Angst vor der Angst bekämpfen, besiegen, loswerden (© zenzen / stock.adobe.com)

Die Angst vor der Angst bekämpfen und besiegen

Ein gewisses Maß an Angst gehört zum Leben. Selbst ein so risikobereiter Bergsteiger wie Reinhold Messner kennt Ängste. Er hat sich aber niemals von seinen Ängsten an etwas hindern lassen, was ihm wichtig war. Messner hatte genügend Respekt vor der Angst. Aber er trat am Berg an, um sie zu überwinden. Hätte am Berg jemals die Angst vor der Angst oder eine Erwartungsangst eine Rolle gespielt, wäre der österreichische Bergsteiger vermutlich nicht so erfolgreich gewesen. Denn Angst blockiert. Sie wächst an, wenn man sie nicht rechtzeitig kontrolliert. Es kommt in der Folge mangelnder Kontrolle zu einer Angsterkrankung (vgl. Angsterkrankungen Ursachen), in der die Betroffenen sich vollkommen verlieren können. Sie erleben mit der ersten Panikattacke einen gefühlten Kontrollverlust, der ihnen noch mehr Angst macht.

In dieser Situation entwickelt sich oft eine Angstspirale. Zu eigentlichen Angst vor etwas Konkretem – zum Beispiel vor weiten Plätzen, Menschenmassen oder engen Fahrstühlen – gesellt sich eine unbestimmte Erwartungsangst, die alles noch schlimmer macht (vgl. Erwartungsangst Symptome). Die Angst nimmt immer weiter Besitz von den Betroffenen, bis sie schließlich Angst vor der Angst haben. Mittlerweile sind die Ängste so übermächtig, dass sie den ganzen Tag und alle Gedanken dominieren. Gefühlt wird der betroffene Mensch unter seinen Ängsten begraben. Es gibt aus der subjektiven Sicht dieser Menschen keinen sicheren Ort mehr. Die Erwartungsangst steigert die eigentliche Angst und die Angstsymptome zu einem Crescendo der Ängste. Die Angst wird mit Orten, Dingen und Tätigkeiten verbunden, die in der Folge alle angstbesetzt sind.

Quellen:


Die Angstspirale durchbrechen


Was bewirkt die Angst vor der Angst?

Ausufernde Ängste bewirken körperliche Symptome. Diese verängstigen und verunsichern die Betroffenen noch mehr. Oftmals sind solche Menschen angesichts der Körperlichkeit der Symptome nicht in der Lage, die Angst als Ursache ihrer Befindlichkeitsstörungen zu erkennen. Sie möchten ihre Symptome gerne überwinden, wenden dazu aber die falschen Mittel an.

Statt die zugrundeliegende Angst mit geeigneten Mitteln zu bekämpfen, steigern sich viele Betroffene in eine Angstspirale hinein. Sie haben wegen der typischen Symptomatik einer Angsterkrankung auch noch Angst, an einer schweren körperlichen Erkrankung zu leiden. Symptome wie Herzrasen, Atemnot, Ohnmachtsgefühle, zitternde Hände, Schweißausbrüche lassen sie glauben, herzkrank zu sein. Statt dass diese Menschen die auslösenden Ängste loswerden und aktiv bekämpfen, entwickeln sie Panikattacken oder Phobien. Sie leiden bereits im Vorfeld einer neuen Panikattacke an Erwartungsangst. Sie glauben, die könnten eine neue Panikattacke erleben, wenn sie das Haus verlassen, einkaufen gehen oder sonstige Tätigkeiten ausführen. Alle Gedanken kreisen unaufhörlich um die Angst vor der Angst – und um die Furcht, körperlich krank zu sein. Selbst die einfachsten Dinge sind plötzlich nicht mehr möglich, ohne dass diese angstbesetzt sind. Wie soll so ein Mensch in dieser Situation Ruhe und Gelassenheit finden?

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Angststörungen entwickeln sich schleichend. Oftmals bringen die Betroffenen bereits eine ängstliche Grundhaltung mit. Häufig haben sie frühkindliche Ängste internalisiert. Unverarbeitete Traumata (vgl. Wege der Traumabehandlung), scheinbar bewältigte Krisen und negative Erlebnisse können sich jahrelang unbemerkt auf die verdrängte Angst legen. Nach außen hin ist scheinbar alles in Ordnung – doch die Angst im Inneren der Seele wächst an. Sie macht sich irgendwann mit den ersten Symptomen bemerkbar. Ängste sind ein Signal, das eigentlich sinnvoll ist. Ausgeuferte Ängste werden aber oft missverstanden. Sobald sich im Unbewussten liegende Ängste verselbstständigen können, übernehmen sie die Macht über den Betroffenen. Der Weg in eine Angststörung ist gebahnt. Wo die Ängste noch normal sind, und ab wann sie einen Krankheitswert haben, kann niemand so genau sagen. Hinweise auf einen Krankheitswert sind gegeben, wenn

  • die Ängste den Tag zunehmend dominieren
  • die Angst fast alle Gedanken beeinflusst
  • zunehmend wachsam auf befürchtete körperliche Symptome geachtet wird
  • körperliche Symptome wie Schweißausbrüche, Herzrasen oder Ohnmachtsgefühle entstehen
  • die Angst entsteht, zu sterben oder verrückt zu sein
  • Vermeidungsverhalten entwickelt wird, um der Angst aus dem Weg zu gehen
  • das Leben in seinen gewohnten Abläufen und Spielräumen eingeschränkt wird
  • der Betroffene einen zunehmenden Leidensdruck verspürt
  • sowie Phobien, Panikattacken, Zwangshandlungen oder typische Symptome einer posttraumatische Störungen entstehen.

Quellen:

Um Angst zu besiegen, sollte man die Ursachen der Angst erkennen

Sich mit seinen Ängsten und Panikattacken zu arrangieren, ist nicht der richtige Weg. Das ist vielmehr eine sichere Methode, um die Angst vor der Angst lebenslang festzuschreiben. Was jeder Betroffene bekämpfen kann, ist die hohe Priorität, die er seinen Ängsten eingeräumt hat. Wer seine Panikattacken loswerden möchte, muss sich seinen Ängsten stellen. Auf andere Weise gibt es keinen Weg zurück in die Freiheit der Entscheidung, wie der Betroffene sein Leben gestalten möchte. Ohne sich den Ursachen zu stellen, kann niemand seine Angststörungen überwinden. Die ausgeuferten Ängste müssen zunehmend die Macht über die Betroffenen verlieren. Die bestehenden Phobien können mit Verhaltenstherapie (durch einen Verhaltenstherapeuten) zu einem normalen Unwohlsein reduziert werden. Dazu müssen die Betroffenen aber bereit sein, sich ihren Ängsten und Phobien zu stellen. Sind sie es nicht, bleibt es bei den panischen Gedanken beim Blick auf das Objekt, das mit einer Phobie belegt wurde.

Eine Angsterkrankung bedarf in den meisten Fällen einer Therapie (vgl. Angsterkrankungen Therapie), die der Angstbewältigung tatsächlich dienlich ist. Wenn der Betroffene eine Angstattacke nach der anderen erlebt, ist er selbst nicht mehr handlungsfähig genug, um eine neuerliche Angstattacke zu bekämpfen. Schon gar nicht kann er in diesem Zustand den Ursachen für die Angstattacken nachgehen. Die überwältigenden Symptome, die kreisenden Gedanken und die ständige Erwartungsangst, dass etwas Schreckliches passiert, verhindern das Bewältigen der Phobien, der Panikattacken und der damit verbundenen Schweißausbrüche. Wer häufig hyperventiliert und Angst vor dem Sterben hat, kann nicht mehr alleine aus der Spirale der Angst herausfinden. Er kann nicht zu ausreichend Ruhe finden und Gelassenheit lernen, um seinen Problemen wirklich zu Leibe zu rücken. Ungefähr ein Drittel der Menschheit leidet irgendwann im Leben an Panikzuständen. Frauen sind häufiger betroffen. Oftmals ist eine akute Krise der Auslöser für Panikstörungen. Die körperliche Reaktion darauf scheint aus heiterem Himmel einzutreten. Sie ist aber meist nicht ursächlich für die psychischen Störungen. Zudem werden diese als körperliche Krankheit fehlinterpretiert.



Wegen dieser falschen Sichtweise ist es nicht mehr möglich, der Angsterkrankung mit geeigneten Mitteln zu begegnen. Stattdessen werden EKGs, Sonografien und andere medizinische Untersuchungen vorgenommen. Diese verfolgen eine falsche Spur. So können bis zu sieben Jahre vergehen, bevor die Betroffenen überhaupt eine richtige Diagnose erhalten. Wenn bereits so viel Zeit vergangen ist, ist die Störung schon manifest genug, um nur mit Hilfe einer geschulten Therapeutin bewältigt werden zu können. Mit Hilfe von kognitiven Verhaltenstherapien können die Betroffenen sich ihren Ängsten stellen. Sie können diese behutsam abbauen. Dabei zielt eine Verhaltenstherapie nicht darauf ab (siehe Verhaltenstherapie Definition), dass niemals mehr Angstsymptome auftreten. Es geht vielmehr darum, erst einmal die Angst vor der Angst zu verlieren. Das klappt nur, wenn die Betroffenen sich mutig ihren Ängsten stellen. Sie können diese nach und nach wieder an den Platz rücken, an den sie gehören. Nur mit einer gezielten Auseinandersetzung mit den angstbesetzten Situationen können diese als ungefährlich verstanden werden.

Den Mut, noch ein paar Panikattacken mehr zu durchleben, um deren Wirkung auf den Körper und die Gefühle als überzogen zu erkennen, haben aber nicht alle Betroffenen. Viele Menschen brechen ihre Verhaltenstherapie ab, weil ihnen das Provozieren und Aushalten ihrer Ängste als unaushaltbar erscheint. Somit kann auch keine Heilung geschehen. Die Betroffenen können so nicht in ihr gewohntes Leben zurückfinden. Die Patienten, die das schaffen, stellen sich im Anschluss an die Verhaltenstherapie mitunter noch einer psychoanalytischen Therapie, um den Ursachen für ihre ängstliche Grundhaltung auf die Spur zu kommen. Mit dieser Haltung lernen die Menschen sich besser verstehen. Sie können ihre dominierenden Ängste nach und nach verlieren.

Quellen:

Was können die Betroffenen dagegen tun?

Zunächst einmal müssen die Betroffenen sich ihrer Ängste bewusst werden. Um sich damit zu befassen, sollten sie aber erst einmal das Zittern der Hände, das Herzrasen und die ständige Erwartungsangst beruhigen. Eine selbst eingeleitete Therapie kann zumindest die schlimmsten Angst-Erscheinungen abmildern. Mit pflanzlichen, leichteren Mitteln wie Baldriparan, Kytta Sedativum Dragees, Passio Balance, Euvegal oder gar dem rezeptpflichtigen Valium respektive Diazepam kann niemand die ausgeuferten Ängste besiegen oder verlieren. Die Betroffenen können ihre Ängste jedoch in ihren Auswirkungen schmälern. Sie könnten dadurch wieder etwas handlungsfähiger werden. Um die Angst vor der Angst oder eine massive Angststörung zu besiegen, müssen die meisten Menschen jedoch eine Psychotherapie absolvieren. Angststörungen können gut mit Gesprächstherapien und/oder Verhaltenstherapien behandelt werden.

Leichte Beruhigungsmittel oder Entspannungstechniken wie autogenes Training, Meditation, Yoga oder Chi Gong sind als ergänzende Maßnahmen durchaus hilfreich. Es ist wichtig, dass der Betroffene wieder das Ruder über sein Leben übernimmt. Er sollte im Rahmen dessen, was jeweils möglich ist, selbst aktiv werden. Der Angstbewältigung dient auch der Einsatz der psychologischen Kinesiologie. Zahlreiche Tipps von Medizinern, Therapeuten oder selbst Betroffenen finden sich im Internet. Wer sich mit der Angst vor der Angst beschäftigt, bekommt auch die Mittel in die Hand, diese zu bekämpfen. Allerdings ist die Angst kein Feind, den jemand besiegen muss. Wichtig ist viel mehr, größer zu werden als die Erwartungsangst. Diese muss an ihren Platz verwiesen werden. Um die hinter beängstigend wirkenden Symptomen stehenden Ängste untersuchen, und bewältigen zu können, ist eine Psychotherapie hilfreich. In einer Gesprächstherapie kann den Ursachen für die ängstliche Grundhaltung nachgegangen werden. Mit Verhaltenstherapie können die Betroffenen die Folgen von Phobien und Panikattacken loswerden.

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Weitere Quellen und weiterführende Ressourcen:

Dr. Jan Martin - Virtueller Chefredakteur - Digitale Redaktionsleitung Dr. Jan Martin ist virtueller Chefredakteuer von www.angst-verstehen.de. Er ist das Außengesicht der digitalen Redaktionsleitung, verantwortlich für Qualitätssicherung und Publikation der Texte der Redaktion.