Clomipramin Molekül (© molekuul.be - stock.adobe.com)

Clomipramin – Erfahrungen zu Wirkung, Nebenwirkungen und Dosierung

Der Wirkstoff Clomipraminhydrochlorid (kurz: Clomipramin) gehört zu den sogenannten trizyklischen Antidepressiva, einer Gruppe von stimmungsaufhellenden Psychopharmaka, die ihren Namen ihrer chemischen Struktur verdanken (drei Ringe im Molekül). Die chemische Verbindung wird wegen der besseren Wasserlöslichkeit in der Regel als Clomipraminhydrochlorid eingesetzt. Clomipramin wurde bereits in den 60er Jahren auf Basis des strukturell sehr ähnlichen Wirkstoffs Imipramin (vgl. Imipramin / Trimipramin) entwickelt und ist in Deutschland bis heute unter dem Handelsnamen Anafranil® rezeptpflichtig erhältlich. Inzwischen wird der Wirkstoff allerdings auch zum günstigeren Preis als Generikum von einigen anderen Herstellern vertrieben (z. B. Neuraxpharm).

Bei welchen Erkrankungen wird das Medikament angewendet?

Clomipramin hat ein breites therapeutisches Spektrum und wird bei einer Reihe psychischer Erkrankungen und Symptome angewendet. Hierzu zählen:

Aufgrund seiner hohen Wirksamkeit bei Zwangsstörungen wurde es in die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel gegen Zwangsstörungen der WHO aufgenommen (WHO, 2011).

Wie wirkt Clomipramin?

Der Wirkstoff hemmt im zentralen Nervensystem (ZNS) die Wiederaufnahme sogenannter Monoamine (u. a. Serotonin und Noradrenalin) aus dem synaptischen Spalt in die präsynaptischen Nervenzellen. Diese Botenstoffe (vgl. unsere Neurotransmitter Liste) sind verantwortlich für die Kommunikation zwischen den Nervenzellen des Gehirns und binden an spezielle Rezeptormoleküle auf den nachgeschalteten Nervenzellen. Nach der Signalübertragung werden die Monoamine wieder von der ausschüttenden Nervenzelle aufgenommen. Depressionen entstehen unter anderem durch zu niedrige Monoaminspiegel (vgl. manisch depressiv Ursachen). Durch die Hemmung ihrer Wiederaufnahme in die Nervenzellen können sie ihre Wirkung länger verrichten. Dadurch kommt eine antidepressive, dämpfende und stimmungsaufhellende Wirkung zustande (vgl. antidepressive Medikamente).

Clomipramin wirkt allerdings nicht selektiv auf Serotonin und Noradrenalin wie modernere Antidepressiva, sondern beeinflusst auch das adrenerge, histaminerge und cholinerge System. Dadurch kommen zahlreiche unerwünschte Wirkungen des Medikaments zustande (siehe Abschnitt Nebenwirkungen). Allerdings scheint Clomipramin bei Zwangsstörungen wirksamer zu sein als selektive Psychopharmaka (Geller et al., 2003), sodass es bei diesen Erkrankungen weiterhin eine wichtige therapeutische Rolle spielt.

Clomipramin Molekül (© molekuul.be - stock.adobe.com)
Clomipramin Molekül (© molekuul.be – stock.adobe.com)

Wie erfolgt die Anwendung?

Clomipramin wird in erster Linie in Form von Tabletten eingenommen. Das Medikament ist als schnell freisetzende Filmtablette in einer Dosis von 10 bzw. 25 mg oder als Tablette mit verzögerter Wirkstofffreisetzung (Retardtabletten) mit 75 mg pro Tablette verfügbar.

Die Tagesdosis wird bei vom Arzt individuell je nach zugrunde liegender Erkrankung sowie Alter des Patienten festgelegt und kann bei Erwachsenen im Falle von Depressionen, Zwangsstörungen, Panikattacken und Phobien zwischen 50 und 300 mg liegen. Bei Narkolepsie ist die Dosis geringer und liegt bei 25 bis 75 mg. Dabei wird die Dosierung schrittweise erhöht (eingeschlichen), bis die optimal wirksame Zieldosis erreicht wird. Zum Abschluss der Behandlung sollte das Medikament zur Vermeidung von Absetzerscheinungen niemals plötzlich abgesetzt, sondern langsam ausgeschlichen werden (gilt für viele Medikamente; vgl. Doxepin ausschleichen, Paroxetin ausschleichen, Cymbalta ausschleichen u.a.).

Die Dauer der Anwendung richtet sich dabei nach dem Krankheitsverlauf. Sie beträgt bei einem positiven Ansprechen des Patienten mindestens 4 bis 6 Wochen und kann für 4 bis 6 Monate weitergeführt werden. Die Entscheidung über die Behandlungsdauer sollte immer der behandelnde Arzt treffen.

Wenn vom Arzt nicht anders verordnet, sollte die Clomipramin Dosierung entsprechend der Packungsbeilage eingenommen werden.

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollten nur in Ausnahmefällen nach sorgfältiger Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses durch den behandelnden Arzt mit dem Präparat behandelt werden.

Buch über Clomipramin Erfahrungen zu Wirkung, Nebenwirkungen und Dosierung (bei Amazon)
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Welche Nebenwirkungen können durch den Wirkstoff verursacht werden?

Unerwünschte Wirkungen können bei allen Arzneimitteln auftreten. Mit welchen im jeweiligen Fall wie häufig zu rechnen ist, wird in der Packungsbeilage angegeben.

Das Spektrum der Clomipramin Nebenwirkungen ist breit und u. a. darauf zurückzuführen, dass der Clomipramin Wirkung nicht selektiv über die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin vermittelt wird. Folgende Nebenwirkungen können auftreten (Liste nicht erschöpfend):

  • Benommenheit
  • Müdigkeit
  • Innere Unruhe (siehe hierzu auch: innere Unruhe bekämpfen)
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Zittern (Tremor)
  • Schnelle und unwillkürliche Muskelzuckungen (Myoklonien)
  • Schwitzen
  • Mundtrockenheit
  • Verstopfung
  • Übelkeit
  • Gesteigerter Appetit
  • Gewichtszunahme
  • Blasenentleerungsstörungen
  • Sexuelle Funktionsstörungen
  • Verschwommenes Sehen und Anpassungsschwierigkeiten des Auges
  • Sprachstörungen
  • Muskelschwäche
  • Halluzinationen
  • Verwirrtheitszustände
  • Schlafstörungen (s.a. Einschlafstörungen)
  • Angstzustände (vgl. Angstzustände: Symptome bekämpfen)
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Juckreiz
  • Niedriger Blutdruck
  • Herzrasen
  • Geschmacksstörungen
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Psychosen

Einige dieser Nebenwirkungen können zu Beginn der Behandlung vorübergehend auftreten, da sich der Körper erst an die Wirkstoffzufuhr gewöhnen muss. Wenn bei der Einnahme des Präparats Nebenwirkungen auftreten, sollte nichtsdestotrotz mit dem behandelnden Arzt Rücksprache gehalten werden, ggf. muss die Clomipramin Dosierung angepasst oder das Medikament zugunsten eines anderen Präparats ausgeschlichen und abgesetzt werden.

Clomipramin als trizyklisches Antidepressivum (© molekuul.be - stock.adobe.com)
Clomipramin als trizyklisches Antidepressivum (© molekuul.be – stock.adobe.com)

Was gibt es bei der Anwendung zu beachten?

Suizidgefahr

Suizidgedanken und -versuche treten bei Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen verstärkt auf.

Mehrere Analysen klinischer Studien zur Untersuchung verschiedener Antidepressiva kamen zu dem Ergebnis, dass für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene (<25 Jahren) ein erhöhtes Suizidrisiko nach der Einnahme von Antidepressiva besteht (Sharma et al., 2016; Brent, 2016). Dieses Risiko besteht insbesondere zu Behandlungsbeginn, bis es zur Besserung der depressiven Symptome kommt. Insbesondere dann, wenn schon aus früherer Zeit Suizidgedanken oder -versuche bekannt sind, sollte gerade zu Behandlungsbeginn seitens des behandelnden Arztes und des familiären Umfelds eine intensive Beobachtung der Patienten vorgenommen werden. Schon bei den geringsten Anzeichen für eine Tendenz zum Suizid sollte unverzüglich professioneller Rat eingeholt werden.

Fahrtüchtigkeit

Aufgrund seiner dämpfenden Eigenschaften können clomipraminhaltige Arzneimittel das Reaktionsvermögen beeinträchtigen. Hieraus können potenziell lebensgefährliche Situationen entstehen. Daher sollte insbesondere zu Beginn der Behandlung auf das Führen von Fahrzeugen, das Bedienen von Maschinen und die Ausübung sonstiger gefahrvoller Tätigkeiten verzichtet werden.

Kontraindikationen

Clomipraminhaltige Medikamente dürfen nicht eingenommen werden bei

  • Bekannter Allergie gegenüber einem Inhaltsstoff des Präparats
  • Gleichzeitiger Einnahme eines MAO-Hemmers (Monoaminooxidase-Hemmer)
  • Vorliegen einer schweren Herzerkrankung
  • Prostatahyperplasie
  • Engwinkelglaukom
  • Epilepsie

Welche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind möglich?

Clomipraminhydrochlorid kann den Abbau anderer Medikamente beeinträchtigen und deren Wirkung verstärken oder abschwächen. Gleichzeitig können andere Medikamente die Wirkung von Clomipramin beeinflussen. Dies wird als Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln bezeichnet. Die gleichzeitige Einnahme folgender Wirkstoffe mit clomipraminhaltigen Arzneimitteln sollte daher unbedingt vermieden oder nur in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen:

  • MAO-Hemmer
  • Bestimmte andere Antidepressiva
  • Blutdrucksenkende Mittel (Antihypertensiva)
  • Präparate gegen Herzrhythmusstörungen (z. B. Chinidin oder Amiodaron)
  • Neuroleptika
  • Cimetidin, Methylphenidat, Alprazolam, Disulfiram, Modafinil oder Valproinsäure bzw. Valproinsäuresalze
  • Stoffe, die das hepatische Mono-Oxygenase-System induzieren (z. B. Barbiturate [Benzodiazepin], Carbamazepin, Phenytoin, Nikotin, orale Kontrazeptiva)
  • Östrogene
  • Gerinnungshemmer (Antikoagulanzien)

Auf den gleichzeitigen Konsum von Alkohol sollte verzichtet werden, da dieser die dämpfende Wirkung des Medikaments verstärken kann (siehe Antidepressiva Alkohol Wechselwirkung).

Darf das Medikament während der Schwangerschaft oder in der Stillzeit angewendet werden?

Die Einnahme bestimmter Arzneimittel während der Schwangerschaft kann zu Fehlbildungen des sich entwickelnden Fötus oder sogar zu Totgeburten führen. Auch die spätere Entwicklung des Kindes kann beeinträchtigt werden. Daher sollte die Einnahme von Medikamenten in der Schwangerschaft und Stillzeit nur mit großer Vorsicht und Rücksprache mit einem Arzt erfolgen.

Nichtsdestotrotz können auch Schwangere von psychischen Erkrankungen betroffen sein, die eine Behandlung mit trizyklischen Antidepressiva auch während der Schwangerschaft und Stillzeit erforderlich machen. In solchen Fällen sollte jedoch auf besser erprobte Alternativen wie Amitriptylin oder Nortriptylin zurückgegriffen werden (Quelle: embryotox.de).

Sollte eine Schwangerschaft unter Behandlung mit Clomipramin zustande gekommen sein, ist eine sorgfältige und engmaschige frauenärztliche Betreuung (Ultraschall) erforderlich. In den ersten Lebenstagen nach der Geburt sollte das Kind auf Anpassungsstörungen beobachtet werden.

Obwohl der Wirkstoff in die Muttermilch übertreten kann, ist die Behandlung der Mutter während der Stillzeit möglich. Dies sollte jedoch sorgfältig abgewogen und unter sorgfältiger ärztlicher Beobachtung der Entwicklung des Neugeborenen durchgeführt werden.

Welche Alternativen zu Clomipramin gibt es?

Aufgrund seines breiten Spektrums an möglichen Nebenwirkungen und Wechselwirkungen wird Clomipramin auch als „Dirty Drug“ betitelt (Quelle: Pharmazeutische Zeitung). Mit Ausnahme der besonderen Rolle bei Zwangsstörungen ist daher zu überlegen, ob nicht besser verträgliche Wirkstoffe zur Verfügung stehen. Hier sind in erster Linie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wie Citalopram / Escitalopram, Fluoxetin, Sertralin oder Venlafaxin zu nennen. Allerdings wurde auch bei diesen eine Erhöhung der Suizidgefahr beschrieben (Hetrick et al., 2012; Gordon und Melvin, 2014).

Die Entscheidung, welches Antidepressivum für den jeweiligen Patienten das Mittel der Wahl ist, sollte sorgfältig mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Zeigt ein Präparat nicht die gewünschte Wirkung oder ruft erhebliche Nebenwirkungen hervor, kann die Therapie auf ein anderes Präparat umgestellt werden.

In welchen Packungsgrößen ist das Medikament erhältlich und wie viel kostet es?

Clomipraminhaltige Präparate sind in den Stärken / Dosierungen 10 und 25 mg (Filmtabletten) sowie 75 mg (Retardtabletten) in den Packungsgrößen 20, 50 und 100 Tabletten erhältlich und werden in Deutschland neben dem Originalpräparat Anafranil® als kostengünstige Generika u. a. von den Firmen Neuraxpharm, 1a Pharma, AbZ-Pharma und Ratiopharm angeboten.

Die Präparate sind rezeptpflichtig und daher – mit Ausnahme der Rezeptgebühr in Höhe von 5 € – für gesetzlich versicherte Patienten kostenfrei erhältlich. Der Preis auf Privatrezept beträgt je nach Dosierung und Packungsgröße zwischen 11,44 € und 46,85 € (Quelle: shop-apotheke.de).

Wo kann man sich noch über Clomipramin Erfahrungen informieren?

Im Internet gibt es verschiedene Portale, in denen sich Patienten über ihre Erfahrungen mit den verschiedensten Präparaten austauschen (z. B. sanego, meamedica.de oder Psychic.de). Für manche Patienten kann es hilfreich sein, sich mit anderen Patienten über die Erfahrungen mit einem Medikament und dessen Effekten bei der Einnahme auszutauschen. Solche Informationsquellen sollten aber keinesfalls das vertrauensvolle Gespräch mit dem behandelnden Arzt ersetzen, da dieser i. d. R. den Gesundheitszustand am besten einschätzen kann.

Literaturquellen

  • Brent DA. Antidepressants and Suicidality. Psychiatr Clin North Am. 2016 Sep;39(3):503-12.
  • Geller DA, Biederman J, Stewart SE, Mullin B, Martin A, Spencer T, Faraone SV. Which SSRI? A meta-analysis of pharmacotherapy trials in pediatric obsessive-compulsive disorder. Am J Psychiatry. 2003 Nov;160(11):1919-28.
  • Gordon MS, Melvin GA. Do antidepressants make children and adolescents suicidal? J Paediatr Child Health. 2014 Nov;50(11):847-54.
  • Hetrick SE, McKenzie JE, Cox GR, Simmons MB, Merry SN. Newer generation antidepressants for depressive disorders in children and adolescents. Cochrane Database Syst Rev. 2012 Nov 14;11:CD004851.
  • Sharma T, Guski LS, Freund N, Gøtzsche PC. Suicidality and aggression during antidepressant treatment: systematic review and meta-analyses based on clinical study reports. BMJ. 2016 Jan 27;352:i65.

Internetquellen und weiterführende Ressourcen mit Clomipramin Erfahrungen

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Dr. Jan Martin - Virtueller Chefredakteur - Digitale Redaktionsleitung Dr. Jan Martin ist virtueller Chefredakteuer von www.angst-verstehen.de. Er ist das Außengesicht der digitalen Redaktionsleitung, verantwortlich für Qualitätssicherung und Publikation der Texte der Redaktion.

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