Selbsthypnose (© edisainer / stock.adobe.com)

Selbsthypnose als Mittel der Angstbewältigung?

Beim Begriff „Selbsthypnose“ fallen wohl jedem einige Fragen ein. Ist das Hypnotisieren der eigenen Person gefährlich? Ist es überhaupt möglich, sich ohne eine entsprechende Ausbildung selbst zu hypnotisieren? Wie findet ein Hypnotisierter eigentlich wieder aus der Selbsthypnose heraus? Wo finde ich seriöse Tipps und Ratschläge über diese Methode?

Es ist sinnvoll, nicht einfach ohne jegliches Vorwissen ein selbsthypnotisches Experiment auf der Basis von Autosuggestion zu wagen. Denn auch hier gilt es, die typischen Anfängerfehler zu vermeiden und gewisse Risiken auszuschalten. Alles, was sich scheinbar leicht durch eine Online-Kurzanleitung per YouTube Video lernen lässt, kann auch missbraucht werden. Es kann zu unerwünschten Ergebnissen führen oder zu ungeeigneten Zwecken eingesetzt werden. Beispielsweise kann niemand erwarten, dass er seine Drogensucht nur mithilfe einer Autosuggestion in den Griff bekommt. Ohne einen klinischen Entzug, eine Aufnahme in ein Methadonprogramm und eine langjährige Betreuung können ehemalige Drogensüchtige nicht ins Leben entlassen werden. Bei schwerwiegenden psychischen oder gesundheitlichen Problemen sowie gravierenden geistigen Beinträchtigungen ist diese Methode nicht geeignet.

Hypnose – eine effektive, aber vorurteilsbehaftete Methode

Gegen Hypnosemethoden oder Hypnotherapie bestehen bei manchen Menschen starke Vorbehalte – zum Beispiel weil sie einen Missbrauch durch den Hypnotiseur befürchten. Befürchtungen bestehen insbesondere gegenüber Show-Hypnosen, die vor größeren Publikum mit spektakulären Hypnose-Effekten Aufmerksamkeit erhaschen wollen.

Viele Menschen sind zugleich fasziniert von solchen Vorführungen, stehen ihnen aber zugleich auch sehr kritisch oder ängstlich gegenüber. Nicht umsonst sind Show-Hypnosen in Österreich und einigen anderen Ländern verboten worden. Das bedeutet aber nicht, dass die Hypnose an sich keinen therapeutischen Wert hat. Als begleitende Behandlungsmethode für Menschen, die mit ihrer Hilfe einen Gewichtsverlust oder den Nikotinentzug erreichen möchten, ist die Hypnose längst anerkannt.

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Trotz aller Vorurteile gegen die Hypnose als Methode der Beeinflussung des Bewusstseins und Unterbewusstseins wäre die Selbsthypnose vielleicht ein interessantes Experiment. Denn bei der Methode der Selbstbeeinflussung ist niemand beteiligt, der die Hypnose missbräuchlich nutzen könnte. Viele Menschen schwören heutzutage auf die Hypnotherapie, weil sie ihnen bereits bei verschiedenen Problemen im Leben geholfen hat. Sie konnten durch die dabei benutzten Suggestionen mit dem Rauchen aufhören oder Gewicht abbauen. Angstgestörte Menschen fanden mehr Entspannung in Stresssituationen oder konnten ein Kindheitstrauma verarbeiten, das die Lebensqualität beeinträchtigt hat. Wer die Kraft der Hypnose im Anschluss an solche Maßnahmen auch in eigener Regie nutzen kann, profitiert auf viele Weisen davon. Er übernimmt Verantwortung für sein Leben und Erleben.

Quellen:

Was hat es mit der Selbsthypnose auf sich?

Ein YouTube Video zeigt, wie jemand sich binnen drei Minuten in eine Trance versetzen und selbst hypnotisieren kann. Es scheint also sehr einfach zu sein und keine speziellen Hilfsmittel zu erfordern.

Doch wozu ist Selbsthypnose gut? Wer bereits eine Hypnotherapie absolviert hat, kann im Anschluss deren Wirksamkeit vertiefen, indem er sich selbst bei Badarf in Trance versetzt. Bei Schlafstörungen, Schmerzen, Angstproblemen oder Stress ist die selbst induzierte Hypnose ein wunderbares Hilfsmittel. Wer sich mittels Autosuggestion selbst hypnotisieren kann, erwirbt die Kompetenz, sein eigenes Leben zu verbessern. Er kann seine Handlungsspielräume erweitern und Lösungen für manches Problem finden. Solche Menschen sind in der Lage, ihre destruktiven Gedanken neu zu programmieren, ihre alltäglichen Süchte nach Alkohol, Nikotin oder Süßigkeiten besser zu kontrollieren oder ihr Körpergewicht durch entsprechende Suggestionen verringern.

Die Methode der selbst induzierten Hypnose kann jeder lernen, der sein Unterbewusstsein erreichen möchte. Mehr als eine Anleitung dafür findet sich im Internet. Auch der Körper, das Selbstwertgefühl oder die allgemeine Gesundheit profitieren von der selbsthypnotischen Beeinflussung. Der gesamte Körper ist im Trancezustand entspannt. Der Geist ist zugänglich und ruhig, negative Gedanken finden nicht statt. Der Stoffwechsel, der Blutdruck, der Herzschlag und der Puls beruhigen sich ebenfalls. Der Zustand der Entspannung, der mit ein bisschen Übung binnen kurzer Zeit erreicht werden kann, wirkt anhaltend und tief.


Hypnose gegen Angst und Panik?


Die Anwendungsgebiete der Selbsthypnose

Die Anwendungsgebiete der Selbsthypnose sind sehr vielseitig. Wer diese Hypnose-Methode einmal ausprobieren möchte, benötigt dafür keine umfangreiche Ausbildung und kein weiteres Handwerkszeug als das, was in den Anleitungen als brauchbares Hilfsmittel angegeben wird. Man benötigt keine früheren Erfahrungen mit Fremdhypnose, sondern kann die Selbsthypnosetechnik in kurzer Zeit erlernen. Durch hypnotische Sprachmuster, positive Bilder und eigene Suggestionen kann eine positive Beeinflussung des Unterbewusstseins erzielt werden. Eingesetzt wird die Selbsthypnose

  • zur Angstbewältigung
  • bei Phobien und Panikattacken
  • zur Schmerzlinderung
  • zur Entwöhnung von Nikotin
  • bei Gewichtsproblemen
  • bei anhaltenden Schlafstörungen
  • in seelischen Krisen
  • bei Liebeskummer
  • bei Erschöpfungszuständen (vgl. Erschöpfungssyndrom / Neurasthenie)
  • bei Prüfungsangst
  • bei Stress
  • zur Entspannung
  • bei sexuellen Problemen
  • zur Leistungsverbesserung
  • als Unterstützung während der Geburt eines Kindes
  • und in vielen anderen Gebieten.
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Wer die Technik der Selbsthypnose einmal beherrscht, kann sie jederzeit und an jedem Ort einsetzen. Für eine Fremdhypnose wären die Nutzer immer auf die Hilfe eines anderen angewiesen. Die Anwendungsgebiete für die Selbsthypnose gleichen aber in weiten Teilen denen der Fremdhypnose bzw. Hypnotherapie. Potenziell kann sich jeder gesunde und psychisch stabile Mensch, der es einmal probieren möchte, gefahrlos in Trance versetzen. Das ist schon deshalb sinnvoll, weil wir uns großer Teile unseres Bewusstseins gar nicht bewusst sind. Um eine Ansprache für die schlummernden Anteile des Bewusstseins – des Unterbewusstseins – zu finden, eignet sich die Hypnose ideal.

Quellen:

Wie wird die Selbsthypnose angewandt?

Jeder Interessierte kann ohne eine Ausbildung lernen, durch Suggestionen sein Unterbewusstsein positiv zu beeinflussen. YouTube Videos wie das unten gezeigte liefern Tipps und eine Anleitung, die Fehler vermeiden helfen. Die Hypnose hilft, Symptome von Pollenflug zu lindern, mehr Entspannung in den gestressten Körper zu bringen und auf vielen Gebieten Hilfe für das Leben zu erreichen.

Sie leistet für den Nutzer oftmals Erstaunliches, indem das Unterbewusstsein angesprochen wird. Die Technik der Selbsthypnose wird von vielen Nutzern als sinnvolle Hilfe bei vielen Problemstellungen angesehen. Nicht geeignet ist sie jedoch bei einer Reihe von Problemen und Gesundheitsbeschwerden, die behandlungsbedürftig sind, d.h. zum Beispiel den therapeutischen Einsatz von Psychopharmaka und eine psychotherapeutische Behandlung erfordern (Verhaltenstherapie, Gesprächstherapie, psychoanalytische Therapie).

In der hypnoseinduzierten Trance ist der Mensch in einem veränderten Bewusstseinszustand. Zugleich ist er wach, nicht etwa bewusstlos. Der Körper ist entspannt, der Geist aufnahmebereit und ruhig. Doch das Bewusstsein ist im Zustand der Hypnose nur eingeschränkt ansprechbar. Dadurch wird es möglich, dass in der Trance vor allem das Unterbewusstsein erreicht werden kann. Im Unterbewusstsein können durch geeignete Suggestionen gedankliche Lernprozesse oder Heilungsprozesse im Körper angeregt werden. Die begleitenden Symptome vieler Erkrankungen können so gelindert werden. Die Interessierten können ihr Traumgewicht leichter erreichen, ihren Ängsten und Phobien besser begegnen, etwas gegen ihre Reiseübelkeit unternehmen und sind der Nikotinsucht nicht mehr hilflos ausgeliefert (siehe auch Sucht). Durch ihre vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten erweist sich diese Methode im Alltagsleben als wahrer Alleskönner – mit kleinen Einschränkungen. Wunder oder Spontanheilungen bei schweren Erkrankungen sollte niemand erwarten.

Quellen:

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Welche Risiken sind bei der Selbsthypnose zu beachten?

Mittels selbst induzierter Hypnose kann jeder lernen, seine innere Einstellung zu verändern oder unterstützende Strategien gegen Probleme des Lebens zu finden. An sich gibt es weder Nebenwirkungen noch Risiken zu beklagen. Voraussetzung für die Selbsthypnose ist aber, dass diese Technik nicht bei behandlungsbedürftigen Erkrankungen oder schweren psychischen Erkrankungsbildern eingesetzt wird. Hypnose kann weder eine Operation ersetzen, noch kann sie eine schwere Erkrankung bessern. Sie kann aber in der Krebsnachsorge, bei postoperativen Schmerzen, bei in Behandlung befindlichen Depressionen oder bei anderen Problem im Leben als zusätzliches Hilfsmittel angewandt werden.

Bestehen jedoch Symptome einer psychischen Erkrankung wie

sollte keine selbsthypnotische Behandlung vorgenommen werden. Auch bei schweren Traumata oder posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) sollte lieber ein erfahrener Hypnotiseur oder Therapeut hinzugezogen werden. Das gilt auch für Opfer sexueller Straftaten oder anderer Gewaltakte. Auch Kinder, Jugendliche oder demenzkranke Menschen, die diese Methode früher einmal erlernt hatten, sollten diese Methode besser nicht anwenden. Entspannung kann schließlich auch anders erreicht werden. Man muss sich dafür nicht unbedingt in Trance versetzen. Viele hilfreiche Tipps zu Entspannungstechniken finden sich hier und hier.

Bei gesunden Menschen treten durch selbsthypnotische Maßnahmen keine nennenswerten Folgeschäden auf. Da niemand sonst involviert ist, hat der Hypnotisierte es selbst in der Hand, wie erfolgreich seine Sitzung verläuft. Trotzdem ist es möglich, als Anfänger typische Fehler zu begehen und versehentlich negative Suggestionen zu verinnerlichen. Unachtsamkeit und Mangel an Planung kann den Effekt einer Sitzung zunichtemachen. Daher sind die vielen Tipps zu selbsthypnotischen Versuchen, die im Internet zu finden sind, wertvoll. Es ist zum Beispiel keine gute Idee, durch Eigenhypnose einen akuten Schmerz wegzuschalten, ohne sich nach dessen möglichen Ursachen zu fragen. Im schlimmsten Fall könnte es sich um einen Blinddarmdurchbruch, eine Migräneattacke oder einen Darmverschluss handeln.

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Die Einleitung der Selbsthypnose sollte außerdem nie spontan erfolgen. Die möglichen Folgen der geplanten Einflussnahme sollten vorher gut überlegt werden. Vorab einige Artikel, Erfahrungsberichte und Bücher über die Technik der Selbsthypnose zu lesen, erweist sich ebenfalls als sinnvoll. Tatsache ist, dass jeder durch bestimmte Dinge die Möglichkeit, sich selbst zu hypnotisieren, unterlaufen kann. Wer ständig alles unter Kontrolle haben möchte (Angst vor Kontrollverlust), ist durch seine innere Abwehr einer Hypnose nicht zugänglich. Ein gewisses Grundvertrauen sollte dieser Hypnosemethode also entgegengebracht werden.

Zweitens ist es nicht sinnvoll, während der Hypnosesitzung kritische Gedanken zuzulassen. Sich vertrauensvoll auf den Prozess einlassen zu können, ist wichtig für ein gutes Ergebnis.

Quellen:

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