Angststörung - Angststörungen Therapie (© fotodo / Fotolia)

Angststörungen: Ursachen, Formen, Symptome, Therapie, Selbsthilfe

Wann spricht man von einer „Angststörung“?

Zu den Angststörungen (nach ICD 10) gehören sämtliche psychische Störungen, bei denen eine übertriebene, der Situation nicht angemessene Angstreaktion auftritt. Das kann sowohl das völlige Fehlen einer äußeren Bedrohung sein als auch eine übertriebene Angstreaktion auf eine tatsächliche, aber eher harmlose Bedrohung. Dieser Kern der Angststörung findet sich bei den verschiedenen Ausprägungen wieder.

Die verschiedenen Ausprägungen von Angststörungen werden nach ihrem Bezug unterschieden. So gibt es einerseits konkrete, auf bestimmte Situationen oder Objekte bezogene Ängste und andererseits auch unspezifische Ängste bei denen der Bezug unklar und die Angst eher generalisiert ist.

Allgemein lassen Angststörungen gut behandeln und sind heilbar. Für viele Menschen stellen sich jedoch die Fragen:

  • Was tun bei akuter Panik?
  • Was tun bei dauerhaften Angstzuständen?
  • Und was tun bei beidem zusammen, um die Angst selbst zu behandeln und zu besiegen?

Angst und Angststörung

Angst ist ein menschliches Grundgefühl und gehört zu den fundamentalen Verhaltensweisen von Menschen. Es gibt viele Situationen, in denen Angst angemessen ist in dem Sinne, dass es zu vorsichtigem Verhalten führt oder, in einer Extremsituation, zur Flucht. Das ist eine grundsätzliche Überlebensstrategie und auch generell und in weniger extremen Situationen fungiert Angst als ein Mittel zur Vorsicht. Von einer Störung dieses Gefühls, also einer Angststörung, wird dann gesprochen, wenn diese Angemessenheit fehlt. Und zwar sowohl hinsichtlich der Bedrohung als auch hinsichtlich der Intensität der Angstreaktion.

Bei Ängsten, die auf konkrete Situationen oder Objekte gerichtet sind, lässt sich vergleichsweise leicht von einer Angststörung sprechen, da insbesondere bei den Phobien (siehe Definition Phobien) meist auch für die Betroffenen selbst rational kein Grund für ihre erlebte Angst in Bezug auf das jeweilige Objekt oder die jeweilige Situation besteht. Bei unspezifischeren Ängsten dagegen ist eine Diagnose oft schwieriger.

Ein grundsätzlicher Indikator ist, wie viel Mühe es kostet, eine Erkrankung zu bewältigen in Hinblick auf die auslösende Bedrohungssituation. Wenn ein Betroffener immer mehr mit der Bewältigung seiner Angstreaktion als mit der Bewältigung der Situation an sich beschäftigt ist, kann das ein Merkmal für eine Angststörung sein. Entsprechend kann diese Frage ein guter Test sein.

Formen

Nach ICD 10 fallen die Angststörungen in das Kapitel F4 und werden dort in folgende Formen unterteilt:

  • Agoraphobie (F40.0) – Die Angst vor öffentlichen Plätzen, Menschenmengen und dem Reisen alleine (vgl. Agoraphobien)
  • Soziale Phobien (F40.1) – die Angst vor sozialen Situationen (vgl. F40.1 soziale Phobien)
  • Spezifische (isolierte) Phobien (F40.2) – die Angst ist auf eine bestimmte Situation bzw. ein bestimmtes Objekt gerichtet wie etwa bei den verschiedenen Tierphobien oder situativen Phobien
  • Sonstige phobische Störungen (F40.8)
  • Phobische Störungen, die keine nähere Bezeichnung haben (F40.9)
  • Die Panikstörung (F41.0) – bezeichnet das Leiden unter Panikattacken, also wiederholten, kurzfristigen Zuständen extremer Angst
  • Die Generalisierte Angststörung (F41.1) – dauerhafte oder stets wiederkehrende Angst, die nicht an bestimmten Objekten oder Fällen gebunden ist (vgl. generalisierte Angst)
  • Angst zusammen mit einer depressiven Störung (F41.1) – Angsterkrankungen und Depressionen treten häufig gleichzeitig auf, die Symptome können einander bedingen und sich gegenseitig verstärken (ein Burnout etwa geht häufig mit Angstsymptomen einher, vgl. Burnout Angststörung)

Dabei muss Angst im engeren Sinne nicht unbedingt die häufigste Empfindung der Betroffenen solch einer Erkrankung sein. Bei Angsterkrankungen gibt es eine Vielzahl von Symptomen und Zwängen, zu denen oft auch körperliche Beschwerden gehören (siehe Angstzustände Symptome verstehen), die nicht immer direkt mit Angst in Verbindung zu stehen scheinen.

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Symptome

Das Gefühl der Angst äußert sich üblicherweise in den folgenden Symptomen, die bei Angststörungen nach ICD 10 entsprechend intensiv auftreten können (siehe auch Angststörung Symptome):

  • Herzklopfen/Herzrasen, Pulsbeschleunigung
  • Zittern am ganzen Körper, Schwindel
  • Schweißausbrüche
  • Mundtrockenheit und Hintzewallungen
  • Sprachschwierigkeiten und Atembeschwerden
  • Gefühl der Enge in Kehle und Brust bis zur Atemnot
  • Kribbelgefühle in Händen und Gesicht, Muskelkrämpfe
  • Übelkeit, auch bis zum Erbrechen
  • Depersonalisierungs- und Derealisationsgefühle

Diese verschiedenen körperlichen Symptome können stark variieren in ihrem Auftreten und auch in ihrer Intensität. Bei Panikattacken können diese Symptome sich bis zu einem sehr extremen Grad steigern, bei dem der Erkrankte tatsächlich Todesangst haben kann (vgl. auch Angst vorm Tod). Entgegen dem realistischen Empfinden besteht auch bei den extremsten Panikattacken jedoch faktisch keine Lebensgefahr.

Ein wesentlicher Punkt bei Störungen rund um die Angst sind die begleitenden Gedanken der Betroffenen. Diese nehmen sehr oft die Form einer Abwärtsspirale an, bei der die negative Erwartungshaltung zu einer Art selbsterfüllenden Prophezeiung wird. Dieses Phänomen wird auch als Angst vor der Angst bezeichnet. Dabei können die eigenen Gedanken und die Erwartungen, die auf bereits erlebte Angstattacken sich beziehen, die Angst schüren, erneut solch einer Angstattacke zu erfahren. Paradoxerweise ist diese Angst in gewissem Sinne gerechtfertigt, da das krankhaft übersteigerte Angsterlebnis eine sehr unangenehme Erfahrung ist und im Falle einer Angsterkrankung auch eine entsprechend reale Bedrohung darstellt. Deshalb führt die Angst vor der Angst häufig in einen Teufelskreis, bei dem eine Angstempfindung immer nur noch mehr Angst schürt.

Ursachen von Angststörungen

Die Ursachen für die verschiedenen Angsterkrankungen sind noch nicht restlos geklärt. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass in der Regel viele Faktoren zusammenkommen, die zu einer Angsterkrankung führen. Ganz grundsätzlich spielen die Gene und die Umwelt eine wechselwirkende Rolle. Es hängt immer auch von der genetischen Disposition zur Ängstlichkeit ab, ob entsprechende Umwelteinflüsse zu einer Angsterkrankung führen.

Laut lerntheoretischen Modellen geschieht eine Angsterkrankung durch Konditionierung. Das bedeutet, die übertriebene und unverhältnismäßige Angstreaktion beruht auf einer Art „falsches Lernen“. Dabei geschieht im Gehirn eine Verknüpfung der natürlichen Angstreaktion mit Objekten oder Situationen, die objektiv eigentlich keine solche extreme Reaktion erfordern würden. Das geschieht langsam und über einen längeren Zeitraum hinweg Stück für Stück. Gerade auch das durch die Angst vor der Angst hervorgerufene Vermeidungsverhalten trägt dazu bei, dass Betroffene quasi die Verknüpfung von eigentlich harmlosen Objekte und Geschehnissen mit Angst regelrecht lernen.

Für die verschiedenen Störungen rund um die Angst gibt es auch unterschiedliche Gewichtungen bei den Ursachen. Häufig führt auch dauerhafter Stress zu einer Angst- oder gar Panikreaktion. Zu einem Burnout etwa gehört häufig auch eine gestörtes Angstempfinden. Generell bestärken viele Formen der Depression eine Angststörung bzw. äußern sich in dieser Form. Aber auch umgekehrt können Angststörungen zu Depressionen führen.

Therapie und Behandlung: Wie lassen sich Angststörungen behandeln?

Die unterschiedlichen Angsterkrankungen erfordern auch jeweils eine unterschiedliche Therapie bzw. Behandlung (vgl. schulmedizinische Angststörung Behandlung). Wenn der Angstauslöser spezifisch und bekannt ist (insbesondere bei einer Phobie) können z. B. Konfrontationstherapien zum Einsatz kommen. Ist die Angst hingegen generalisiert, kommt eher eine umfangreichere Psychotherapie zum Einsatz. In der Regel sind Angsterkrankungen jedoch mit einer Verhaltenstherapie äußerst gut heilbar (vgl. kognitive Umstrukturierung / Verhaltenstherapie, Angst besiegen durch KonfrontationAngststörung Therapie).

Angststörung Behandlung: Mit der einen oder anderen Form von Psychotherapie (z.B. Verhaltenstherapie) sowie ggf. Psychopharmaka lassen sich Angststörungen behandeln - und zwar in den meisten Fällen sehr erfolgreich! (© StockPhotoPro / Fotolia)
Angststörung Behandlung: Mit der einen oder anderen Form von Psychotherapie (z.B. Verhaltenstherapie) sowie ggf. Psychopharmaka lassen sich Angststörungen behandeln – und zwar in den meisten Fällen sehr erfolgreich! (© StockPhotoPro / Fotolia)

Dabei gibt es für die Angststörung Behandlung verschiedene Therapieangebote, die sich auch nach den individuellen Ursachen Bedingungen richten können und sollten.

Je nach Intensität und nach dem individuellen Fall kommen bei einer Behandlung auch unterstützend Psychopharmaka zum Einsatz. Die Medikamente bei Angststörungen bzw. die Medikamente gegen Angststörungen sind speziell angstlösende Medikamente, die auch als Anxiolytika bezeichnet werden (vgl. auch angstlösende Medikamente pflanzlich).

Unter den Anxiolytika sind die verschiedensten Medikamente gegen die Angst als solche zusammengefasst. Dabei werden sowohl weniger starke Medikamente bei nicht so akuten oder extremen Angstzuständen unterstützend eingesetzt, als auch stärkere Medikamente gegen die Symptome selbst. Mit Letzteren kann man die Symptome rasch und effektiv loswerden, allerdings besteht bei ihnen eine enorm große Suchtgefahr, weshalb sie nur kurzfristig zum Einsatz kommen (siehe vor allem Benzodiazepinabusus und die verbreitete Tavor Sucht).

Auch Antidepressiva wirken angstmindernd und kommen insbesondere bei der Behandlung einer Mischung von Angsterkrankung und Depression zur Anwendung. Die Medikamente bei einer Depression (siehe Antidepressiva Liste) haben natürlich noch eine andere Wirkung, als die Medikamente bei einer reinen Angsterkrankung. Dennoch kann beides eine Hilfe bei der Heilung sein (siehe auch rezeptfreie Antidepressiva).

Buch "Therapie-Tools Angststörungen: Mit E-Book inside und Arbeitsmaterial" von Silka Hagena und Malte Gebauer (Amazon)
Buch „Therapie-Tools Angststörungen: Mit E-Book inside und Arbeitsmaterial“ von Silka Hagena und Malte Gebauer (Amazon)

Selbsthilfe statt Psychotherapie?!

Je nach dem Grad der Ausprägung einer psychischen Krankheit (vgl. psychische Probleme) kann man sich oft ein Stück weit selbst behandeln. Dabei gibt es natürlich Grenzen und außerdem besteht immer die Gefahr, dabei den Gang zum Arzt lediglich aufzuschieben, weil möglicherweise Ängste vor Arzt und einem Test, einer Klinik oder einer Therapie bestehen. Dabei kann es passieren, dass man eine Angsterkrankung verschleppt und dass sie sich so lange verschlimmert, bis der Leidensdruck so groß ist, dass die Scheu vor Klinik, Arzt oder Therapie notgedrungen überwunden wird.

Dennoch ist Selbsthilfe ein ganz zentraler Aspekt dabei, solch eine Erkrankung zu überwinden. Angststörungen behandeln im Selbstversuchsverfahren anstatt professionelle Hilfe anzunehmen ist dabei allerdings nicht das, worum es geht. Stattdessen geht im Idealfall beides Hand in Hand. Denn selbst eine Psychotherapie (siehe Psychotherapien im Überblick), samt Psychopharmaka und samt einem Aufenthalt in einer Klinik bedeutet nicht, dass man seine Angststörung nicht auch selber bewältigen, behandeln, bekämpfen und schließlich überwinden muss.

Auch in einer Verhaltenstherapie geht es letztlich um Hilfe zur Selbsthilfe. Außerdem ist die psychische Gesundheit immer auch vom tatsächlichen eigenen Leben, von den äußeren Umständen und von der eigenen inneren Einstellung abhängig. Die eigene Angst zu überwinden ist also immer auch Arbeit an und mit sich selbst. Das bedeutet aber eben auch, dass man nicht hilflos ausgeliefert ist, sondern die Ängste bekämpfen und überwinden kann.

Für eine Heilung braucht es in der Regel also eine Kombination aus Selbsthilfe und Psychotherapie (wozu auch ein kürzerer Aufenthalt in einer Klinik oder Tabletten gegen die schlimmsten Auswirkungen gehören können).

Buch "Die 10 besten Strategien gegen Angst und Panik: Wie das Gehirn uns Stress macht und was wir dagegen tun können. Mit Extra-Teil: Soforthilfe im Alltag" von Margaret Wehrenberg (Amazon)
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Was hilft bei akuten Panikanfällen? Und was hilft bei generalisierten Angstzuständen?

Die eigenen Möglichkeiten richten sich natürlich nach der Art und Weise der eigenen Angsterkrankung und danach, ob diese z. B. zusammen mit einer Depression auftritt. Man sollte also schon in etwa wissen, was das eigene Problem ist. Am besten wäre es dafür, einen Arzt zu konsultieren, der über das nötige Fachwissen verfügt und einen entsprechenden Test auf Basis definierter Diagnosekriterien (ICD, DSM) machen kann. In der Praxis versuchen viele Menschen jedoch genau das zu vermeiden, wobei eine Selbstanalyse durchaus auch möglich ist. Einen Test dafür findet man auch online sowie zahlreiche Tipps und Hilfe bei den verschiedensten Störungen. Natürlich ersetzen sowohl Tests als auch Tipps keine professionelle Hilfe, allerdings können sie sehr dabei helfen, die Angst zu besiegen.

Ganz generell hilft es immer, auf eine gewisse psychische Hygiene zu achten. Dazu können eine ausgewogene Ernährung sowie genügend Schlaf, Sport und körperliche Bewegung, aber auch gestalterische oder kreative Tätigkeiten zählen. Auch soziale Bedürfnisse und ganz generell die eigenen Lebensumstände können dabei eine große Rolle spielen.

Um die Krankheit so zu bekämpfen und zu besiegen, dass man sie schließlich loswerden kann, ist es mitunter sinnvoll, Tabletten gegen die akuten Panik- und Angstzustände zu nehmen. Oft ist das nicht nur ein kurzfristiges Mittel gegen die Auswirkungen, sondern auch ein langfristiges Mittel gegen die Krankheit selbst.

Es gibt eine ganze Reihe von konkreten Hilfestellungen, um eigene Angststörungen behandeln zu können. Zwei Kernpunkte sind dabei jedoch stets wesentlich.

  1. Der eine ist die reflexive und rationale Begleitung der eigenen Krankheit, der Auswirkungen und der eigenen Situation.
  2. Der andere ist, dass man sich seine Ängsten stellen muss und den Teufelskreis des Vermeidungsverhaltens durchbrechen muss.

Das ist stets leichter gesagt, als getan, jedoch sollte man immer daran denken, dass Angststörungen meist sehr gut heilbar sind.

Ein gutes Beispiel für die Selbsthilfe zur Überwindung der berüchtigten Angst vor der Angst:

Und generell zu Angsterkrankungen ebenfalls empfehlenswert:

Angststörung Behandlung, Angststörungen Therapie: Weitere Quellen und Ressourcen

Psychotherapie – Ein einführender Überblick für Patienten

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