Platzangst (© Philippe Geenen / Fotolia)

Platzangst verstehen, behandeln, überwinden

Wer an Raum- oder Platzangst leidet, der bekommt in geschlossenen Räumen oder einem überfüllten Saal Beklemmungen. Er erlebt Schweißausbrüche, Herzrasen und eine plötzlich aufkommende Panik. Ähnlich geht es manchen Menschen, wenn sie an touristischen Orten auf größere Menschenmengen im Freien treffen. Heutzutage tragen auch terroristische Attacken an solchen Plätzen dazu bei, das viele Menschen sich dort unwohl fühlen.

Klaustrophobie, Agoraphobie und Akrophobie

Oftmals kennen auch nicht von Phobien betroffene Menschen dieses Gefühl der Panik und Angst von einem engen Fahrstuhl (Klaustrophobie) oder hohen Höhen (Akrophobie). Viele Menschen meiden es, solche Fahrstühle zu betreten. Menschen mit solchen Ängsten erleiden Panikattacken in einem vollen Hörsaal oder Kino. In diesem Fall sprechen die Psychologen von einer Klaustrophobie. Diese wird von den betroffenen Menschen meist fälschlicherweise als Platzangst bezeichnet. Raum- oder Platzangst wird in überfüllten Räumen oft schon durch eine geschlossene Tür ausgelöst, die eine Fluchtmöglichkeit zu unterbinden scheint.

Bei der Agoraphobie, der eigentlichen Platzangst, machen hingegen weite und große Plätze Angst. Es kann sich beispielsweise um ein großes Fußballstadion handeln, in dem sich Menschen an ihre Plätze drängen. Oder einen mit Touristen gefüllten Platz wie den Markusplatz in Venedig. Solche Orte erzeugen bei manchen Menschen Fluchtgedanken, Herzrasen und Panik. Beide Situationen haben gemeinsam, dass sie eine lebensbeschränkende Angststörung darstellen. Sie führen über kurz oder lang zu Meidungsverhalten.

Platzangst kann aber auch zu einer generalisierten Angststörung führen, wenn der Betroffene nicht frühzeitig zum Arzt geht. Er kann auch aus eigenem Antrieb seine Ängste zu mindern versuchen. Im Fall einer generalisierten Angststörung ist das Angst auslösende Moment schon von den körperlichen Symptomen der Angststörung überlagert. Ein Arzt wird es schwer haben, der Angst auf die Spur zu kommen. Der Patient missversteht seine Symptome nämlich als Signale einer körperlichen Krankheit.

Quellen:

Von sinnvoller zu sinnentleerter Angst

Eigentlich sind Ängste ein sinnvoller Warnmechanismus unseres Gehirns und der Psyche. Sie sollen verhindern, dass wir uns bekannte, oder zumindest erkennbare Gefahren meiden. Bei einer Angststörung laufen solche Ängste aber aus dem Ruder. Sie beziehen sich auf ein bestimmtes Objekt, ein Geschehen oder Situationen. Diese sind aber von sich aus nicht angstauslösend. Die Angst beruht auf einer Zuschreibung von Gefahrenpotenzial.

Solche Ängste machen sich bei vielen Menschen, die mit einer Klaustrophobie oder einer Agoraphobie geschlagen sind, irgendwann selbstständig. Sie beziehen sich nun nicht mehr auf das eigentlich angstbesetzte Objekt, sondern haben sich verallgemeinert und erweitert. Im Unterschied zur generalisierten Angststörung bezieht sich eine Phobie auf ein konkretes Objekt, beispielsweise auf Spinnen, Wendeltreppen oder Fahrstühle. Oftmals beruhen solche Phobien auf negativen Erlebnissen im Kontext mit diesen Objekten oder Situationen. Manchmal genügt aber bereits eine Vorstellung von einem Negativ-Erlebnis, um eine Panikattacke auszulösen. Damit ist der Weg geebnet, Angst vor der Angst (Erwartungsangst) zu empfinden.


Phobien verstehen | Die Phobie als Spezialfall der Angst


Generalisierte Angststörungen beziehen sich auf irrationale Befürchtungen vor möglichen Erkrankungen, Unfällen und Geschehnissen. Die angstbesetzten Situationen erstrecken sich auf das gesamte Leben. Sie lähmen die Betroffenen. Die Menschen ziehen sich mehr und mehr zurück. Sie meiden zunehmend soziale Kontakte. Viele Angstpatienten werden zunehmend von ihren Ängsten dominiert. Solche Menschen sind nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr in der Lage, ihr gewohntes Leben aufrecht zu erhalten. Die Angst ist irgendwann ein chronischer Zustand, der mehrere Jahre anhalten kann.

Quellen:

Platzangst – und: Welche Symptome kennzeichnen eine Angststörung?

Platzangst bzw. Klaustrophobie oder Agoraphobie lösen bei Begegnungen mit dem angstbesetzten Objekt – oder der Angst machenden Situation – zahlreiche Beschwerden aus. Diese manifestieren sich unter anderem auch auf der körperlichen Ebene. Es handelt sich beispielsweise um

Von einer generalisierten Angststörung sprechen die Psychologen, wenn mindestens vier dieser Symptome bei ganz alltäglichen Erlebnissen auftreten – und zwar während eines halben Jahres fast durchgehend.


Platzangst (© Philippe Geenen / Fotolia)
Platzangst (© Philippe Geenen / Fotolia)

Unterschieden werden die Symptome in verschiedene Gruppen. Mindesten ein vegetatives Symptom – etwa Schweißausbrüche, Schmerzen, Tachykardien, Schwindel, beschleunigte Atmung, Mundtrockenheit oder Zittern – müssen auftreten. Organische Ursachen dafür dürfen bei der Untersuchung nicht aufgefunden werden. Bestehen können natürlich trotzdem echte organische Beschwerden. Das erschwert in der Regel die zeitnahe Diagnose der eigentlichen Störungsursachen. Dennoch können auch bestimmte Medikamente, Drogen, genetische Ursachen oder Erkrankungen dafür sorgen, dass plötzlich Ängste entstehen. Daher ist bei Angsterkrankungen eine sorgfältige Anamnese notwendig – siehe Angsterkrankungen Ursachen. Das Lesen von Beipackzetteln für verordnete Medikamente ist sinnvoll, weil möglicherweise dort exakt die Symptome gelistet werden, an denen der Betroffene leidet. Das kann beispielsweise bei Medikamenten gegen Depressionen (siehe die Antidepressiva Liste und rezeptfreie Medikamente gegen Depressionen) oder bei bestimmten Neuroleptika der Fall sein.

Alle anderen Symptome einer generalisierten Angststörung sind psychische Symptome oder allgemeine und unspezifische Symptome. Viele davon beruhen auf Verspannungen bzw. übermäßiger innerer Anspannung. Die meisten Menschen unterschlagen die psychischen Symptome. Dem Arzt schildern sie vor allem die beunruhigenden körperlichen Symptome. Das zieht viele Untersuchungen und überflüssige Medikamentengaben nach sich, die das eigentliche Problem gar nicht betreffen. Da die Betroffenen sich vom Arzt häufig nicht ernst genommen fühlen, wenn dieser keine organische Ursache finden kann, wechseln sie den Arzt gegen einen anderen aus. Daher dauert es oft Jahre, bis eine Angst- oder Panikstörung, eine Zwangsstörung, eine Platzangst oder Agoraphobie als Auslöser solcher Beschwerden erkannt werden kann.

Quellen:

Klaustrophobie: Wenn Enge zur Angst wird

Agoraphobie (ohne und mit Panikstörung)

 

Die Behandlung von Platzangst, Panikattacken und Ängsten generell

Wenn die Angst vor Menschenmengen (Ochlophobie) oder Räumen überhandgenommen hat und als Ursachen der Beschwerden ermittelt wurde, kann den Betroffenen gut geholfen werden. Nach einer Therapie können diese vollkommen oder weitgehend angstfrei leben. Die Behandlung kann eine Psychotherapie und begleitenden Medikamente umfassen. Sie kann dazu führen, dass die auslösende Phobie durch Verhaltenstherapie mit einer Konfrontationstherapie behandelt wird. Das bedingt, neben der Aufklärung über die Ursachen solcher Störungen, auch die Konfrontation mit dem angstauslösenden Moment oder Objekt. Die aktive Mitarbeit der Betroffenen bestimmt über den Erfolg der Therapie. Der Verhaltenstherapeut nimmt eine kognitive Umstrukturierung vor. Er sorgt durch eine langsame Annäherung an das Angst auslösende Moment dafür, dass es nicht mehr als angstmachend wahrgenommen wird.

Begleitend kann der Betroffene seine Ängste und deren Ursachen auch durch Hypnose behandeln lassen. Er kann seine Raumangst, oder die Angst vor Menschenmengen, begleitend mit der EFT Klopftechnik, Bachblüten Rescue Tropfen oder Selbsthypnose zu beheben versuchen.

Die Angstbewältigung durch Hypnose funktioniert sehr gut, weil in der Hypnose das Unbewusste angesprochen wird. Es kann durch Suggestionen beeinflusst werden.

In psychosomatischen Kliniken kommt es oft zur Gruppenpsychotherapie. Daneben werden aber Einzelsitzungen abgehalten.

Die Psychotherapie ist eine der wichtigsten Maßnahmen bei solchen Störungen. Sie geht an die Ursachen, und kann dadurch die Symptome zurückdrängen. Pflanzliche Beruhigungsmittel können bei der Behandlung einer Angsterkrankung unterstützend wirken. Sie bieten aber bei Platzangst oder Klaustrophobie, Raumangst oder Agoraphobie sowie Akrophobie keine ausreichende Hilfe.

Problematisch ist, dass es zusätzlich zu einer Phobie oft begleitende Faktoren gibt. Diese können sowohl die Diagnose, als auch die Therapie erschweren. Es können zum Beispiel Depressionen (depressive Verstimmungen) oder eine Suizidneigung auftreten. Eine echte organische Erkrankung kann die Phobie unerkannt lassen. Phobien sind per Definition als extreme Ängste vor bestimmten Objekten oder Situationen beschrieben. Die daraus resultierenden Vermeidungsstrategien verschlimmern das Problem, weil sie der Angst noch mehr Platz einräumen.

Quellen:

Vermeidungsverhalten bei Angst – Kern des Problems und Ansatzpunkt in der Therapie von Angsterkrankungen

Hilfe ist möglich – alles wird gut

Am Ende tragen viele Faktoren dazu bei, dass eine Angststörung mit Panikattacken und Herzrasen entsteht. Die gute Nachricht ist: die Angststörung kann mit geeigneten Mitteln zurückgedrängt und bewältigt werden. Je eher sie behandelt wird, desto effektiver kann die Hilfe der Therapeuten greifen. Räume, Fahrstühle oder Türen sind nach der Behandlung wieder harmlose Objekte – denen gegenüber man halbwegs gelassen bleiben kann. Angangs haben die Betroffenen noch Beklemmungen, wenn sie dem angstbesetzten Objekt gegenüberstehen. Sie können die Beklemmungen aber dank geeigneter Strategien überwinden. Angst ist nur dann ein guter Ratgeber, wenn sie uns vor echten Gefahren warnt. In der Psychotherapie erfahren die meisten Menschen, warum ihre Ängste so ausgeufert sind. Die Ursache kann zum Beispiel in unverarbeiteten Traumata, oder negativ besetzten Erlebnissen in der Vergangenheit liegen. Auch extremer Stress oder unverarbeitete Trauer (vgl. Trauerverarbeitung) können solche Angstschübe auslösen.

Manche Menschen sind von Natur aus sensibler oder ängstlicher als andere. Frauen sind von Phobien, Panikattacken und Angsterkrankungen häufiger betroffen als Männer. Sie sind auch eher geneigt in einer Psychotherapie den Ursachen für ihre Probleme auf die Spur zu kommen, als Männer es sind. Männer greifen eher zu fehlgeleiteten Lösungsversuchen wie Alkohol oder Drogen, um damit ihre Ängste, Depressionen und Traumata zu unterdrücken. Diese gelten als Schwächen. Lösen kann dieses Verhalten die vorliegenden Angstprobleme allerdings nicht. Oftmals wird ein langjähriger Freund zum Ratgeber, auf den der Betroffene hört. Tut er das nicht, wird er möglicherweise später eine Zwangseinweisung erleben, weil seine Probleme irgendwann eskaliert sind.

Ohne Psychotherapie kann eine aus dem Ruder gelaufene Angsterkrankung nicht geheilt werden. Der Vorteil der Psychotherapie ist, dass die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden. Bei der Hypnose ist das in der Regel höchstens / erst dann der Fall, wenn alle anderen Behandlungsstrategien nichts bewirkt haben.

Quellen:

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Dr. Jan Martin - Virtueller Chefredakteur - Digitale Redaktionsleitung Dr. Jan Martin ist virtueller Chefredakteuer von www.angst-verstehen.de. Er ist das Außengesicht der digitalen Redaktionsleitung, verantwortlich für Qualitätssicherung und Publikation der Texte der Redaktion.

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