Angstspirale durchbrechen / Teufelskreis der Angst überwinden (© snyGGG / Fotolia)

Die Angstspirale durchbrechen

Häufig ist die Rede vom Teufelskreis der Angst bzw. der Angstspirale. Was ist damit gemeint, wo liegen Ursachen, und wie kann man den Mechanismus unterbrechen, der uns das Leben so schwer macht?

Ängste sind normal, solange sie uns Menschen im normalen Umfang vor Gefahren warnen. Doch in Lebenskrisen oder durch verdrängte Traumata können Ängste plötzlich größer werden als wir selbst. Ob es sich dabei um eine psychische Erkrankung, eine krisenhafte Zuspitzung, ein posttraumatisches Syndrom oder schlicht um neurotisches Verhalten handelt, ist verschieden.

Kommt es im Verlauf dieser Entwicklung zu einer Angstspirale, fühlt sich der Betroffene seinen Ängsten hilflos ausgeliefert. Er erlebt rotierende Gedanken, leidet unter Panikattacken, Angstschweiß und Erwartungsangst. Die Angst vor der Angst bricht sich Bahn. Daraus entstehen Vermeidungsverhalten und sozialer Rückzug. Aus der gesunden Angst entsteht dann plötzlich z.B. eine irrationale, nicht begründbare Angst vor Durchfall, eine Angst vor Dunkelheit, Ohnmacht oder weiten Plätzen geworden.

Jede Angstattacke führt zu neuerlichen Gefühlen der Hilflosigkeit. Sie sorgt für Fehlinterpretationen über die Ursachen der Angstattacke. Da sich vorwiegend körperliche Symptome einstellen, glaubt der Betroffene, er sei schwer krank. Seine Psyche macht er oft nicht für die Angstspirale verantwortlich.

Quellen:

Studienarbeit zum Thema Angstspirale: Teufelskreis der Angst - Wie Angststörungen entstehen (Amazon)
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Die Angstspirale unterbrechen

Um seine Fehlentwicklung in Bezug auf Ängste zu revidieren, müsste der Betroffene seine Ängste als ausgeufert erkennen. Er müsste erkennen, dass verdrängte Traumata oder neurotisches Verhalten dahinter stehen. Er könnte erkennen, dass seine Erwartungsangst die nächste Panikattacke begünstigt. Zu diesem Erkennen sind viele Menschen, die von Angst geplagt werden, nicht mehr in der Lage. Die Betroffenen haben Angst durchzudrehen. Sie glauben, körperlich krank zu sein. In Wahrheit hatten die Ängste jede Chance, auszuufern. Der Betroffene gab ihnen die Chance dazu. Er hat daher auch die Möglichkeit, seine Angst vor Durchfall oder Dunkelheit zu überwinden. Dazu muss er sich seinen Ängsten stellen, um die Angstspirale durchbrechen zu können.


Vermeidungsverhalten bei Angst – Kern des Problems und Ansatzpunkt in der Therapie von Angsterkrankungen


Am besten geht das mithilfe eines Therapeuten (Psychotherapeut, siehe auch Psychotherapie Arten). Dieser kann z.B. mangelndes Selbstvertrauen als Ursache erkennen. Er wird mit dem Betroffenen Übungen machen, die das Selbstvertrauen stärken und den Einstieg in den Ausstieg aus der Angstspirale ermöglichen. Wer z.B. Höhenangst bekämpfen möchte, muss sich mit seinem Therapeuten langsam an höhere Höhen herantasten. Er kann sein mangelndes Vertrauen in Höhen durch ein neu gewonnenes Vertrauen in sich selbst überwinden. Dabei kann ein Verhaltenstherapeut helfen.

Bei tiefer liegenden Traumata müssen diese häufig durch eine analytische Psychotherapie (siehe auch Psychoanalyse Methode) bearbeitet werden. Erst dann kann der Betroffene seine Angst vor Dunkelheit, vollen Zügen oder Männern in schwarzer Kleidung verlieren. Um den Patienten zu schützen, bis das möglich ist, kann ein Arzt ein Anxiolytikum verordnen. Dieses kann die Angstspirale durchbrechen, und den Patienten handlungsfähiger machen. Manchmal sind ergänzend auch Klopftechniken, Bach Rescue Tropfen oder bestimmte Atemtechniken hilfreich, um ausgeuferten Ängsten die Macht zu nehmen.

Quellen:

Übermächtig gewordene Angst raubt Lebensqualität

Der Teufelskreis der Ängste ist dazu geeignet, neurotisches Verhalten zu verstärken. Auch wenn die Angst vor Dunkelheit oder Durchfall gefühlt berechtigt erscheint, ist sie es in Wahrheit nicht. Sobald der Betroffene seine Angstspirale, sein daraus resultierendes Vermeidungsverhalten und seine Erwartungsangst durchbrechen kann, erscheinen ihm solche Ängste und Verhaltensweisen als lächerlich und irrational. Zum Trost sei gesagt, dass die meisten Menschen einmal im Leben eine Episode erleben, in der Ängste wie ein Krake um sich greifen.

Viele Menschen sind von Kindheitstraumata oder unverarbeiteten Erlebnissen betroffen. Zudem haben alle Menschen Urängste. Diese stellen oft die Grundlage solcher Störungen dar. Wir leiden beispielsweise unter Verlustängsten, die auf mangelndem Selbstvertrauen und Bedürftigkeit basieren. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Das bedeutet aber nicht, sich abhängig von anderen zu machen. Wenn jemand Angst durchzudrehen verspürt, wird kein Fremder in der Lage sein, das zu unterbrechen. Derjenige muss sich selbst aktiv werden.

Quellen:

Therapie-Tools Angststörungen (Amazon)
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Die Tendenz zur Angst ist angeboren

Vermutlich sind bestimmte Ängste angeboren. Sie sind als natürliche Schutzmechanismen im Geist verankert. Angststörungen ziehen häufig körperliche Reaktionen nach sich. Wenn jemand Angst durchzudrehen hat, oder plötzlich Höhenangst entwickelt, stimmt etwas nicht. Es lohnt sich, den Ursachen nachzugehen. Hinter Höhenangst könnte auch ein Problem mit dem Gleichgewichtsorgan stecken. Demnach könnte man nur schwer solche Höhenangst bekämpfen.

Andere Ängste hingegen liegen im seelischen Bereich. Sie können zurückgedreht werden. Hier kann ein Anxiolytikum ebenso gute Dienste leisten, wie andere Strategien, die begleitend eingesetzt werden. Ein Verhaltenstherapeut ist dazu da, die antrainierten Ängste zusammen mit dem Betroffenen wieder abzutrainieren. Mit Klopftechniken, Rescue Tropfen oder Atemübungen kann der Betroffene sich zusätzlich stärken, um die Angstspirale zu unterbrechen.

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Dr. Jan Martin - Virtueller Chefredakteur - Digitale Redaktionsleitung Dr. Jan Martin ist virtueller Chefredakteuer von www.angst-verstehen.de. Er ist das Außengesicht der digitalen Redaktionsleitung, verantwortlich für Qualitätssicherung und Publikation der Texte der Redaktion.