Agoraphobie mit Panikstörung (Symptome, Therapie / Behandlung) - (© tiero / Fotolia)

Agoraphobie (ohne und mit Panikstörung)

Als Agoraphobie wird eine Angststörung bezeichnet, deren Auslöser in Menschenansammlungen oder weiten Plätzen besteht. In der International Classification of Diseases wird ihr die Nummer F40.01 zugeordnet. Fachsprachlich wird sie auch Platzangst genannt, wobei sich diese Bezeichnung umgangssprachlich auf Klaustrophobie (also Angst vor engen Räumen) bezieht.

Agoraphobien können sowohl mit als auch ohne Panikstörung auftreten. Die Ausprägung kann von leichtem Unwohlsein bis hin zu extremer Angst reichen, die Betroffene schlimmstenfalls daran hindert, das Haus zu verlassen. Grundsätzlich ist Furcht vor einem Kontrollverlust und damit verbundener Demütigung oder Gefahr zentraler Aspekt der Phobie (siehe auch Angst vor Kontrollverlust Ursachen).

Symptome und Diagnose von Agoraphobien

Bei einer Agoraphobie mit Panikstörung lassen sich folgende Symptome beobachten: Angst vor:

  • Menschenmengen
  • Aufenthalt weit von Zuhause entfernt
  • Reisen alleine
  • Öffentlichen Plätzen
  • Panikattacken

Mindestens zwei der erstgenannten Punkte müssen als Angstauslöser fungieren, um von einer Agoraphobie sprechen zu können. Panikattacken treten oft zusätzlich inner- oder außerhalb einer der Angstsituationen im Rahmen einer zusätzlichen Panikstörung auf, sie können jedoch auch vollständig fehlen (vgl. Angstattacken). Dabei wird eine Panikstörung als separate und primäre Erkrankung betrachtet.

Panikattacken werden oft als extrem beängstigend erlebt, da sie mit Begleitsymptomen einhergehen, die nicht selten als lebensbedrohlich empfunden werden (siehe auch Panikattacken Symptome). Zu diesen zählen beispielsweise Taubheit und Kribbeln, starker Schwindel, Herzrasen und –stechen, Übelkeit und Bauchschmerzen. Aufgrund dessen befürchten Betroffene häufig, in der Öffentlichkeit bewusstlos zu werden oder sich übergeben (vgl. Angst vor Erbrechen) zu müssen, gegebenenfalls auch einen Herzinfarkt zu erleiden. Hinzu kommen weitere Ängste: Verrückt zu werden, keine Luft mehr zu bekommen und zu ersticken oder auf andere Art die Kontrolle zu verlieren. All diese treten normalerweise ohne reale Gefahr oder gesundheitlich relevante Vorgeschichte auf – so liegt beispielsweise in den seltensten Fällen tatsächlich eine Herzerkrankung vor. Eine gute Schilderung findet sich an dieser Stelle:

YOUTUBE: T)raumzwang ist ein 360-Grad Dokumentarfilm. Er taucht ab in das Leben eines Mannes, der unter einer Angststörung namens Agoraphobie leidet. (youtube.com/watch?v=tJciG6l3Wy4)

Treten diese Symptome und Begleitumstände auf, ist es bei der Diagnose notwendig, eine Agoraphobie gegen ähnliche Erkrankungen abzugrenzen. In erster Linie kann es sich um eine andere Angsterkrankung, beispielsweise eine generalisierte Angststörung handeln, die auch in weiteren Situationen als den genannten auftritt. Im Falle von Agoraphobien hingegen handelt es sich um eine spezifische Phobie.

Panikattacken lassen sich gegen andere Angstsymptomatiken (vgl. Symptome Angststörungen) aufgrund ihres sehr akuten Auftretens und der starken somatischen Symptomatik unterscheiden. Im Falle einer Zwangserkrankung hingegen ist die Weigerung, das Haus zu verlassen, gegebenenfalls Ausdruck anderer Befürchtungen, zumeist der vor Unhygiene und aufwändigen Reinigungsmaßnahmen. Nicht zuletzt kann es sich auch um eine Depression handeln, hier sind die Beweggründe des Rückzugs andere: Das Verlassen des Hauses oder Zusammensein mit anderen Menschen wird als zu anstrengend oder anderweitig belastend empfunden, häufig sind die Betroffenen auch zu niedergeschlagen, um Tätigkeiten als angenehm zu empfinden.

Ursachen und Begleiterkrankungen

Für eine Agoraphobie mit Panikstörung kann es verschiedene Ursachen geben – nicht immer lässt sich jedoch überhaupt eine Ursache finden. Als eine der möglichen Gründe gilt ein sehr aktives und sensibles Nervensystem, das die Betroffenen sehr empfindlich gegen äußere und innere Reize werden lässt. Das kann dazu führen, dass Erkrankte einerseits schnell überfordert mit der Reizmenge von außen sind, aber auch schnell körperliche Symptome in ihrer Intensität und Gefährlichkeit überschätzen.

Erlittene Traumata können ebenfalls, teilweise im Rahmen einer Posttraumatischen Belastungsstörung, zu Agoraphobien führen. Es kann jedoch auch der erste Angstanfall – häufig aufgrund einer akuten Belastungssituation oder Überforderung – als so traumatisierend empfunden werden, dass sich in der Folge eine Agoraphobie mit Panikstörung entwickelt.

Agoraphobien können eine hohe Komorbidität mit anderen Angsterkrankungen aufweisen. Dabei kann es sich sowohl um weitere spezifische Phobien als auch um eine Generalisierte Angst- oder Panikstörung handeln. Ebenfalls häufig treten Depressionen gleichzeitig auf. Diese können jedoch sowohl als primäre Erkrankung auftreten als auch sekundär aus den der Agoraphobie zuzuschreibenden Einschränkungen und Belastungen resultieren. Aufgrund dieser ist es auch möglich, dass Betroffene zur Linderung ihrer Symptome Alkohol oder Tabletten missbrauchen und eine Abhängigkeitserkrankung entwickeln. Tatsächlich fand sich bei fast 50% der agoraphobischen Teilnehmer einer Studie ein problematischer Alkoholkonsum. Eine Posttraumatische Belastungsstörung kann zudem sowohl ursächlich von als auch parallel zu der Angsterkrankung auftreten.

Verlauf von Agoraphobien

Den problematischsten Aspekt einer Angsterkrankung stellt die Aufrechterhaltung durch die damit einhergehenden Vermeidungsstrategien dar. Nicht immer, aber häufig steht ein Angstanfall am Beginn einer Agoraphobie. Allerdings führt ein solcher Anfall nur selten tatsächlich zu der Ausprägung einer Angsterkrankung. In manchen Fällen beeindruckt er den oder die Betroffene jedoch so sehr, dass er fortan Maßnahmen ergreift, mit denen einem erneuten Anfall vorgebeugt werden und die damit verbundene negative Erfahrung vermieden werden soll. Diese Strategien umfassen häufig bestimmte Gegenstände, mit denen Betroffene Beruhigung oder Sicherheit verbinden, beispielsweise Telefonnummern, Medikamente o.ä. Oft wird das Haus nicht mehr alleine verlassen, sondern nur in Begleitung einer vertrauten Person. Bestimmte Plätze oder Situationen wie Brücken, Kinos, Restaurants, Veranstaltungen etc., die mit einem vorangegangenen oder in Zukunft befürchteten Angstanfall in Verbindung gebracht werden, werden gemieden, um sich vor einem weiteren Auftreten zu schützen. Dasselbe gilt häufig für körperliche Anstrengungen, da damit einhergehende Anzeichen wie Schwitzen, Herzklopfen oder Erschöpfung denen einer Angstattacke ähneln.

Buch "Agoraphobie und Panikstörung" (Amazon)
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Dabei spielt oft auch die Angst, in der Öffentlichkeit in eine beschämende oder hilflose Situation zu geraten, beispielsweise einen Herzinfarkt zu erleiden, ohnmächtig zu werden oder sich zu übergeben, eine große Rolle. Der befürchtete Kontrollverlust kann unter Umständen zum Hauptantrieb der Erkrankung werden. Durch diese scheinbar schützenden Maßnahmen wird die Agoraphobie mit Panikstörung jedoch erst aufrecht erhalten oder sogar intensiviert. Ihre Stärke ist jedoch nicht zwingend konsistent, die Erkrankung kann deutliche Schwankungen und symptomfreie Phasen aufweisen. Besteht sie längerfristig, wird die Agoraphobie häufig chronisch und ist deutlich schwieriger zu bekämpfen. In dem Fall ist eine spontane Heilung unwahrscheinlich und Geduld bei der Therapie notwendig.

Agoraphobie Behandlung

Häufig bilden sich die Symptome einer Agoraphobie mit Panikstörung nicht von alleine zurück, insbesondere, wenn sie durch Vermeidungsverhalten unterstützt wird. Oft ist auch eine Selbsthilfe nicht mehr möglich – in diesem Fall ist es unabdingbar, sich eine Therapie zu suchen, wobei unter Umständen einige Versuche notwendig sind, um den für sich persönlich richtigen Weg zu finden (siehe Psychotherapie, Verhaltenstherapie).

Agoraphobie Selbsthilfe

Im Falle der Selbsthilfe stehen verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl. Zum einen können sich Betroffene untereinander vernetzen, wahlweise über Selbsthilfegruppen oder Onlineforen. Das gibt ihnen die Gelegenheit, sich über Therapeuten, Methoden und andere Aspekte der Erkrankung auszutauschen und einander gegenseitig zu unterstützen. Es kann ihnen auch die Sorge nehmen, als Einziger auf der Welt unter den oft als seltsam und peinlich empfundenen Gedanken und Gefühlen, die mit einer Agoraphobie mit Panikstörung einhergehen, zu leiden. Diese Erkenntnis macht unter Umständen den Umgang mit der eigenen Erkrankung leichter und mildert die Überwindung, sich weitere Hilfe zu suchen.

Ein weiterer Aspekt der Selbsthilfe kann das Wissen um die Natur der Erkrankung sein. Für viele Phobiker ist es beruhigend, wenn sie erfahren, dass sich ihre Symptome nicht zu den befürchteten körperlichen Konsequenzen auswachsen. Das gilt im Speziellen für die sehr beeindruckenden Panikattacken einer zugehörigen Panikstörung. So ist es häufig eine große Erleichterung, dass Herzrasen nicht zu einem Herzinfarkt, Schwindel in den allerseltensten Fällen zu Bewusstlosigkeit und Übelkeit ebenso selten zu Erbrechen in der Öffentlichkeit führt. Die beängstigende Vorstellung beständig in Lebensgefahr zu schweben, kann so an Schrecken verlieren. Mit diesem Wissen im Hintergrund kann den Symptomen anders begegnet werden. Noch darüber hinaus gehen Fähigkeiten, die zur Angstlösung beitragen sollen, beispielsweise Meditation oder Autogenes Training. Selbst wenn hiermit nur die körperlichen Symptome gelindert werden, kann dies bereits enorm hilfreich sein.

Soforthilfe bei Panikattacken und Angstanfällen

Psychotherapie zur Behandlung von Agoraphobien mit Panikstörung

Zwei Dinge sind essentiell, wenn eine Therapie erfolgreich sein soll: Ein kompetenter und erfahrener Therapeut und ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Fachmann und Patient. das Mittel der Wahl in einer Behandlung ist normalerweise die Konfrontation. Zwar kann eine begleitende Gesprächstherapie unter Umständen nützlich sein, um sich über mögliche Ursachen sowie den Beginn der Erkrankung klar zu werden, allein führt sie allerdings selten zu einer Heilung. In den meisten Fällen wird eine systematische Desensibilisierung genutzt, die den Patienten in kleinen Schritten an angstbelegte Situationen gewöhnen soll. Hierbei wird er von seinem Therapeuten begleitet, wobei häufig ein gewisser Abstand eingehalten wird. Die Konfrontation soll helfen, dem Betroffenen aufzuzeigen, dass seine Befürchtungen in der Situation nicht eintreten.

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Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die Behandlung mittels des sogenannten „Floodings“, bei dem sofort eine maximal angstauslösende Situation gewählt wird. Allerdings ist dieses Verfahren nicht risikofrei und wird von vielen Patienten abgelehnt, da die Belastung relativ groß ist. Zusätzlich kommt bei einer Panikstörung mit Agoraphobie eine kognitive Umstrukturierung, auch als „Entkatastrophisierung“ bezeichnet, zum Einsatz. Sie arbeitet mit positiven Selbstinstruktionen, bei denen der Patient lernt, sich selbst die harmlose Natur seiner Symptome zu verdeutlichen. Zu diesem Zweck können bewusst körperliche Symptome erzeugt oder sich eine vergangene oder zukünftige Panikattacke vorgestellt werden, um den Umgang damit zu üben.

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Agoraphobie mit Panikstörung – Behandlung durch Medikamente

Nimmt eine Agoraphobie mit Panikstörung extreme Ausmaße an und hindert Betroffene daran, das Haus zu verlassen, kann eine medikamentöse Therapie zu Anfang hilfreich sein. Angstlösende Medikamente (Anxiolytika) können in diesem Fall helfen, ein Mindestmaß an Alltagsfähigkeit zurückzugewinnen und wichtige Termine wie Arztbesuche wahrzunehmen. Zudem können sie dazu beitragen, eine ursächliche Therapie in Angriff zu nehmen – denn Medikamente stellen in diesem Fall unter keinen Umständen eine Dauerlösung dar, sie mildern lediglich die Symptome. Wichtig ist auch, darauf zu achten, dass die Medikation nicht nur als weitere Krücke genutzt wird und auf diese Art eine starke Abhängigkeit entsteht. Eine zusätzliche Therapie ist daher unumgänglich, auch wenn zunächst Besserung eintritt. Gängige Präparate sind beispielsweise Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), die sonst zur Bekämpfung von Depressionen eingesetzt werden. Benzodiazepine können im Ernstfall ebenfalls genutzt werden, allerdings dürfen sie nur über einen sehr kurzen Zeitraum eingenommen werden, da sie eine erhebliche Abhängigkeitsgefahr aufweisen.

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