Pregabalin / Lyrica - Wirkung, Nebenwirkungen, Erfahrungen (© MQ-Illustrations / stock.adobe.com)

Lyrica / Pregabalin gegen Angststörungen?

Der Name des am häufigsten verordneten Mittels gegen so verschiedene Diagnosen wie Angststörungen, Epilepsie und neuropathische Schmerzzustände klingt poetisch: Lyrica. Weniger lyrisch sind allerdings die Patientenberichte mit Erfahrungen über die Wirkung dieses Medikaments. Es basiert auf dem Wirkstoff Pregabalin, der für ein medizinisches Präparat auch als eigenständiger Medikamentenname dient.

Starke Wirkung, starke Nebenwirkungen?

Dieses Arzneimittel wurde zunächst als Antikonvulsivum für Epileptiker entwickelt. Seit 2004 dürfen Pregabalinhaltige Arzneimittel wie Lyrica auch bei chronischen und neuropathischen Schmerzen verordnet werden. Ein drittes Anwendungsgebiet für Pregabalin ergibt sich bei Angsterkrankungen, speziell der generalisierten Angststörung. Dabei handelt es sich weder um eine spezifische Phobie oder Angst-Psychose, noch um eine Angsterkrankung, die sich speziell auf eine angstmachende Erfahrung über bestimmte soziale Zusammenhänge bezieht. Vielmehr besteht bei den Betroffenen eine allgemeine Angst in vielerlei Kontexten und Situationen. Diese verallgemeinerte Angst hat bereits ein Ausmaß angenommen, das für den Betroffenen eine erhebliche Minderung der Lebensqualität bedeutet.

Seit 2104 dürfen in Deutschland sogenannte Pregabalin-Generika verkauft werden. Mit Auslaufen des Patentschutzes für den Haupt-Wirkstoff darf jeder das Pregabalin nutzen, um ein preiswerteres Medikament unter eigenem Namen und mit eigenen Rezepturen in Verkehr zu bringen. Daher sind neben Lyrica und Pregabalin weitere Arzneimittel mit demselben Haupt-Wirkstoff am Markt zu finden. Laut Budgetierung müssen die Pregabalin-Generika gegebenenfalls bevorzugt verordnet werden, weil sie bis zu 50 Prozent preiswerter sind als das Original-Medikament. Ein Gegenargument dafür wäre die Unverträglichkeit eines Beistoffes.



Pregabalin / Lyrica: Ein umsatzstarker Verkaufsschlager

Das Interesse an Lyrica und Pregabalin als Wirkstoff war beträchtlich, denn beide erwiesen sich nach ihrer Markteinführung als erfreulich umsatzstark. 2009 wurden damit allein in Deutschland 220 Millionen Euro an Umsätzen eingefahren. Nur elf andere Medikamente in Deutschland waren noch umsatzträchtiger. Offensichtlich fanden auch die deutschen Mediziner dieses neue Medikament hochinteressant. Sie haben es bei Angststörungen entsprechend oft verordnet. Während zunächst Epilepsien im Vordergrund der Verordnungen standen, durfte das Medikament später auch bei einer generalisierten Angststörung oder chronischen Schmerzen verschrieben werden. Auch diese werden meistens auf eine psychische Erkrankung oder Störung zurückgeführt.

Ängste, die sich pauschal über das gesamte Leben erstrecken, betreffen nicht ein bestimmtes Objekt oder eine definierte Situation. Sie sind nicht vergleichbar mit einer Phobie oder Hypochondrie. Die Angst hat sich im Laufe einer Entwicklungsphase generalisiert und verselbstständigt. Sie überzieht und stört das gesamte Leben. Der Betroffene wird gehäuft von Schweißausbrüchen, Angstzuständen und Panikattacken heimgesucht. Er wähnt sich jedoch wegen der begleitend auftretenden körperlichen Symptome als organisch krank. Beispielsweise verdächtigt er sich wegen Herzrasens einer unerkannten Herzerkrankung.

Das Rückzugs- und Vermeidungsverhalten wird bei einer pauschalisierenden Angsterkrankung immer weiter ausgedehnt. Soziale Kontakte werden zunehmend dezimiert. Jede Erfahrung der Furcht löst neuerliche Ängste aus. Die berufliche Karriere wird durch langfristige Krankschreibungen unterbrochen. Viele Betroffene werden am Ende in die Erwerbsminderungsrente geschickt. Sie sind nicht mehr arbeitsfähig. Zuvor haben sie aber oft eine längere Odyssee durch verschiedene Arztpraxen hinter sich. Der Arztbesuch bleibt meistens erfolglos, weil die wahre Ursache der körperlichen Symptome meist nicht als seelisch verursacht erkannt wird. Stattdessen werden die geschilderten körperlichen Symptome behandelt. Das kann mehrere Jahre lang so gehen.

Der Leidensdruck der Betroffenen ist deshalb hoch. Da liegt es nahe, nach dem Stellen der korrekten Diagnose mit einem hochwirksamen Medikament wie Lyrica umso schneller Abhilfe schaffen zu wollen. Doch ganz so einfach ist es nicht. Die Nebenwirkungen von Pregabalin-Präparaten sind beträchtlich. Patienten mit Angsterkrankungen, die mit Panikattacken verbunden sind, dürfen dieses Präparat ohnehin nicht einnehmen. Die Erfahrung besagt, dass hier eine Verhaltenstherapie mit Konfrontationstherapie besser geeignet sind.

Wie äußert sich eine generalisierte Angststörung?

Eine generalisierte Angsterkrankung ist eine umfassende psychische Störung. Bei dieser ist die Angst, die eigentlich ein nützlicher Schutzmechanismus sein sollte, außer Kontrolle geraten. Sie erstreckt sich mittlerweile über alles, was das Leben ausmacht. Die ständige Angstreaktion macht sich unter anderem durch verschiedene körperliche Symptome bemerkbar. Ängste und Panikattacken sorgen für häufiges Herzrasen. Die Betroffenen leiden außerdem unter

  • Schweißausbrüchen
  • Frösteln oder Zitteranfällen
  • Schwindelgefühlen
  • der Angst, ohnmächtig zu werden
  • muskulären Krämpfen und Verspannungen
  • anhaltender innerer Unruhe und Nervosität
  • Hitzewallungen
  • chronischen Schmerzen
  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsmangel
  • Spannungskopfschmerzen
  • Angst vor Kontrollverlust
  • Derealisation / Depersonalisation
  • oder Benommenheit.

Um eine Diagnose wie die verallgemeinerte Angsterkrankung zu erhalten, müssen bestimmte Kriterien gegeben sein. Die Betroffenen müssen an allgemeiner innerer Anspannung, diffusen Ängsten, ständigen Besorgnissen und Befürchtungen leiden. Diese erstrecken sich auf Alltägliches, das an sich nicht furchterregend ist. Es darf bei den Betroffenen keine konkrete Furcht vor Spinnen, vollen Bussen oder hohen Türmen vorliegen. Das wäre eine Phobie.

Zweitens müssen mindestens sechs Monate lang vier der nachfolgenden Symptome vorgelegen haben:

  • vegetative Symptome wie Schweißausbrüche, Schwindelgefühle, Herzrasen (Tachykardie) oder beschleunigter Atem (Tachypnoe), Zittern oder Mundtrockenheit
  • Beschwerden im Magen-Darm-Trakt oder im Oberkörper, zum Beispiel Beklemmungen, Luftnot, Atembeschwerden, Übelkeit, Magenprobleme, Schmerzen
  • allgemeine Symptome wie Hitzewallungen, Kälteschauer, Taubheitsgefühle oder Kribbeln
  • Anspannungsbeschwerden wie Muskelverspannungen, Schluckbeschwerden, Kloßgefühl im Hals, auffallende Ruhelosigkeit, mangelnde Entspanntheit oder Nervosität
  • unspezifische Symptome, etwa Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme, ein Gefühl der Leere im Kopf, Einschlafstörungen
  • und psychische Symptome wie Unsicherheit, Komplexe, Benommenheit, Derealisation und Depersonalisation, Ängste vor Kontrollverlust, Todesangst

Mindestens eine der vier Symptomgruppen muss durch vegetative Symptome gekennzeichnet sein. Zudem muss eine gründliche Differentialdiagnose mögliche organische Ursachen und körperliche Erkrankungen ausschließen. Außerdem darf es sich nicht um eine konkrete Phobie, um Hypochondrie oder Zwangs- oder Panikstörung handeln. Diese sind nicht als chronifizierte Angststörung allgemeiner Art einzustufen. Nur solche verallgemeinerten Angststörungen können mit Pregabalin erfolgreich behandelt werden. Nicht aber Ängste, die durch Psychosen, Phobien oder Hypochondrie entstanden sind.

Die Frage ist nur, wie viele Betroffene Pregabalin wegen der starken Nebenwirkungen als hilfreich empfinden. Kritische Patientenberichte und besorgte Anfragen zu Lyrica und Pregabalin in Internetforen lassen Zweifel daran aufkommen, dass die Betroffenen sich durch dieses Medikament immer von ihrer Angst und deren Begleitsymptomen entlastet sehen. Die Liste der Nebenwirkungen, die Lyrica verursacht, ist auffällig lang. Daher wird oft der Wunsch nach einem Behandlungsabbruch geäußert. Viele Betroffene haben bereits Erfahrung mit diesem Arzneimittel-Wirkstoff gemacht. Manche teilen ihre Meinungen in Online-Foren.

Nebenwirkungen von Lyrica / Pregabalin

Manche Patienten meinen, durch Lyrica oder Pregabalin vom Regen in die Traufe zu geraten. Eben noch waren sie vollständig mit ihrer generalisierten Angst beschäftigt. Nun müssen sie sich damit auseinandersetzen, dass sie nach dem Einschleichen des potenten Wirkstoffes Angst vor Nebenwirkungen haben müssen. Die meisten Patienten fühlen sich nach der Einnahme des Medikaments, als seien sie stark betrunken. Sie erleben Beschwerden wie

  • Benommenheit
  • Schwindel
  • Müdigkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • oder die Unfähigkeit, einem Thema aufmerksam zu folgen.

Konfrontiert man einen behandelnden Arzt damit, dass man nun erst recht nicht mehr arbeitsfähig ist, antwortet dieser vielleicht „Das spielt doch keine Rolle. Durch irgendetwas werden wir alle irgendwann arbeitsunfähig.“

Nachdem die Anfangsprobleme überwunden wurden und der Körper sich an Lyrica gewöhnt hat, stellen sich bei manchen Betroffenen Symptome

  • Doppeltsehen
  • verschwommenes Sehen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schluckbeschwerden
  • Gewichtszunahme
  • Ödeme
  • Muskelzucken
  • Muskelkrämpfe
  • Herzrhythmusstörungen
  • Energielosigkeit
  • eine erhöhte Sturzneigung
  • oder Erektionsstörungen

ein. Auch wenn das nicht so gehäuft vermeldet wird, ist die Lebensqualität dadurch stark eingeschränkt. Die Frage ist, ob der Nutzen des Präparates diese Beschwerden übertrifft. Ist das nicht der Fall, sollte man dem Arzt gegenüber seine Erfahrungen in klaren Worten kommunizieren.

Zu den eher selten auftretenden Nebenwirkungen von Pregabalin-Präparaten gehören erhöhte Blutzuckerwerte, Brustschmerzen, Nierenversagen, Muskelschäden, Sehprobleme wie gestörte Tiefenwahrnehmung oder Lichtblitze. Gelegentlich ist eine Herzinsuffizienz nach der Einnahme festgestellt worden. Es kam manchmal zu Störungen des Elektrolyt-Haushalts, die unbehandelt Herzrhythmusstörungen auslösen können. Außerdem kann es in manchen Fällen zu Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge, Krampfanfällen, Bewusstseinsverlusten sowie Überempfindlichkeits- und allergische Reaktionen kommen.

Suchtpotenzial und Kontraindikationen

Eine Pregabalin-Therapie ist auch wegen des Abhängigkeits- und Suchtpotenzials mit Vorsicht zu genießen. Beim plötzlichen Absetzen werden mittelschwere bis schwere Entzugs-Symptome diagnostiziert. Pregabalin-Präparate müssen daher unter ärztlicher Aufsicht ausgeschlichen werden. Geschieht das nicht langsam genug, können die Betroffenen plötzlich an epileptischen Anfällen leiden. Deutsche und schwedische Mediziner haben Lyrica und verwandten Arzneimitteln mit Pregabalin-Gehalt ein Abhängigkeitspotenzial attestiert. Das Medikament kann laut Doktor Larizius also als Suchtmittel missbraucht werden.

Als Kontraindikation gilt die gleichzeitige Einnahme von Pregabalin und Lorazepam oder Alkohol (Alkoholismus) bzw. von Präparaten, Drogen oder Genussmitteln, die dämpfend auf das ZNS wirken. In dieser Kombination kann Lyrica zu einer respiratorischen Insuffizienz und zu einem Koma führen. Auch die gleichzeitige Einnahme von Oxycodon sollte unterbleiben. Wechselwirkungen mit Verhütungsmitteln in Form von Tabletten wurden nicht registriert. Möglicherweise wird aber unter dem Einfluss von Lyrica die Wirkung eines Verhütungsmittels herabgesetzt. Schwangere und stillende Frauen sollten grundsätzlich auf die Einnahme von Lyrica verzichten. Eine Niereninsuffizienz erfordert eine Dosisanpassung.



Fragen der Dosierung von Pregabalin-Präparaten

Da Pregabalin-Präparate ein- und ausgeschlichen werden müssen, gibt es sie in verschiedenen Dosierungen. Die Therapie von speziellen Angststörungen und Panikattacken wird mit anderen Tabletten und Flüssigverabreichungen vorgenommen. Lyrica und Pregabalin liegen als Hartkapseln vor. Diese enthalten wahlweise

  • 25 mg
  • 50 mg
  • 75 mg
  • 100 mg
  • 150 mg
  • 200 mg
  • oder 300 mg

Wirkstoff. Krankhafte Ängste, die als generalisierte Angsterkrankung klassifiziert wurden, sprechen gut auf den Wirkstoff an. Die Behandlung mit Lyrica beginnt mit einer niedrigen Dosis Pregabalin. Die Therapie muss vom behandelnden Arzt regelmäßig überwacht werden. Eine Aufklärung über die zu erwartenden Nebenwirkungen und die Wirkung des Präparates auf das Gehirn erfolgt bei Angsterkrankungen meist nicht im ausreichenden Maße. Die Betroffenen sollten den Beipackzettel daher umso sorgfältiger lesen.

Die Erfahrung zeigt, dass viele Betroffene sich nach dem Durchlesen des Beipackzettels entschließen, das Präparat trotz der belastenden Angststörungen nicht einnehmen zu wollen. Andere wenden sich wegen der beschriebenen Nebenwirkungen an den Arzt oder suchen Rat in einem Internet-Forum. Sie haben Angst, dass die Therapie statt einer Entlastung eine gegenteilige Wirkung zeigt. Manche Betroffenen brechen die Behandlung ab. Viele gehen dann zu einem anderen Arzt. Andere lassen sich wegen ihrer Angsterkrankungen in eine psychosomatische Klinik einweisen. Einige beginnen aus freien Stücken eine Psychotherapie. Sie stellen sich ihren Problemen, statt sie noch länger auszuhalten. Auch dann kann es sinnvoll sein, medikamentös gegen die Angst vorzugehen. Die Erkrankungssymptome blockieren und behindern sonst die Therapie.

Die Erfahrung zeigt, dass der Körper sich nach einer gewissen Eingewöhnungszeit an die Nebenwirkungen des Pregabalins gewöhnt hat. Viele Patienten, die krankhafte Ängste haben, kommen nach der Eingewöhnungsphase gut mit Lyrica zurecht. Ein gewisses Durchhaltevermögen ist aber gefragt. Gegebenenfalls sollte die Anfangsdosis niedrig angesetzt und langsam gesteigert werden. Ob das Präparat mit dem Wirkstoff Pregabalin am Ende in Dosen von 25 mg, 50 mg, 75 mg, 100 mg, 150 mg, 200 mg oder 300 mg verordnet wird, hängt von der Schwere der Angsterkrankung ab.

Problematisch ist die Einnahme, wenn eine Person zur Abhängigkeit von Suchtstoffen neigt. Hier muss die Behandlung mit Pregabalin sorgfältig kontrolliert werden. Der Sinn einer Lyrica-Verordnung sollte hinterfragt werden, wenn der Patient Suchtneigungen zeigt oder schon eine Suchterkrankung hatte. Gegebenenfalls sollten andere Tabletten gegen die Angst verschrieben werden. Liegen beispielsweise Angststörungen mit Panikattacken und definierten Angstauslösern vor, die möglicherweise durch die Abhängigkeit von einem Suchtmittel verursacht wurden, steht zunächst ein Entzug an. Die weitere Behandlung steht unter anderen Vorzeichen, da sich die Panikattacken bei einem erfolgreichen Entzug bessern sollten.

Quellen:

Ängste, Phobien, Panikattacken > Angststörungen und Angsterkrankungen behandeln