Benzodiazepine (© Spectral-Design / Fotolia)

Benzodiazepine – das Wichtigste erklärt

Benzodiazepine sind seit den 1960er Jahren bekannt und werden mittlerweile international hergestellt und als Arzneimittel zur Behandlung verschiedener psychotischer und neurologischer Leiden eingesetzt.

Sie haben eine stark angstmindernde, hypnotische, sedierende, antikonvulsive und zentral muskelrelaxierende Wirkungsweise und finden daher als Anxiolytikum, Sedativum, Hypnotikum und Antiepileptikum Verwendung. Aufgrund ihrer beruhigenden und schlaffördernden Wirkung werden sie in der Medizin auch als Tranquilizer (vom englischen to tranquilize = beruhigen) bezeichnet.

Benzodiazepine sind verschreibungspflichtige Medikamente, von welchen einige in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz fallen.

Da Benzodiazepine ein großes Spektrum an Neben- bzw. Wechselwirkungen haben, darf ihre Einnahme lediglich im Rahmen einer ärztlichen Behandlung erfolgen und sollte dabei so kurz wie möglich ausfallen.

Benzodiazepine haben ein hohes Suchtgefährdungspotential und gelten als Spitzenreiter unter den am häufigsten missbrauchten Medikamenten. Schätzungsweise über eine Million Deutsche sind von einer benzodiazepinhaltigen Substanz abhängig; die Dunkelziffer ist unüberschaubar. Insbesondere in der Drogenszene konnte in den letzten Jahren ein verstärkter Benzodiazepinmissbrauch beobachtet werden: Immer mehr Süchtige folgen einem neuen Trend und mischen aus Opiaten wie Heroin oder Kokain und Benzodiazepinen gefährliche Cocktails, die sie sich injizieren.

Doch auch eine immer größer werdende Gruppe „legaler“ Benzodiazepinkonsumenten ist von einer Abhängigkeit betroffen; auf den vorderen Plätzen rangieren hierbei vor allem Psychopharmaka wie Diazepam, besser bekannt unter seinem damaligen Handelsnamen Valium.

Im Folgenden sollen einige wesentliche Aspekte der Verwendung von Benzodiazepinen, ihrer Wirkungsweise sowie ihren etwaigen Nebenwirkungen beleuchtet und über rechtliche Grenzen sowie den Benzodiazepinabusus (Missbrauch) informiert werden. Zudem sollen die Hintergründe und Folgen einer Benzodiazepinabhängigkeit dargestellt werden.

YOUTUBE: WDR · DieStory · Deutschland auf Droge · Benzodiazepine > Valium, Tavor & Co. Schon kurz nach der Entdeckung der Tranquilizer vor 50 Jahren besingen die Rolling Stones „Mother’s little helper.“ Eingesetzt bei Ängsten und Schlaflosigkeit werden die hochwirksamen Medikamente als Wundermittel gefeiert. Doch schon bald weiß man: Sie sind Segen und Fluch zugleich – denn die Beruhigungsmittel machen schnell süchtig. (www.youtube.com/watch?v=hBelOR1r9uM)

Geschichte der Benzodiazepine

Das erste Präparat der Gruppe der Benzodiazepine war das von dem amerikanischen Chemiker und Pharmazeut Leo Sternbach entwickelte Chlordiazepoxid, welches er für den Pharmakonzern Hoffmann-La Roche hergestellt hatte, der dieses 1960 unter dem Namen Librium auf den Markt brachte. 1963 folgte Diazepam, welches – hinlänglich noch immer als Valium bekannt – bis 2005 zu den in Deutschland am häufigsten verschriebenen Benzodiazepinen gehörte. Diazepam wurde bereits im Jahre 1977 in die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation aufgenommen.

Indikationen, Wirkungsweise und Einsatzgebiete

Benzodiazepine kommen bei einer Vielzahl unterschiedlichster Symptome zum Einsatz und finden Verwendung bei der Behandlung psychotischer Erkrankungen (siehe auch: Psychose), bei Schlafstörungen sowie als Prämedikation vor einer Operation. Sie haben eine

  • anxiolytische (angstlindernde) Wirkung,
  • muskelrelaxierende (muskelentspannende) Wirkung,
  • sedative (beruhigende) Wirkung,
  • hypnotische (schlaffördernde) Wirkung und
  • antikonvulsive (krampflösende) Wirkung.

Sie helfen damit dem Patienten, Bedrohliches als weniger furchteinflößend zu empfinden und es distanzierter zu betrachten, Ängste zu überwinden und Unruhe einzudämmen (siehe auch die Artikel innere Unruhe bekämpfen und Ängste bekämpfen). Ein beliebtes Anwendungsgebiet für Benzodiazepine ist daher die Psychiatrie: Hier wird es oftmals zur Bekämpfung von Angst- und Unruhezuständen verwendet.

Ebenfalls zum Einsatz kommen benzodiazepinhaltige Medikamente jedoch auch bei Zuständen, in welchen die Muskelaktivität unnatürlich erhöht ist; dazu gehören vor allem epileptische Krampfanfälle, Fieberkrämpfe und Tetanus. Da Benzodiazepine eine stark beruhigende Wirkung entfalten, werden diese auch häufig zur Linderung bei Angstzuständen vor einer anstehenden Operation sowie bei Phobien, Schizophrenie und Alkoholentzugssyndrom verabreicht. Zudem werden Benzodiazepine oftmals als Schlafmittel eingesetzt.

Um eine Abhängigkeitsentwicklung zu unterbinden, wird die empfohlene Einnahmedauer auf vier Wochen begrenzt. Nur wenige Substanzen der Gruppe der Benzodiazepine sind zur längerfristigen – möglicherweise sogar zur lebenslangen – Einnahme geeignet, dies betrifft insbesondere jene Benzodiazepine mit antiepileptischer Wirkung.

Benzodiazepine haben – pharmakologisch ausgedrückt – eine zentral nervöse Wirkung, die dadurch hervorgerufen wird, dass sie an den Rezeptoren im Gehirn andocken und hier die Reizweiterleitung eingrenzen bzw. blockieren. Benzodiazepine binden an den Neurotransmitter Gamma-Amino-Buttersäure (GABA) und bewirken damit, dass sich die Chlorid-Kanäle vermehrt öffnen. Dies wiederum erhöht den Einstrom der Chlorid-Ionen, was die Erregbarkeit der Neuronenmembran vermindert. Dies wirkt sich auf die Ausschüttung anderer Botenstoffe wie Noradrenalin und Serotonin aus (vgl. Serotonin Wirkung), welche die menschliche Gedächtnisleistung, seine Aufmerksamkeit sowie seine Bewegungskoordination beeinflussen.

Benzodiazepin-haltige Substanzen

Die verschiedenen Benzodiazepinpräparate unterscheiden sich nicht nur in ihrer Zusammensetzung und Dosierung, sondern vor allem in ihrer Anwendung und Klassifizierung. In der folgenden Liste sind einige der wichtigsten und gängigsten Benzodiazepine in einer Übersicht aufgeführt.

  • Midazolam (Dormicum): wird als Sedativum und Hypnotikum hauptsächlich bei der Sedierung vor chirurgischen Eingriffen sowie bei der Narkotisierung verwendet
  • Triazolam (Halcion): ein Hypnotikum, das vor allem bei extremen Schlafstörungen wie schwerer Insomnie eingesetzt wird
  • Prazepam (Demetrin): als Anxiolytikum und Sedativum gebräuchlich, wird insbesondere bei krankhafter Nervosität und Schlafstörungen verschrieben
  • Medazepam (Rudotel): das Anxiolytikum und Sedativum wird bei Spannungszuständen und Angststörungen verwendet
  • Dikaliumclorazepat (Tranxilium): ein Psychopharmakon, das sowohl bei schweren epileptischen Krampfanfällen als auch bei Panikattacken verwendet wird
  • Oxazepam (Praxiten): ein Sedativum, welches sowohl bei Depressionen als auch bei Durchschlafstörungen eingesetzt wird
  • Flurazepam (Staurodorm): wird als Hypnotikum nahezu ausschließlich zur Therapie bei Schlafstörungen eingesetzt
  • Nordazepam (Madar): das Anxiolytikum dient hauptsächlich der Behandlung von Angststörungen
  • Lormetazepam (Noctamid): findet als Sedativum und Hypnotikum bei belastenden Spannungszuständen und Einschlaf- und Durchschlafstörungen Verwendung
  • Tetrazepam (Musaril): dient als Antikonvulsivum und Muskelrelaxans der Behandlung von chronischen Schmerzzuständen, Gelenkbeschwerden und Spastiken
  • Brotizolam (Lendormin): wird als Sedativum und Hypnotikum zur Therapie schwerer Schlafstörungen eingesetzt
  • Clonazepam (Rivotril): dient als Anxiolytikum, Sedativum und Antikonvulsivum zur Therapie bei sozialer Phobie sowie beim Restless-Legs-Syndrom
  • Alprazolam (Tafil): das Antikonvulsivum und Anxiolytikum wird vorzugsweise zur Behandlung von Panikstörungen eingesetzt
  • Nitrazepam (Mogadan): das Hypnotikum und Antikonvulsivum wird sowohl bei Einschlaf- und Durchschlafstörungen sowie bei Epilepsien angewendet
  • Lorazepam (Tavor): findet als Anxiolytikum und Antikonvulsivum bei Angststörungen und Krämpfen Verwendung
  • Flunitrazepam (Rohypnol): das Sedativum und Hypnotikum dient zur Therapie von Schlafstörungen und schwerer Insomnie
  • Clobazam (Frisium): ein Antikonvulsivum und Sedativum, das bei chronischen Spannungszuständen und Epilepsie angewendet wird
  • Bromazepam (Lexotanil): wird als Anxiolytikum und Sedativum bei Panikstörungen und Angststörungen eingesetzt
  • Diazepam (Valium): ein Psychopharmakon, das sowohl bei Schlafstörungen, Angstzuständen und Spastiken als auch beim Alkoholentzugssyndrom zum Einsatz kommt
  • Temazepam (Remestan): das Anxiolytikum und Antikonvulsivum wird zur Behandlung von Angstzuständen und Krämpfen genutzt

Die obige Benzodiazepine-Liste zeigt, unter wie vielen Handelsnamen Benzodiazepin heute kursiert, verschrieben, gekauft und eingenommen wird. Und dass es eben nicht nur pauschal um „Valium“ geht.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Einnahme von Benzodiazepinen kann mit einer Reihe verschiedener Nebenwirkungen einhergehen, die entsprechend der jeweiligen benzodiazepinhaltigen Arznei, ihrer Anwendungsdauer sowie ihrer Dosierung variieren. Die häufigsten durch Benzodiazepine ausgelösten Nebenwirkungen betreffen in der Regel das zentrale Nervensystem, können jedoch auch Auswirkungen auf die Haut, Muskeln und Skelett, den Kreislauf, die Atemwege und die menschliche Psyche haben.

Oftmals treten Symptome wie Müdigkeit, Benommenheit, Schläfrigkeit, Niedergeschlagenheit und Kopfschmerzen auf, doch auch Gedächtnislücken, Konzentrationsstörungen sowie Verwirrtheitszustände sind nicht selten eine Folge der Einnahme oder gar Überdosierung von Benzodiazepinen. Ebenso beeinträchtigen diese die Reaktionszeit und implizieren damit eine Fahruntüchtigkeit des Patienten.

Eine hohe Dosierung kann zudem Artikulationsstörungen in Form von einer verwaschenen und verlangsamten Aussprache auslösen sowie sich negativ auf den Bewegungsapparat auswirken und dabei motorische Störungen, Schwindel und Muskelschwäche hervorrufen und damit die Sturzgefahr des Patienten erheblich erhöhen. Zu den weiteren möglichen Begleiterscheinungen können zudem Übelkeit, Mundtrockenheit, Durchfall und Sehstörungen sowie Blutdruckabfall gehören.

Auch die Psyche des Menschen kann von den Nebenwirkungen benzodiazepinhaltiger Medikamente in erheblichem Maße betroffen sein; so wurden bei einigen Patienten paranoide Reaktionen wie akute Erregungszustände oder Wutanfälle sowie depressive Verstimmungen beobachtet.

Eine langfristige Einnahme von Benzodiazepinen kann zudem eine emotionale Abstumpfung sowie Abgeschlagenheit und eine erhebliche Reduzierung der Merkfähigkeit hervorrufen; oftmals leiden die Patienten zudem unter einer verminderten Selbstreflexion und Kritikfähigkeit. Im Ernstfalle – bei erhöhter Dosierung, gleichzeitigem Alkoholkonsum oder der Einnahme weiterer Medikamente, welche Querwirkungen hervorrufen – können benzodiazepinhaltige Arzneimittel eine verlangsamte Atmung bis hin zur Atemdepression auslösen.

Aufgrund dieser vielfältigen Nebenwirkungen sowie der mannigfaltigen gesundheitlichen Risiken, welche die Einnahme von Benzodiazepinen birgt, sollte die Anwendungsdauer derartiger Medikamente möglichst kurz sowie die Dosierung möglichst gering ausfallen. Insbesondere die langfristige oder gar dauerhafte Gabe von Benzodiazepinen kann erhebliche Folgeschäden mit sich bringen und beispielsweise bei älteren Patienten die Entwicklung einer Demenz begünstigen. Darüber hinaus birgt die regelmäßige Einnahme eine große physische und psychische Suchtgefahr, welche sich anhand schwerer Entzugssymptome äußern kann.

Kontraindikationen, Wechselwirkungen und Anwendungsbeschränkungen

Benzodiazepine können, wenn sie in Kombination mit verschiedenen anderweitigen Wirkstoffen eingenommen werden, fatale Wechselwirkungen entfalten, die oftmals als lebensgefährlich oder gar tödlich eingestuft werden können. Insbesondere die zeitgleiche Einnahme betäubender Substanzen wie Alkohol, Opiate oder Barbiturate sowie Antihistaminika und Antidepressiva (siehe Antidepressiva Liste) kann die sedative Wirkungsweise der Benzodiazepine um ein Vielfaches potenzieren.

Die Folge dieser gegenseitigen Wirkungsverstärkung kann im schlimmsten Falle der Atem- oder Herzstillstand sein.

Dementsprechend dürfen benzodiazepinhaltige Arzneimittel unter keinen Umständen bei verschiedenen Vorerkrankungen verabreicht werden; dazu gehören vor allem Störungen der Atemfunktion wie Asthma, neurologische Erkrankungen wie Mysthenia gravis und Koordinationsstörungen wie Ataxie. Doch auch bei Augenerkrankungen wie dem Engwinkelglaukom, bei bekannter Drogen-, Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit, beim Vorliegen bestimmter Allergien sowie beim Schlafapnoe-Syndrom sollte auf keinen Fall eine Einnahme von Benzodiazepinen erfolgen.

Schwangerschaft und Stillzeit

Medizinisch nicht unbedenklich ist zudem die Anwendung von Benzodiazepinen während der Schwangerschaft, da diese den Fötus nachhaltig schädigen können.

Die Wirkstoffe der Benzodiazepinpräparate gelangen über die Plazenta zum Ungeborenen, welches diese nur sehr langsam abbauen kann, und lagern sich dort an. Dies kann bei Neugeborenen zu Folgeschäden wie schlaffen Muskeln, einem gestörten Saugreflex sowie Atemstörungen führen, die unter dem Begriff des „floppy infant syndrom“ zusammengefasst werden.

Daher sollte die Einnahme von Benzodiazepinen nur in speziellen Ausnahmefällen während der Schwangerschaft erfolgen. Selbiges gilt für die Stillzeit, da sich Benzodiazepine auch in der Muttermilch anreichern.

Benzodiazepinabhängigkeit und Entzug

Benzodiazepine bergen wie kaum eine andere Medikamentengruppe die extrem erhöhte Gefahr einer raschen Abhängigkeitsentwicklung. Da der menschliche Körper innerhalb kurzer Zeit eine Toleranz gegenüber den Wirkstoffen der Benzodiazepinpräparate entwickelt, kann eine psychische sowie physische Anhängigkeit, welche von teilweise schweren Entzugssymptomen begleitet wird, bereits nach achtwöchiger Einnahme eintreten.

Generell gelten Benzodiazepine weltweit als Medikamentengruppe mit der höchsten Missbrauchsrate, weshalb eine benzodiazepinbasierende Therapie besonders sensibel und nur unter ärztlicher Aufsicht eingeleitet und durchgeführt werden sollte.

Statistiken zufolge sind derzeit etwa 1,1 Millionen Menschen in Deutschland abhängig von einer benzodiazepinhaltigen Arznei, wobei sich die Gruppe der Abhängigen in mehrere Untergruppen aufteilt.

So wird ein Großteil der Patienten im Rahmen einer ärztlichen Behandlung süchtig von Benzodiazepinen, insbesondere, wenn die Einnahme aufgrund einer fahrlässigen Verschreibungspraxis auf mehrere Monate oder sogar Jahre ausgedehnt wird. Vielfach entwickelt sich die Abhängigkeit bei den Betroffenen zunächst unbemerkt und wird zudem im sozialen Umfeld kaum wahrgenommen. Wird die Dosierung jedoch über die Zeit hinweg kontinuierlich erhöht, da der Abhängige aufgrund der zunehmenden Entzugserscheinungen sonst kaum mehr in der Lage ist, seinen Alltag zu bewältigen, prägen sich meist Verhaltensauffälligkeiten oder sogar Persönlichkeitsveränderungen aus. Diese haben nicht selten schwerwiegende berufliche und soziale Folgen und führen oftmals bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes sowie zur sozialen Isolation. Steigt der tägliche Bedarf an Benzodiazepinen, konsultieren die Betroffenen zudem oftmals mehrere verschiedene Ärzte; zum einen, um ihre Abhängigkeit zu vertuschen und zum anderen, um größere Mengen des Medikaments verschrieben zu bekommen.

Generell gilt die Medikamentenabhängigkeit als eine der großen Zivilisationskrankheiten unserer modernen Gesellschaft und gehört dabei meist zu den Folgen psychosozialer Probleme wie Leistungsdruck und Burnout (Burn-out). Besonders betroffen ist hierbei das weibliche Geschlecht; ca. 70 Prozent aller Medikamentenabhängigen sind Frauen. Ebenfalls ein erhöhtes Risiko besteht bei der älteren Generation, welche aufgrund alterstypischer Gebrechen und Erkrankungen oftmals mit der täglichen Einnahme von Medikamenten konfrontiert und so erheblich schneller eine psychische Abhängigkeit entwickelt.

Benzodiazepine und Drogen: Eine weitere große Gruppe der Benzodiazepinabhängigen findet sich in der Drogenszene. Hier werden die im Jargon als „Benzos“ bezeichneten Medikamente meist in erhöhten Dosierungen und jenseits einer ärztlichen Verordnung konsumiert, oftmals in Kombination mit diversen illegalen Substanzen wie Opiaten. Aufgrund ihrer sedierenden Wirkung nutzen Drogenabhängige Benzodiazepine nicht selten als Ersatzpräparat für Heroin, Kokain und Co. oder sie werden zur Minderung einer Entzugssymptomatik verwendet.

Ein Benzodiazepinentzug sollte stets nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen und die Benzodiazepine ausschleichend und niemals abrupt abgesetzt werden, da dies zu schweren gesundheitlichen Komplikationen führen kann. Generell gilt: Je ausgedehnter die Einnahme der Medikamente war, desto stärker prägen sich die Entzugssymptome beim Absetzen bzw. Ausschleichen aus. Diese ähneln meist den ursprünglichen Beschwerden, aufgrund derer die Benzodiazepine verabreicht bzw. konsumiert wurden und können von Schlafstörungen, Unruhe, Gereiztheit, Stimmungsschwankungen und Schmerzen bis hin zu Suizidgedanken, Wahrnehmungsstörungen, Wahnvorstellungen und epileptischen Anfällen reichen. Oftmals wird ein solcher Entzug von verstärkten Angstgefühlen bis hin zu Panikattacken begleitet. Weitere Einblicke in die Folgen und Hintergründe einer Benzodiazepinabhängigkeit gewährt eine themenbezogene WDR-Dokumentation (weiter oben eingebunden), welche zudem unter folgendem Link bei YouTube abrufbar ist: www.youtube.com/watch?v=hBelOR1r9uM.

Rechtliches

Die Rechtslage bezüglich der Verschreibung und der Verwendung von Benzodiazepinen variiert je nach Substanz und der jeweiligen Gesetzgebung des Landes; eine allgemeingültige internationale Regelung gibt es nicht. In Deutschland sind Benzodiazepine im Rahmen einer bestimmten Dosierung rezeptpflichtig, außerhalb dieses Rahmens fallen sie in den Wirkungsbereich des Betäubungsmittelgesetzes und sind nur über ein BtM-Rezept verschreibungsfähig. Hierbei sind gesetzlich bestimmte Höchstmengen für das Verabreichen von Benzodiazepinen in Form von Tabletten, Ampullen oder Packungen festgelegt, welche in Anlage III des BtMG nachlesbar sind.

Seit November 2011 fällt das Benzodiazepin Flunitrazepam aufgrund des häufigen Missbrauchs in der Drogenszene in den Bereich der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung und ist ausschließlich per BtM-Rezept erhältlich. Auch in den USA floriert der Medikamenten-Schwarzmarkt: Hier wurden im Jahre 2011 etwa 1,25 Millionen Opfer von Medikamentenmissbrauch in die Notaufnahme eingeliefert – bei 358.000 Fällen waren Benzodiazepine ursächlich beteiligt.

Quellen:

Ängste, Phobien, Panikattacken > Angststörungen und Angsterkrankungen behandeln