Diagnose F34.0 - Zyklothymia / Zyklothymie (© Richelle / stock.adobe.com)

Bedeutung der Diagnose F34.0 laut ICD 10

Code F34.0 im ICD: Zyklothymia

Unter den Diagnose-Code F34 fallen verschiedene anhaltende affektive Störungen. Die Diagnose F34.0 beschreibt dabei die Zyklothymia, die manchmal auch als Zyklothymie bezeichnet wird. Sie ist durch leichte depressive und hypomanische Phasen gekennzeichnet.

Hintergrundwissen: Depression, Manie und Hypomanie

Die affektiven Störungen lassen sich grundsätzlich in zwei Gruppen einteilen. Dazu gehören die unipolaren Störungen wie die depressive Episode. Diese ist durch drei wesentliche Merkmale gekennzeichnet:

  • niedergeschlagene Stimmung
  • Interessenverlust
  • Antriebsstörungen.

Darüber hinaus gibt es die bipolaren Störungen. Diese machen sich dadurch bemerkbar, dass die Betroffenen im Verlauf ihres Lebens sowohl an depressiven als auch an manischen Zuständen leiden. Die Zyklothymie gehört zu diesen bipolaren Störungen, bei denen die Stimmungsextreme nacheinander in beide Richtungen gehen.

Die manischen Phasen sind durch übersteigerte Hochgefühle gekennzeichnet, die für die jeweilige Situation nicht angemessen sind und keinen konkreten Auslöser haben müssen. Manche Betroffene haben das Gefühl, unverwundbar zu sein und alles zu können.

Auch Wahnvorstellungen und andere Symptome können in einer manischen Phase auftreten. Manche Patienten glauben zum Beispiel, verfolgt zu werden oder geheime Botschaften zu empfangen. Doch auch Größenwahn, Liebeswahn oder andere Wahnvorstellungen können in einer manischen Phase auftreten.

Eine schwach ausgeprägte manische Phase, die trotzdem klinisch bedeutsam ist, bezeichnet die Psychologie als hypomanisch. Bei der Zyklothymia erleben die Betroffenen solche milderen hypomanischen Phasen, aber keine extremen manischen Zustände. Dennoch ist die Hypomanie bei der Zyklothymie so mild ausgeprägt, dass die Episode nicht die Kriterien für eine hypomanische Episode erfüllt.

Wie ist eine Zyklothymie nach F34.0 definiert?

Das ICD 10 ist ein Klassifikationssystem für alle Krankheiten und wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegeben. Alle ICD-Codes, die mit dem Buchstaben F beginnen, beziehen sich auf eine Erkrankung, die die Psyche betrifft.

Dabei ist der Zyklothymia dem Diagnose-Code F34.0 zugeordnet. Eine Zyklothymie ist eine affektive Störung, die über lange Zeiträume hinweg anhält. Das entscheidende Merkmal sind depressive und hypomanische Phasen, die jeweils schwach ausgeprägt sind. Trotzdem führen diese Phasen dazu, dass der Betroffene unter den Symptomen subjektiv leidet. Möglich ist auch, dass der Betroffene in seiner normalen Lebensführung eingeschränkt ist, also zum Beispiel nicht mehr konzentriert arbeiten kann.

Eine Zyklothymia kann von einer qualifizierten Fachkraft wie einem Psychologen oder Arzt diagnostiziert werden. Die Voraussetzung für eine Diagnose ist, dass die affektive Instabilität bereits seit mindestens zwei Jahren anhält. Dieser Zeitraum gilt auch bei ähnlichen Erkrankungen wie der Dysthymia.

Zur Zyklothymie gehören auch folgende Begriffe:

  • affektive Persönlichkeitsstörung
  • zyklothyme Persönlichkeit
  • zykloide Persönlichkeit.

Diese Bezeichnungen werden manchmal als Synonyme für eine Zyklothymia verwendet und sind auch im ICD-10 unter dem Code F34.0 aufgeführt. Allerdings gelten diese Bezeichnungen als veraltet. Die Begriffe „zyklothyme Persönlichkeit“ und „zykloide Persönlichkeit“ machen zudem nicht ausreichend deutlich, dass es sich um eine Erkrankung handelt.

Worin besteht der Unterschied zwischen einer Zyklothymia nach F34.0 und einer bipolaren Störung?

Bei der Zyklothymia handelt es sich im Grunde genommen um eine schwächere Form der bipolaren affektiven Störung (F31.-). Die Zyklothymia ist jedoch auch schwächer ausgeprägt als die bipolare Störung mit hypomanischen Episoden (F31.1).

Die depressiven Phasen innerhalb der Zyklothymie erfüllen dabei nicht die Kriterien einer depressiven Episode. Deshalb ist es oft die Instabilität der Stimmung, unter der die Betroffenen leiden. Die Wechsel von niedergeschlagenen und positiv gestimmten Phasen können unterschiedlich schnell eintreten.

Viele Psychologen verstehen psychische Krankheiten heutzutage als ein Spektrum. Eine klare Grenze zwischen „krank“ und „gesund“ existiert demnach nicht. Auch verschiedene Krankheiten wie die bipolare affektive Störung und die Zyklothymia können als ein solches Spektrum verstanden werden. Die Zyklothymie befindet sich demnach im unteren Bereich dieses Spektrums.

Wechselhafte Stimmungen sind nicht immer pathologisch

Außerhalb des Bereichs, der klinisch bedeutsam ist, gibt es zudem Menschen, die lediglich ein zyklothymes Temperament besitzen, aber nicht darunter leiden und dadurch auch nicht in ihrem Leben eingeschränkt sind.

In diesem Fall würde ein Psychologe eher keine psychische Krankheit diagnostizieren, sondern höchstens eine Persönlichkeits-Akzentuierung feststellen. Eine solche Akzentuierung stellt jedoch für sich genommen keine Krankheit dar. Eine solche Sichtweise soll dazu beitragen, psychische Besonderheiten zu entstigmatisieren.

Einige Forscher bringen die Zyklothymia mit einer erhöhten Kreativität in Verbindung (Greenwood 2020). Zu beachten ist allerdings, dass die Zyklothymia trotz der relativ milden Symptome gemäß ICD-10 F34.0 eine Krankheit darstellt, die behandlungsbedürftig sein kann. Ein Psychologe oder Arzt stellt die Diagnose nicht, wenn die wechselhafte Stimmung zu einem anderen Krankheitsbild gehört, zum Beispiel zu einer Persönlichkeitsstörung.

Eine gewisse Variabilität in der Stimmung ist vollkommen normal: Manche Situationen machen Sie glücklich, andere Situationen können Sie traurig stimmen. Bei der Zyklothymie sprechen Fachleute deshalb von einer instabilen Stimmung, da diese nicht einfach nur wechselt, sondern auf ungewöhnliche Weise fluktuiert. Die Stimmungsinstabilität muss nicht durch konkrete Ereignisse ausgelöst werden.

Wer entwickelt eine Zyklothymia?

Die Zyklothymia kann viele verschiedene Menschen treffen. Besonders oft tritt sie bei Angehörigen von manisch-depressiven Menschen auf, zum Beispiel bei Geschwistern oder Kindern. Nicht zuletzt aus diesem Grund nehmen viele Fachleute an, dass es eine gemeinsame genetische Grundlage für die Zyklothymie und die bipolare affektive Störung gibt.

Manche Menschen, bei denen eine Zyklothymia diagnostiziert wird, entwickeln später eine bipolare affektive Störung, bei der die depressiven und hypomanischen Episoden stärker ausgeprägt sind. Auch manische Episoden, die schwerere Symptome aufweisen als hypomanische Episoden, sind dann möglich.

Zum Weiterlesen auf dieser Website:

Bipolare Störungen verstehen: Zwischen Manie und Depression

Affektive Störungen – über Affektregulation, Affektlabilität und das Stigma der Affektstörung

(Extreme) Stimmungsschwankungen verstehen und damit umgehen


Diagnose F34.0 - Zyklothymia / Zyklothymie (© Richelle / stock.adobe.com)
Diagnose F34.0 – Zyklothymia / Zyklothymie (© Richelle / stock.adobe.com)

Zyklothymie – Quellen

  • Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) unter Beteiligung der Arbeitsgruppe ICD des Kuratoriums für Fragen der Klassifikation im Gesundheitswesen (KKG) (Hrsg.): „ICD-10-GM Version 2020“. icd-code.de/icd/code/F34.0.html.
  • Tiffany A. Greenwood: „Creativity and Bipolar Disorder: A Shared Genetic Vulnerability“. Annual Review of Clinical Psychology 2020. 16: 239-264. annualreviews.org/doi/pdf/10.1146/annurev-clinpsy-050718-095449 (abgerufen am 27.5.2020).