Angst Wasser zu lassen am öffentlichen Pissoir / in öffentlichen Toiletten (auch: Paruresis, Pinkelstörung, Pisshemmung, schüchterne Blase) (© Maksym Yemelyanov / Fotolia / Fotolia)

Probleme und Angst, Wasser zu lassen (auf öffentlichen Toiletten, am Pissoir / Stehklo)

Kann man sich vorstellen, dass jemand Angst hat, in einem Pissoir Wasser zu lassen? Auch wenn das angesichts hohen Drucks auf die Blase eigentlich unvorstellbar ist, kommt das häufiger vor. Manche Menschen haben zum Beispiel Probleme, auf fremden Toiletten zu urinieren.

Der Fachbegriff für die Angst, im öffentlichen Raum oder bei Bekannten Wasser zu lassen, ist Paruresis. Dabei handelt es sich meist um eine psychisch bedingte Entleerungsstörung der Blase. Es können aber auch eine Funktionsstörung an den Schließmuskeln oder eine vergrößerte Prostata vorliegen, die das Wasserlassen behindern.

Von der Angst, Wasser zu lassen

Häufig von einer Pinkelstörung betroffen ist das vermeintlich starke Geschlecht. Männliche Personen müssen in öffentlichen Gebäuden in nicht von Blicken abgeschirmte Becken urinieren. Die Frauen haben hingegen abschließbare Kabinen für ihre intimen Bedürfnisse. Viele Herren der Schöpfung haben daher die Befürchtung, beim Urinieren von anderen Männern beobachtet zu werden. Zudem ist manches öffentliche Pissoir als Treffpunkt schwuler Männer bekannt.

Sitzt jemand auf einer geschlossenen Toilette, und eine weitere Person ist im Vorraum oder in der Kabine nebenan anwesend, können manche Männer nicht mehr ungehindert urinieren. Sie fühlen sich dabei belauscht. Gibt es auf der Toilette jedoch eine Geräuschkulisse, macht es vielen Männern weniger Umstände, zu pinkeln. Wo das der Fall ist, deutet sich bereits an, dass es sich eher nicht um eine körperliche Funktionsstörung handelt. Wer auch dann nicht pinkeln kann, könnte eventuell urologische Probleme haben.

Bei einer sozialen Phobie verkrampfen sich unweigerlich alle Muskeln. Das passiert ebenfalls, wenn jemand unter ihm unangenehmen Umständen urinieren soll. Wenn der Mann seine absurde Angst vor dem Wasser lassen in einem Pissoir nicht überwinden kann, kann ihn das nach und nach in Vermeidungsstrategien und eine soziale Isolation treiben. Die zunehmend ängstlichen Personen vermeiden den Gang auf ein öffentliches Pissoir. Sie unterlassen auch längere Besuche bei Verwandten oder Freunden.

Oft meiden sie in der Folge auch die gewohnten Kneipenbesuche oder gehen nicht mehr ins Theater. Am Ende können solche Menschen nur noch entspannt pinkeln, wenn sie Zuhause oder ganz allein in der Natur sind.

Quellen:

Körperliche Folgen sind nicht ausgeschlossen

Eigentlich ist es eine körperliche Notwendigkeit, zu urinieren, wenn die Blase voll ist. Wenn jedoch aus dem Ruder gelaufene Ängste jemanden an einer so elementaren Funktion hindern, kann das mit der Zeit auch körperliche Folgen haben. Der zurückgehaltene Urin staut sich in der Blase. Diese gerät zunehmend unter Druck. Die Niere wird nicht mehr ausreichend entlastet. Möglicherweise trinken die betroffenen Personen sicherheitshalber immer weniger. Die Nieren werden dadurch überlastet. In ganz dramatischen Fällen wird der Körper dadurch rückvergiftet.

Meistens kommt es nicht soweit – aber Leidensdruck besteht bei der Angst, Wasser zu lassen, definitiv – ob man Sie nun Pinkelstörung, Pisshemmung / Pinkelhemmung oder fachlich als Paruresis bezeichnet. Vor allem ist problematisch, dass die betroffenen Personen oft erst Jahre nach Beginn der Störung einen Urologen aufsuchen. Die gute Nachricht ist: eine Paruresis-Erkrankung kann (gut) behandelt werden. Die Betroffenen können sogar selbst an sich arbeiten, um die Angst vor dem Urinieren zu verlieren. Sie müssen immer wieder und weiter versuchen, lockerer und entspannter an die Sache heranzugehen. Auf einer Toilette oder einem Pissoir die Blase zu erleichtern, ist vollkommen natürlich. Die Betroffenen sollten Manns genug sein, um in einer Toilettenkabine ohne Ängste Wasser zu lassen.

Bei größerem Leidensdruck sollten die Betroffenen sich psychotherapeutisch behandeln lassen. Medizinisch relevante Verursacher wie die Prostata sowie Funktionsstörungen an den Schließmuskeln der Harnblase sollten zuvor als Auslöser ausgeschlossen werden. Sind die Auslöser solcher Störungen rein seelisch bedingt, sind sie den meisten Männern umso peinlicher. Es widerspricht dem Bild vom starken Mann, das viele Herren der Schöpfung von sich selbst haben.

Quellen:

Angst Wasser zu lassen, „Pinkelstörung“, „Pisshemmung“, „Paruresis“ – ein Krankheitsbild entwickelt sich

Wenn ein Mann partout nicht in fremden oder öffentlichen Toiletten oder Toilettenkabinen pinkeln kann, sollte er die Ursachen für seine Ängste ermitteln lassen. Die Angst, die Base zu entleeren, wird erst seit den Achtzigerjahren überhaupt als behandlungsbedürftige Funktions- oder Angststörung angesehen. Zuvor wurde nicht erkannt, dass es sich um eine Phobie bzw. Angsterkrankung handeln kann. Wurden keine organischen Auslöser für die Störung gefunden, galten die Untersuchten oft als Hypochonder.

Über die Häufigkeit dieser Störung gibt es bis heute kein klares Bild – auch weil die damit befassten Menschen nicht gerne über solche Unfähigkeiten sprechen. Erst 2001 entwickelte eine deutsche Universitätsklinik einen standardisierten Fragebogen zum Thema, der mittlerweile als Hilfsmittel bei der Diagnostik der Störung zum Tragen kommt. Eine Angststörung gilt nur als gegeben, wenn diese zu Vermeidungsverhalten, sozialem Rückzug und Angstzuständen beim Wasserlassen geführt hat.

Warum hauptsächlich Männer solche Probleme haben, ist nicht bekannt. Es steht aber zu vermuten, dass ihre Haltung zum „besten Stück“ dabei eine gewisse Rolle spielt. Frauen können sich außerdem in einer geschlossenen WC-Kabine sicher vor dem Beobachtet-werden fühlen. Es ist nicht bekannt, wie viele Männer mit solchen Problemen niemals zum Arzt gehen, um die Ursachen ihrer Beschwerden abklären zu lassen.

Quellen:

Angst Wasser zu lassen am öffentlichen Pissoir / in öffentlichen Toiletten (auch: Paruresis, Pinkelstörung, Pisshemmung, schüchterne Blase) (© Maksym Yemelyanov / Fotolia)
Angst Wasser zu lassen am öffentlichen Pissoir / in öffentlichen Toiletten (auch: Paruresis, Pinkelstörung, Pisshemmung, schüchterne Blase) (© Maksym Yemelyanov / Fotolia)

Zu den Ursachen der Störung beim Wasserlassen auf öffentlichen Toiletten

Als Auslöser einer Phobie beim Wasserlassen sehen die Mediziner die Angst vor dem Beobachtet- oder Belauscht-werden durch andere Anwesende an. Ganz offensichtlich ist das Selbstbewusstsein mancher Personen nicht besonders groß (siehe: mangelndes Selbstvertrauen, siehe auch: Angst vor Ablehnung und Sozialangst)

Möglicherweise fürchtet mancher auch, dass er die benutzte Toilettenkabine nicht wieder öffnen mag. Nicht besonders beliebt sind auch Größenvergleiche, die durch zwei nebeneinander liegende Urinals möglich werden. Manche Herren der Schöpfung sind im Intimbereich bestens ausgestattet. Andere aber nicht. Wenn solche Gedanken das Urinieren dominieren, hat das eine Auswirkung auf die Muskulatur. Die innere Anspannung und Erwartungsangst überträgt sich auf den Schließmuskel der Blase; die „schüchterne Blase“ kann nicht. Wie verbreitet das ist, zeigen Datenbanken über Suchvolumen in Google, z.B. zu Suchbegriffen wie „kann nicht pinkeln wenn jemand neben mir steht“ oder „Angst vor Wasserlassen“ oder „Probleme beim Wasserlassen“ oder „nicht im Stehen urinieren“ oder „schüchterne Blase Tipps“ oder „Paruresis was hilft“.

Fakt ist, dass eine willentliche Steuerung der Blasenfunktionen dem Menschen nur bedingt möglich ist. Muskelkontraktionen werden durch das autonome Nervensystem gesteuert. Solange die Blase Urin sammelt, sorgt der Sympathikus dafür, dass der Schließmuskel dichthält. Soll die gefüllte Blase sich nun aber entleeren, muss der Parasympathikus aktiviert werden. Er kann die beiden Schließmuskeln der Blase öffnen. Dummerweise wird bei Stress oder starken Ängsten der Sympathikus angesprochen. Das verhindert selbst bei prall gefüllter Harnblase, dass sich die Schließmuskeln öffnen können.

Die Ängste vor dem Wasserlassen haben sich verselbstständigt. Sie werden sich vermutlich ohne Behandlung nicht wieder zurückschrauben lassen. Worin die Ursachen für die seelisch bedingte Störung liegen, ist manchmal nicht zu ermitteln. Oftmals waren prägende Ereignisse in der Kindheit Auslöser für spätere Störungen oder latente Ängste. Nehmen diese überhand, wird daraus eine Phobie. Oftmals treffen gesteigerte Ängste einen Mann in einer beruflichen Stresssituation oder Lebenskrise. Wenn der Mann sein gesamtes Leben seiner Störung anpasst, ist eine Psychotherapie angesagt (siehe richtige Psychotherapie finden). In diesem Fall ist ein Krankheitswert anzunehmen.

Das überzeichnete Selbstbild des Mannes ist oft eine der Ursachen, die zu solchen Störungen führen.

Quellen:

Was tun bei einer behandlungsbedürftigen Angststörung?

Hat jemand eine ausgeprägte Angst davor, Wasser zu lassen (auf öffentlichen Toiletten zu urinieren), ist zuerst eine Untersuchung beim Urologen angeraten, um eine Blasenerkrankung, eine Funktionsstörung oder eine vergrößerte Prostata auszuschließen. Wenn aus der Blasenfunktionsstörung bereits ein Vermeidungsverhalten resultiert, sind – unabhängig von eventuell vorhandenen körperlichen Auslösern – seelische Probleme als ursächlich für die „schüchterne Blase“ anzunehmen. Diese können in manchen Fällen sogar jahrelang bestehen, bevor der Mann sich endlich einem Arzt offenbart. Problematisch ist auch, dass viele Urologen sich nicht mit Paruresis-Erkrankungen auskennen.

Entscheidend für die Notwendigkeit einer Psychotherapie sind das entstandene Vermeidungsverhalten und Leidensdruck. In Frage kommen zum Beispiel eine kognitive Verhaltenstherapie als Form der Psychotherapie. Begleitend können das Erlernen von Entspannungstechniken oder Meditation (siehe Meditieren lernen) dabei helfen, wieder entspannter zu werden; siehe unseren Entspannungstechniken Überblick.

Die Erfolgsaussichten sind sehr gut, weil insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie Verfahren entwickelt hat, die hilfreich sind. Mittels der „graduellen Exposition“ wird der Paruresis-Patient nach und nach an die angstauslösende Situation herangeführt. der Patient wird angehalten, genug zu trinken. Er soll eine Liste von auslösenden Momenten erstellen, in denen er nicht urinieren kann. Mit kognitiven Behandlungsstrategien wird nun dafür gesorgt, dass die auslösenden Momente nicht mehr als negativ besetzt wahrgenommen werden.

Der Patient soll seine Gedanken beim Wasserlassen wahrnehmen und als schädlich erkennen. Er soll sein Selbstwertgefühl stärken und neue Sichtweisen entwickeln. Mit Entspannungsverfahren wie progressiver Muskelrelaxation kann das bewusste Ent- oder Anspannen der Muskulatur, insbesondere des Beckenbodens, geübt werden. Dadurch kann die schüchterne Blase leichter entleert werden. Bei den meisten Patienten sind 20 Behandlungen ausreichend, um eine deutliche Besserung oder Heilung zu erreichen.

Liegen die Störungen in unverarbeiteten Traumata, sollte sich eine Psychotherapie anschließen. Um etwas gegen die Angstgefühle zu unternehmen stehen pflanzliche Mittel zur Verfügung; siehe: pflanzliche Mittel gegen Angst

Quellen:

Paruresis, Pinkelstörung, schüchterne Blase – Zum Weiterlesen:

Paruresis

Gelotophobie – Angst ausgelacht zu werden

Gelassenheit – Wie du lernst, gelassener zu werden