Trennungsangst bei Kindern, Trennungsängste bei Erwachsenen, Trennungsangststörung (© towfiqu - stock.adobe.com)

Trennungsangst bei Kindern, Trennungsängste bei Erwachsenen, Trennungsangststörung

Verlassenheits- und Verlustängste sind anscheinend tief sitzende Ängste in uns Menschen – und damit auch Trennungsangst bzw. Trennungsängste. Wir erleben uns oft als nicht vollständig ohne einen anderen. Zudem sind wir soziale Wesen, die in einem gewissen Maß aufeinander angewiesen sind. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass wir durchaus auch ohne einen bestimmten Menschen an unserer Seite glücklich sein können. Eine drohende Trennung vom gewohnten Partner ist jedenfalls kein Grund, ein Familienmassaker anzurichten, weil man nicht ertragen kann, verlassen zu werden.

Beziehungen sind freiwillig, auch verwandtschaftliche. Hier besteht zwar eine höhere Verbindlichkeit – doch das bedeutet nicht automatisch, dass Familienangehörige sich jeden Missbrauch erlauben können, ohne verlassen zu werden. Verlustängste erstrecken sich aber nicht nur auf Beziehungen. Sie können auch den Arbeitsplatz, den materiellen Besitz, die allgemeine Gesundheit, die Schönheit oder ein bestimmtes Image betreffen. Trennungsangst hingegen bezieht sich primär auf Beziehungen. Trennungsangst bei Kindern ist verbreitet und für die meisten nachvollziehbar. Aber auch Trennungsängste bei Erwachsenen treten unvermutet häufig auf; man spricht teilweise sogar von einer sogenannten Trennungsangststörung.

Quellen:

Verlustangst / Verlustängste

Trennungsangst, Verlustangst und Angst vor dem Verlassen-Werden

Verlustängste entstehen oft aus dem Gefühl heraus, nicht alleine mit dem Leben fertig zu werden. Sie markieren auch eine gewisse Besitz- oder Anspruchshaltung. Außerdem halten viele Menschen sogar an dysfunktionalen Beziehungen fest, obwohl deren Aufgabe sie vielleicht bereichern könnte. Mancher bleibt lieber beim Gewohnten, als sich um Neues zu bemühen (vgl. Angst vor Veränderung). Ursache der Verlustangst können traumatische Erlebnisse sein. Ein Beispiel dafür wäre der frühe Verlust eines Elternteils durch einen Unfall. Auch der Tod eines geliebten Bruders im Kindesalter, oder eine erlebte Scheidung lösen Ängste vor weiteren Verlusten aus. Bei Kindern sitzen solche Erlebnisse oft tief. Sie prägen die Betroffenen oft bis ins Erwachsenenleben.

Verlustängste sind bei Kindern besonders ausgeprägt. Wenn Ängste vor dem Verlassen-Werden noch bei Erwachsenen stark ausgeprägt sind, darf man auf ein emotionelles Abhängigkeitsverhältnis schließen (vgl. emotionale Abhängigkeit lösen), das ungesund ist. Manchmal wird der Partner als Eigentum betrachtet. Manchmal fühlt sich jemand ohne diesen seelisch halbiert. Im Buddhismus wird Anhaftung als das Grundübel aller irdischen Leiden angesehen. Anhaftung oder Klammern sind auch bei ausufernden Verlustängsten im Spiel.

Quellen:



Gelegentliche Verluste gehören zum Leben

Das Leben ist endlich. Verschiedene Verluste sind zu erwarten. Selbst unser eigenes Leben müssen wir am Ende hergeben. Dieses Wissen verdrängen wir gerne – und klammern uns gerade deswegen an Dinge, die wir für sicher halten möchten.

Verlustängste bei Kleinkindern sind normal. Hier besteht ein tatsächliches Abhängigkeitsverhältnis. Kleinkinder könnten nicht ohne Eltern zurechtkommen. Doch eigentlich sollten bei Kleinkindern gar keine Verlustängste entstehen. Sie sollten sich in ihrer Umgebung sicher und geborgen fühlen können. Bei Kindern können Verlustängste durch den plötzlichen Tod eines geliebten Haustieres entstehen. Geht die Mutter behutsam damit um, kann das Kind den Tod als natürlichen Bestandteil des Lebens begreifen lernen. Es kann lernen, mit der Angst vor weiteren Verlusten zu leben.

Wenn jedoch bei Erwachsenen noch starke Trennungsangst und Verlustängste bestehen, klammern diese oft am Partner. Sie schränken diesen durch Eifersucht (siehe auch Angst und Eifersucht), Kontrollsucht (vgl. Angst die Kontrolle zu verlieren) oder übermäßiges Klammern ein. Damit erzeugen sie fast immer eine selbsterfüllende Prophezeiung. Am Ende werden sie verlassen, weil der Partner die Folgen der Verlustängste nicht mehr stemmen kann. Daher ist es besser, sich seiner Ängste vor Trennung und Verlust bewusst zu werden. Es ist auch in Beziehungen wichtig, die eigene Autonomie zu erkennen, und zu festigen (vgl. sich selbst lieben lernen). Starke Trennungsängste machen den, der an ihnen leidet, auf Dauer depressiv oder in andere Form psychisch krank. Wichtig ist, dass wir Menschen geliebt werden. Wir haben aber keinen Anspruch darauf, dass ein bestimmter Partner das dauerhaft leistet.

Quellen:


Bücher zum Thema Trennungsangst bei Kindern:

Buch: Fremdeln - Klammern - Trennungsangst bei Kindern: So helfen Sie Ihrem Kind liebevoll beim Loslassen (Amazon)
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Buch zum Thema Trennungsängste bei Kindern: Die kleine Eule Luna: und wie sie lernte, mit ihrer Trennungsangst umzugehen (Amazon)
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Trennungsangst und Verlustangst bewältigen lernen

Um starke Trennungsangst und Angst vor Verlust zu überwinden, ist es hilfreich, sich ihrer Ursachen bewusst zu werden. Bei Kleinkindern sind es oft frühe Erlebnisse, die an sich harmlos waren – zum Beispiel, dass die Mutter kurzfristig aus dem Sichtbereich verschwand. Bei Kindern kann das Gefühl, von der Mutter verlassen worden zu sein, ein Trauma auslösen (vgl. auch: Trauma behandeln). Selbst wenn die Mutter nur bei der Nachbarin vorbeigeschaut hat, während ihr Kind auf der Terrasse schlief, ist das Urvertrauen des Kindes erschüttert. Bei Erwachsenen wirken sich vor allem Scheidungen der Eltern oder der frühe Tod eines Elternteils nachteilig aus.

Um die damit verbundenen Ängste zu überwinden, ist oft eine Psychotherapie (siehe hierzu auch: Therapieformen Psychotherapie, u.a. analytische Gesprächstherapie, Gruppenpsychotherapie, Familientherapeuten, Kinderpsychotherapie) hilfreich. Ob eine Gesprächstherapie zur Auffindung der Ursachen sinnvoll ist, oder eine Verhaltenstherapie zum Beheben der Folgeerscheinungen, ist unterschiedlich. Viele Tipps zum Thema finden sich in Foren oder auf Infoseiten im Internet. Trennungsängste lassen sich auf ein gesundes Maß zurückschrauben oder überwinden. Der Partner hat ein Recht, andere Wege zu gehen. Der Verlust von Image, Arbeitsplatz, Gesundheit oder materiellen Dingen kann schmerzen. Aber er kann überlebt werden. Veränderungen gehören nun einmal zum Leben.

Letztendlich muss die damit verbundene Hilflosigkeit durch Akzeptanz und Selbstwirksamkeit bzw. „Self-Empowerment“ ersetzt werden. Ängste, die in ihren Ursprüngen und Ursachen verstanden werden, können leichter bewältigt werden. Viele Tipps dazu finden sich in Büchern oder Beziehungsratgebern im Netz.

Quellen:


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Trennungsangststörung? – Der Weg zur emotionalen Selbstständigkeit

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Dr. Jan Martin - Virtueller Chefredakteur - Digitale Redaktionsleitung Dr. Jan Martin ist virtueller Chefredakteuer von www.angst-verstehen.de. Er ist das Außengesicht der digitalen Redaktionsleitung, verantwortlich für Qualitätssicherung und Publikation der Texte der Redaktion.

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