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GABA Kapseln gegen Ängste? (Gamma-Aminobuttersäure)

Helfen GABA Kapseln gegen Ängste?

Ängste sind an sich sinnvolle Warnanlagen. Diese können bestimmte Reaktionen im Körper und in der Seele auslösen. Doch wenn überbordende, ungewöhnlich starke oder nicht mehr zu kontrollierende Ängste zum Problem werden, greifen viele Menschen zu jedem Mittel, um sie wieder loszuwerden. Sinnvoller wäre es allerdings, wenn die Ursache der Angst erforscht würde.

Unsere Ängste wollen uns meist eine Botschaft über unser falsches Verhalten und unseren ungesunden Lebensstil vermitteln. Die Botschaft betrifft unsere seelischen Befindlichkeiten, unsere zu große Leistungsbereitschaft oder unsere mangelnde Stressresistenz. Ängste stellen oft auch eine Nachricht über die mangelnde Verarbeitung von Traumata oder angstmachenden Erlebnissen dar (vgl. auch Posttrauma). Sie senden uns eine Botschaft über unseren stressbelasteten Lebensstil, unsere ungesunde Ernährungsweise, unsere mangelnde Regenerationsfähigkeit und unser wenig bedürfnisgerechtes Verhalten.

Die verzweifelte Suche nach einem Ausweg

Viele Menschen mit Angstproblemen (Angsterkrankung) suchen in der Gamma Amino-Buttersäure, kurz GABA einen Ausweg aus der Behandlung mit konventionellen Medikamenten zur Angstbewältigung. Andere versuchen, bei Ängsten und Panikattacken ihr Funktionieren mit Gamma Amino-Buttersäure wieder herzustellen.

GABA ist ein inhibitorischer Neurotransmitter. Diesem wird seit 1960 unter anderem eine angstlösende Wirkung nachgesagt (anxiolytisch).

Botenstoffe wie Gamma Amino Buttersäure wirken vor allem im Zentralnervensystem, indem der Wirkstoff bei zahlreichen neuronalen Prozessen regulierend eingreift. Forscher haben in Studien herausgefunden, dass etwa 40% der gesamten neuronalen Synapsen im Gehirn wichtigen Einflüssen durch GABA unterliegen. Diese sogenannten „Interneurone“ kontrollieren die Aktivitäten der anderen Neurone. Neben Interneuronen existieren nämlich noch weitere Neurone, die an diversen anderen Prozessen im Hirn mitwirken.

Neben der Gamma-Aminobuttersäure kommt auch Glutamat von Natur aus im Hirn vor. Hier ist es natürlich nicht als Geschmacksverstärker tätig, sondern ebenfalls als ein wichtiger Botenstoff. Die Gamma-Aminobuttersäure ist quasi der Gegenspieler des Glutamats. Es hemmt und reguliert bestimmte Erregungszustände (vgl. Unruhezustände), wo hingegen Glutamat Prozesse wie die Übermittlung von Sinneswahrnehmungen, die Steuerung von Bewegungsabläufen oder Gedächtnisleistungen anregt.

Wie wirkt Gamma-Amino-Buttersäure im zentralen Nervensystem?

Die Effekte, die Gamma-Amino-Buttersäure im Organismus auslöst, sind durch komplexe Vorgänge, Einflussnahmen und Wirkungsweisen gekennzeichnet. Diese sind im Detail für Laien kaum verständlich. Schon die wichtige Aufgabe der GABA Rezeptoren ist für medizinisch Laien kaum zu verstehen. Der entsprechende Eintrag in der Wikipedia liest sich recht kompliziert. Interessant ist jedoch, wodurch die GABA Rezeptoren beeinflusst und in ihrer Wirkung abgeschwächt oder verstärkt werden können. Durch den Wikipedia-Abschnitt „Pharmakologische Beeinflussung“ kann jeder Laie nachvollziehen, warum es nicht unbedingt sinnvoll ist, ohne medizinische Beratung zu GABA Kapseln oder sonstigen Präparaten dieser Art zu greifen. Da die GABA Rezeptoren und die Neurotransmitter als Botenstoffe eine so wichtige Funktion bei der Angstbehandlung haben, sollte ein geeignetes Präparat gewählt werden. Vor allem sollten durch die Wahl des Präparats unerwünschte Wirkungen oder Wirkungsverstärkungen ausgeschlossen werden.

Zu den wichtigsten Eigenschaften der Gamma-Aminobuttersäure gehören die

  • anxiolytischen bzw. angstlösenden
  • analgetischen bzw. schmerzlindernden
  • blutdruckstabilisierenden
  • antikonvulsiven bzw. krampflösenden
  • entspannenden
  • schlaffördernden
  • und immun-modulierenden Effekte.

Die entspannende und schlaffördernde Wirkung von GABA Kapseln wird durch das Zusammenwirken von 5-Hydroxytryptamin (5-HTP) und Melatonin erreicht. Interessant ist nun, dass bei bestimmten Erkrankungen und Störungen im Neurotransmitter-Netzwerk, aber auch bei Bluthochdruck, chronischen Schmerzen, Parästhesien, Angstzuständen, Depressionen, Muskelproblemen, Tachykardien, Hyperventilation, Reizdarm, dem prämenstruellen Syndrom, bei Epilepsie und Schizophrenie fast immer sehr niedrige GABA-Mengen im Organismus gefunden werden. An der Vielzahl und Verschiedenheit der genannten Zustände kann sich jeder medizinische Laie ablesen, was für wichtige Aufgaben die Gamma-Aminobuttersäure, verschiedene Botenstoffe und die GABA Rezeptoren im Körper erfüllen.

Die angstlösenden Effekte von Gamma Amino Buttersäure werden auch im Klinikalltag gegen Angststörungen Symptome eingesetzt. Die Gamma-Aminobuttersäure kann allerdings die Blut-Hirnschranke nicht aus eigenem Antrieb überwinden. Daher werden meist keine reinen GABA Kapseln eingesetzt, sondern lipophile – also in Öl oder Fetten lösliche – GABA-Derivate. GABA-haltige Präparate wie Gabapentin oder Pregabalin wurden zunächst als Epilepsiemittel eingesetzt, bevor man sie auch zur Behandlung von chronischen Schmerzen oder des generalisierten Angstsyndroms einsetzte (vgl. generalisierte Angst heilen).

Wer bei leichteren Angstproblematiken zu GABA Kapseln greift, statt sich solche pharmakologischen Hämmer mit starken Nebenwirkungen verschreiben zu lassen, liegt also nicht unbedingt falsch. Bei schweren Angsterkrankungen und Panikattacken sind allerdings psychotherapeutische Maßnahmen sinnvoller, oft in Form einer Verhaltenstherapie (siehe was bedeutet Verhaltenstherapie), mitunter auch als Psychoanalyse (siehe Wie wirkt Psychoanalyse sowie den Artikel Psychotherapien im Überblick). Zu Behandlungsbeginn ist zudem eine Entlastung des gestressten Körpers durch geeignete Medikamente sinnvoll.


Anxiolytika – Was Sie über angstlösende Medikamente wissen sollten


Wichtig ist die Erkenntnis, dass die Wirkungen von GABA Kapseln durch gleichzeitig eingenommene Barbiturate verstärkt werden können. Auf ähnliche Weise verstärken Substanzen wie Pregnan-Steroide, Taurin, Theanin oder Rhodiola die Effekte von Gamma-Amino-Buttersäure.

Oral verabreichtes Progesteron kann den Schlaf fördern und einen sedierenden Effekt haben, weil Progesteron ebenfalls eine GABA-A-Rezeptoraffinität besitzt.

Doch neben all diesen Dingen ist die Wirksamkeit von GABA abhängig vom Neurotransmitter Serotonin (siehe Serotonin Wirkung). Dieses stimuliert die GABA-Synthese. Es erhöht die Rezeptoraffinität für die Gamma-Amino-Buttersäure. Daraus folgt, dass bei einem Mangel an Serotonin auch die Wirkung von GABA eingeschränkt wird.

Macht es Sinn, bei Angst auf GABA Kapseln zu setzen?

Die Antwort lautet: Ja und nein. Auf der einen Seite hat Gamma Amino Buttersäure eine nachgewiesene Wirkung bei Angststörungen. Studien belegen, dass es im zentralen Nervensystem (ZNS) auf die Nervenzellen wirkt (vgl. auch vegetatives Nervensystem) und dabei keine signifikanten oder besonders problematischen Nebenwirkungen zeigt. Doch einfach in Eigenregie GABA Kapseln zuzuführen und weiterzumachen, wie bisher, genügt oft nicht. Je nach zugrundeliegender Problematik und den vorliegenden Störungen oder Erkrankungen muss im Therapiebereich deutlich komplexer gedacht werden.

GABA-Defizite müssen zunächst einmal als Verursacher der Angststörung nachgewiesen werden. Es können schließlich auch andere innerkörperliche Regelkreise oder Organtätigkeiten gestört sein. Es kann eine psychische Erkrankung wie Depressionen oder ein Burn-out vorliegen, die mit Ängsten einhergehen. Auf diese Problematiken hätte die Gamma-Amino-Buttersäure vielleicht keinen oder keinen ausreichenden Einfluss.

Als Möglichkeit der medizinischen Behandlung steht unter anderem die Therapie mit der Glutamat bzw. GABA-Vorstufe Glutamin zur Verfügung. Zusätzlich können die GABA-Modulatoren Taurin und Theanin eingesetzt werden.

Vielfach wird das Präparat GABAmax, das die Synthese der Neurotransmitter befördert, eingesetzt. Eine andere Möglichkeit wäre die Behandlung mit Glutamin und L-Glycin. Diese Aminosäure ist ebenfalls in manchen Hirnregionen als Neurotransmitter tätig. Sie wirkt daher ähnlich und in Zusammenarbeit mit Glutamin bzw. GABA synergistisch. Der Effekt beider ist entspannend, regenerierend und schlaffördernd.

Ein Präparat namens GABAnight mit Glutamin, Glycin, Serotonin, Taurin, Cholin, Passionsblume plus enzymatischer Ko-Faktoren der B-Vitaminreihe wäre hier eventuell sinnvoll. Entscheiden sollte darüber aber ein Mediziner.

Wird die in Kapseln dosierte Gamma-Aminobuttersäure oral verabreicht, kann sie zwar von sich aus nicht die Blut-Hirnschranke umschiffen. Sie zeigt aber trotzdem Effekte auf endokrine Organe und das Immunsystem. Wenn bestimmte Effekte auf Nebennieren, Stoffwechsel oder Hypophyse gewünscht sind, wird Gamma Amino Buttersäure in Dosierungen zwischen 500 und 2000 Milligramm täglich verabreicht. Da ein medizinischer Laie nicht beurteilen kann, in welchen Dosen ein Monopräparat bei einer Angststörung sinnvoll wäre, ist es besser, einen Berufenen zu fragen.

Probieren kann jeder, der unter Stress leidet, es aber mit einem Präparat namens GABAcalm. Dieses Präparat kann auf Nebenwegen über die Mundschleimhaut Einfluss auf das Gehirn nehmen. Es wirkt minutenschnell und ist daher wunderbar für die Akutbehandlung von mittelschweren Angstzuständen geeignet.

GABA (Gamma Amino Buttersäure) ist in vielen Stimmungsaufheller-Produkten enthalten, auch wenn diese oft gar nicht explizit als GABA Kapseln beschriftet sind oder vermarktet werden (hier Serenity von Vitality Nutritionals) (Screenshot vitaminexpress.org/de/serenity-stimmungsaufheller-kapseln am 18.05.2018)
GABA (Gamma Amino Buttersäure) ist in vielen Stimmungsaufheller-Produkten enthalten, auch wenn diese oft gar nicht explizit als GABA Kapseln beschriftet sind oder vermarktet werden (hier Serenity von Vitality Nutritionals) (Screenshot vitaminexpress.org/de/serenity-stimmungsaufheller-kapseln am 18.05.2018)

Auch das Produkt Serenity, ein Nahrungsergänzungsmittel, kann bei Ängsten und Panikattacken als Nothelfer eingesetzt werden. Manche schwören zudem auf sogenannte Rescue Tropfen oder Mittel wie Sedonium und Pascoflair.

Zugleich ist aber grundsätzlich sinnvoll, der Ursache der Ängste auf die Spur zu kommen (vgl. Angststörungen Ursachen). Sie einfach durch solche Präparate wegzudrücken, um zu funktionieren, kann nicht sinnvoll sein. Ängste haben eine Funktion, die beachtet werden sollte. Andere und stärker wirkende Präparat-Kombinationen mit Nicin bedürfen unbedingt fachkundiger Beratung.

Können Angstpatienten auch ohne GABA Entspannung bei Angstzuständen finden?

Oftmals sind Angststörungen und Panikattacken mit so gravierenden Symptomen verbunden, dass Entspannungsverfahren in der Akutbehandlung nicht zum Einsatz kommen. In der Nachsorge sind sie aber sinnvoll. Außerdem sollten die Betroffenen sich eine gesunde und möglichst stressfreie Lebensweise zulegen.

Die Ernährung sollte möglichst weitgehend von Stressoren wie Koffein, Lebensmittelzusatzstoffen oder minderwertiger Nahrung aus industrieller Fertigung befreit werden, damit der Organismus den Erregungspegel wieder herunterfahren kann. Auch Glutamat als Geschmacksverstärker sollte gemieden werden, weil er Depressionen und andere Befindlichkeitsstörungen auslösen kann. Der Effekt eines gesunden Lebensstils und gesunder Ernährung kann bei Angststörungen und anderen GABA-Mängeln gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Auch gesunder Schlaf ist ein wichtiger Baustein zu einem angstbefreiten Leben und wunschgemäß funktionierenden Nervenzellen.

Gegen die Einnahme leichter pflanzlicher Beruhigungsmittel spricht ebenfalls nichts (vgl. Beruhigungstropfen und pflanzliche Beruhigungsmittel bei Angst). Wichtig scheint, dass dem Körper zusätzlich zu den Stressbelastungen durch Ängste nicht ohne eine entsprechende Notwendigkeit die starke Nebenwirkung von angstlösenden Medikamenten wie Gabapentin oder Pregabalin zugemutet wird. Studien belegen, dass Angst auch durch einen Mangel an Vitamin in frischem Obst und Gemüse oder durch chronische Mineralstoff-Defizite begünstigt wird.

Gegen ausufernde Angst wirken viele Maßnahmen

Vieles an dem, was uns Angst macht, kommt uns gefühlt zu nah. Unser Körper ist zwar eine wunderbare Schutzhülle. Unsere Seele ist jedoch empfindsam. Schon ein tagelanger Mangel an Schlaf kann als Nebenwirkung zu Schreckhaftigkeit, einem Konzentrationsmangel, zu Nervosität und erhöhter Angstbereitschaft führen. Peppt sich der Betroffene dann mit Nikotin, Koffein, Wachmacherpillen und einem Essen mit viel Glutamat beim Chinamann auf, können die Nebenwirkungen dieser Kombination beträchtlich sein. Der anhaltende Mangel an Entspannung führt zu Stress. Der Stress führt in die Erregung – und bei entsprechender Disposition und einem Mangel an Gamma-Aminobuttersäure vielleicht in eine Angststörung. Die Regeneration der GABA Rezeptoren wird unter dem Einfluss von Hektik und Stress nicht gelingen.

Chronische Missstände auf der Basis der wichtigen Neurotransmitter entstehen meist durch ein Zusammenwirken verschiedener Faktoren. Zu den wichtigsten Missständen gehören

  • ein erhöhter Verbrauch von Neurotransmittern durch ständige Reizüberflutung, Dauerstress und Überstimulation und ein gleichzeitiger Mangel an Regeneration
  • die verringerte Bildung von Botenstoffen dank einer nährstoffarmen Ernährungsweise
  • die unzureichende Botenstoff-Bildung wegen organischer Funktionsstörungen oder Erkrankungen Er
  • und die unzureichende Botenstoff-Bildung wegen des Einflusses von toxischen und chemischen Belastungen

Auf Hochdeutsch könnten wir auch sagen, dass unsere ungesunde, hektische Lebensweise zwischen medialer Reizüberflutung und ständiger Erreichbarkeit, unsere Haltung des Funktionierens und des Multitaskings uns auf Dauer kaputt macht. Der ungesunde innere Druck in Kombination mit einem chronischen Mangel an Vitamin und Entspannung bahnt sich dann oft einen Weg – in Form von Panikattacken, Stresserkrankungen, Depressionen oder Burn-out. Das und gestörter Schlaf ist die Nebenwirkung unseres modernen Lebensstils. Einfach zur Einnahme von Gamma-Amino-Buttersäure zu greifen und anschließend weiterzumachen wie bisher, kann also nicht die Lösung sein. Unsere Angst besagt auch, dass wir immer öfter gegen unsere körperlichen und seelischen Bedürfnisse leben. Wir strapazieren unsere Nervenzellen und unser Nervenkostüm tagein, tagaus über. Und wir können jederzeit damit aufhören.

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