Hoffnungslos | Hoffnungslosigkeit ist Begleitsymptom vieler psychischer Erkrankungen (© Syda Productions / stock.adobe.com)

Hoffnungslos im Zuge psychischer Erkrankungen? – Hoffnungslosigkeit bekämpfen

Hoffnungslosigkeit ist ein Zeichen von Mutlosigkeit, gefühlter Perspektivlosigkeit und Selbstaufgabe. Hält dieses Gefühl länger als einen Tag an, kann es sich um das Anzeichen einer psychischen Erkrankung handeln. Sobald die Hoffnungslosigkeit nicht mehr weichen will, hat diese Symptomatik einen Krankheitswert. Ob es sich um eine momentane depressive Verstimmung, tiefe Trauer oder eine klinische Depression handelt, ist festzustellen.

Etwa vier Millionen Deutsche leiden derzeit an Depressionen. Tendenz steigend. Mit dieser psychischen Erkrankung geht oft ein Gefühl innerer Leere, Apathie und Hoffnungslosigkeit einher. In diese Gefühle mischen sich oft Selbstvorwürfe, destruktive Gedanken, Freudlosigkeit, Ängste oder suizidale Gedanken. Genau deswegen ist es so wichtig, dass jeder Betroffene über seine Gefühle spricht und sich möglichst schnell Hilfe holt. Wer über lange Zeit in der Hoffnungslosigkeit stecken bleibt, ist stark suizidgefährdet.

Hoffnungslosigkeit und Suizidneigung

Im Poesiealbum früherer Tage findet sich oft der Spruch:

„Schlägt Dir die Hoffnung fehl
nie fehle Dir das Hoffen.
Ist ein Tor zugetan
sind tausend andere offen“

So wahr dieser Satz auch ist: In seelischen Krisen erinnert sich nicht jeder hoffnungslose Mensch daran, dass der Blick auf andere Möglichkeiten offen bleiben sollte. Es besteht immer Hoffnung. Auch wenn jemand im Gefühl der tiefsten Verzweiflung durch ein Lebenstal wandert. Wer solche Täler mutig durchschreitet, wächst meist daran.

Fakt ist: Unter den schwer depressiven Menschen begehen etwa 15 Prozent Selbstmord. Das ist eine erschreckende Quote. Eine weitaus größere Zahl Betroffener versucht mindestens einmal, sich umzubringen. Ob anschließend eine erfolgreiche Therapie ansteht, ist nicht immer gesagt.

Aus diesen Zahlen wird nicht nur die Ernsthaftigkeit dieser Erkrankung deutlich. Vielmehr wird auch klar, dass den Betroffenen offensichtlich nicht immer ausreichende Hilfsangebote zur Verfügung standen. Es kann auch sein, dass solche Angebote zur Verfügung gestanden hätten, aber aus verschiedenen Gründen nicht angenommen wurden. Viele depressive Menschen geben nach außen hin das Bild eines funktionierenden Menschen ab. Sie tragen die Last ihrer Depression alleine. Ihr Umfeld soll glauben, alles sei nur halb so schlimm, obwohl diese Menschen innerlich von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit erfüllt sind.

Infolgedessen kommt es am Ende eines längeren Leidensweges oft zu möglicherweise vermeidbaren Kurzschlusshandlungen. Damit bricht die Welt der Angehörigen in sich zusammen. Viele Angehörige tragen ein Leben lang am Suizid eines nahestehenden Menschen. Manche müssen nun selbst wegen einer traumabedingten Depression behandelt werden.



Wann ist Hoffnungslosigkeit krankheitswertig?

Wenn jemand anhaltend hoffnungslos und innerlich leer ist, kann das bereits ein Anzeichen von Depressionen sein. Selbst wenn jemand sich jedes Mal hoffnungslos fühlt, wenn etwas in seinem Leben nicht klappt, ist dieser Mensch bereits gefährdet, eine Depression zu bekommen. Er leidet zumindest regelmäßig an depressiven Verstimmungen. Schon kleine Geschehnisse können ihn seelisch aus dem Gleis werfen.

Offensichtlich schafft dieser Mensch es aber, seine Hoffnungslosigkeit zu überwinden und wieder in die Zuversicht zu kommen. Eine Garantie darauf gibt es allerdings nicht. Manchen Menschen sind die Ursachen ihrer seelischen Verfassung jedoch klar. Sie wissen, dass sie an frühkindlichen Traumata, elterlicher Lieblosigkeit und psychischen Vorbelastungen leiden, aber sie haben einen Umgang damit gefunden. Vielleicht gibt es einen Mensch in ihrem Leben, der ihnen immer wieder Hoffnung gibt. Diese enge und liebevolle Beziehung trägt einen Hoffnungslosen oft über Jahre über alle Klippen des Lebens hinweg.

Doch wenn dieser Mensch sich plötzlich von ihm trennt oder tödlich verunglückt, fällt sein seelisch labiles Gegenüber in ein depressives Loch. Die seelische Balance ist plötzlich verloren. Die depressive Verstimmung wird zur Depression, die Hoffnungslosigkeit zum Dauerzustand. Nun braucht es professionelle Hilfe, um die Hoffnungslosigkeit und Trauer zu bekämpfen. Andernfalls schafft dieser Mensch es vielleicht nicht, seine hoffnungslosen Gefühle im Griff zu behalten und auszugleichen.

Eine Depression, die sich versteckt

Oft handelt es sich in der Folge um eine maskierte Depression. Diese kann sich vermehrt in Form von körperlichen Schmerzen und funktionellen Störungen manifestieren. Die maskierte Depression wird oft nicht für eine Depression gehalten. Sie verkleidet sich quasi als etwas anderes und lebt sich auf der körperlichen Ebene aus. Mediziner sprachen früher auch von einer larvierten oder somatisierten Depression. Diese Begriffe sind veraltet. Sie werden meist nicht mehr benutzt. Heute werden als Diagnosen meist

ins Patientenblatt eingetragen. Es liegt nahe, dass die eigentliche Depression nicht behandelt wird, solange die körperlichen Symptome für den Patienten im Vordergrund stehen und nicht richtig zugeordnet werden.

Die Betroffenen leiden beispielsweise an Magen-Darm-Beschwerden, Appetitverlust und nachfolgender Gewichtsabnahme. Sie klagen über psychosomatische Herzbeschwerden, Schwindel, Kopfschmerzen, Atemprobleme, Unterleibsbeschwerden und Schlafstörungen. Deswegen suchen sie öfter einen Allgemeinarzt oder einen Internisten auf. Dieser behandelt häufig die Symptome, ohne sie als verkappte Depression zu erkennen. Der Bezug wird vom Patienten nicht hergestellt. Der behandelnde Arzt fragt die seelische Verfassung mangels Zeit oft nicht ab.

Eine psychosomatische Klinik kann gegebenenfalls der Ort sein, an dem die Behandlung begonnen wird. Hier geht es dann um die Behandlung der körperlichen wie der seelischen Störungen. Heutzutage wird bei der Behandlung der Betroffenen wieder mehr auf die körperlichen Signale geachtet. Der Patient soll lernen, dass seine Hoffnungslosigkeit auch auf der körperlichen Ebene einen Ausdruck gefunden hat. Er hat es zukünftig also in der Hand, durch eine bessere seelische Balance die körperlichen Symptome zu bekämpfen.



Welche Erkrankungen gehen mit Hoffnungslosigkeit einher?

Sich leer und hoffnungslos zu fühlen, kann für mehrere psychische Erkrankungen sprechen. Wenn ein Mensch sich nur noch hoffnungslos fühlt, kann er an einer Suchterkrankung leiden, eine Depression haben, suizidgefährdet sein oder eine andere psychische Erkrankung haben.

Auch nach einer Krebsdiagnose, die ins Endstadium eintritt, kann sich Hoffnungslosigkeit breit machen. Der Grund dafür liegt vermutlich in der Angst vor Siechtum, qualvollem Leiden und unerträglichen Schmerzen. Viele alten Menschen sind hoffnungslos, weil sie keine Familie und keine Freunde haben, die sich um sie kümmern. Nichts macht hoffnungsloser, als anhaltende Einsamkeit und Isolation.

Die Corona-Krise des Jahres 2020 hat selbst gestandene Politiker hoffnungslos gemacht. Einer nahm sich sogar das Leben, weil er keine Kraft hatte, seine innere Lähmung und Angst zu beeinflussen. Hoffnungslosigkeit ist auch ein Symptom, das aufgrund von mangelnder Zuversicht, fehlendem Glauben und anhaltendem Stress auftreten kann. Ohne Unterstützung durch die Mitmenschen werden Menschen in medizinischen oder wirtschaftlichen Krisen hoffnungslos. Der Zusammenbruch von Banken hat schon manchen Anleger in eine hoffnungslose Situation und den Suizid getrieben.

Hoffnungslos? - Gib niemals auf! (© Marek / Fotolia)
Hoffnungslos? – Gib niemals auf! (© Marek / Fotolia)

Was kann man tun, um gegen die Hoffnungslosigkeit anzugehen?

In einem Zustand der Verzweiflung und Trauer ist es wichtig, liebevolle Menschen um sich zu haben, mit denen man reden kann. Auch eine Trauergruppe kann den Betroffenen Halt geben. Das Betrauern eines Verlustes braucht seine Zeit. Trauer verläuft in verschiedenen Phasen, die sich abwechseln. In der Trauer nicht allein gelassen zu sein, bedeutet Trost.

Doch viele Menschen werden heutzutage in ihrer Trauer alleine gelassen. Sie sind sozial isoliert. Die Angehörigen leben irgendwo anders. Viele Familien sind auseinandergebrochen, es gibt keine Kontakte untereinander. Oft können solche Menschen nicht ihre Trauer zulassen und bewältigen. Sie verkriechen sich in ihrer Trauer und fühlen sich von ihr erschlagen. Sie verfallen in Hoffnungslosigkeit, weil niemand für sie da ist.

Diese Situation ist gefährlich. Wenn die Betroffenen nicht über genügend Resilienz verfügen, um Krisen aus eigener Kraft zu überwinden, sind sie auf Hilfe von außen angewiesen. Von alleine wird die Hoffnungslosigkeit nicht weichen. Nicht nur trauernden Menschen kann die Hoffnungslosigkeit zum Verhängnis werden. Auch psychische kranke Menschen kennen Gefühle der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung.

Solche Menschen können ihre Hoffnungslosigkeit ebenfalls nicht eigenständig überwinden. Sie sollten die Ursachen für ihre hoffnungslosen Gefühle untersuchen und sich einem Psychotherapeuten anvertrauen. Auch diese Menschen müssen Wut und Trauer zulassen und bewältigen lernen. Sie müssen Zukunftsängste überwinden und ihrer inneren Lähmung etwas entgegensetzen. Menschen, die sich innerlich leer fühlen, geben oft alle sozialen Kontakte auf. Irgendwann schaffen sie es nicht mehr, den anderen etwas vorzumachen.

Sprechen sie jedoch über die Ursachen ihrer inneren Taubheit, reagieren andere nach einer Weile abweisend. Sie erwarten zu Recht, dass Erwachsene ihre Probleme lösen und Gefühle wie Hoffnungslosigkeit, Trauer und Verzweiflung bekämpfen. Auf Dauer ist ein Psychotherapeut der geeignetere Ansprechpartner.

Welche therapeutischen Möglichkeiten gibt es?

Wer über längere Zeit ein hoffnungsloses Gefühl hat und keine Perspektive mehr für sein Leben sieht, sollte ärztlichen Rat suchen. Eine Verhaltenstherapie oder andere Form von Psychotherapie können helfen. Zu Beginn kann auch medikamentöse Hilfe notwendig werden.

Vom Krankheitsbild hängt es ab, welche Medikamente hilfreich sind. Oft sind es stimmungsaufhellende Mittel, manchmal aber auch stimulierende oder Wirkstoffe, die den Hirnstoffwechsel beeinflussen. Manchmal genügen auch rezeptfreie Arzneimittel (siehe: Mittel gegen Depression rezeptfrei), die Antriebs- und Lustlosigkeit bekämpfen oder den Schlaf fördern (vgl.: Schlafsterne oder Hoggar Night). In anderen Fällen sind verschreibungspflichtige Antidepressiva wie Trizyklika, Tetrazyklika, SSRI oder MAO-Hemmer notwendig.

Fehlendes Selbstvertrauen kann nur eine langfristige Psychotherapie verbessern. Die Ursachen für den Vertrauensmangel liegen meistens tief. Der Betroffene muss erst wieder lernen, sich selbst und seinen eigenen Gefühlen trauen zu können. Viele Menschen haben im Laufe ihrer psychischen Erkrankung den inneren Kontakt zu sich selbst verloren. Ihr fehlendes Selbstvertrauen beruht darauf, dass sie sich nicht gut genug kennen.

Hoffnungslose nutzen ihre inneren Ressourcen schon länger nicht mehr. Menschen, die sich leer fühlen, verlieren ihre eigenen Stärken zunehmend aus dem Blick. Sie fokussieren sich ausschließlich auf das Gefühl der Schwäche, des Versagens und der Hilflosigkeit. Man könnte das auch als einen Tunnelblick beschreiben. Dieser kann mit therapeutischen Mitteln wieder geweitet werden.

Der Unterschied zwischen einer Verhaltenstherapie und einer tiefenpsychologischen Behandlung ist der folgende: Die Verhaltenstherapie ersetzt gewohnte Reaktionsmuster durch neue Handlungsweisen. Da diese erfolgreicher sind, wächst auch nach und nach eine neue Lebenseinstellung. Der tiefenpsychologische Ansatz strebt hingegen an, unbewusste seelische Konflikte aufzudecken und dadurch die Ursache der Depression zu beheben.

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