Trennungsschmerz verarbeiten, Trennungsschmerzen überwinden (© Benicce / Fotolia)

Trennungsschmerzen: Wie Sie Trennungsschmerz verarbeiten, bewältigen, überwinden

Über den konstruktiven Umgang mit Trennungsschmerzen

Die meisten Menschen müssen im Laufe des Lebens mit Trennungsschmerz umgehen – und dieser betrifft nicht immer eine Liebesbeziehung. Auch von Eltern, Geschwistern, geliebten Tanten und verehrten Onkels, manchmal den eigenen Kindern oder einem geliebten Haustier müssen wir uns früher oder später trennen. Auch der Tod der besten Freundin oder Verrat unter engen Freunden kann zu Trennungsschmerzen führen, den wir irgendwie verarbeiten und überwinden lernen müssen. Selbst ein Umzug aus einer geliebten Stadt ist schmerzvoll. Er erfolgt nicht immer freiwillig.

Jemand hat einmal sinngemäß gesagt, Schmerz sei der Preis für die Liebe. Nur, wer sich nicht und nie auf tiefe Gefühle einlässt, wird keine Trennungsschmerzen erleben. Das gilt also für fast niemanden, denn zumindest auf die Liebe zu Eltern und Geschwistern lässt sich fast jeder ein. Ein Leben ohne Trennungsschmerz wäre also nur dann denkbar, wenn jemand kein soziales Wesen wäre und sich niemals emotionell an jemand anderen bindet. Und selbst dann wären gelegentliche seelische Erschütterungen nicht auszuschließen.

Quellen:

Trennungsschmerzen verarbeiten, Trennungsschmerz überwinden (© Gina Sanders / Fotolia)
Trennungsschmerzen verarbeiten, Trennungsschmerz überwinden (© Gina Sanders / Fotolia)

Trennung und Scheidung sind emotionelle Zäsuren

Eine Trennung und eine Scheidung, sowie das abrupte oder allzu lange hinausgezögerte Ende einer Liebesbeziehung – sie alle hinterlassen tiefe Wunden, zerplatzte Illusionen und Lücken im gewohnten Leben. Viele Menschen müssen im Lauf ihres Lebens mit Trennungsschmerz umgehen. Sie müssen danach akzeptieren lernen, dass sie nun wieder Single sind. Zum Kummer um die Trennung addiert sich oft das Gefühl von Verrat. Dies gilt insbesondere, wenn der Beziehungspartner untreu war oder seinen Partner auf andere Weise hintergangen hat. Angst davor, wie es nun weitergegen soll, macht sich breit.

Wenn Kinder im Spiel sind, treten oft emotionale Erpressung, finanzielle Sorgen und emotionale Abhängigkeiten zutage. Der vom Partner Verlassene leidet häufig unter Minderwertigkeitskomplexen. Er kann infolge der Trennung Angst vor Nähe entwickeln, wenn er vor der Krise schamlos hintergangen wurde. Ehebruch oder regelmäßige Besuche in einem Seitensprungportal können dank Smartphone und Online-Zugang heute leichter aufgedeckt werden, als früher. Das Vertrauen in eine neue Beziehung fehlt, wenn die Trennung unschön verlief, und die Scheidung zu einem Rosenkrieg ausartete. Doch auch so sind Trennungen schwer genug zu verarbeiten.

Liebeskummer kann lange anhalten. Er durchläuft verschiedene Phasen. Neben der Trauer um den Verlust des Partners und des Gefühle der Sicherheit machen sich oft auch Wut oder Verzweiflung breit. Es dauert unterschiedlich lange, bis jemand zu einem Neubeginn bereit ist. Manche Frauen trauern ihrem Ex ein halbes Leben lang nach. Damit verhindern sie aber einen Neubeginn. Manche Damen – aber auch manche Männer – tun alles möglich, um ihren Ex-Partner zurückzugewinnen. Ob das immer klug ist, ist eine andere Frage. Angeknackste Liebesbeziehungen lassen sich meistens nicht mehr kitten. Wenn Stalking oder andere ungesunde Reaktionen auf die Trennung erfolgen, ist einer von beiden behandlungsbedürftig.

Um eine Trennung zu verarbeiten, benötigen viele Menschen professionelle Hilfe. Wer sich nach dem Ende einer Liebesbeziehung oder Ehe sofort in eine neue Liebe stürzt, nimmt sich nicht die Zeit für eine innere Neuorientierung. Er kann den Trennungsschmerz nicht verarbeiten, sondern verdrängt ihn. In diesem Fall steht der Neubeginn unter keinem guten Stern. Ohne den Liebeskummer zu bewältigen, nimmt der Betroffene seine alten Fehler und den Vertrauensverlust mit in eine neue Liebesbeziehung. Er bedient sich dort vielleicht aus Angst vor erneutem Verlassenwerden emotionaler Erpressung (vgl. emotionale Manipulation). Er deklariert sich vielleicht zum Opfer eines beziehungsunwilligen Machos, der seine Partnerin ständig betrog, und dann fallen ließ. Damit zwingen die Betroffenen ihr neues Gegenüber dazu, Verlustangst, Depressionen, Versagensängste, Angst vor Nähe und Minderwertigkeitsgefühle auszubaden.

Aus Angst vor Ablehnung nehmen viele neue Beziehungspartner auch ein ungesundes Verhalten ihres Gegenübers hin. Nicht jeder Mensch kann angemessen mit Trennungsschmerz umgehen. Viele agieren in dieser Situation ihre Neurosen oder ihren Kummer in Form von Hasstiraden oder anwaltlichen Forderungen aus. Die emotionelle Kulisse bricht zusammen. Loslassen kann eben nicht jeder. Manche Menschen müssen erst tiefe Täler der Verzweiflung durchleben, bevor sie eine neue Beziehung wagen können.

Quellen:

Buch: Wenn der Partner geht: Trennungsschmerz und Liebeskummer bewältigen (Amazon)
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Trennungsschmerz verarbeiten: vom Beziehungs-Abbruch zum Aufbruch kommen

Wie Männer und Frauen mit Trennungsschmerz umgehen, ist unterschiedlich. Frauen neigen eher dazu, das emotionelle Trauma nach und nach zu verarbeiten (siehe auch: Wege aus der Traumatisierung). Sie suchen das Gespräch mit Freunden, die vielleicht ähnlich betroffen waren. Sie lesen entsprechende Artikel im Internet oder kaufen sich einen Scheidungsratgeber im Buchladen.

Viele Menschen, die verlassen wurden, können aber lange Zeit nicht loslassen. Vielen Männern fällt das Loslassen emotioneller Tiefschläge anscheinend leichter. Viele Männer stürzen sich wesentlich eher in eine neue Beziehung und haken die alte sehr bald ab. Viele halten eine Beziehung auf lange Dauer wegen der damit verbundenen Anstrengungen ohnehin für lästig. Manche Männer passen sich Chamäleon-artig einer neuen Frau an, nur um von ihr geliebt zu werden. Andere sehen in den Frauen zukünftig nur noch „Tussen“, für die sich kein Schmerz lohnt. Solche Männer leiden nur selten an Trennungsschmerz. Sie wollen oder können nicht zulassen, sich emotionell auf Intimität und Nähe einzulassen. Es gibt aber auch zunehmend Männer – vor allem in interkulturellen Beziehungen – die nach einer nicht akzeptierten Trennung zu Stalkern oder gar Mördern werden. Frauen haben meistens ein natürliches Bedürfnis nach Nähe, Intimität, Zärtlichkeit und Verbindlichkeit in Liebesbeziehungen. Sie leiden folglich emotionell stärker als die Männer. Diese sind oft mit ihrem Beruf verheiratet. Ihre Identifikation mit dem Partner und dem gemeinsamen Leben ist oft kleiner als die der Frau.

Psychologen haben vier Phasen ausgemacht, in denen eine Trennung verläuft.

Zunächst wird die Trennung oft von einem der beiden Partner nicht als endgültig angesehen und verleugnet. Der Verlassene befindet sich in einer Art Schockstarre. Er will einfach nicht wahrhaben, dass eine große Liebe so endet. Wenn Kinder da sind, fällt das Loslassen noch schwerer. Es ist immerhin gemeinsame Verantwortung im Spiel (siehe auch Angst vor Verantwortung…). Auch finanzielle und Sorgerechtsfragen stehen plötzlich im Raum.

Das nachfolgende Gefühlschaos, das einer Trennung folgt, dauert meistens am längsten. Es ist auch am schwersten zu überwinden. Gefühle wie Verzweiflung, Trauer, Verletztheit, Hilflosigkeit und Wut vermischen sich miteinander. Dieses emotionelle Chaos bedeutet puren Stress – für den Organismus ebenso, wie für die Seele. Wer in dieser Phase keine Hilfe hat, hat es schwer. Die Dauer, um dieses emotionelle Chaos zu bewältigen, ist individuell unterschiedlich. Wichtig ist, sich nicht als Opfer zu sehen, sondern irgendwann loszulassen, und den Neuanfang zu wagen. Auch mit Kindern ist das möglich. Es braucht aber Mut und eine geeignete Strategie.

Für einen Neuanfang bedarf es einiger Anstrengung. Es bedarf eines Entwurfs, wie der oder die Verlassene sich das neue Singleleben samt der späteren Offenheit für eine neue Beziehung vorstellt. Wer die Trennung wirklich verarbeitet hat, kann irgendwann neu mit sich beginnen. Der Liebeskummer legt sich. Eine neue Offenheit für andere Erfahrungen entsteht.

Viele Menschen sind schon betrogen, hintergangen und verlassen worden, Prominente eingeschlossen. Manche verloren ihren Partner an den Tod. Den Kummer darüber kann jeder überwinden, auch wenn die Wunden noch so tief sind. Deswegen Angst vor Ablehnung, Angst vor Frauen oder Angst vor Männern zu entwickeln, ist falsch.

In der Regel haben bei einer Scheidung beide Parteien dazu beigetragen, dass einer am Ende verlassen wurde, und sein Liebestraum im Liebeskummer endete. Nun gilt es, mit dem Trennungsschmerz umgehen zu lernen. Er kann nach einer Phase der inneren Lähmung durchaus zu einem emotionellen Dynamo werden, der neue Energien freisetzt.

Buch: Trennungsschmerz und Neubeginn: Wie aus Abbrüchen Aufbrüche werden (Amazon)
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Quellen:

Video zu Trennungsschmerzen und Liebeskummer:

Was tun gegen Stimmungsschwankungen und Trauer?

Eine Trennung kann sich zunächst furchtbar anfühlen. Sie kann den Betroffenen emotionell stark belasten. Doch auch derjenige, der gegangen ist, kann unter seiner Entscheidung leiden. Oftmals gingen dem Beziehungs-Debakel jahrelange Konflikte voraus. Manchmal kam es im Vorfeld der Trennung zu einer Familientherapie oder Paartherapie. Doch auch das hilft nicht immer.

Eine Trennung kann daher auch ein Sprungbrett hin zu neuen Ufern darstellen. Dazu müssen die Betroffenen zunächst die überbordenden Gefühle sortieren. Der vom Partner Verlassene muss die Trauer über das verlassen werden überwinden. Trauerverarbeitung kann unterschiedlich lange dauern. Je nach Umständen, emotioneller Konstitution und Trennungsgrund braucht es eine gewisse Zeit, bis der Schmerz verdaut ist. Mancher braucht dafür die Hilfe eines Psychotherapeuten oder Heilpraktikers. Er erlebt die Trennung als Trauma, und fühlt sich ohne seinen geliebten Partner hilflos und verloren.

Wer nicht vom Partner loslassen kann, brauchte diesen vermutlich, um sich bestätigt und geliebt zu fühlen. Er konnte offensichtlich nicht genug Selbstliebe entwickeln. Daher ist ein Liebespartner oft jemand, der den Mangel an Selbstliebe ausgleichen soll. Er wird als „die fehlende Hälfte“ wahrgenommen. Ohne ihn fühlen sich manche Menschen geradezu halbiert. Emotionale Abhängigkeit und Verlustangst sind aber keine guten Grundlagen für eine glückliche Liebesbeziehung oder Ehe.

Eine Psychotherapie kann zu großem Trennungsschmerz nachspüren. Er kann die dahinter liegenden Ursachen erkennen helfen. Manchmal genügen auch ein neuer Haarschnitt und ein schöner Urlaub mit Freunden, um die Seele wieder ins Lot zu bringen. In diesem Fall ist das Ende der Ehe offensichtlich eine Befreiung. Der vom Partner Verlassene spürt sogar eine gewisse Erleichterung. In diesem Fall fällt es deutlich leichter, das Aus zu akzeptieren. Vielleicht war es nicht die große Liebe. Vielleicht passten die Liebespartner einfach nicht zusammen oder haben sich still auseinandergelebt. Nicht jede Trennung ist ein emotionelles Drama.

Wenn trennungsbedingt anhaltende Stimmungsschwankungen vorliegen, können sich die Betroffenen vorübergehend mit pflanzlichen Mittel helfen, die stimmungsaufhellend wirken. Oft ist das eine gute Hilfe. Kann jemand einfach nicht die Trauer überwinden, ist der Anschluss an eine Selbsthilfegruppe zur Trauerverarbeitung anzuraten. Gespräche mit solidarischen Freunden sind ebenfalls nützlich. Die Betroffenen lernen in diesem Prozess, dass es manchmal gesünder ist, Beziehungen beenden zu wollen, als sie aufrecht zu erhalten.

Dass solche Erkenntnisse melancholisch machen können, ist normal. Trennungsbedingte Depressionen, die über lange Zeit anhalten, sind aber häufig behandlungsbedürftig. Sie weisen darauf hin, dass die Betroffenen die Trennung nicht wirklich bewältigen konnten. Wie lange es dauert, bis einen Verlassenen erneut die Liebe anlacht, ist unterschiedlich. Dank zahlreicher Flirt- und Dating-Möglichkeiten kann aber jeder ein neues Glück finden.

Quellen:

Buch: Goodbye Herzschmerz - Eine Anleitung zum Wieder-Glücklichsein (Amazon)
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Trennungsschmerz adé – Es lohnt sich, neu mit sich zu beginnen

Es lohnt sich durchaus, die Trauer überwinden zu wollen, und die verschiedenen Phasen der Trauer mit positiven Maßnahmen zu überwinden. Jeder kann genügend Selbstliebe entwickeln. Die meisten Menschen können ihre innere Antriebslosigkeit bekämpfen, indem sie aktiv werden. Wie lange auch immer die einzelnen Phasen andauern, um die vergangene Liebe zu bewältigen: Irgendwann kommt die Zeit, wo das Leben für beide Seiten wieder schön ist. Die Betroffenen können auch als Single innere Ruhe finden und das Leben genießen. Sich selbst aushalten zu können, ist nicht das Schlechteste.

Vielleicht werden Sie später im Leben selbst einmal der- oder diejenigen sein, die eine ungesunde Beziehung beenden möchte. Das zumindest versuchte Verständnis für den anderen ist ein guter Beginn, um die Dauer des eigenen Leidens abzukürzen. Manchmal sind Perspektivwechsel zur Verarbeitung hilfreich. Sie sollten aber nicht in Selbstvorwürfen und Minderwertigkeitsgefühlen enden. Mit klarem Blick anzusehen, was falsch gelaufen ist – ohne persönliche Schuldzuweisungen – ist ein besserer Beginn. Dabei kann eine Therapie helfen. Ein klarer Strich unter die Sache hilft am Ende der Verarbeitungsphase, um endlich darüber hinweg zu kommen. Wie lange ein Paar bereits zusammen war, spielt für den Verlassenen zwar emotionell eine Rolle. Die lange Dauer von Beziehungen stellt aber keine Gewähr dar, dass alles dauerhaft beim Alten bleibt.

Beziehungen sind grundsätzlich freiwillig. Das vergessen viele Menschen, die jahrelang in einer engen und vermeintlich sicheren Beziehung gelebt haben. Sie sehen im Eheversprechen eine Bindung, die unauflöslich ist. Das ist aber in den seltensten Fällen so. Wer sich die Liebe über Jahre erhalten kann, ist ein wahrer Glückspilz. Einen Anspruch darauf, von einem bestimmten Partner geliebt zu werden, hat jedoch niemand. Normal ist, dass sich zwei Menschen im Laufe einer Ehe oder Liebesbeziehung unterschiedlich entwickeln. Dann ist es natürlich, dass einer von ihnen irgendwann einen neuen Partner suchen möchte, der seine neuen Interessen teilt. Oft ist eine Scheidung der beste Weg, wenn die Liebesbeziehung oder Ehe einfach nicht mehr funktioniert. Sie sollte aber nach Möglichkeit einvernehmlich sein.

Quellen:


Buchtipp zum Thema Trennungsschmerz überwinden:

Buch: Heile dein gebrochenes Herz: Schritt für Schritt vom Herzschmerz zum Lebensglück. Ein Ausfüllbuch gegen Liebeskummer (Amazon)
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Titelbild: Trennungsschmerz verarbeiten, Trennungsschmerzen überwinden >> © Benicce / Fotolia


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