Schlafmangel und seine Folgen, speziell Auswirkungen auf die Psyche (© paddl / Fotolia)

Schlafmangel und seine Folgen, speziell Auswirkungen auf die Psyche

In manchen Ländern wird Schlafentzug systematisch als schwer nachzuweisende Foltermethode genutzt. Außerdem nutzen verschiedene Armeen bewusst eingesetzten Schlafentzug und den damit verbundenen Schlafmangel als Trainings-Methode. Die Vorgesetzten wollen, dass die Soldaten gegebenenfalls auch längere Zeit wachsam sind und lernen, mit wenig Schlaf auszukommen. In manchen Fällen ist Schlafentzug auch therapeutisch nutzbar – zum Beispiel bei Depressionen. In allen genannten Fällen wird das Schlafen absichtsvoll verhindert.

Schlafmangel, der durch Schlafstörungen bedingt ist, geschieht jedoch meist unfreiwillig. Die Auswirkungen sind jedoch am Ende dieselben. Wer jahrelang zu wenig schläft, riskiert unter anderem:

Möglicherweise ist ein Grübelzwang eine der Ursachen für den schlechten Schlaf. Es kann sich bei anhaltenden Schlafdefiziten aber auch um Anzeichen für ein gravierendes Erschöpfungssyndrom oder eine mangelnde Auslastung am Tage handeln.

YOUTUBE-Video zum Thema Symptome und Auswirkungen von zu wenig Schlaf und wie/ob man Schlafmangel ausgleichen kann (youtube.com/watch?v=biQxKCmCSLw)

Was begünstigt einen anhaltenden Schlafmangel?

Viele Computer-Nerds und junge Menschen, die nächtelang am PC Computerspiele gegen andere Teilnehmer spielen, setzen sich absichtsvoll einem Schlafmangel aus. Manche Mitspieler solcher PC-Games sind an den Auswirkungen mangelnden Schlafes bereits gestorben. Daraus wird ersichtlich, wie gefährlich chronischer Schlafmangel werden kann. Schlafdefizite schädigen die Gesundheit und belasten die Psyche. In Bezug auf Computerspiele sind Flüssigkeitsmangel, stundenlanges Sitzen, stressbedingte Hormonausschüttungen und die Strahlung der Computer einige der Einflussnehmer, die den Schlaf verhindern. Wer dauerhaft an schweren Schlafstörungen leidet, gefährdet seine körperliche und psychische Gesundheit.


Gerade bei jungen Menschen, die sich Nächte mit Computerspielen um die Ohren schlagen, sind Symptome wie auch Auswirkungen / Folgen von Schlafmangel oft deutlich zu erkennen (© Klaus Eppele / Fotolia)
Gerade bei jungen Menschen, die sich Nächte mit Computerspielen um die Ohren schlagen, sind Symptome wie auch Auswirkungen / Folgen von Schlafmangel oft deutlich zu erkennen (© Klaus Eppele / Fotolia)

Fachleute rechnen damit, dass bis zu 30 Prozent der Deutschen an zeitweisen oder anhaltenden Schlafstörungen leiden. Davon gilt etwa die Hälfte der Menschen als behandlungsbedürftig, weil die Problematik pathologisch ist und sie das Schlafdefizit nicht ausgleichen können. Ob diese Menschen jedoch tatsächlich eine Therapie absolvieren, steht auf einem anderen Blatt. Viele Menschen sehen vor dem Schlafengehen im Bett noch einen spannenden Thriller. Manche Menschen haben ihr Smartphone die ganze Nacht angeschaltet. Die starke Strahlung der Mobiltelefone verhindert ein Ein- und Durchschlafen. Alkohol und Nikotin sind ebenso als Schlaf-Hemmer anzusehen, wie schweres Essen, Partydrogen oder laute Musik, die vor dem Einschlafen genossen wurde. Ernährungsmängel und Stress können nächtliche Beinkrämpfe nach sich ziehen. Schnarcher oder Atemaussetzer behindern den Schlaf ebenfalls. Außerdem ist eine volle Blase ein schlechter Ein- und Durchschlafschlaf-Helfer.

Problematisch ist aber, dass das Schlafbedürfnis anscheinend individuell sehr unterschiedlich ist. Manche Menschen schlafen zeitlebens nur sechs Stunden oder weniger, ohne dass sich Symptome wie Müdigkeit, Konzentrationsmangel, Kopfschmerzen, Herzrasen oder zunehmende Gereiztheit einstellen. Andere Menschen reagieren schon nach einer Nacht mit gestörtem Schlaf mit Übermüdung. Ihr Immunsystem ist spürbar geschwächt. Manche Menschen fühlen sich nach einer schlaflosen Nacht beim Aufstehen leicht erkältet. Viele sind durch den Schlafmangel ständig gereizt. Ob eine Schlafapnoe, Stress, familiäre Sorgen oder nicht abzustellende Grübeleien zu den Schlafproblemen geführt haben, ist zunächst einmal zweitrangig.

Die Folgen von anhaltendem Schlafmangel

Zu den Folgeerscheinungen von anhaltenden Schlafproblemen gehören Symptome wie

  • bleierne Müdigkeit
  • zunehmende Erschöpfung
  • Konzentrationsstörungen
  • nachhaltiger Leistungsabfall
  • häufige Kopfschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • eine Verschlimmerung von Fibromyalgie-Beschwerden
  • gesteigerte Reizbarkeit
  • zunehmende Antriebsschwäche
  • depressive Verstimmungen
  • eine gesteigerte Angstsymptomatik
  • oder eine spürbare Immunschwäche.

Anhaltender Schlafmangel bleibt nicht ohne Folgen und Auswirkungen. Je länger der Schlafmangel anhält, desto gravierender fallen die Auswirkungen aus. Es kann in der Folge zu Herzrasen, diffusen Schmerzen, Schweißausbrüchen, allgemeinem Unwohlsein, Halluzinationen oder Depressionen kommen. Auch zunehmendes Übergewicht ist möglich, denn im Schlaf nimmt man normalerweise ab. Der nächtliche Gewichtsverlust ist einerseits durch einen Flüssigkeitsverlust erklärt. Gewichtszunahmen bei wenig Schlaf werden aber auch durch den verlängerten Tag begünstigt. An diesem isst man gewöhnlich mehr. Vor allem der Hunger auf Süßes (Frustessen) ist gesteigert. Die Übermüdung wird außerdem häufig mit kalorienreichen koffeinhaltigen Getränken kompensiert. Diese halten künstlich wach. Das hat dann wiederum Auswirkungen, wenn derjenige später einschlafen möchte.


YOUTUBE-Video zum Thema Schlafmangel Folgen: „Fatale Symptome und Auswirkungen von Schlafmangel“ (youtube.com/watch?v=f__OlftfFyM)


Wenn Ein- und Durchschlafprobleme chronisch werden, leidet auch die Leistungsfähigkeit im Beruf. Wir haben es heute mit zunehmender Arbeitsverdichtung, geforderter Flexibilität, ständiger Lernbereitschaft und gestiegenen Leistungsanforderungen zu tun. Diesen Anforderungen kann ein müder Mensch kaum folgen. Er bedient sich daher immer häufiger einem Teufelskreis aus medikamentösen Einschlafhilfen und koffeinhaltigen Wachmachern am Tage. Solange es sich dabei um pflanzliche Schlafmittel und eine Coca Cola handelt, mag es ja noch angehen. Dennoch ist auch diese Strategie zum Scheitern verurteilt. Sie verfestigt vielmehr das Problem, statt es zu lösen. Rezeptpflichtige Schlafmittel, Alkohol oder Drogen als Einschlafhelfer führen auf Dauer in die Abhängigkeit.

Das Familienleben wird durch die anhaltende Müdigkeit ebenso beeinflusst, wie alle anderen sozialen Kontakte. Die Angst vor Einsamkeit kann wachsen, ebenso wie die gelegentliche Furcht, vielleicht ernsthafter krank zu sein. Die Gedanken gehen möglicherweise in Richtung auf einen Burn-out oder ein chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS oder ME). Dass die Schlafmangel vielleicht auf dauerhafte elektromagnetische Strahlung, eine verkappte Depression (siehe larvierte Depression) oder beruflichen Stress zurückzuführen ist, wird oft ausgeblendet.


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Zur Diagnose von Schlafstörungen

Eine medizinische Diagnostik erfolgt in vielen Fällen von Schlafstörungen gar nicht. Meist helfen sich die Betroffenen mit rezeptfreien Schlafmitteln, Yogaübungen oder alten Hausmitteln selbst. In anderen Fällen gehen die Betroffenen zum Hausarzt. Dort klagen sie über Übermüdung, Erschöpfungserscheinungen sowie körperliche oder psychische Symptome. Da diese als Folgen einer Schlafapnoe bzw. Atemaussetzern entstanden sein können, werden die Betroffenen oft ins Schlaflabor überwiesen. Den gravierenden Auswirkungen von mangelndem Schlaf muss möglichst schnell mit therapeutischen Maßnahmen entgegengewirkt werden.

Die Diagnostik bei einem anhaltenden Mangel an Schlaf ist meist überschaubar. Oft genügt eine sorgfältige Anamnese als Basisdiagnostik. Thema sind vor allem die individuellen Schlafgewohnheiten sowie das Umfeld, in dem die Person einschlafen möchte. Dazu kommt eine laborgestützte Differenzialdiagnose zum Ausschluss anderer Ursachen, ergänzt durch eine mündliche oder schriftliche Abfrage möglicher Schlafhemmnisse. Zu diesen können zum Beispiel nächtliche Lichteinwirkungen (Vollmond, nachts leuchtende Werbetafeln etc), spannende TV-Thriller, langes Lesen oder elektromagnetische Ströme aus Tablets und Smartphones gehören. Unterschätzt werden als Schlafhemmnis aber psychische Probleme. Daher sollte bei anhaltendem Schlafentzug gegebenenfalls eine Abklärung beim Psychiater oder einem Psychotherapeuten erfolgen.

Ein- und Durchschlafprobleme, die über längere Zeit oder gar jahrelang bestehen, sind meistens an der Oberfläche auftauchende Anzeichen für tiefer gehende Probleme. Depressive Verstimmungen mittleren oder schweren Ausmaßes sind fast immer mit dauerhaften Schlafmängeln kombiniert. Ebenso werden häufig bei Menschen, die an Angsterkrankungen und Zwängen leiden, Schlafdefizite samt aller begleitenden Symptome festgestellt.


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Welche therapeutischen Möglichkeiten gibt es?

Die Behandlung von anhaltenden Schlafdefiziten und dauerhafter Übermüdung kann in drei verschiedene Kategorien eingeordnet werden:

  • die Konzentration auf körperliche Symptome
  • das Ausgleichen psychischer Probleme
  • und die Verbesserung der Schlafhygiene.

Körperliche Probleme

Die Folgen und Anzeichen für Schlafdefizite können sich in Bluthochdruck, Herzproblemen, Magen- und Darmbeschwerden, Lungenasthma oder Geschwürbildungen in Magen- und Darmtrakt abbilden. Außerdem können Entzugserscheinungen auf einen jahrelangen Missbrauch von Opiaten, Alkohol oder Schlaftabletten hindeuten. Diese Symptome müssen dringlich behandelt werden. Ihre Auswirkungen müssen ausgeglichen und gemindert werden, um irgendwann zurück zu einer besseren Schlafqualität zu finden.

Psychische Ursachen

Bei der Konzentration auf psychische Probleme als Schlafhemmnis liegt der Fokus der Behandlung auf Anzeichen für Depressionen, stressbedingte seelische Erkrankungen, Angsterkrankungen, Neurasthenie bzw. Nervenschwäche, oder Zwangsprobleme wie das nächtliche Grübeln. Es gilt, deren Auswirkungen ausgleichen und verringern zu können. Bei anhaltenden Schlafdefiziten finden sich in der Mehrheit der Fälle Anzeichen für psychische Probleme. Depressive Verstimmungen sind dabei die häufigsten Ursachen. Ohne deren Entstehungsgrund zu kennen, können diese nicht behoben werden. Daher empfiehlt sich als wichtigste Behandlungsoption oft eine Psychotherapie. Im Internet finden sich Tipps für begleitende naturheilkundliche Behandlungen.


Psychotherapie – Ein einführender Überblick für Patienten


Gestörter Schlaf ist bei depressiven Menschen oft durch frühes Erwachen und stundenlanges Grübeln erkennbar. Bei Angsterkrankungen sind hingegen eher nächtliche Schweißausbrüche, fliegender Atem, Albträume und Panikattacken kennzeichnend für die Schlafdefizite. Sind die Menschen von posttraumatischen Belastungsstörungen betroffen, erleben sie nachts beängstigende Albträume. In sogenannten Flashbacks durchleben sie das Trauma immer wieder neu, ohne dass die Betroffenen es verarbeiten können. Alkoholismus (siehe Alkoholismus Definition) führt ebenfalls zu Schlafdefiziten, weil die Tief- und REM-Schlafphasen gestört werden. Der Schlaf ist nicht mehr erholsam. Die zugrunde liegenden Probleme müssen behandelt werden, damit deren gesundheitliche Folgen verschwinden.

Verbesserung der Schlafhygiene

Chronischer Schlafmangel ist oft auf eine Nichtbeachtung von Schlafhygiene zurückzuführen. Viele Menschen gehen beispielsweise jeden Tag viel zu spät ins Bett. Sie haben das Gefühl, neben dem Beruf kein ausreichend langes Privatleben mehr zu haben. Statt früh genug einzuschlafen, sehen sie noch lange fern. Viele chatten per Smartphone mit Freunden oder lesen noch einen Krimi. Manche haben den Laptop mit ins Bett genommen. Sie arbeiten bis spät in die Nacht hinein. Eine überhöhte Koffeinzufuhr, Alkohol oder schwer verdauliche Abendmahlzeiten verhindern das frühzeitige Einschlafen ebenso; vgl. Tipps zum Einschlafen.

Der Therapeut oder behandelnde Arzt gibt den betroffenen Tipps, wie sie die Schlafhygiene verbessern können. Die Behandlung ist meist individuell auf die speziellen Bedingungen und Bedürfnisse des Patienten ausgerichtet. Hilfreich ist bei dauerhaften Schlafdefiziten das Erlernen der progressiven Muskelrelaxation (PME nach Jacobsen). Eine zeitlich befristete medikamentöse Begleitung ist zu Beginn der Behandlung möglich. Es sollten aber keine Schlafmittel mit Abhängigkeitspotenzial oder Tranquilizer Medikamente wie Valium verwendet werden.


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Wie wird Schlafentzug für militärische Zweck genutzt?

Beim Militär ist es allgemein üblich, den Soldaten zu wenig Schlaf zu gönnen. Spontane Nachtwanderungen oder abgekürzte Regenerationspausen im Anschluss sollen die Soldaten darauf vorbereiten, dass Einsätze im Ernstfall auch kein Zuckerschlecken sind. Es geht aber nicht um das Training, mit Schlafdefiziten besser klarzukommen, sondern um die Erfahrung. Die Soldaten sollen spüren, wie die individuellen Leistungen sich unter dem Einfluss von Schlafmangel verändern.

Es kommt bei ständiger Kürzung der Schlafdauer zu Erschöpfung, Kopfschmerzen und Apathie. Dagegen kann ein Soldat nur mit enormer Selbstdisziplin und kameradschaftlicher Unterstützung antreten. Teamgeist ist gefragt. In der soldatischen Grundausbildung schlafen die Soldaten kaum je länger als sechs Stunden. Wenn dann wegen einer Nachtwache oder einer Nachtübung ohne vorherige Ansage nur vier Stunden Schlaf zusammenkommen, müssen die Soldaten das aushalten können.

Schlafentzug als Foltermethode

Der Grund für diese Foltermethode ist simpel: Man sieht keinerlei äußere Folterspuren, und die Folter ist im Nachhinein nicht nachweisbar. Ständiger Schlafmangel führt zu Symptomen wie erhöhter Reizbarkeit, Infektanfälligkeit, Kopfschmerzen, bleierner Müdigkeit und Halluzinationen. Der innere Widerstand der Gefolterten bricht ein. Das Denken wird verwirrt, und die Betroffenen sagen am Ende aus schierer Verzweiflung alles Mögliche aus, nur um endlich ihre Ruhe zu haben. Genutzt wurde oder wird diese Foltermethode in Gefängnissen in China, der Ex-DDR, in Nordkorea, in den GULAGS der ehemaligen Sowjetunion, aber auch in Gefangenenlagern von Guantanamo. Vermutlich nutzen auch andere Geheimdienste solche Foltermethoden.

Absichtsvoll erzeugter Schlafmangel in therapeutischen Anwendungen

Schlafentzug kann bei Depressionen eine hilfreiche Therapieform sein. Diese kommt allerdings außerhalb des klinischen Kontextes nicht häufig zur Anwendung. Zu unterscheiden ist partieller Schlafentzug von einem vollständigen Schlafmangel. Beim partiellen Schlafentzug schläft der Betroffene nur noch in der ersten Nachthälfte. Durch den absichtsvollen Schlafmangel entsteht bei 50 Prozent der Betroffenen am Folgetag eine messbare Stimmungsverbesserung. Um diesen positiven Effekt verlängern zu können, kann dem bewusst installierten Schlafmangel eine Zeit der Vorverlegung der Schlafphasen folgen.

Erfinder dieser therapeutischen Maßnahme war J. C. A. Heinroth, seinerzeit weltweit der erste Inhaber eines Psychiatrie-Lehrstuhls. Auch wenn Heinroths Ideen heute vergessen sind, gehört die „Wachtherapie mit Schlafphasen-Vorverlagerung“ heute zu den Standard-Therapiemethoden bei der klinischen Depressionsbehandlung.

Zusätzlich werden medikamentöse und psychotherapeutische Verfahren genutzt. Die Wachtherapie kann beispielsweise mittels einer Lichttherapie ergänzt werden. Zweck dieser Maßnahmen ist, das aus dem Ruder gelaufene Gleichgewicht bestimmter Neurotransmitter im Gehirn zu beeinflussen. Die Wachtherapie wirkt aber nur bei Depressionen, die tageszeitabhängig unterschiedlich ausgeprägt sind. Morgens geht es den Patienten schlecht, abends aber besser.

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