Olanzapin (© molekuul.be / stock.adobe.com)

Olanzapin / Zyprexa – Wirkung, Nebenwirkungen und Tipps zum Absetzen

Olanzapin gehört zu den meistverordneten Antipsychotika. Der ursprüngliche Handelsnahme, unter dem der Wirkstoff auf den Markt kam, ist Zyprexa. In Deutschland ist Olanzapin seit 1996 erhältlich. Es wird hauptsächlich gegen schizophrene Psychosen eingesetzt, hat aber inzwischen auch Zulassungen für die Behandlung von bipolaren Störungen und Zwangserkrankungen.

Zum Teil wird Olanzapin in Kombination mit Antidepressiva verwendet, wenn die alleinige Therapie mit einem Antidepressivum nicht erfolgreich zu sein scheint.

Lesen Sie hier alles über die Wirkung und Nebenwirkungen von  Olanzapin / Zyprexa.

Was ist Olanzapin?

Olanzapin gehört zu den sogenannten atypischen Neuroleptika, Antipsychotika der zweiten Generation. Darunter werden Neuroleptika verstanden, die nach der Entwicklung des Clozapin auf den Markt kamen und denen attestiert wurde, dass sie deutlich weniger extrapyramidale Syndrome hervorrufen. Extrapyramidale Syndrome können in der Form von Bewegungsstörungen und Zuckungen in der Folge von Behandlungen mit Neuroleptika vorkommen. Olanzapin ist chemisch eng mit dem Clozapin verwandt.

Theoretische Grundlage der Entwicklung von Neuroleptika wie Zyprexa ist die Annahme, dass ein Ungleichgewicht im Austausch von Botenstoffen im Gehirn zu den typisch psychotischen Symptomen wie Realitätsverlust, Wahnerleben, Beziehungswahn, Stimmenhören, Denkstörungen und Halluzinationen führt. Insbesondere der Dopamin-Haushalt soll dabei gestört sein.

Antipsychotika setzen diesem Ansatz folgend mit ihrer Wirkung vorwiegend an den Dopamin-Rezeptoren an und sollen das Gehirn auf diese Weise vor Reizüberflutung abschirmen und psychotische Symptome dämpfen. Diese Theorie ist nicht mehr unumstritten, jedoch gehören Antipychotika immer noch zum Standard bei der Behandlung von Psychosen.

Der ursprüngliche Hersteller von Zyprexa© ist das Pharma-Unternehmen Eli Lilly. 2006 kam es zum sogenannten „Zyprexa-Skandal“, weil die Firma bewusst Informationen unterdrückt hatte, dass sich unter der Behandlung von Olanzapin vermehrt Diabetes entwickeln kann. Das Unternehmen einigte sich seit 2005 außergerichtliche Entschädigungszahlungen in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar in 28.500 Fällen. Jedoch soll Eli Lilly Berichten zufolge alleine im ersten Jahr nach Markeinführung von Zyprexa© einen Umsatz von rund 80 Milliarden Dollar erwirtschaftet haben. Die New York Times berichtete seinerzeit erstmals darüber.

Nach Ablaufen des Patentschutzes für Zyprexa 2011 in Deutschland sind auch Generika (günstigere Nachahmerpräparate) erhältlich. Zyprexa gibt es dabei als Tabletten, aber auch in Depotform unter dem Namen ZypAdhera. Bei Verwendung der Depotmedikation wird insbesondere davor gewarnt, die intramuskuläre Spritze keinesfalls zu nah an Blutgefäßen anzusetzen, während eine intravenöse Injektion vollkommen verboten ist. In den USA wurde über zwei Todesfälle berichtet, wobei die Patienten eine hohe Konzentration an ZypAdhera aufwiesen und die Spritzen vermutlich zu nahe an Blutgefäßen angesetzt wurden (aerzteblatt.de).

Olanzapin (© molekuul.be / stock.adobe.com)
Olanzapin (© molekuul.be / stock.adobe.com)

Einsatzgebiete von Olanzapin

Zyprexa wird hauptsächlich für die Therapie von schizophrenen Psychosen eingesetzt. Dem Medikament wird zudem eine beruhigende Wirkung attestiert, so dass es auch bei Zwangserkrankungen, bipolaren Störungen mit ausgeprägter Manie und bei Depressionen Anwendung findet, die mit Antidepressiva alleine nicht behandelbar scheinen.

Aufgrund des schwierigen Nebenwirkungsprofils dieses Medikaments, wobei sehr viele Patienten unter anderem unter einer sehr starken Gewichtszunahme und Schläfrigkeit leiden, ist hier mehr noch als bei anderen Psychopharmaka eine strenge Kosten-Nutzen-Rechnung aufzustellen.

Olanzapin ist in Film- oder Schmelztabletten zu 2.5 mg, 5 mg, 7,5 mg, 10 mg, 15 mg oder 20 mg erhältlich. Das Präparat weist eine lange Halbwertszeit von 24 bis 36 Stunden auf, die bei Senioren verlängert sein kann. Die empfohlene Höchstdosis beträgt 20 mg/Tag. Als Mindestdosis wird 2.5 mg empfohlen.

Die tödliche Dosis von Zyprexa zu bestimmen, ist schwierig. Es wurde über tödliche Ausgänge bei einer Dosis von 450 mg berichtet, dies hängt jedoch vom einzelnen Patienten ab (Körpergewicht, Alter etc.).

Patienten sollten sich deswegen an die vorgeschriebene Höchstdosis halten. Empfohlen wird üblicherweise eine Anfangsdosis von 10 mg, die aber in bestimmten Fällen (fortgeschrittenes Lebensalter, Leber- oder Niereninsuffizienz) nur bei 5 mg liegen sollte.

Einen ausführlichen Beipackzettel zu Olanzapin (und anderen Medikamenten) gibt es beispielsweise bei der Apotheken Umschau. oder auch hier bei Ratiopharm.



Mögliche Nebenwirkungen

Leider ist die Liste an möglichen Nebenwirkungen bei Olanzapin sehr lang. Die wichtigsten Nebenwirkungen sind:

  • Unter den sehr häufigen Nebenwirkungen werden insbesondere verstärkter Appetit, Gewichtszunahme, Müdigkeit und Schläfrigkeit genannt. Sehr häufig bedeutet, dass mehr als 10 Patienten von 100 diese Nebenwirkungen aufweisen. Der Grund für die Gewichtszunahme scheint aber nicht nur vemehrter Appetit zu sein, sondern auch die Tatsache, dass Olanzapin in den Insulin- und insbesondere in den Kohlenhydratstoffwechsel eingreift. Problematisch ist dies vor allem deswegen, weil die Gewichtszunahme unter Zyprexa sehr drastisch sein kann.
  • Olanzapin beeinflusst offenbar in einem komplizierten Mechanismus die Blutfettwerte, die Blutzuckerwerte, begünstigt Übergewicht und trägt zur Entstehung von Diabetes bei. Treffen alle vier Faktoren aufeinander, spricht man vom gefürchteten „metabolischen Syndrom“.
  • Ebenfalls sehr problematisch ist die mögliche Veränderung des Blutbildes unter einer Therapie von Zyprexa, wobei hier vor allem Veränderungen an den weißen Blutkörperchen zu nennen sind.
  • Ansteigen des Prolaktinspiegels, Menstruationsstörungen, Brustvergrößerung, Milchabsonderung aus der Brust
  • Wassereinlagerungen
  • Schwächegefühl, Schwindel
  • Mundtrockenheit

Da insbesondere die Gefahr gegeben ist, dass sich ein Diabetes entwickelt, lautet die Empfehlung bei einer Therapie mit Olanzapin, regelmäßig den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren.

In der Schwangerschaft und Stillzeit sollten Neuroleptika nicht eingesetzt werden.

Wechselwirkungen

Der gleichzeitige Genuss von Antipsychotika und Alkohol sollte vermieden werden (vgl. auch Antidepressiva und Alkohol). Ebenso sollte die gleichzeitige Anwendung von folgenden Substanzen vermieden werden:

  • andere Antipsychotika oder Präparate, die das QT-Intervall am Herzen verändern können (betrifft viele Psychopharmaka)
  • das Antidepressivum Fluvoxamin (aus der Gruppe der SSRI)
  • das Antibiotikum Ciprofloxacin
  • Rauchen und das Antiepileptikum Carbamazepin verringern den Plasmaspiegel von Olanzapin
  • Vorsicht geboten ist immer bei der Kombination von bestimmten pflanzlichen Präparaten wie Johanniskraut oder Kava Kava und Psychopharmaka
  • Eher unbekannt ist die Tatsache, dass Grapefruit und Grapefruitsaft zu Wechselwirkungen mit Psychopharmaka führen. Dies liegt an den Bitterstoffen dieser Frucht.

Erfahrungen von Betroffenen mit Zyprexa

Die Website sanego.de ist ein wichtiges Portal, das unter anderem die Erfahrungen von Patienten mit Medikamenten sammelt und anonymisiert veröffentlicht. Nutzer finden hier zehntausende von Erfahrungsberichten.

Obwohl insbesondere Anwender, die Olanzapin aufgrund einer Psychose verschrieben bekommen haben, dem Medikament oft eine Wirkung gegen psychotische Begleiterscheinungen wie Stimmenhören attestieren (was für die Betroffenen eine große Erleichterung sein kann), berichten fast alle Betroffenen von folgenden Erfahrungen:

  • zum Teil eine ans Groteske grenzende Gewichtszunahme; manche schildern eine Gewichtszunahme von 40 oder 50 kg!
  • starkes Hungergefühl, kaum Sättigung
  • Müdigkeit; manche verwenden Olanzapin aber auch zum Schlafen, da der schlafanstoßende Wirkeintritt sehr schnell erfolgt
  • starkes Benommenheitsgefühl, Gefühl, wie betäubt zu sein oder überhaupt nichts mehr zu fühlen; manche vergleichen dieses Gefühl von Benommenheit mit der Wirkung einer „Droge“
  • Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit: Diese Wesensveränderung kann bis zur völligen Apathie gehen
  • Libidoverlust
  • starke Absetzerscheinungen; auch hier wird zum Teil von Nutzern der Vergleich mit einer „Droge“ gezogen

Die Nutzer berichten dabei über Dosierungen zwischen 2.5 mg, 5 mg, 10 mg und 20 mg. Die Dosierung ist dabei mitentscheidend darüber, wie ausgeprägt Nebenwirkungen auftreten.

Als hauptsächliche Anwendungsgebiete werden im Portal genannt:

  • schizophrene Psychosen
  • bipolare Störungen
  • Depressionen
  • seltener: Angststörungen, Schlafstörungen

Quelle: sanego.de/Medikamente/Zyprexa/

Infos zu Olanzapin und der Wirkung und Nebenwirkungen von Zyprexa sowie Erfahrungsberichte über das Absetzen finden sich auf der Website sanego.de (Screenshot vom 22.05.2020)
Infos zu Olanzapin und der Wirkung und Nebenwirkungen von Zyprexa sowie Erfahrungsberichte über das Absetzen finden sich auf der Website sanego.de (Screenshot vom 22.05.2020)

Olanzapin / Zyprexa absetzen

Neuroleptika wie Zyprexa respektive Olanzapin absetzen kann generell sehr schwierig sein. Dies liegt in ihrem speziellen Mechanismus der Wirkung begründet.

Inzwischen weiß man, dass ein Rückfall nach dem Absetzen von Neuroleptika nicht unbedingt einem erneuten Ausbruch der Krankheit geschuldet ist. Die Einnahme von Neuroleptika über einen längeren Zeitraum führt zu Veränderungen an den Rezeptoren. Da Antipsychotika das Andocken des Botenstoffs Dopamin an den Rezeptoren drosseln sollen, versucht das Gehirn dies auszugleichen, indem es neue Rezeptoren ausbildet. Letztendlich wird der Patient dadurch empfindlicher gegenüber dem Dopamin. In diesem Zusammenhang sprechen Fachleute von „Supersensitivitätspsychosen“.

Dieser Prozess scheint insbesondere beim im Zyprexa enthaltenen Wirkstoff sehr ausgeprägt der Fall zu sein. Aus diesem Grunde berichten viele Nutzer von enormen Schwierigkeiten, wenn sie den Wirkstoff wieder absetzen wollen.

Am erfolgsversprechendsten ist hierbei die 10-Prozent-Methode: Das bedeutet, alle vier bis sechs Wochen maximal 10 Prozent der ursprünglichen Dosis zu reduzieren. Erfahrungsgemäß wird das Absetzen umso schwieriger, je mehr sich die Dosis Null nähert. In diesem Falle sollten noch kleinere Reduzierungsschritte gewählt werden. Da Zyprexa zum Beispiel in minimalen Dosen auf dem Markt nicht erhältlich ist, behelfen sich viele mit der sogenannten „Wasserlösmethode“: Die Tablette wird in einem Glas Wasser aufgelöst und dann werden mithilfe einer Spritze genau zehn Prozent der Flüssigkeit entnommen. Der Rest wird als Dosis konsumiert.

Sollte ein Reduktionsschritt zu große Schwierigkeiten bereiten, sollte man zur vorherigen Dosis zurückkehren, wiederum vier bis sechs Wochen abwarten und dann erneut um 10 Prozent reduzieren.

Leider gehen viele Psychiater immer noch zu schnell vor, wenn sie sich überhaupt bereit erklären, die Patienten beim Absetzen zu unterstützen. In diesem Falle sind ein Rückfall in die Psychose oder andere massive Absetzerscheinungen praktisch vorprogrammiert. Nicht wenige Patienten, die das Medikament absetzen wollten, landen dann bei einer höheren Dosierung als zuvor, um die Symptome unter Kontrolle zu bringen.



Ist Zyprexa ein empfehlenswertes Medikament?

Angesichts des Nebenwirkungsprofils von Zyprexa ist es erstaunlich, dass Olanzapin zu den meistverordneten Antipsychotika gehört. Durch die möglichen drastischen Folgeerscheinungen sollte es lediglich ein Präparat der zweiten oder dritten Wahl sein.

Allerdings ist auch zu berücksichtigen, dass der Leidensdruck von Betroffenen und Umwelt insbesondere bei einer schizophrenen Psychose enorm sein kann und viele Patienten auch starke Nebenwirkungen in Kauf nehmen, um davon entlastet zu werden. Viele Betroffene sind froh, wenn ein Medikament dagegen Wirkung zeigt.

Insofern ist sorgfältig abzuwägen, ob Olanzapin verordnet werden sollte, wenn andere Maßnahmen und andere Neuroleptika nicht greifen.

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