Hopfenzapfen: Die Hopfen Wirkung wird in der Medizin gern genutzt - als Tee, Dragees u.a. (© Pixelot / stock.adobe.com)

Hopfenzapfen als Beruhigungsmittel und die zauberhafte Hopfen Wirkung

Gegen Schlafstörungen, Angst und Unruhezustände wirken Hopfen (bzw. Hopfenzapfen) und Hopfenblütentee. Hopfen hat sich, schon bevor er zum Bierbrauen Verwendung fand, in der traditionellen Apotheke einen festen Platz als Heilmittel gegen Nervosität und Nervenschwäche erobert, ob als Hopfentee, Wickel, Heilbad oder Dragee.

Ein Heilmittel mit langer Tradition

Wilder Hopfen (Humulus lupulus) entstammte ursprünglich den feuchten Tälern Vorderasiens, wo der er bereits seit der Jungsteinzeit für seine vielfältige Wirkungsweise bekannt war: Reife Hopfendolden wurden als Anti-Aging Ernährung verzehrt und als Umschläge gegen Wunden verwendet. In der Antike verabreichten Heiler und Ärzte Hopfen zur Begünstigung des Gallen- und Magensäureflusses ebenso wie gegen nervöse Störungen. Im 8. Jahrhundert gelangte ausgewilderter Hopfen als Heilplanze in den Nahen Osten. Bereits im ersten Klinikum der Menschheitsgeschichte, dem Krankenhaus der Akademie von Gundischapur (heute Iran) wandte der persische Arzt Johannes Mesuë die Pflanze zur Blutreinigung und zur Behandlung von Gallenleiden an. Die Naturapotheke war damals eine der Grundlagen einer ganzheitlich-medizinischen Behandlung von Körper und Seele.

Hopfen und Malz, Gott erhalt’s…

Im Mittelalter gelangte der Hopfen, der übrigens wie Cannabis zu den Hanfpflanzen zählt, nach Mitteleuropa. Hier wuchs er ausgewildert an Waldrändern ebenso wie in Lichtungen und Gebüschen. Kein Klostergarten kam ohne die Hopfenpflanze aus, die von Juni bis August blüht und von Juli bis September Früchte trägt. Um 1140 lobte Äbtissin Hildegard von Bingen die verdauungs- und schlaffördernden Eigenschaften der Hopfenpflanze, die auch als Fastenspeise gereicht wurde. Sie befand ihn ob seiner Bitterstoffe allerdings als austrocknend. Zur gleichen Zeit brauten Mönche bereits Bier aus Hopfen. Im entspannenden Bier hat der Hopfen seine Wirkung seitdem nicht verfehlt, was meist auf den Alkohol geschoben wird.

Die natürlichen Heilkräfte der Hopfenzapfen

Hopfenextrakt wirkt dabei ganz natürlich sedierend und entkrampfend. Die Blütenstände der weiblichen Hopfenpflanze, (Hopfenzapfen, Lupuli strobuli) werden seit Menschengedenken gegen Unruhe, Angstzuständen und Schlafstörungen angewendet. Sie wurde traditionell nicht nur aufgegossen und getrunken, sondern auch als Delikatesse verspeist. Als saisonale Rarität steht der sogenannte Hopfenspargel in der neuen bayerischen Küche inzwischen wieder hoch im Kurs.

Häufig wird Hopfenextrakt in der Naturheilkunde auch in Kombination mit anderen Heilpflanzen verabreicht, etwa mit Passionsblume, Melisse oder Baldrian. In Kombination mit Johanniskraut und / oder Lavendel festigt Hopfen die nervliche Konstitution und wirkt gegen Ängstlichkeit und Unausgeglichenheit (vgl. pflanzliches Beruhigungsmittel Lavendel).

Obwohl die Zusammensetzung  chemisch inzwischen weitgehend erforscht ist, noch immer nicht vollständig geklärt, wie der Hopfen seine Wirkung entfaltet. Nachweislich enthalten Hopfendolden die Bitterstoffe Humulon und Lupulon, die sanft beruhigen und schlaffördernde Eigenschaften haben. Bei der Aufnahme mit dem Mund wirken sie zugleich anregend auf die Bildung von Speichel und Magensaft. Hopfen enthält außerdem Flavonoide, Gerbstoffe und geringe Mengen ätherischer Öle.

Die Wirkungsweise bei Unruhe und Schlafstörungen

Die Drüsenschuppen der weiblichen Hopfenpflanze sind reich an Harzen. Zwischen 15 und 30 Prozent der Hopfendrüsen bestehen aus dem Harz, das die heilfördernden Komponenten enthält. Sie enthalten außer Humulon und Lupulon, Gerbstoffen und Mineralstoffen vor allem die Flavonoide (sekundären Pflanzenstoffe) Kämpferöl und Quercetin. Diese wirken anti-oxidativ und entspannend. Der Bitterstoff Lupulon, der sich in den gelben Harzkörnchen der Hopfenzapfen befindet, verleiht dem Bier seinen typisch bitteren Geschmack. Lupulon desinfiziert und wirkt beruhigend.

Weitere Inhaltsstoffe wirken antimykotisch und konservierend, gegen Brechreiz und sogar östrogen. Die Gabe von Hopfenpräparaten ist also bei Schmerz- und Krampfzuständen während der Menstruation, in der Schwangerschaft oder bei Wechseljahrsbeschwerden gleich mehrfach indiziert. Wegen seiner krampflösenden Eigenschaften sollten Schwangere vor der Einnahme von Hopfenpräparaten nur ihren Arzt befragen. Da die Hopfengabe den Östrogenspiegel hebt, beugt es zudem Knochenbrüchigkeit vor.

Insgesamt 200 Pflanzensubstanzen wurden bislang im Hopfen gefunden. Trotzdem die Hopfenpflanze die nächste Pflanzenverwandte des Cannabis ist, wurden aber keine THC-Cannabinoide nachgewiesen.

Hopfentee aus Hopfenblüten, Hopfenzapfen, Hopfendolden (Amazon)
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Hopfen gegen vegetative Dystonie und Angst-Attacken

Die Flavonoide des Hopfens leisten besonders wirksame Hilfe bei Panikattacken, in Krisensituationen und bei Zukunftsängsten. Bei vegetativer Dystonie haben Stress und Belastungen bereits das autonome Nervensystem angegriffen. Dies äußert sich in unwillkürlichen Überreaktion der Nerven wie hohem Blutdruck, Pulsrasen, unregelmäßiger Atemfrequenz und Verdauungsstörungen. Die dazu gehörigen Symptome wie Kopfschmerzen, Krämpfe, Verstopfungen und Reizbarkeit sind gut mit Hopfenpräparaten behandelbar. Eine sinnvolle Ergänzung dazu bieten pflanzliche Arzneimittel wie Neurapas Balance, ein Kombi-Präparat aus Johanniskraut, Baldrianwurzel und Passionsblume.

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Anbau, Ernte und Verarbeitung

Die Hopfenzapfen werden im Hochsommer aus der soeben reifen weiblichen Pflanze gewonnen. Da Hopfen, ebenso wie die Brennessel, zu den zweigeschlechtlichen Pflanzen zählt, verwendet man beim Anbau des Hopfens nur weibliche Pflanzen. Eine Befruchtung durch männliche Pflanzennachbarn würde die Verarbeitung der Hopfendolden nämlich unmöglich machen. Aus den zapfenförmigen Doldenblüten und Hopfendrüsen der weiblichen Pflanze wird das Harz herausgeklopft, das das feine, gelbe Lupulin enthält, und gelagert, bis sich dessen Bitterstoffe in 2-Methyl-3-buten-2-ol (Methylbutenol) umwandeln, einem Stoff mit stark beruhigender Hopfen Wirkung. Dieser ist bereits bei niedrigeren Temperaturen flüchtig und wirkt in Hopfentees ebenso wie in Umschlägen, Salben und Heilbädern. Methylbutenol greift, ähnlich dem Schlafhormon Melantonin, direkt an den Botenstellen des Gehirns für den Schlaf-Wach-Rhythms an und fördert das Einschlafen. Die Verstoffwechselung der Pflanzenstoffe durch den menschlichen Körper und das Gehirn ist noch nicht genau erforscht.

Verabreichungsformen

Hopfentee

Hopfentee hilft gegen nervöse Unruhe und leichte Schlafstörungen. Dazu überbrühen Sie einen gestrichenen Teelöffel Hopfenzapfen mit 150 ml (einer Tasse) kochendem Wasser. Zugedeckt sollte der Tee vor dem Verzehr 10 bis 15 Minuten ziehen. Anschließend wird der Hopfentee durchgeseiht.

Anwendung

Je nach Stärke der Beschwerden kann man, über den Tag verteilt, bis zu 3 Tassen Hopfentee trinken. Zur Förderung des Einschlafens sollte der Tee 30 Minuten vor dem Insbettgehen getrunken werden.

Hopfenblütentee mit Baldrian, Zapfen, Passionsblume, Melisse und Minze

Auch in gemischten Heiltees entfaltet die Pflanze ihre Wirkung gegen Schlafstörungen und Angespanntsein. Dazu benötigt man:

  • 30 g Baldrianwurzel
  • 20 g Hopfenzapfen
  • 20 g Passionsblumenkraut
  • 15 g Melissenblätter
  • und 15 g Pfefferminzblätter.

Ein gehäufter Teelöffel dieser Mischung wird in einer Tasse mit siedendem Wasser übergossen. Die Mischung sollte 5 – 10 Minuten ziehen und anschließend gefiltert werden.

Wer Hopfenzapfen Tee aufbrüht, verspricht sich von der positiven Hopfen Wirkung auf die Psyche zu profitieren (Amazon)
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Hopfenkissen

Hopfenkissen helfen vor allem Kindern gegen Unruhe und ängstliche Verstimmung. Dazu füllt man 500 g getrockneten Hopfenzapfen in ein Kissen aus Naturmaterial wie Leinen, Baumwolle oder Seide. Das Hopfenzapfen-Kissen ist 4 Wochen verwendbar. Danach sind seine Inhaltsstoffe entwichen und man sollte es erneuern.

Hopfenbäder

Bei Einschlafschwierigkeiten eignen sich Hopfenbäder, eventuell kombiniert mit Baldrianwurzel. Hierzu gibt man eine Handvoll Hopfenzapfen in einen großen Topf und lässt die Mischung aufkochen. Der Auszug sollte anschließend 10 Minuten zugedeckt ruhen. Anschließend wird er gesiebt und die Badewanne gegeben. Bei einer Badetemperatur von maximal 37 Grad kann bis zu einer Viertelstunde darin gebadet werden.

Pellets, Tropfen, Tabletten und Kapseln aus Hopfenzapfen

Hopfenzapfenextrakt ist nur selten als Mono-Päparat erhältlich. Üblicher sind Kombinations-Beruhigungspräparate, etwa mit Baldrian und Hopfen gegen Angst, Baldrian, Melisse und Hopfen gegen Unruhe und Angst und zusätzlich mit Passionsblume als Sedativum für den gesunden Schlaf. Reine Hopfenzapfen sind getrocknet als Ganzes, geschnitten, zu Pellets gepresst und als Tropfen erhältlich. Auch Hopfenblüten sind im Handel erhältich. Sie eignen sich besonders für die Tee-Zubereitung.

Sonstige Anwendungsbereiche

In der Volksmedizin werden Hopfenzapfen außer bei ängstlichen Verstimmungen und Schlafstörungen auch bei Nervenschmerzen, bei Spannungskopfschmerz, Darmschleimhautentzündungen und schmerzhafter Dauererektion (Priapismus) eingesetzt. Äußerlich finden Hopfenzapfen bei offenem Bein (Ulcus crusis), schlecht verheilenden Wunden und Geschwüren Anwendung. Das Pflanzenpolyphenol Xanthohumol, das nur der Hopfen enthält, vermag nicht nur die Nerven zu beruhigen und die Nervenzellen des Gehirns zu schützen. Es verlangsamt auch die Verläufe so schwerwiegender Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson. Selbst das Krebzellenwachstum soll, nach einer Studie der Oregon State University, dadurch gestoppt werden.

Mögliche Nebenwirkungen

Hopfen kann seine Wirkung, wie alle pflanzlichen Schlafmittel und Beruhigungstees, bei regelmäßiger Einnahme nur entfalten, weil er Pflanzenstoffe enthält, die auch Nebenwirkungen verursachen können. Bei laufender Einnahme der Heilpflanze, speziell kombiniert mit anderen sedierenden Wirkstoffen wie Baldrian und Melisse, kann er das Reaktionsvermögen leicht herabsetzen. Deshalb sollte man nach der Anwendung nur mit Vorsicht am Straßenverkehr teilnehmen. Beachten Sie bei Fertigpräparaten die Packungsbeilage. Da Natursubstanzen stark wirken, können sie, als diätetische Ernährung eingesetzt, auch toxisch wirken. Übermäßig verzehrt, kann Hopfen Kopfschmerzen, Unwohlsein und Pulsverlangsamung auslösen. Über Hopfenpflücker wurde berichtet, dass sie viel an Müdigkeit litten und teilweise Hautallergien hatten. Moderat genossen oder verabreicht, als Tee oder zugelassenes Kombinationspräparat, ist die Einnahme von Hopfenextrakt aber unbedenklich.

Videolinks:

Quellen und weiterführende Ressourcen:

  • V. Schulz, R. Hänsel: Rationale Phytotherapie. 3. Auflage, Berlin/Heidelberg/New-York,1996.
  • C. J. Jänicke, J. Grünwald, T. Brendler: Handbuch Phytotherapie. Stuttgart, 2003.
  • H. Morschitzky: Phytopharmaka bei Angststörungen. In: Angststörungen, Wien, 2009.
  • H. Schiller, R. Länger: Gesundheit aus der Naturapotheke. Richtiger Umgang mit pflanzlichen Arzneimitteln. Wien, 2011
  • https://www.apotheke-in-steinheim.de/schlafstoerungen/therapie
  • http://www.apothekergarten-wiesbaden.de/beete/25-nervositaet-und-schlafstoerungen/
  • https://beautytipps.ch/hopfen-heilt-macht-schoen-und-schmeckt/
  • https://www.cosmacon.de/polyphenole/
  • https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2013/daz-44-2013/achtung-interaktionen
  • https://www.deutscher-hopfen.de/contentserv/hopfenpflanzerverband.de/data/media/2134/polyph_s22.pdf?PHPSESSID=44e67ad4f34cfaac79c527ea137fd8a2
  • https://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/naturheilkunde/flavonoide-21360
  • https://www.gartenjournal.net/hopfen-bluete
  • https://www.heilpraktiker.org/files/seiteninhalt/inhaltsseiten/c_fuer_heilpraktiker/cf-fuer-mitglieder-intern/cf-04-fachartikel/cf-04-04-08-hopfen-bier-bhn-1999-final.pdf
  • https://www.klosterfrau.at/marken/nervenruh.html
  • https://www.kraeuter-verzeichnis.de/hildegard-von-bingen/hopfen-und-gerste-nach-hildegard-von-bingen.shtml
  • https://www.krautrausch.de/krautrauschblog/lexikon/hopfen/
  • http://kwantum.biz/sites/default/files/Hop%20en%20bierbrouwen.pdf
  • https://panikattacken.at/pflanzliche_mittel/phytopharmaka.html
  • https://www.paracelsus.de/specials/tips/tip_39.html
  • https://www.phytodoc.de/heilpflanzen/hopfen
  • https://rp-online.de/leben/gesundheit/news/neue-medizin-bayern-brauen-bier-gegen-krebs_aid-16828915
  • http://russische-volksmedizin.info/echter-hopfen-humulus-lupulus/
  • http://www.satureja.de/rauchern/enzyklopadie_der_raucherpflanz/hopfendrusen/hopfendrusen.html
  • https://schlafstoerungen-hilfe.de/einschlafhilfe/hausmittel/
  • https://www.urbia.de/magazin/schwangerschaft/gesundheit-und-ernaehrung/heilpflanzen-gegen-schwangerschaftsbeschwerden
  • https://vitamine-ratgeber.com/weitere-vitalstoffe/quercetin/
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Vegetative_Dystonie
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Yuhanna_ibn_Masawaih

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