Melancholie | Was genau meint melancholisch? Kann man einem Melancholiker helfen? (© DREIDREIEINS Foto / Fotolia)

Melancholie > Was genau meint „melancholisch“? Kann man einem Melancholiker helfen?

Szenen der Melancholien – Traurigkeit, Trübsinn, Schwermut, Unglück, Pein, Kummer, Leid?!

Oft sagt man, dass es einem gut geht. Nach einer kurzen Überlegung fällt einem dann aber doch die ein oder andere Sorge ein. Hinzu kommen Stress, Ärger in Familie oder der Arbeit und andere Faktoren, die ein positives Bild schnell ins Negative umwandeln.

Manchmal ist man schwermütig oder alles erscheint in einem schier traurigen Licht. Kleinigkeiten führen dazu, dass Tränen fließen können. Man hat auf Gespräche mit Freunden oder Bekannten keine Lust, zieht sich zurück und beginnt, seine eigene Welt alleine zu leben. Schwermut, Trübsinn und Traurigkeit lösen eine einstige Fröhlichkeit ab. Lieber ganz alleine sein, als sich mit anderen auseinanderzusetzen. Keine Kontakte pflegen und nicht mehr für andere da sein. So entsteht im vielleicht noch guten Fall Melancholie., früher oder später aber auch gern eine mehr oder weniger handfeste Depression (vgl. depressive Verstimmung Symptome).

Dabei hat die heutige Gesellschaft für solche Zustände keinen Raum. Der Blick ins Fernsehprogramm zeigt, dass eigentlich gute Laune und Unterhaltung gefragt sind. Ein Melancholiker, der ins Grübeln gekommen ist, scheint hier fehl am Platze zu sein. Sein Zustand ist nicht mehr zeitgemäß oder gar unnormal. Hinzu kommt die gesellschaftliche Auffassung, dass ein solcher Zustand vielleicht bekämpft werden muss. Es entstehen Ratschläge von allen Seiten. Verwandte und Bekannte beginnen mit Aufmunterungen und Motivationsversuchen. Die melancholisch anmutende Traurigkeit muss – egal was passiert – durch Fröhlichkeit ersetzt werden. Eine negative, schlechte Stimmung passt nicht mehr in das Weltbild. Andere wollen sich auch davon nicht anstecken lassen und versuchen vielleicht, wenn Aufmunterungsversuche gescheitert sind, den Melancholiker zu meiden. (wissen.de/melancholie-die-positive-traurigkeit).

Traurigkeit, Schwermut, Trübsinn - die Grenzen zwischen melancholisch und depressiv, zwischen Melancholie und Depression sind oft schwer zu erkennen. Nicht jeder Melancholiker ist psychisch krank... (© eyetronic / Fotolia)
Traurigkeit, Schwermut, Trübsinn – die Grenzen zwischen melancholisch und depressiv, zwischen Melancholie und Depression sind oft schwer zu erkennen. Nicht jeder Melancholiker ist psychisch krank… (© eyetronic / Fotolia)

Begriff der Melancholie in der Psychologie

Schwermut und Melancholie entwickelten sich nach und nach zu einem Begriff, der zunehmend Beachtung fand und allmählich auch eine psychologische Dimension entwickelte. Siegmund Freud grenzte in seinem Aufsatz „Trauer und Melancholie“ Trübsinn von Trauer ab. Sie sei durch Herabsetzung eines Selbstgefühls gekennzeichnet, die nicht durch die Bewältigung von Trauer behoben werden kann. Melancholie sei ein seelischer Begriff, der sich durch eine schmerzliche Verstimmung, mangelndes Interesse an der Außenwelt, Verlust der Liebesfähigkeit und Hemmung aller Leistungen gekennzeichnet sei. Hinzu kommen Faktoren wie die Abwertung des eigenen Selbstgefühls, das sich durch Selbstbeschimpfungen und Vorwürfe äußert. Melancholie habe einen selbstzerstörerischen Aspekt und sei Ursache für Suizid.

… in der Religion

Im Mittelalter wurde Menschen, die melancholisch waren, die „Mönchskrankheit“ nachgesagt. Dieses Krankheitsbild stellt eine Beziehung zur Acedia her, was in der Theologie eine wichtige Rolle spielte. Das Phänomen beschreibt unter anderem eine Heimsuchung durch Dämonen. Für die damaligen Mönche war die Acedia der Kampf mit dem Mittagsdämon. Hier steht die Zeit still und es kommt eine Zeit der Versuchung und der Müdigkeit. Nach der Reformation wurden Melancholien als Versuchung des Teufels dargestellt, der ein Gläubiger widerstehen musste. Das Versinken in Verzweiflung und Traurigkeit war für den gläubigen Menschen eine Bestätigung des eigenen Glaubens. Gebete und das Singen von Liedern sollten Schwermut und Trübsinn entgegenwirken. Auch Martin Luther machte Erfahrungen mit Schwermut. Er setzte sich in vielen Schriften mit Melancholie auseinander. Später wurden melancholische Menschen als „typisch protestantisch“ bezeichnet. (religion.geroldpaul.de/2013/12/12/hiob-der-melancholiker/).

… in der Medizingeschichte

Die griechische Bezeichnung setzt sich aus den Namen „melas“ (schwarz) und „Chole“ (Galle) zusammen. Hintergrund bildeten die „Vier-Säfte-Lehre“ und der Gedanke, dass sich die Gesundheit aus einer Zusammensetzung von vier Flüssigkeiten besteht. Diese waren

  • die gelbe Galle,
  • die schwarze Galle,
  • Schleim und
  • Blut.

Diese Lehre bestimmte das Denken der Medizin von der Antike bis in das neunzehnte Jahrhundert. Bei Menschen, die melancholisch sind, überwiegt nach dieser Auffassung der Anteil der schwarzen Galle. Geistige und körperliche Kräfte erschlaffen. Gleichzeitig entstehen Apathie, Pessimismus ergänzt durch Pessimismus und sogar Verachtung. (deutschlandfunk.de/radiolexikon-die-melancholie.709.de.html?dram:article_id=245905).

Im Mittelalter wurde das Melancholische noch mit den Sternbildern von Waage, Skorpion und Schütze verbunden. Viele Schriften der Renaissance bestätigten diese Auffassung. Melancholiker stünden zudem stark unter dem Einfluss des Saturn. Sowohl die mittelalterliche als auch die antike Literatur sahen Melancholiker immer negativ und verbanden sie mit einem Gemütsleiden. Nur wenige Ausnahmen sprachen positiv über dieses Phänomen. Später wurden vielen Philosophen, Dichter, Künstler und Staatsmännern melancholische Züge nachgesagt. Der englische Kleriker Robert Burton befasste sich in seinem Werk „Anatomie der Melancholie“ mit den verschiedenen Prägungen dieses Phänomens. Nach Entdeckung des Blutkreislaufs durch William Harvey im Jahr 1628 entsprachen die damaligen Theorien über die Entstehung von Melancholie nicht mehr dem aktuellen Stand. Dennoch übte der Begriff weiter auf die damals bekannten Wissensgebiete einen starken Einfluss aus. (de.wikipedia.org/wiki/Melancholie).


… in Literatur und Kunst

Melancholisch-Sein spielte in der gesamten Literaturgeschichte eine bedeutende Rolle. Zu den Literaten, die sich mit melancholischen Themen auseinandersetzten, zählen Walther von der Vogelweide, Jean-Jacques Rousseau, Friedrich Nietzsche und Christian Morgenstern. In der Kunstgeschichte erfolgt die Darstellung von Melancholikern oft in Verbindung innerer Schwermut. Darstellungen finden sich in Landschaften, einem realen oder symbolischen Raum oder einer einsamen Person in einer Landschaft.

Albrecht Dürer schuf 1514 den Holzschnitt „Melencolia I“, der prägend für weitere Darstellungen in der Kunstgeschichte war. In den folgenden Epochen stellten Objekte ein Fehlen menschlicher Gemeinschaft dar.

Die Zeit der Romantik schuf einen melancholischen Einklang von Seele und Landschaft. Die Kunst zeichnet sich durch weite Räume und Landschaften sowie ziellose, verschobene Perspektiven aus. Bekannte Werke sind: Caspar David Friedrich, „Der Mönch am Meer“ (1809/10) und Edvard Munch, „Melancholie“.

Melancholien als Depression

In vielen Fällen wird eine negative Stimmung als Emotion bezeichnet, die auf Ereignisse zurückgehen, die unangenehm waren. Das Bewusstsein des Menschen befindet sich in diesem Moment in einer Ausnahmesituation, die häufig verdrängt wird. Manche Emotionen finden ihren Ursprung in der Zeit vor dem fünften Lebensjahr oder sogar noch im Mutterleib. Dies führt zur Traurigkeit seit der Kindheit, die sich im weiteren Leben fortsetzt und weiter vertiefen können. (https://www.youtube.com/watch?v=w2IkOazkJC0).

Gibt es eine Unterscheidung zwischen melancholisch und depressiv?

In vielen Fällen verschwindet Melancholie so schnell, wie sie gekommen ist. Dieses Gefühl kann innerhalb weniger Minuten, Stunden oder Tage erfolgen. Sie hält aber in der Regel nicht über längere Zeiträume an. Leiden Menschen jedoch unter ihrer Schwermut und empfinden nur noch Hoffnungslosigkeit und Ausweglosigkeit, liegt eine Depression vor. Gehen die Gedanken sogar noch bis zum Suizid, ist therapeutische Hilfe notwendig (siehe auch Suizid Gedanken).

Melancholiker in sozialer Isolation

Soziale Isolation entsteht durch wenige unterdurchschnittliche soziale Kontakte. Die Folge sind Selbstzweifel und die Frage, weshalb man selbst nicht im Mittelpunkt steht. Selbstmitleid führt zu dem Glauben, selbst minderwertig zu sein. Die Folge ist Ablehnung in Verbindung mit einer negativen Selbstmeinung (vgl. negative Gedanken loswerden, Angst vor Zurückweisung überwinden). Die Folge ist eine Melancholie als soziale Isolation.

Positive Melancholie

Glaubt man Statistiken, sind die Deutschen glücklicher als Menschen aus anderen Ländern. Nach Umfragen steigt die Lebenszufriedenheit sogar noch weiter an. Es scheint, als ob immer mehr Deutsche Fröhlichkeit einer Traurigkeit vorziehen. Nach einer Statistik litt dennoch etwa jeder zwölfte Einwohner Deutschlands an einer mehrwöchigen Depression. Die Niedergeschlagenheit in Form einer Krankheit kann leicht zu einer schweren Depression führen.

Melancholie selbst muss – im Gegensatz zur Depression – nicht immer behandelt werden. In vielen Fällen reicht es, auf die eigene innere Stimme und Intuition zu hören. Ein nur kurzzeitiger Rückzug ermöglicht eine klare Sicht auf viele Dinge und verschafft eine bewusste Wahrnehmung der eigenen Empfindungen und die anderer Menschen. Der Melancholiker kann somit selbst von einem vorübergehenden Trübsinn profitieren. Phasen von Unglück, Trübsinn, Schwermut, Kummer und Traurigkeit schaffen Raum für Neues und lernen, die kleinen und großen Probleme des eigenen Lebens zu verstehen. Sie schaffen zudem eine Neuinterpretation der eigenen Beziehung zum Partner oder zu anderen Menschen.

Melancholische Phasen können dazu beitragen, wieder einen Gang zurückzuschalten und zum stillen Genießer zu werden. Die freie Zeit eignet sich zur Ruhe und Gelassenheit (siehe auch: gelassen bleiben). Vielleicht können sie dazu beitragen, etwas Neues zu beginnen oder etwas aus der Vergangenheit neu zu beleben. Melancholie trägt dazu bei, Gedanken und Gefühle auszudrücken. Sie schafft Ausgleich und Entspannung und versteht sich als Phase voller Tiefe, Kreativität, Frieden, Stille und Harmonie. (wissen.de/melancholie-die-positive-traurigkeit/page/0/2).

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Dr. Jan Martin - Virtueller Chefredakteur - Digitale Redaktionsleitung Dr. Jan Martin ist virtueller Chefredakteuer von www.angst-verstehen.de. Er ist das Außengesicht der digitalen Redaktionsleitung, verantwortlich für Qualitätssicherung und Publikation der Texte der Redaktion.