pastor ein sinnvoller Ansprechpartner. In allen Fällen wirkt es nicht selten entlastend und druckreduzierend, sich seine Sorgen von der Seele zu reden. Dabei können gleichzeitig die eigenen Gedanken geordnet und andere Meinungen und Perspektiven eingeholt werden – möglicherweise bietet das einen Ausweg aus festgefahrenen Problemen. Nicht zuletzt tut auch das Mitgefühl des Gegenübers gut.

Die genannten Aspekte sind auch die Grundlagen einer professionellen Therapie. Eine solche setzt dann an, wenn Betroffene merken, dass ihre Schwierigkeiten für sie allein nicht mehr zu überwinden sind. Das kann auch der Fall sein, wenn diese andere Ansprechpartner thematisch, qualitativ oder quantitativ überfordern. Grundsätzlich sind sich die meisten Menschen bewusst, wenn sie Symptome haben, denen sie nicht mehr beikommen können, egal ob es sich beispielsweise um Depressionen, Ängste oder Lebenskrisen handelt (siehe auch: Angstzustände Symptome verstehen, Symptome mittelgradige Depression, Neurasthenie Symptome, Angsterkrankungen Symptome, Somatisierungsstörung Symptome).

Of merken sie aber auch erst anhand ihrer Umgebung, dass ihre Probleme das normale Maß überschreiten. Manchmal schlägt ein Vertrauter den Gang zum Therapeuten vor, weil er merkt, dass der Betroffene mit ernsthaften Schwierigkeiten zu kämpfen hat. In solchen Fällen sollte der Vorschlag nicht als Angriff gewertet, sondern lieber in Ruhe überdacht und eine therapeutische Beratung in Betracht gezogen werden. Ein Psychotherapeut bietet die Vorteile von Anonymität und Professionalität sowie Erfahrung. Seine Ausbildung bietet ihm die Möglichkeit, mit Situationen umzugehen, die Freunde und Verwandte befremden. In den Gesprächen können Sorgen offen und ohne Schamgefühle ausgesprochen, neue Ansätze gefunden und Bewältigungsstrategien erlernt werden (siehe Angstbewältigungsstrategien).

Am Beginn der Therapie steht die Probatorik – üblicherweise fünf Probesitzungen zu Beginn – bei denen die notwendigen Rahmenbedingungen wie Diagnose, Eignung des jeweiligen Verfahren für das spezielle Problem und die Notwendigkeit eines Gutachtens abgeklärt werden. Letzteres ist zur Beantragung einer Langzeittherapie notwendig, bei einer Kurzzeittherapie jedoch nicht unbedingt zwingend.

Ein Anhaltspunkt lässt sich auch hier finden:

YOUTUBE: Eine österreichische Psychotherapeuten erläutert ungezwungen, in welchen – scheinbar auch ‚banal‘ wirkenden Fällen – eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll und hilfreich sein kann (youtube.com/watch?v=ZdoGEZUQoH0)

Welche Grenzen gibt es?

Es gibt eine Reihe von Grenzen für therapeutische Behandlungen, die in den gesetzlichen Grundlagen, den persönlichen Erwartungen und schlicht der realistischen Machbarkeit liegen.

Zunächst ist es möglich, dass einer Bezahlung der Therapie vonseiten der Krankenversicherung nicht zugestimmt wird. Das ist der Fall, wenn ein Therapeut Heilpraktiker ist und daher über keine Approbation verfügt, außerdem wenn die Krankenkasse keine Chance auf Besserung der Erkrankung durch die Behandlung sieht. Daher kommt es vor, dass der Gutachter den Antrag auf Therapie ablehnt. Dann kann jedoch ein gemeinsam mit dem Therapeuten formulierter Widerspruch sinnvoll sein, denn nicht immer sind diese Ablehnungen angemessen.

Ein gelegentlich von Patienten beschriebenes Problem ist der Mangel an schnellen Erfolgen. Hier gilt es, möglicherweise übertriebene Ansprüche zu identifizieren, die eigenen Ziele zu überprüfen, aber auch die Behandlung und das gewählte Verfahren noch einmal kritisch zu hinterfragen. Denn es kann der subjektive oder objektive Eindruck entstehen, eine Therapie verzeichne keine Fortschritte. Einerseits gilt es zu beachten, dass therapeutische Arbeit schwierig und langwierig sein kann. Zum einen, weil gerade belastende Probleme Behutsamkeit erfordern, zum anderen, weil lange zementierte Gedanken und Gefühle sich nicht innerhalb kurzer Zeit verändern lassen. Wichtig ist in diesem Fall, bereits zu Beginn der Therapie die Ziele gemeinsam zu formulieren und in regelmäßigen Abständen zu überprüfen. Denn es ist auch möglich, dass Klient und Therapeut die zuvor formulierten Ziele aus dem Auge verloren haben und sich die Sitzungen, insbesondere bei einer Gesprächstherapie, weg von ernsthafter Arbeit hin zur bloßen lockeren Unterhaltung entwickelt haben.

Andererseits kommt es vor, dass sich die gewünschte Zielsetzung während der Therapie ändert, beispielsweise wenn der Patient merkt, dass sein Hauptproblem anders verortet ist, als er zuvor angenommen hat. Nicht zuletzt ist es möglich, dass die persönliche oder fachliche Qualifikation und Herangehensweise des Therapeuten dem eigenen Problem nicht gerecht wird. In allen Fällen sollte der Patient das Problem beim Therapeuten ansprechen und diesen gegebenenfalls wechseln, wenn es sich nicht lösen lässt.

Ein weiteres Problem für Betroffene ist der Umgang mit Suizidgedanken und -wünschen sowie anderem akut selbstgefährdendem Verhalten (vgl. Was machen bei Suizidgedanken / Selbstmordgedanken?), da Therapeuten verpflichtet sind in diesem Fall Rettungsdienst oder Polizei zu alarmieren. Konkret kann das heißen, dass Patienten mit starker Suizidgefährdung Zwangsmaßnahmen befürchten müssen, beispielsweise eine geschlossene Unterbringung (siehe Psychiatrie Einweisung unter Zwang) und unerwünschte Medikamentierung (vgl. hochpotente Antipsychotika). Aufgrund dieser Gefahr gänzlich auf Hilfe zu verzichten, ist jedoch insbesondere in derart schwerwiegenden Fällen ebenfalls keine gute Idee. Einen Ausweg können anonyme Gespräche, beispielsweise bei der Telefonseelsorge, oder das Verfassen einer Patientenverfügung darstellen, die vor derartigen Maßnahmen schützt. Wer sich trotzdem unsicher ist, kann versuchen, zumindest bestimmte Teilbereiche seiner Probleme mit einem Therapeuten zu bearbeiten.

Was muss beachtet werden?

Ein Gesichtspunkt bei der Suche nach einem Therapieplatz ist die Bezahlung. Während Heilpraktiker zumeist nicht von Krankenkassen bezahlt werden, unterscheiden sich andere Therapeuten darin, ob sie über einen Kassensitz verfügen oder nicht. Ist dies nicht der Fall, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse gewöhnlich die Kosten bei Privattherapeuten nur in besonderen Ausnahmen. So kann die Kostenerstattung für eine Therapie in einer Privatpraxis genehmigt werden, wenn der Patient auch nach längerer Zeit und mehreren fehlgeschlagenen Versuchen keinen anderen Platz findet.

Ein weiterer Punkt sind die häufig recht langen Wartezeiten. Diese können einige Wochen, aber auch viele Monate betragen. Es bietet sich an, mehrere Therapeuten zu kontaktieren und konkret nach ihren Wartezeiten zu fragen, es sei denn Betroffene wünschen sich einen bestimmten Psychologen – beispielsweise aufgrund von Sympathie oder einer Spezialisierung. Aufgrund der verschiedenen Spezialisierungen, persönlicher Präferenzen aber auch langer Wartezeiten kann die Suche nach einem Therapieplatz daher von einiger Dauer sein – hier ist Geduld gefragt.

Psychotherapeut finden – … die schwierige Psychotherapeutensuche

Bei der Psychotherapeutensuche können verschiedene Wege eingeschlagen werden – von einem Blick ins Branchenbuch über eine Anfrage bei der Krankenkasse, regionalen Listen bis zur kassenärztlichen Vereinigung, die alle Psychotherapeuten mit Kassensitz auflistet. Auch eine Suche im Internet kann sich lohnen, denn viele Therapeuten pflegen eigene Homepages, auf denen sie sich und ihre Schwerpunkte vorstellen.

Praxis für Psychotherapie | Mitunter ist es für Patienten gar nicht so einfach, kurzfristig einen Therapieplatz bei einem Psychotherapeuten zu bekommen (© cevahir87 / Fotolia)
Praxis für Psychotherapie | Mitunter ist es für Patienten gar nicht so einfach, kurzfristig einen Therapieplatz bei einem Psychotherapeuten zu bekommen (© cevahir87 / Fotolia)

Wer bietet eine Therapie an?

In Deutschland kann die Psychotherapeuten-Tätigkeit angeboten werden sowohl von studierten

  • Psychologen („psychologische Psychotherapeuten“),
  • Medizinern mit Facharzt in der Psychosomatik, Psychiatrie oder Psychotherapie mit zusätzlicher Therapeutenausbildung
  • als auch von Heilpraktikern („Heilpraktiker für Psychotherapie“).

Letztere stellen einen Sonderfall dar, da sie zwar eine Erlaubnis, jedoch als einzige keine zusätzliche mehrjährige Therapeutenausbildung benötigen und keine Kassenzulassung besitzen. Allerdings ist nur der Begriff „Psychotherapeut“ gesetzlich geschützt, nicht jedoch „Psychotherapie“. Während ersterer also nur von genannten Berufsgruppen verwendet werden darf, kann letzterer von jedem beliebigen Menschen genutzt werden.

Psychotherapeutische Behandlung durch Psychologen

Psychologen haben Psychologie an der Universität oder Fachhochschule studiert und mit einem Diplom (Dipl.) oder Master (M.Sc. oder M.A.) abgeschlossen. Um sich „psychologischer Psychotherapeut“ nennen und eine Therapie anbieten zu dürfen, müssen sie zusätzlich eine mindestens dreijährige Vollzeit- oder mindestens fünfjährige Teilzeitausbildung absolvieren. Diese folgt strengen Richtlinien und wird über das Psychotherapeutengesetz (PsychThG) geregelt. An ihrem Ende steht die Approbation als psychologischer Psychotherapeut, die zur Durchführung der Therapie, nicht jedoch zur Verschreibung von Medikamenten berechtigt.

Psychotherapien durch Psychiater (= Arzt)

Bei Psychiatern handelt es sich um Personen mit einem Medizinstudium, die einen Facharzt in Psychiatrie und Psychotherapie haben, der auch Therapiemethoden umfasst. Dies gilt ebenfalls für die die beiden folgenden Facharztausbildungen

  • „Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie“
  • „Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie“.

Da der Schwerpunkt der Ausbildung jedoch nicht in der Psychotherapie liegt, werden Psychiater häufig zur Abklärung, Diagnostik und vor allem angepassten Medikamentierung bei psychischen Erkrankungen eingesetzt. So kann es beispielsweise vorkommen, dass ein Psychologe selbst eine Therapie vornimmt, den Patienten jedoch zum Psychiater überweist, weil zusätzlich Medikamente hilfreich sein könnten (siehe Antidepressiva Medikamente, Benzodiazepine Medikamente, exemplarisch auch folgende Einzelmittel: Mirtazapin, Opipramol, Citalopram, Venlafaxin).

Behandlung durch Heilpraktiker für Psychotherapie

Auch Heilpraktiker dürfen nach einer Fortbildung Psychotherapie anbieten, diese Regelung geht auf das Heilpraktikergesetz aus dem Jahre 1939 zurück. Allerdings wird diese Ausbildung nicht von staatlichen Einrichtungen oder Universitäten, sondern von privaten Instituten angeboten, sie umfasst unterschiedliche Längen und Inhalte. Die einzig notwendige Qualifikation ist die staatliche Prüfung für Heilpraktiker beim jeweiligen Gesundheitsamt, nach der sich der Betreffende „Heilpraktiker für Psychotherapie“ nennen und praktizieren darf. Daher ist es konkret schwer zu bestimmen, welche Inhalte eine Psychotherapie beim Heilpraktiker hat – hier kommt es vor allem auf die zwischenmenschliche Chemie an.

Welche Therapieformen gibt es? Auf welche Art und Weise arbeitet mein Psychotherapeut?

Da die Bezeichnung „Therapie“ nicht geschützt ist, gibt es eine nahezu endlose Anzahl der verschiedensten Therapieangebote, die mit unterschiedlichen, teils kryptisch anmutenden Zusätzen daherkommen. Um eine Vorstellung davon zu bekommen, was Ziel und Vorgehensweise der verschiedenen Therapierichtungen ist und welche davon zum eigenen Problem passen könnte, ist es daher oft sinnvoll, sich zumindest kurz mit den unterschiedlichen Formen zu beschäftigen.

Folgende Therapien werden von psychologischen Psychotherapeuten und Fachärzten angeboten und von den Krankenkassen akzeptiert:

  • Psychoanalyse/analytische Psychotherapie
  • Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
  • Verhaltenstherapie
  • Systemische Therapie (für Erwachsene)

Diese Therapien untergliedern sich in verschiedene weitere Formen, die jedoch häufig große Schnittmengen haben. Nicht alle von ihnen sind anerkannt – daher sollten sich Betroffene vor Therapiebeginn darüber informieren, ob ihre Krankenkasse die Kosten übernimmt. Zusätzlich bieten einige Therapeuten auch weitere Leistungen wie Kunsttherapie oder Hypnose an beziehungsweise arbeiten diese in der Praxis mit ein (siehe z.B. Hypnose gegen Panik). Die Länge einer Therapie lässt sich nicht generell voraussagen, da sie vom individuellen Krankheitsbild sowie der Therapieform abhängt – grob variiert sie gewöhnlich zwischen 12 und 300 Stunden.

Neben den genannten gibt es jedoch zahlreiche weitere Ansätze, die mit dem Ziel der therapeutischen Behandlung von Krisen und psychischen Erkrankungen angeboten werden. Handelt es sich allerdings nicht um eine Form der oben genannten Therapien, ist eine gewisse Vorsicht ratsam. Zum einen, weil Inhalte der Sitzungen und die Sachkunde des Therapeuten häufig schwer nachzuvollziehen sind. Zum anderen, weil ein Antrag auf Kostenübernahme durch die Krankenversicherung normalerweise nicht genehmigt wird, sodass unter Umständen erhebliche Kosten auf den Betroffenen zukommen.


Gruppentherapie oder Einzeltherapie?

Psychotherapien können in Form von Einzeltherapie oder Gruppentherapie durchgeführt werden. Beide Formen haben Vor- und Nachteile, welche individuell beachtet werden sollten. Unter Umständen können sie auch gemischt oder gleichzeitig wahrgenommen werden, wenn ein Patient sowohl von Gruppen- als auch Einzelsitzungen profitieren kann.

  • Bei Einzelsitzungen liegt klar auf der Hand, dass sich der Therapeut vollständig auf den einzelnen Patienten konzentrieren und ihm seine ganze Aufmerksamkeit widmen kann. Zudem ist es vielen Betroffenen lieber, sehr private und aus ihrer Sicht peinliche Inhalte im kleinen Rahmen zu besprechen.
  • Andererseits bieten Gruppentherapien die Möglichkeit, sich im geschützten Rahmen mit anderen Betroffenen auszutauschen. Auch ist es möglich, über Erfahrungen zu sprechen, gemeinsam Lösungswege zu erörtern und schlicht zu erfahren, dass man mit dem Problem nicht allein zu kämpfen hat. Nicht zuletzt erlauben Gruppensitzungen speziell bei sozialen Ängsten soziale Situationen im Rahmen des sogenannten GSK zu üben. GSK steht dabei für „Gruppentraining sozialer Kompetenzen“, also ein Sozialkompetenztraining, bei dem Betroffene lernen können in sozialen Situationen adäquat zu reagieren und ihre Ängste zu verringern. Dies fällt gemeinsam schon deshalb leichter, weil die Teilnehmer nicht befürchten müssen, aufgrund ihrer Reaktionen oder Eigenarten Spott zu erfahren. Im Gegensatz zu einer Einzeltherapie sind vielfältige Rollenspiele möglich, die als Übung dienen und den Betroffenen in der Realität mehr Sicherheit vermitteln können.

→ Psychoanalyse / analytische Psychotherapie

Die Psychoanalyse geht auf Sigmund Freud zurück, einen Neurologen aus Wien, und wird auch als analytische Psychotherapie bezeichnet. Seit ihrer Vorstellung 1890 wurde sie von verschiedenen Autoren und Ärzten modifiziert und weiterentwickelt. Im Gegensatz zu anderen Therapieformen (Verfahren) beschäftigt sich die Psychoanalyse weniger mit der Verhaltensmodifikation als mehr mit den als unterbewusst angenommenen Vorgängen der Psyche. Hier sollen sich vergangene oder aktuelle Traumata, Triebe und Konflikte finden, die es aufzulösen gilt, um Störungen zu beseitigen. Damit verfolgt Psychoanalyse einen ziemlich anderen Ansatz als die (weiter unten vorgestellte) Verhaltenstherapie.

Ziel ist sowohl die bessere Einsicht des Klienten in seine eigenen Gefühlswelt als auch eine Umstrukturierung ebenjener. Der Therapeut lässt den Patenten erzählen und dabei in erster Linie frei assoziieren, um ihm später die daraus gewonnenen und erspürten Erkenntnisse über seinen emotionalen Zustand mitzuteilen. Die Therapien sind normalerweise als Langzeittherapie konzipiert. Der Vorteil der Therapie soll in der Aufarbeitung der Ursachen anstatt der bloßen Symptombehandlung liegen. Die Kritik besteht zumeist in der schwierigen Deutung der Gedanken und Vergangenheitsbewältigung sowie der mangelnden praktischen Anwendbarkeit für den Patienten. Unterströmungen sind beispielsweise die existenzielle Psychotherapie, die auch philosophische Überlegungen mit einbeziehen will. Aufgrund der Komplexität und des Umfangs der zu ergründenden Gefühlswelt sind diese Therapien häufig von längerer Dauer.

→ Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist von der analytischen Psychotherapie abgeleitet und verfolgt ähnliche Prinzipien. Auch in diesem Fall werden tiefer liegende Probleme als Ursache für die offensichtlichen Probleme angenommen und analysiert. Im Unterschied zur klassischen Psychoanalyse sollte sie jedoch aktivere Anteile enthalten und für den Patienten transparenter sein, weshalb einige der für Psychoanalyse beschriebenen Nachteile entfallen können. Üblicherweise sind tiefenpsychologische Therapien deutlich weniger lang als Psychoanalysen. Zu den unterschiedlichen Ausrichtungen der Tiefenpsychologie zählen beispielsweise die humanistische Psychotherapie sowie die zu ihr gehörige positive Psychotherapie. Diese Ansätze konzentrieren sich auf ein positives Menschenbild und die inneren Ressourcen, die es in Krisensituationen und im Umgang mit Krankheiten einzusetzen gilt.

→ Verhaltenstherapie

Wie der Name schon erahnen lässt, konzentriert sich die Verhaltenstherapie auf Eigenschaften und Verhalten sowie zumeist Gedankenstrukturen eines Patienten, die seine Probleme verursachen, begünstigen oder zu ihrer Aufrechterhaltung beitragen. Üblich sind behaviorale und kognitive Verhaltenstherapie, wobei häufig auch Anteile der Gesprächstherapie umgesetzt werden. Die Grundidee besteht in der Konditionierung, mit deren Hilfe der Patient, nachdem er einmal seine Probleme identifiziert und Bewältigungsmechanismen kennengelernt hat, sie selbst zu lösen imstande ist. Der Vorteil liegt in der praktischen Umsetzbarkeit, die eng am Alltag und den auftretenden Schwierigkeiten orientiert ist. Kritisiert wird die fehlende Aufarbeitung von Ursachen und die stark kognitive Ausrichtung dieses Verfahrens. Die interpersonelle Psychotherapie versucht neben kognitiven auch psychodynamische Faktoren zu integrieren und fokussiert sich auf Kommunikations- und Beziehungsprobleme.


Kognitive Verhaltenstherapie, Kognitive Umstrukturierung


→ Spirituelle Psychotherapie

In der Theorie bezeichnet spirituelle Psychotherapie eine Behandlungsform, bei der auch die religiösen oder spirituellen Vorstellungen des Patienten Beachtung finden. In der Praxis sind diese jedoch häufig schwierig gegen die Vorstellungen des Behandelnden abzugrenzen, weshalb sich viele fachlich unqualifizierte und zweifelhafte Angebote finden. In noch höherem Maße gilt das für sogenannte „energetische Psychotherapie“, einem Sammelbegriff, dem ebenfalls kein wissenschaftliches Konzept zugrunde liegt.

Eine Ausnahme bilden die Beratungen der großen Kirchen, die kostenlos und seriös durchgeführt werden. Hier können Ratsuchende unter Umständen Antworten auf spirituelle Krisen oder religiöse Aspekte ihrer Schwierigkeiten finden. Dies kann vor allem bei der Trauerarbeit hilfreich sein. In jedem Fall ist es jedoch sinnvoll, auf einen ausgebildeten Psychotherapeuten zurückzugreifen, wenn sich nach den Gesprächen keine Verbesserung der Problematik einstellt oder diese gravierende Auswirkungen auf Leben und Alltag hat.


Medikamente parallel zur Behandlung beim Psychotherapeuten

Medikamente kommen immer dann zum Tragen, wenn eine psychotherapeutische Behandlung alleine nicht ausreichend ist. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn Betroffene unter Ängsten leiden, die zu stark sind, als dass sie sich damit auseinandersetzen können (vgl. Ängste bekämpfen). Es ist ebenfalls sinnvoll, wenn sie von mittelgradigen bis starken Depressionen betroffen sind, die eine normale Teilnahme an Alltag, Arbeit, Sozialleben oder auch nur das konstruktive Gespräch beim Psychotherapeuten unmöglich machen (vgl. mittelgradige depressive Episode F32.1). Im Falle sehr starker Depressionen und damit einhergehender Beschwerden kann eine Therapie ohne Antidepressiva die Kräfte und Möglichkeiten des Patienten zunächst übersteigen. Bei Psychosen (Was ist eine Psychose?) dienen Medikamente vor allem der Beruhigung und der Bekämpfung der oft sehr beängstigenden Halluzinationen.

Wenn Medikamente verordnet werden, sollten diese jedoch ausschließlich als zusätzliche Hilfe betrachtet werden – die Ursachen der verschiedenen Beschwerden, Störungen und Erkrankungen können sie normalerweise nicht beheben. Daher ist es besonders wichtig, sich nicht allein auf die Wirkung von Psychopharmaka zu verlassen, auch wenn sie häufig deutlich schneller Erleichterung verschaffen können als die eigentliche Behandlung durch den Therapeuten.

Gelegentlich verschreiben Hausärzte oder Psychiater Medikamente, insbesondere Antidepressiva, ohne auf die Notwendigkeit einer Therapie hinzuweisen oder die möglichen Nebenwirkungen zu besprechen. Das führt dazu, dass sich viele Patienten in Bezug auf diese verunsichert fühlen. Wichtig ist es an dieser Stelle, als Patient mündig zu sein, sich über die Nebenwirkungen zu informieren und sie gegen die positiven Effekte abzuwägen. Dies ist insbesondere wichtig, da Nebenwirkungen sowohl sehr individuell auftreten als auch individuell unterschiedlich problematisch wahrgenommen werden (siehe Antidepressiva Nebenwirkungen).

Generell gilt für Psychopharmaka dasselbe wie für andere Medikamente auch: So kurz und niedrig dosiert wie möglich, so lang und hoch dosiert wie nötig. Ein guter Arzt wiederum respektiert die Wünsche seines Patienten und geht ausführlich auf dessen Bedenken ein. Er sollte aber auch nachdrücklich klarmachen, dass ein Psychotherapeut in den meisten Fällen die bessere Hilfe ist als die Langzeiteinnahme von Psychopharmaka!

Zum Weiterlesen auf dieser Website:

Psychische Erkrankungen / Probleme / Störungen im Überblick

Vermeidungsverhalten bei Angst – Kern des Problems und Ansatzpunkt in der Therapie von Angsterkrankungen

Reaktive Depression – Was ist das? Wie behandeln?

Quellen und Ressourcen:

  1. de.wikipedia.org/wiki/Psychoanalyse
  2. apotheken-umschau.de/Psychotherapie
  3. gwup.org/infos/themen/66-gesundheit/71-psychoanalyse
  4. psychologie-info.org/Therapieformen/Therapiearten/therapiearten.html
  5. therapie.de/psyche/info/­index/­therapie/einleitung/
  6. psychotherapie-krattenmacher.de/gruppentherapie/
  7. dpv-psa.de/service/infos-fuer-patienten/was-ist-psychoanalyse/
  8. welt.de/gesundheit/psychologie/article13642294/Was-ist-tiefenpsychologisch-fundierte-Psychotherapie.html
  9. de.wikipedia.org/wiki/­Humanistische_­Psychotherapie
  10. de.wikipedia.org/wiki/Positive_Psychotherapie
  11. flexikon.doccheck.com/de/­Interpersonelle_­Psychotherapie
  12. therapeuten.de/therapien/­spirituelle_­therapie.htm
  13. evangelische-beratung.info/seiten/online-beratung
  14. caritas.de/hilfeundberatung/ratgeber/familie/ueberforderteeltern/ehe–familien-und-lebensberatung
  15. angst-panik-hilfe.de/medikamente-angstbehandlung.html
  16. zeit.de/kultur/film/2015-05/dokumentation-nicht-alles-schlucken-psychopharmaka-psychiatrie
  17. uni-muenster.de/Psychologie.pta/angebot/angebote.html

 

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