Schwindelgefühl: Angstschwindel / Schwankschwindel / phobischer Schwindel (© ArTo - stock.adobe.com)

Angstschwindel / Schwankschwindel / phobischer Schwindel

Verbreitung und Arten von Schwindel

Angstschwindel, phobischer Schwindel, Schwankschwindel …. – Von Schwindel spricht man, wenn die betroffene Person die räumliche Orientierung verliert. Unser Gehirn erhält Informationen aus verschiedenen Sinnesorganen und Empfindungen. Dazu gehören der Gleichgewichtssinn, der Sehsinn, das Gehör und die Anspannung in den Muskeln. Aus der Summe der Informationen berechnet das Gehirn unsere Lage im Raum. Gibt es Widersprüche zwischen diesen Informationen, verlieren wir die Orientierung und empfinden Schwindel.

Schwindel und Gleichgewichtsstörungen sind ein weit verbreitetes Symptom. In einer Umfrage gaben 25 Prozent der Befragten an, innerhalb des letzten Jahres mindestens einmal im Monat entsprechende Erfahrungen gemacht zu haben. Bei Personen, die über 65 Jahre alt sind, ist die Rate noch höher. Bei Schwindel handelt es sich nicht um eine eigene Krankheit, sondern um ein Symptom.

Die Ursachen für diese Schwindelerkrankungen können vielfältig sein, darum ist eine genaue Abklärung notwendig. Schwindel kann Ausdruck von

sein. Genaugenommen gibt es mehrere Arten von Schwindel:

  1. Drehschwindel,
  2. Schwankschwindel,
  3. Gangunsicherheit und
  4. Benommenheit.

Beim Drehschwindel haben die Betroffenen das Gefühl, dass sich wörtlich alles um sie dreht. Diese Art von Schwindel löst bei den Patienten auch Übelkeit aus.

Gangunsicherheit beschreibt das Gefühl, die Bewegung nicht richtig kontrollieren zu können, im Kopf fühlen sich die Betroffenen aber nicht schwindlig.

Schwankschwindel und Benommenheit treten häufig gemeinsam auf. Bei Schwankschwindel besteht eine räumliche Unsicherheit mit einem seltsamen, benommenen Gefühl im Kopf sowie dem Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden.

Dann gibt es noch den diffusen Schwindel, wenn die Patienten ihre Symptome nicht eindeutig beschreiben können. Und dann noch die Sache mit dem „Angstschwindel“.

Schwindlig aus / vor Angst?

Ein Drittel bis die Hälfte aller Schwindelsymptome hängt mit Problemen der Psyche zusammen (psychische Probleme Arten), insbesondere mit Angststörungen und Panikstörungen. Darum heißt diese Art von Schwindel somatoformer Schwindel. Eine Somatoforme Störung, bedeutet, dass körperliche Beschwerden eine psychische Ursache haben.

Schwindel ist eine Form, wie sich eine somatoforme Störung auswirken kann. Die Symptome belasten und verunsichern die Patienten. Manchmal führt der Weg zum Erkennen (oder Anerkennen) einer Angststörung über den Schwindel.

Wenn alle körperlichen Krankheiten ausgeschlossen wurden, kommt letzten Endes nur die Psyche als Ursache infrage. Psychische Störungen und Angststörungen sind immer noch häufig mit Tabus belegt. Darum gibt es Patienten, die sich die Angst nicht eingestehen und stattdessen den Schwindel als Grund für ihr Vermeidungsverhalten angeben. Tatsächlich werden Ängste oder Panik aber durch den Schwindel verstärkt und umgekehrt.

Wenn sich die Patienten ständig selbst beobachten und auf Schwindelgefühle achten, kann es dadurch zu häufigeren Schwindelanfällen kommen. Schwindel und Angst verstärken sich somit gegenseitig. Darum spielt die Behandlung des Schwindels eine wichtige Rolle. Eine Schwindelambulanz ist auf Diagnose und Therapie von diesen Beschwerden spezialisiert.

Angstschwindel und phobischer Schwindel

Angstschwindel, oder phobischer Schwindel, ist ein häufiger Begleiter von Angststörungen, insbesondere von Phobien. Angst an sich ist natürlich und sehr nützlich. Bei einer Angststörung handelt es sich um übersteigerte Angst oder Angst vor harmlosen Gegenständen und Situationen. Bei den meisten Angststörungen handelt es sich um spezifische Phobien (vgl. ICD F40 2), also Angst vor ganz bestimmten Situationen oder Objekten, wie Flugangst, oder Spinnenphobie. Allerdings kann sich aus den spezifischen Ängsten eine generalisierte Angststörung entwickeln (das gibt es sogar schon bei Kindern, siehe generalisierte Angststörung des Kindesalters). Das passiert dann, wenn die Betroffenen beginnen, sich vor der nächsten Angstattacke zu fürchten und so Angst vor der Angst entwickeln.

Eine generalisierte Angststörung äußert sich in diffusen Angstgefühlen, bei denen keine klare Ursache erkennbar ist. Schwindel gehört zu den Symptomen einer Angststörung.

Der Name phobischer Schwindel kommt daher, dass Angstschwindel zunächst in angstbesetzten Situationen auftritt. Der Schwindel kann durch Hyperventilation oder Blutdruckabfall als Folge von Angst und der dadurch entstehenden ungenügenden Sauerstoffversorgung im Gehirn ausgelöst werden. Allerdings kann es sein, dass sich der Schwindel nach den ersten Erfahrungen „selbständig macht“. Das heißt, die Schwindelzustände treten dann nicht mehr ausschließlich in der angstauslösenden Situation auf, sondern auch plötzlich und unerwartet. Wenn das der Fall ist, kommt es besonders leicht zu dem oben beschriebenen Phänomen, dass sich Schwindel und Angst wechselseitig verstärken.

Phobischer Schwindel wird von Betroffenen häufig als diffuser Schwindel erlebt. Viele beschreiben ihn als eine Mischung aus Benommenheit und Schwankschwindel.

Youtube-Video: Wieso bekomme ich Schwindel & was kann ich tun? Ursache für Schwindelanfall & psychogenen Schwindel (youtube.com/watch?v=FSvLWzOHeYQ)


Exkurs: Panikstörung und Panikattacke

Die Panikstörung gehört zu den Angststörungen. Sie kommt am häufigsten in Verbindung mit Agoraphobie vor, es gibt aber auch Panikstörungen ohne Agoraphobie, bei denen die Panikattacke völlig überraschend auftritt.

Agoraphobie ist die Angst vor öffentlichen Plätzen oder Räumen, auch die Angst vor größeren Menschenansammlungen gehört dazu (vgl. auch: Demophobie). Was den Betroffenen eigentlich Angst macht, ist die Vorstellung, sie könnten Angst oder eine Panikattacke erleiden und sich der Situation nicht entziehen, weil das entweder nicht möglich (zum Beispiel in einem fahrenden Bus) oder peinlich wäre. So gesehen ist Agoraphobie eine Art Angst vor der eigenen Angst. Diese Angst erhöht wiederum die Wahrscheinlichkeit, dass eine Panikattacke auftritt. Die Folge ist für die Betroffenen ein Rückzug aus der Öffentlichkeit (sozialer Rückzug / Isolation). Das kann schwerwiegende Folgen für das soziale und berufliche Leben haben.

Eine Panikattacke äußert sich in anfallsartiger, intensiver Angst mit vielfältigen körperlichen Symptomen. Zu diesen Symptomen gehören Herzrasen, Zittern, Beklemmungsgefühle, Hyperventilation und Schwindel. Der Angstschwindel ist ein nicht zu unterschätzendes Symptom, da er den Patienten das Gefühl gibt, einer Ohnmacht oder gar dem Tod nahe zu sein (Angst zu sterben).

Die Menschen fühlen sich während einer Panikattacke benommen und haben das Gefühl, nicht mehr sicher auf den Beinen zu stehen. Da genau die Angst vor einer Ohnmacht oft der Grund für eine Agoraphobie ist, kann der Schwindel die Phobie verstärken. Es kommt sogar vor, dass eine Agoraphobie erst durch Schwindel ausgelöst wird. Das bedeutet, dass die Betroffenen aus heiterem Himmel Schwindelzustände erleben, und dadurch verunsichert werden. Die Angst vor der nächsten Schwindelattacke begünstigt nicht nur die Wahrscheinlichkeit, dass sie wiederkehrt, sondern auch die Entwicklung einer Agoraphobie. (Neurologen und Psychiater im Netz; Wittchen & Hoyer, 2011)


Der phobische Schwankschwindel

Ein phobischer Schwankschwindel äußert sich darin, dass die Betroffenen meinen, ihr Körper würde schwanken, sie fühlten sich unsicher auf den Beinen und hätten Gleichgewichtsstörungen. Oft haben sie auch Angst zu fallen. Das hat nicht zwingend etwas mit Höhenangst zu tun.

  • Phobischer Schwankschwindel ist häufig Begleiterscheinung einer Phobie. Er entsteht in der gefürchteten Situation.
  • Schwankschwindel kommt mit oder auch ohne eine Panikattacke vor.

Während Benommenheit eine Folge von zu wenig Sauerstoff im Gehirn ist, wird Schwankschwindel durch Verspannungen ausgelöst, die durch Angst oder Panik verursacht sind. Durch die verspannten Muskeln haben zum Beispiel die Füße weniger Bodenkontakt als in einer entspannten Situation. Auch an Beinen und Rücken zeigen sich Verspannungen, wodurch es nicht so gut möglich ist, den Körper auszubalancieren. Daher rühren dann das Gefühl, nicht sicher zu stehen und die Fallangst.

Es muss aber nicht sein, dass die Patienten während der Schwindelattacken Angst empfinden. Manchmal rührt die erste Schwindelattacke von organischen Ursachen oder Krankheiten her. Eine dieser Ursachen kann Neuritis vestibularis sein, ein Drehschwindel aufgrund einer Entzündung der Gleichgewichtsnerven. Die Schwindelzustände verursachen Angst, die wiederum weitere Schwindelzustände auslöst, auch dann, wenn die organische Erkrankung bereits geheilt ist. Ein phobische Schwankschwindel wird durch Stress begünstigt. Stehen die Patienten generell unter Druck, kann es in einer phobischen Situation leichter zu Schwindelattacken kommen.

Behandlungsmöglichkeiten und Selbsthilfe bei Angstschwindel & Co

Für die Behandlung von Angstschwindel oder phobischem Schwindel gibt sowohl medikamentöse Ansätze, als auch Psychotherapie, Training und Selbsthilfe – siehe auch den Artikel Was tun bei Angstschwindel?

Eine gute Möglichkeit, um Angstschwindel und seine Folgen zu lindern ist Psychoedukation. Dabei handelt es sich um die Aufklärung über die Erkrankung und deren Symptome. Wissen die Patienten, woher der Schwindel kommt, fühlen sie sich weniger ängstlich und die Angstspirale kann durchbrochen werden. Wenn die Betroffenen ihre Ängste verstehen, kann allein schon das angstlindernd wirken.

Auch eine Behandlung mit Medikamenten kann angezeigt sein, wenn der Leidensdruck sehr groß ist und der Patient sich nicht in der Lage sieht, anders mit seinen Ängsten umzugehen. Da allgemeiner Stress die Wahrscheinlichkeit eines Schwindelanfalls erhöht, helfen beruhigende Medikamente (beruhigende Medikamente rezeptfrei). Es muss nicht immer Chemie à la Durazanil sein, es gibt auch Medikamente auf pflanzlicher Basis, z.B. Kytta Sedativum bei Angst. Auch Entspannungsübungen sind hilfreich, um dem Schwindel entgegenzuwirken.

Die meist wirkungsvollste Therapie ist bei allen Angsterkrankungen die Konfrontation mit dem Angstauslöser. Aber es ist auch möglich, durch gezieltes Training gegen den Schwindel vorzugehen. Hier haben die Betroffenen die Möglichkeit zur Selbsthilfe. Diese Methoden können in einer Schwindelambulanz erlernt werden.

  • Bei häufigen Schwindelanfällen ist es zunächst einmal hilfreich, den Gleichgewichtssinn zu trainieren. Zum Beispiel kann man sich auf einen Drehstuhl setzen und sich bewusst damit drehen, bis Schwindel entsteht. Dadurch lernt der Körper mit schwindelerregenden Situationen besser umzugehen. Außerdem gewöhnen sich die Patienten an den Schwindel und so wirkt er mit der Zeit nicht mehr beängstigend.
  • Auch Balancieren oder das Stehen und Gehen mit geschlossenen Augen ist ein gutes Training für den Gleichgewichtssinn.
  • Zudem können die Betroffenen üben, mit den Augen einen bestimmten Punkt zu fixieren, während sie sich bewegen. Diese Fixation hilft, im Fall von Schwindelattacken, das Gleichgewicht schnell wiederzufinden.

Gegen Fallangst hilft es im Extremfall, sich bewusst hinzulegen, was aber nicht überall gut möglich ist. Die Patienten können aber auch das Fallen in geschütztem Raum üben. So kann, zum Beispiel, gezieltes Fallen mit lockeren Muskeln trainiert werden, so dass man sich nicht verletzt, sollte man wirklich einmal fallen. Das Bewusstsein, im Notfall zu wissen, wie man richtig fällt, mindert die Fallangst.

Auch Übungen mit der Muskelanspannung, gezieltes Anspannen und Entspannen der Muskeln im Stehen, helfen bei Schwankschwindel und Fallangst. Dasselbe gilt für Übungen, bei denen das Körpergewicht verlagert wird. Die Betroffenen lernen ihren Körper besser kennen und verstehen, wie sie dem Schwindelgefühl entgegenwirken können. Da Schwindelgefühle die Angst bei Phobien verstärken, kann ein besserer Umgang mit dem Schwindel die Angst auch mildern und ist somit ein wichtiger Bestandteil der Therapie.


Schwindelgefühl: Angstschwindel / Schwankschwindel / phobischer Schwindel (© ArTo - stock.adobe.com)
Schwindelgefühl: Angstschwindel / Schwankschwindel / phobischer Schwindel (© ArTo – stock.adobe.com)

Quellen und weiterführende Ressourcen:

  • awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/053-018l_S3_Akuter_Schwindel_Hausarztpraxis_2018-07_1.pdf (Zugriff am 22.10.2020)
  • panikattacken.at/schwindel/schwindel.html (Zugriff am 22.10.2020)
  • psychenet.de/de/psychische-gesundheit/informationen/somatoforme-stoerungen.html (Zugriff am 22.10.2020)
  • neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/erkrankungen/angsterkrankungen/was-sind-angsterkrankungen/ (Zugriff am 23.10.2020)
  • neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/ratgeber-archiv/meldungen/article/schwindelzustaende-koennen-durch-angst-verursacht-sein/ (Zugriff am 22.10.2020)
  • neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/erkrankungen/schwindel/neuritis-vestibularis/ (Zugriff am 24.10.2020)
  • psychenet.de/de/psychische-gesundheit/informationen/panik-und-agoraphobie.html#:~:text=In%20vielen%20F%C3%A4llen%20treten%20zuerst,sich%20dann%20die%20Agoraphobie%20entwickeln. (Zugriff am 23.10.2020)
  • schwindelambulanz-sinsheim.de/schwindelerkrankungen/phobischer-schwindel (Zugriff am 24.10.2020)
  • Wittchen, H. U., & Hoyer, J. (2011). Klinische Psychologie & Psychotherapie (Vol. 1131). Heidelberg: Springer.

Ängste, Phobien, Panikattacken > Angststörungen und Angsterkrankungen behandeln