Famili√§re und professionelle Trauerhilfe kann eine wichtige Unterst√ľtzung bei der Trauerverarbeitung und Trauerbew√§ltigung sein - auch wenn jeder auf seine Art und Weise √ľber einen Todesfall trauern muss, kann, soll und darf (¬© starush / Fotolia)

Trauerverarbeitung und Trauerbewältigung

Da das Sterben in unserer Gesellschaft ein derartiges Tabu darstellt, haben viele Menschen mit der Trauerverarbeitung¬†enorme Probleme. Sie haben keinen Zugang zu ihren authentischen Gef√ľhlen. Sie hegen ambivalente Gef√ľhle gegen√ľber dem Verstorbenen, f√ľhlen sich ihm gegen√ľber schuldig oder sind erleichtert und suchen sich ohne ausreichende Trauerbew√§ltigung einen neuen Partner. Zu trauern, will gelernt sein. Wer Unterst√ľtzung braucht, findet verschiedene Angebote zur Trauerhilfe.

Trauer betrifft jeden fr√ľher oder sp√§ter

Viele Menschen wissen nicht, wie sie nach dem Sterben eines Partners alleine zurechtkommen sollen. Sie durchleben ohne Wissen um die verschiedenen Stadien der Trauer eine grauenvolle Leere, die jeder Mensch irgendwann durchleben wird. Viele werden erst durch andere Menschen auf hilfreiche B√ľcher, Selbsthilfegruppen oder Angebote der Trauerhilfe aufmerksam gemacht. Bestatter erkennen oft mit einem Blick, wo der zur√ľckgebliebene Partner binnen eines Jahres ebenfalls stirbt, und wo er es nach einer Zeit der Traurigkeit schaffen wird. Manchmal begehen depressive Hinterbliebene, die nun nicht mehr weiterwissen, nach der Beerdigung des Verstorbenen Suizid. Sie verarbeiten ihre Trauer √ľber die Trennung und das Alleingelassen sein nicht einmal versuchsweise. Menschen, die ein halbes Leben lang sehr eng miteinander verbunden waren, sterben oft kurz nacheinander. Bestatter k√∂nnen sogar aufgrund bestimmter Signale erkennen, wen das betrifft und wen nicht. Doch Hinterbliebene sollten auch ohne den anderen noch lebensf√§hig sein.

Besonders belastend ist es, wenn ein kleines oder schon erwachsenes Kind vor den Eltern verstirbt. Alte Menschen rechnen mit dem Versterben ihres Ehepartners – aber junge Eltern nicht mit dem ihres kleinen Kindes. Verliert ein Kind oder Jugendlicher seine Eltern an den Krebs oder einen durch Unfall, ben√∂tigt er meist professionelle Hilfe bei der Trauerbew√§ltigung. Die seelischen Belastungen f√ľr alle Beteiligten sind enorm. Der Umgang mit dem Tod hinterl√§sst die Menschen oft hilflos. Schock, Schmerz, Schuldgef√ľhle und Depression pr√§gen h√§ufig den Trauerprozess. Doch schaut man genauer hin, hat jede Kultur ihre eigene Art der Trauerbew√§ltigung entwickelt. Trauer zu √ľberwinden ist zum Teil mit sozialen und kulturellen Erwartungen besetzt. Bei uns ist Schwarz die Farbe der Trauer, woanders Wei√ü. In manchen L√§ndern weinen die Menschen um einen Verstorbenen. In anderen L√§ndern und V√∂lkern wehklagen sie laut. Die Angeh√∂rigen holen Trauerweiber aus dem Dorf, die diese Aufgabe √ľbernehmen. Doch es gibt auch L√§nder, in denen die Trauernden l√§cheln.

Famili√§re und professionelle Trauerhilfe kann eine wichtige Unterst√ľtzung bei der Trauerverarbeitung und Trauerbew√§ltigung sein - auch wenn jeder auf seine Art und Weise √ľber einen Todesfall trauern muss, kann, soll und darf (¬© starush / Fotolia)
Famili√§re und professionelle Trauerhilfe kann eine wichtige Unterst√ľtzung bei der Trauerverarbeitung und Trauerbew√§ltigung sein – auch wenn jeder auf seine Art und Weise √ľber einen Todesfall trauern muss, kann, soll und darf (¬© starush / Fotolia)

Trauerverarbeitung – ein langwieriger Prozess

Die Phasen der Trauer wechseln sich ab. Sie kommen und gehen und st√ľrzen den Hinterbliebenen oft in tiefe Verzweiflung. Nach der Trauerfeier und dem Erledigen der wichtigsten Dinge kommt oft die Einsamkeit. In dieser Zeit sp√ľrt der Hinterbliebene erstmals den Verlust in seiner ganzen Tragweite. Zwar sind auch jetzt noch Versicherungen zu k√ľndigen und das Testament zu er√∂ffnen, aber das Alleinsein kann √ľberwiegen. Wer in dieser Zeit der Trauerverarbeitung keine mitf√ľhlenden Verwandten und Freunde hat, die Trauerhilfe leisten und einfach da sind, hat es schwer. Manche Trauernden √ľberlagern ihren Kummer durch Umtriebigkeit oder soziales Engagement. Viele bew√§ltigen den Tag nur, indem sie erwartungsgem√§√ü funktionieren. Andere nehmen sich die Zeit, dem erlittenen Kummer und den vergangenen Zeiten nachzusp√ľren. Sie m√∂chten sch√∂ne Erinnerungen hervorkramen und suchen Gespr√§che mit anderen.

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Buch „Das erste Trauerjahr – Was kommt, was hilft, worauf Sie setzen k√∂nnen“ von Eva Terhorst (Amazon)*

Jeder geht die Trauerverarbeitung anders an. Manche f√ľhlen sich besser, wenn sie die Kleidung des Verstorbenen bald nach seinem Ableben spenden. Andere bewahren sie noch jahrelang auf. So bleibt ihnen gef√ľhlt ein gewohntes St√ľck vom Leben des Verstorbenen erhalten, so als k√§me er gleich durch die T√ľre. Ob das der Trauerverarbeitung dienlich ist, ist unterschiedlich. Es gibt keinen richtigen und keinen falschen Weg der Trauerverarbeitung. Nur Selbstmord oder der Griff zum Alkohol oder st√§ndig zu Rescue-Tropfen sind ganz sicher die falsche L√∂sung, mit dem Trauern umzugehen. Solche Trauerl√∂sungen sind nicht gesund, weil sie die Realit√§t des Todes im eigenen Leben nicht anerkennen.

Aktive Trauerarbeit hilft, irgendwann neu anzufangen

Trauerarbeit ist ein individueller Prozess. Dieser wird auch von der Tiefe, Intensit√§t und L√§nge der Beziehung definiert. Ob der Schock und die danach notwendige Trauerarbeit mit anderen zusammen in einer Selbsthilfegruppe besser gelingen, oder die Trauerphase dank der Enkelkinder auf andere Weise angegangen wird, ist oft von den Familienverh√§ltnissen und der sozialen Einbindung der Betroffenen abh√§ngig. Viele Menschen haben heute keine famili√§re Einbindung mehr. Sie leben alleine und m√ľssen die Trauer um einen Verstorbenen oft genug alleine bew√§ltigen. Es tut gut, wenn andere am Prozess des Abschiednehmens teilhaben. Doch oftmals erwarten die Menschen, dass die Betroffenen schon bald wieder funktionieren. Statt dass sie durch Tr√∂stungsversuche anderer die Trauer √ľberwinden k√∂nnen, werden viele Menschen bei der Trauerbew√§ltigung alleine gelassen.

Immerhin bieten viele Bestatter und Gemeinden heute schon Gespr√§chskreise zur gemeinsamen Trauerhilfe an. Eltern, deren Kind verstorben ist, oder Eltern von krebskranken oder drogentoten Jugendlichen k√∂nnen sich in entsprechenden Selbsthilfegruppen austauschen. Der Trauerprozess und die damit verbundene Trauerarbeit k√∂nnen je nach Lage der Dinge ein oder mehrere Jahre dauern. Am Ende muss jeder lernen, mit dem Verlust zu leben. Schmerz, Depression und Tr√ľbsinn schwinden mit den Jahren, wenn sie wirklich verarbeitet werden. Viele Menschen finden Trost in der Grabpflege oder sozialem Engagement f√ľr √§hnlich Betroffene. In manchen F√§llen dauert die Trauerbew√§ltigung ein ganzes Leben. In anderen ist das Schlimmste nach einem Jahr √ľberstanden. Das bedeutet aber keineswegs, dass der eine mit der Trauerverarbeitung besser umgehen kann als ein anderer. Vielmehr trifft das Trauern um Verstorbene manchmal unerwartet und in anderen F√§llen nach langer Krankheit. Menschen, die um absehbar Sterbende trauern m√ľssen, schlie√üen oft leichter mit dem Unfassbaren ab.

Pers√∂nliches Trauer- und Erinnerungsbuch: "Du bleibst f√ľr immer in meinem Herzen" (Amazon)
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Die Phasen der Trauer helfen beim Verarbeiten

Die Trauerverarbeitung verl√§uft individuell. Es gibt kein Konzept und keine Regeln, denn Kummer und Emotionen gehen ihre eigenen Wege. Wie jemand mit Kummer und Leid angeht, h√§ngt von vielen Faktoren ab. Trauerexperten haben vier bzw. f√ľnf wichtige Phasen der Trauerverarbeitung ausgemacht, die jeder Mensch irgendwann durchlebt. Diese Phasen erfolgen nicht nach einem festgelegten Muster. Sie wechseln sich ab und wiederholen sich manchmal auch. Erst wenn die Trauerbew√§ltigung in einem Punkt abgearbeitet ist, kann diese Phase endg√ľltig losgelassen werden. Die vier oder f√ľnf Stadien der Trauer werden von verschiedenen Quellen unterschiedlich definiert. Im Wesentlichen sind es

  • das Nicht-Wahrhabenwollen oder Leugnen
  • Wut und Zorn √ľber das Geschehnis
  • die Endg√ľltigkeit des Sterbens wird realisiert
  • vorsichtige Schritte zu einer Neuorientierung
  • und das Finden eines neuen Gleichgewichtes im Leben.

Wie lange die einzelnen Stadien der Trauerbewältigung dauern, ist individuell unterschiedlich.

F√ľr die Trauerhilfe und Trauerarbeit mit Kindern: "Wie lange dauert Traurigsein? Ein Buch f√ľr alle, die jemanden verloren haben" | "Beschreibung: Was mache ich, wenn jemand geht? Ein Buch √ľber die Trauer. Jedes Jahr verlieren viele Tausende Kinder bei uns ihren Vater, ihre Mutter, ihre Gro√üeltern oder eine andere Person, die sie sehr lieb gehabt haben. Maria Farm, eine erfahrene Kinderpsychologin, kennt die Gef√ľhle, die Kinder in einer solchen Situation bewegen, ihre √Ąngste, ihre Wut und ihren Kummer. Sensibel setzt sie sich mit allen Fragen rund um das Sterben, den Tod und das Traurigsein auseinander und zeigt den jungen Lesern Wege auf, mit ihrer Trauer umzugehen und wieder Hoffnung zu sch√∂pfen. Ber√ľhrend und sensibel dargestellt, ein ganz besonderes Buch und eines der wenigen f√ľr Kinder ab 9 Jahren. Ein wichtiges Buch auch f√ľr P√§dagogen, Psychologen, kirchliche Mitarbeiter, √Ąrzte, Lehrer und andere, die Kindern in Krisen helfen." (Amazon)
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In der Trauerhilfe wei√ü man, dass manche Menschen ganz offen trauern und manche eher im Stillen. Ihnen sieht niemand die Trauerverarbeitung an. Mancher, der diese Menschen nicht gut kennt, vermutet sogar, dass sie vielleicht gar nicht traurig sind. Doch jeder muss das Sterben eines anderen annehmen, die Trauer dar√ľber √ľberwinden und die Leere danach bew√§ltigen. Auf welche weise, wie intensiv und wie lange Menschen trauern, geht eigentlich niemanden etwas an. Doch Trauernde erleben oft, dass sie bei einer gef√ľhlt zu lange dauernden und intensiven Trauerbew√§ltigung anecken. Sie scheinen die Erwartungen anderer entt√§uschen. Jeder darf demnach trauern – aber bitte nicht zu doll und nicht zu lange… Allerdings lassen sich die Phasen der Trauer nicht umgehen oder abk√ľrzen. Zus√§tzlich zum Trauern √ľber einen Verstorbenen kommt in solchen F√§llen oft noch das Trauern um vermeintliche Verwandte oder Freunde, die sich als wenig mitf√ľhlend erweisen oder gar aus dem Staub machen.

Trauerhilfe hilft, den Schmerz zu verarbeiten

Tod und Trennung zu √ľberwinden, gelingt zusammen mit Menschen, die √§hnliche Erfahrungen gemacht haben (vgl. Trennungsschmerz verarbeiten). Sie k√∂nnen zuh√∂ren. Sie helfen, den Prozess des Trauerns als notwendig annehmen und werden als mitf√ľhlende Individuen zugleich auch Anregungen f√ľr eine bessere Bew√§ltigung der Trauer leisten. Um die Trauer zu bew√§ltigen, ist der Umgang mit anderen unerl√§sslich. Der Kummer bleibt viel l√§nger im Herzen hocken, wenn jemand sich dem Leben gegen√ľber verschlie√üt. Jeder Verlust wiegt schwer, bis man ihn angenommen und verarbeitet hat. F√ľr d√ľstere und verzweifelte Gef√ľhle hat es etwas Tr√∂stendes, wenn andere wissen, wie es einem geht und einfach da sind. Es braucht in Trauergruppen nicht viele Worte, damit die anderen Gruppenteilnehmer verstehen, um welche Gedanken und Emotionen sich derzeit alles dreht. Au√üerhalb dieser Gruppen mangelt es den Menschen mit der Zeit oft an einem ausreichenden Verst√§ndnis. Alle tun nach einer Weile so, als gehe sie der Kummer eines anderen nicht an. Zwar fragen manche Menschen pflichtgem√§√ü, wie es dem Trauernden geht. Aber im Grunde ist es oft eine rhetorische Frage, die nicht nach einer allzu ausf√ľhrlichen Antwort verlangt.

In Selbsthilfe-Gruppen und Gespr√§chs-Trauerkreisen versuchen geschulte Trauerhelfer, den Hinterbliebenen Halt und Trost zu spenden. In einem Kreis von Gleichgesinnten darf die Trauer sein, wie sie will – still oder laut, lange anhaltend oder schnell wieder dem Leben zugewendet. Niemand muss in der Trauerzeit mit sich alleine bleiben. Oft finden sich durch solche Kreise neue Menschen im Leben ein, denen es nicht anders geht. Besonders schwer haben Menschen, deren kleine Kinder oder jugendlichen Enkel, Nichten und Neffen sterben. F√ľr diese Menschen gibt es spezielle Trauergruppen und Vereine, an die die Betroffenen sich wenden k√∂nnen.


Buch: "Ohne dich: Hilfe f√ľr Tage, an denen die Trauer besonders schmerzt" von Freya v. St√ľlpnagel | Beschreibung: "Trost, Verst√§ndnis und Hilfe beim Tod eines nahestehenden Menschen bietet die Autorin, die selbst ein Kind verloren hat, mit diesem Buch an. Als langj√§hrige Trauerbegleiterin wei√ü sie: Besonders die Tage unmittelbar nach dem Tod sowie Weihnachten, Ostern, Geburtstag, Hochzeitstag und der Todestag selbst erfordern Rituale, damit aus der Erinnerung eine heilende Kraft werden kann." (Amazon)
Buch: „Ohne dich: Hilfe f√ľr Tage, an denen die Trauer besonders schmerzt“ von Freya v. St√ľlpnagel | Beschreibung: „Trost, Verst√§ndnis und Hilfe beim Tod eines nahestehenden Menschen bietet die Autorin, die selbst ein Kind verloren hat, mit diesem Buch an. Als langj√§hrige Trauerbegleiterin wei√ü sie: Besonders die Tage unmittelbar nach dem Tod sowie Weihnachten, Ostern, Geburtstag, Hochzeitstag und der Todestag selbst erfordern Rituale, damit aus der Erinnerung eine heilende Kraft werden kann.“ (Amazon)*

Eine Depression oder Schuldgef√ľhle gegen√ľber dem Verstorbenen k√∂nnen in der Trauerzeit zus√§tzlich belasten. Es macht Sinn, solche Probleme nicht zu verdr√§ngen, sondern zu gegebener Zeit psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch eine psychosomatische Kur (siehe psychosomatische Reha) dient der Trauerverarbeitung, die sich oft auch mit k√∂rperlichen Symptomen ausdr√ľckt.

Alles, was der Trauerhilfe dient, sollte in Anspruch genommen werden. Den Kummer irgendwann zu verarbeiten, bedeutet, dem Leben und den noch Lebenden eine Chance zu geben. Das Sterben und die Emotionen darum geh√∂ren zum Leben. Sie sind der Preis daf√ľr, dass wir es wagen, jemanden zu lieben!

Zum Weiterlesen:

Traurigkeit √ľberwinden und besser mit Trauer umgehen

Quellen und weiterf√ľhrende Ressourcen √ľber das Trauern und Trauerbew√§ltigung