Nervös! - Mittel gegen Nervosität (© beeboys - stock.adobe.com)

Mittel gegen Nervosität – Was tun, wenn man ständig nervös ist?

Es ist eine universelle menschliche Erfahrung: In einer unangenehmen Situation, bevor wir etwas in der Öffentlichkeit tun sollen, das vielleicht schiefgehen könnte, oder vor einer Prüfung, von der eine Menge abhängt, werden wir nervös. Selbst die Entspanntesten und Abgebrühtesten unter uns sind nicht völlig immun dagegen. – Soweit, so normal. – Problematisch kann es allerdings dann werden, wenn unsere Nervosität uns derartig vereinnahmt, dass wir gar nicht mehr in der Lage sind, uns in so einer Situation so zu verhalten, wie wir es eigentlich wollen und ohne die nervöse Anspannung auch könnten. Und ganz besonders schlimm ist dies bei Menschen, deren Nervosität sie auch dann überwältigt, wenn es eigentlich objektiv betrachtet überhaupt keinen Grund dafür gibt.

Aus evolutionärer Sicht betrachtet, ist Aufregung oder Angst sinnvoll: Sahen unsere Vorfahren sich mit einer Stresssituation konfrontiert, so beinhaltete diese meist direkte Gefahr, zum Beispiel durch Raubtiere, verfeindete Stämme oder Bedrohung durch Naturphänomene. In solchen Situationen war es natürlich sinnvoll, mit einem Adrenalinstoß, einem schnelleren Herzschlag und erhöhter Aufmerksamkeit zu reagieren. Schließlich folgte höchstwahrscheinlich entweder ein Kampf, oder eine Flucht.

Heutzutage jedoch hat unsere Anspannung meist Gründe, bei denen weder das eine, noch das andere angemessene Reaktionen wären. Diese Gründe sind daher auch selten schnell aus der Welt geschafft und Nervosität bleibt oft ein dauerhafter Begleiter.

Um damit besser umgehen und mehr Ruhe im Alltag finden zu können, haben wir für Sie einige Tipps zusammengestellt, mit denen Sie die die Nervosität bekämpfen und hoffentlich besiegen können.

Nervös, aufgeregt (© sakuramochi - stock.adobe.com)
Nervös, aufgeregt (© sakuramochi – stock.adobe.com)

Nervosität Symptome

Nervosität kann neben der psychischen Belastung auch körperliche Symptome mit sich bringen. Welche Symptome genau, und wie stark sie ausgeprägt sind, ist allerdings von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Sollten Sie eines oder mehrere dieser Symptome regelmäßig bei sich beobachten, ist es nicht unwahrscheinlich, dass sie etwas mit ihrer psychischen Verfassung zu tun haben.

Magen- und/oder Darmbeschwerden

Nicht ohne Grund gibt es im Deutschen die Redewendung „einen nervösen Magen haben“. Tatsächlich ist der menschliche Verdauungsapparat besonders empfindlich für sowohl unsere positiven Gefühle („Schmetterlinge im Bauch“) als auch für negative Empfindungen. Der Darm hat sogar so etwas wie sein eigenes „Gehirn“: In ihm befinden sich über 100 Millionen Nervenzellen. Dementsprechend umfangreich kann auch unser „Bauchgefühl“ sein. Innere Unruhe und Anspannung äußern sich deshalb häufig durch Sodbrennen, Krämpfe und sogar Durchfall.

Schlafstörungen

Wer konstant nervös ist, findet häufig auch nicht genug Schlaf. Auch dies ist von einem evolutionären Standpunkt betrachtet sinnvoll: Gab es bei unseren Vorfahren einen Grund dafür, Angst vor etwas zu haben, war dieses Etwas normalerweise tatsächlich gefährlich und wach zu bleiben oder ein leichter Schlaf war die beste Strategie, rechtzeitig mitzubekommen, ob sich jemand oder etwas näherte. Heute jedoch ist es enorm wichtig, rechtzeitig einschlafen zu können. Nervosität führt zu Einschlafproblemen, und zu wenig Schlaf verschlimmert das ständige Nervössein. Es bildet sich ein Teufelskreis.

Schlafstörungen und Schlafprobleme im Kontext von Angst

Hyperventilieren

Extreme Nervosität führt manchmal zum Hyperventilieren, einer zu schnellen, flachen Atmung, durch die das Gehirn mit CO2 unterversorgt wird. Dies kann sogar zu einer Ohnmacht führen.

Schweißausbrüche

Dieses Symptom ist besonders bei öffentlichen Anlässen unangenehm: Erhöhte Schweißproduktion, eigentlich dazu gedacht, die erhöhte Körpertemperatur zu senken, kann die jeweilige Situation für den Betroffenen noch unangenehmer machen, was wiederum zu noch stärkerer Aufregung führt und weitere Schweißausbrüche verursacht.

Herzrasen

Herzklopfen ist eine der häufigsten Begleiterscheinungen der Nervosität. Damit einher geht häufig ein Erröten des Gesichts, da der schnellere Herzschlag die Durchblutung erhöht.

Erythrophobie – Angst vor dem Rotwerden / Erröten

Zuckungen

Ein Augenzucken oder sonstige Zuckungen im Gesicht treten auf, wenn das Nervensystem durch Stress überreizt wird. Dies ist zwar relativ harmlos und geht normalerweise von allein wieder weg, kann aber unangenehm sein, wenn man vor Leuten spricht oder etwas lesen muss.

Zittern

Zittern tritt normalerweise auf, wenn der Körper friert und versucht, sich durch schnelle Muskelkontraktionen aufzuwärmen. Überreizte Nerven können aber auch hier Signale fehlinterpretieren und so führt auch innere Unruhe bei einigen Menschen zu unkontrolliertem Zittern (vgl. auch zitternde Hände).

Nervosität Symptome - Unruhe, Zittern, Herzklopfen, Schweiß, Gedankenrasen, Stuhldrang... (© dtiberio - stock.adobe.com)
Nervosität Symptome – Unruhe, Zittern, Herzklopfen, Schweiß, Gedankenrasen, Stuhldrang… (© dtiberio – stock.adobe.com)

Nervöse Ticks

Einige Betroffene entwickeln mit der Zeit bestimmte Handlungen, mit denen sie sich, oft unbewusst, zu beruhigen versuchen. Zu solchen nervösen Ticks zählen zum Beispiel Nägel kauen, mit den Haaren spielen, mit dem Fuß wippen und sich auf die Lippe beißen.

Reizbarkeit

Eine erhöhte Reizbarkeit ist ebenfalls eine logische Konsequenz der Nervosität: Wer konstant unter Stress steht ist biologisch nicht auf Diplomatie, sondern auf Auseinandersetzung programmiert. So werden Konflikte aber leider nur noch mehr geschürt und das Stresslevel bleibt hoch.

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Dinge die man bei Nervosität meiden sollte

Bevor Sie beginnen, konkrete Mittel gegen Nervosität in Ihren Alltag zu integrieren, wird es zunächst Zeit, Verhaltensweisen, die die Nervosität fördern, zu verringern. Zufälligerweise sind diese Angewohnheiten außerdem auch ungesund, also können Sie nur gewinnen.

Alkohol

Alkohol macht zwar nicht unbedingt nervös, neigt aber dazu, Gefühle zu verstärken. Deshalb funktioniert Selbstmedikation mit Alkohol gegen Nervosität zumindest rein physisch überhaupt nicht. Was hilft, ist höchstens der Placebo-Effekt, weil der Konsument eine beruhigende Wirkung erwartet, oder das Ritual drumherum beruhigt. Nun könnte man argumentieren, dass es ja egal sei, warum Alkohol hilft, hauptsache er tut es. So einfach ist es aber leider nicht: Wird Alkohol mit der Bewältigung unangenehmer Situationen so stark in Verbindung gebracht, dass der Betroffene das Gefühl hat, ohne ihn nicht zurechtzukommen, kann dies nicht nur zur Sucht führen (Definition Sucht). Es gibt auch Situationen, die einen nervös machen können, bei denen man definitiv nicht unter Alkoholeinfluss stehen sollte, wie zum Beispiel Fahrzeuge steuern, technische Geräte bedienen, Kinderbetreuung und vieles mehr.

Vermeiden Sie Alkohol zur Selbstmedikation also besser, es sei denn Sie sind auf einer Party und nur zu nervös, jemanden anzusprechen.

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Koffein

Hier ist das Problem leicht zu erkennen: Kaffee und Energydrinks machen nicht nur wach, sondern auch zappelig. Das verschlimmert die Symptome der Nervosität und führt außerdem dazu, dass der Körper länger ohne Rast auskommen muss, als er vielleicht braucht. Gerade wenn man sowieso schon Probleme mit seinem Schlafrhythmus hat, sollte man also lieber auf den morgendlichen Kaffee verzichten und stattdessen versuchen, den Körper allein zu einem gleichmäßigen Rhythmus finden zu lassen.

Zigaretten

Gerade Menschen, die unter dauerhaftem Stress stehen, greifen oft auf Zigaretten zurück, um sich zu beruhigen. Zwar hat Nikotin tatsächlich einen kurzfristigen beruhigenden Effekt, aber einen nicht unbeträchtlichen Teil der entspannenden Wirkung macht es auch aus, dass sich der Raucher für einen kurzen Zeitraum der jeweiligen Tätigkeit entzieht, eventuell sogar ganz die Situation verlässt und an die frische Luft geht. Das Rauchen zwingt außerdem zu einer langsameren Atmung. Für all diese Effekte brauchen Sie aber nicht zwangsläufig eine Zigarette: Kurz vor die Tür gehen, durchatmen und die Stille genießen können Sie auch so, ganz ohne Abhängigkeit, eine kaputte Lunge und den finanziellen Aufwand.

Schwer verdauliches Essen

Auch schwer verdauliches Essen wie zum Beispiel sehr fettige, salzige und/oder stark verarbeitete Speisen sind bei Nervosität nicht zu empfehlen: Ist der Verdauungstrakt ohnehin schon gereizt, kann dies der Ausschlaggeber für Krämpfe oder Durchfall sein.

Auslöser

Dass man ständig nervös ist, kann durch viele verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Deswegen lohnt es sich, bevor Sie sich Medikamente als Mittel gegen Nervosität anschaffen, zunächst etwas Ursachenforschung zu betreiben.

Äußere Einflüsse

Ist Ihre Nervosität an bestimmte Stresssituationen wie berufliche Probleme, familiäre Konflikte, Lampenfieber oder ähnliche Auslöser gekoppelt, ist sie eine ganz normale Reaktion. Aber auch bestimmte körperliche Krankheiten können ein Auslöser sein. In diesen Fällen sind die üblichen Mittel gegen Nervosität gegebenenfalls nicht effektiv.

Psychische Erkrankungen oder Störungen

Menschen, die unter einer psychischen Krankheit oder Störung leiden, erleben Nervosität oft als Begleiterscheinung. Wenn Sie zum Beispiel unter Depressionen, Angststörungen oder ADHS leiden, werden Ihnen Baldrian oder Yoga vermutlich höchstens begleitend zu einer angemessenen Therapie beim Loswerden der Nervosität helfen.

Physische Krankheiten

Auch eine Erkrankung des Körpers kann Auslöser von Nervositätssymptomen sein. Bluthochdruck, Schilddrüsenerkrankungen, ein unausgeglichener Blutzuckerspiegel, Durchblutungsstörungen im Gehirn und Drogenmissbrauch sind nur einige mögliche Kandidaten. Haben Sie also öfter das Gefühl, Ihre innere Unruhe hat nichts mit ihrer äußeren Situation zu tun, sondern tritt einfach so auf, kann es nicht schaden, einen Arzt zu konsultieren.

Pflanzliche Mittel gegen Nervosität, Homöopathie oder 'richtige' Medikamente / Arzneimittel / Psychopharmaka? (© Pixelot - stock.adobe.com)
Pflanzliche Mittel gegen Nervosität, Homöopathie oder ‚richtige‘ Medikamente / Arzneimittel / Psychopharmaka? (© Pixelot – stock.adobe.com)

Hausmittel gegen das „nervös sein“

Bevor Sie auf Medikamente oder eine ärztliche Behandlung zurückgreifen, können Sie zunächst einmal einige Hausmittel gegen innere Unruhe ausprobieren. Diese sind oft kostengünstiger und auch frei von Nebenwirkungen.

Tees

Eines der beliebtesten Hausmittel gegen Aufregung ist Tee. Im Handel gibt es eine Vielzahl verschiedener Mischungen, die zu Ruhe und Ausgeglichenheit verhelfen sollen. Insbesondere Baldrian, Lavendel, Melisse und Kamille sind beliebte natürliche Wirkstoffe. Aber auch der simple Vorgang des Teetrinkens kann bereits eine beruhigende Wirkung haben: Da ein Heißgetränk langsam und mit Bedacht zubereitet und getrunken wird, kann schon das bloße Ritual gegen Stress helfen.

Bäder

Ähnlich funktionieren auch Entspannungsbäder: Zusätzlich zur Aromatherapie (auch hier sind Lavendel, Kamille und Melisse als Hausmittel beliebt) hilft die Wärme gegen Verspannungen und das Bad bringt einen zum Innehalten und Durchatmen.

Sport

Auch sportliche Betätigung kann ein effektives Mittel gegen Nervosität sein: Während Yoga sogar selbst aktiv entspannend wirkt, kann auch jede andere Form des sich Auspowerns eine gute Strategie sein, seiner Aufregung in einer isolierten Umgebung Luft zu machen.

Nervosität besiegen - Ursachen finden und angehen, Ruhe & Entspannung suchen, ... (© milatas - stock.adobe.com)
Nervosität besiegen – Ursachen finden und angehen, Ruhe & Entspannung suchen, … (© milatas – stock.adobe.com)

Atemübungen / Meditation

Vielen Betroffenen hilft es auch, bestimmte Atemübungen zu erlernen oder regelmäßig zu meditieren. Im Gegensatz zum beliebten Ratschlag, man solle bei Nervosität „mal so richtig durchatmen“, ist genau das eigentlich kontraproduktiv: Aufgeregte Menschen neigen nämlich von vorneherein dazu, zu viel Luft einzuatmen und zu vergessen, wieder auszuatmen. Durch die bis zum Maximum mit Luft gefüllten Lungen fühlt es sich an, als hätte man Druck auf der Brust. Wenn man also glaubt, vor nervöser Aufregung ersticken zu müssen, ist eigentlich das Gegenteil der Fall: Man kriegt nicht zu wenig Luft, sondern zu viel. Deswegen ist eine bewusste, ausgeglichene Atmung oft ein guter Trick gegen Nervosität.

Meditation hingegen funktioniert als akutes Mittel gegen Nervosität meistens eher nicht: In einer stressigen Situation bleibt selten Zeit und Raum für eine vollständige Meditations-Session. Dennoch kann regelmäßige Meditation dabei helfen, Sie insgesamt ausgeglichener zu machen, und so eventuell die Schwelle etwas zu verschieben, ab der Sie krampfhaft nervös werden.

Medikamentöse Behandlung – „Harte“ Mittel gegen Nervosität und rezeptfreie Produkte

Wenn Sie alle Tipps, Tricks und Diagnostikinstrumente ausprobiert haben, und immer noch keinerlei Linderung Ihrer Symptome auftritt, kann Ihr Arzt Ihnen kurzfristig auch Medikamente gegen Nervosität, im härtesten Fall sogenannte Benzodiazepine als Beruhigungsmittel, verschreiben. Da diese auf Dauer allerdings schnell abhängig machen können, wird dies üblicherweise nur als Überbrückung gesehen, bis eine andere Behandlungsmethode gefunden wird.

Eine weniger drastische Alternative stellen rezeptfrei erhältliche Medikamente auf Basis natürlicher Inhaltsstoffe, wie zum Beispiel Neurexan dar (siehe Neurexan Wirkung), die Wirkstoffe aus diversen Hausmitteln in höherer Dosis kombinieren und somit leichter in den Alltag zu integrieren sind.

Beliebte Präparate sind auch LaseaEuvegal, Sedonium und Vivinox.

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Euvegal Balance 500 mg

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Video-Ratgeber und Tipps

Wenn Sie sich noch genauer über Tipps, Tricks, Übungen oder Behandlungsformen informieren möchten, finden Sie einige Ratgeber Videos auf YouTube, zum Beispiel

  • Vorbereitung auf Stresssituationen (Selbsthypnose):

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg auf Ihrem Weg zum souveräneren Auftritt!

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Quellen:

Dr. Jan Martin - Virtueller Chefredakteur - Digitale Redaktionsleitung Dr. Jan Martin ist virtueller Chefredakteuer von www.angst-verstehen.de. Er ist das Außengesicht der digitalen Redaktionsleitung, verantwortlich für Qualitätssicherung und Publikation der Texte der Redaktion.