Angst vorm Leben - Lebensangst (© Gajus / Fotolia)

Angst vorm Leben – Wenn Lebensangst pathologische Züge trägt…

Angsterkrankungen schränken das Leben der davon betroffenen Menschen sehr stark ein. Das gilt insbesondere, wenn das gesamte Leben Angst macht. Doch bei aller Angst, die das Leben mit all seinen schrecklichen Seiten verursachen kann, wissen viele Betroffene gar nicht, dass sie eine generalisierte Angststörung in Form von Lebensangst haben.

Die Angst vor dem Leben ist schwer zu entdecken, weil sie sich oft als Suchtverhalten, Zwangstörung oder Depression maskiert. Daher wird oft dieses augenfällige einer Behandlung zugeführt – nicht aber das, was dahinter steht. Wichtiger ist jedoch die Botschaft, dass auch diese Angststörung behandelt werden kann, sodass das Leben wieder in seiner ganzen Breite und Schönheit erfahren wird. Ausufernde Ängste, die den Freiraum einer Person massiv einschränken, gehören in Behandlung.

Der Grund für die Notwendigkeit einer Behandlung liegt nicht nur in einer falschen und einseitigen Sichtweise über das Leben. Er liegt auch im zunehmenden Rückzug der Betroffenen von gesellschaftlichen Ereignissen und in ihrer wachsenden Unfähigkeit, mit dem Leben in all seinen Facetten zurecht zu kommen. Lebensängste können am Ende in einem Selbstmord münden. Dieser wäre durch eine rechtzeitige Therapie zu verhindern gewesen.

Quellen:

Wenn das Leben einem Menschen nur noch Angst macht

Die Lebensangst beginnt schleichend. Doch sie trifft oft auf Persönlichkeiten, die bereits als Kind eher ängstliche Naturen waren. Andererseits kann es aber auch sein, dass jemand sich schreckliche Tragödien in den Medien so zu Herzen nimmt, dass er sich nach und nach vor dem Leben ängstigt. Außerdem kann auch ein belastendes Erleben im eigenen Leben so gravierende Folgen haben, dass daraus eine Angst vorm Leben resultiert.

Die Palette möglicher Traumata, die das eigene Leben direkt oder indirekt betreffen können, ist breit. Sie reicht von einem schweren Autounfall über eine Vergewaltigung der Tochter bis zu einer miterlebten Naturkatastrophe, die jemand nur knapp überlebt hat. In solchen Fällen kann eine mangelnde Bewältigung des erlebten Traumas (Traumabehandlung) in eine posttraumatische Belastungsstörung und eine generelle Angst vor dem Leben führen.

Der Weg in die Lebensangst ist für jeden Betroffenen individuell und unterschiedlich. Er ist oft sogar nachvollziehbar und verständlich, wenn man die Lebensgeschichte des Betroffenen anschaut. Dennoch stehen der Krankheitswert der Angst und die Hilfsbedürftigkeit des Betroffenen im Vordergrund der Betrachtung. Niemand sollte das Leben so sehr fürchten müssen, dass er lebensunfähig wird. Manche innere Wunde kann man nicht vollständig abheilen lassen. Aber man kann als Therapeut dafür sorgen, dass der Betroffene damit leben kann (siehe: Therapeuten – was machen die?).


Psychotherapie – Ein einführender Überblick für Patienten


Sorgen und Ängste sind eine normale Reaktion des Menschen auf die verschiedenen Fährnisse des Lebens. Mütter sorgen sich um das Wohl ihrer Kinder, Liebende um das Wohl ihres Liebsten. Hundeliebhaber möchten ihrem Kleinhund ein schönes Leben bieten, auch wenn die großen Hunde auf ihn losgehen. Kinder und Jugendliche haben Ängste vor sozialer Häme (vgl. auch Gelotophobie – Angst ausgelacht zu werden), vor Mobbing im Netz oder Hasskommentaren von Klassenkameraden (siehe auch Schulangst). Die Schule wird oft nicht mehr als sicherer Ort wahrgenommen, sodass viele ältere Schüler sich mit Messern oder Pfefferspray bewaffnen. Unsere Lebenswelt hat sich durch die sozialen Medien und die mediale Überflutung verändert. Vor allem Kinder erleben heutzutage Dinge, denen sich sich nicht gewachsen fühlen.

Problematisch wird es jedoch erst, wenn die Ängste in einem Menschen überhand nehmen und jeden Tag dominieren. Wenn jemand beginnt, sein Leben um seine Ängste herum zu stricken, sollte das Umfeld aufmerksam werden. Sozialer Rückzug und zunehmendes Vermeidungsverhalten sind Warnsignale. Wenn Kinder oder Jugendliche nicht mehr gerne zur Schule gehen, sondern sich lieber an den heimischen PC zurückziehen, stimmt etwas nicht. Manchmal handelt es sich um Angst vorm Leben. Diese kann sich als Bauchschmerzen, Übelkeit, Depression oder Suchtverhalten wie das Klebstoffschnüffeln manifestieren.

Wenn jemand wegen seiner Befürchtungen keinen normalen Alltag mehr erlebt, und an nichts anderes als möglicherweise eintretende Katastrophen denken kann, handelt es sich vermutlich um eine Angsterkrankung: beispielsweise Lebensangst. Für solche Menschen kann der Tod eine attraktivere Lösung darstellen, denn das Leben in seiner ganzen Vielfalt wird nur noch als Gefahrenherd wahrgenommen. Daraus entsteht dann eine allumfassende Lebensangst. Die Angst vorm Leben beschreibt die Welt als gefährlichen Ort, an dem man keine Minute sicher sein kann. Diese einseitige Wahrnehmung schließt alle Erlebnisse aus, die anders geartet sind und zumindest eine gefühlte Sicherheit vermitteln könnten. Die innere Balance geht darüber verloren.

Tatsächlich ist das irdische Leben ein Universum, an dem es unzählige Krankheiten, Naturkatastrophen, Entführungen, steckenbleibende Fahrstühle, Unfälle, entgleisende Züge, Wasserrohrbrüche, Kriege, Morde und natürliche Todesfälle gibt. Potenziell kann die eine oder andere persönliche Katastrophe auch in unserem Leben vorkommen. Die statistische Wahrscheinlichkeit ist aber relativ gering. Das Problem ist: Es gibt im Leben nur eine gefühlte Sicherheit, nicht aber eine echte. Alle Versuche, das Leben in seiner Entfaltung kontrollieren zu wollen, sind nur bedingt erfolgreich. Die Angst vorm Leben kann sich auch als Depression manifestieren und in die Verzweiflung führen.

Quellen:


Eine generalisierte Angst vor dem Leben allgemein kann die Komfortzone der Betroffenen auf ein schmerzhaftes Minimum immer weiter reduzieren (© Tatyana - stock.adobe.com)
Eine generalisierte Angst vor dem Leben allgemein kann die Komfortzone der Betroffenen auf ein schmerzhaftes Minimum immer weiter reduzieren (© Tatyana – stock.adobe.com)

Kinder und Erwachsene können betroffen sein

Lebensangst kann sich unterschiedlich äußern. Sie kann bei Kindern und Erwachsenen zu Angsterkrankungen, Zwangsstörungen, Suchtverhalten oder Depressionen führen. Daher ist für medizinische Laien – und für die Betroffenen selbst – nicht immer zu erkennen, was nun der Auslöser für diese negativen Lebensäußerungen sind.

Die selektive Wahrnehmung des Lebens als gefährlichen und angstmachenden Ort erfolgt zunächst im Stillen. Es dauert, bis Angst vor dem Leben gravierende Symptome auslöst. Die Problem-Anzeiger wie Sucht oder Depressionen weisen nicht notwendigerweise auf Angst vorm Leben hin. Sie können auch in die Irre führen. Daher bleibt eine Angst vorm Leben oft lange Zeit unbehandelt. Den Betroffenen fehlt es an dem Urvertrauen, dass ihnen nichts geschehen wird. Ihnen mangelt es an einem grundlegenden Gefühl der Sicherheit, dass sie alle Probleme ihres Lebens meistern können.

Zum Teil sind dafür genetische Grundlagen verantwortlich, zum Teil aber auch Defizite in der elterlichen Erziehung. Viele Mütter übertragen eigene Ängste auf ihre Kinder. Damit bezwecken sie bewusst oder unbewusst auch, dass die Kinder sich nur bei ihnen sicher fühlen sollen. Bereits mit solchen Strategien können die Grundlagen für eine Angst vorm Leben gelegt werden. Angst gehört zwar als warnende Instanz, die uns schützen soll, zum Leben. Sie sollte es aber weder definieren noch dominieren.

Das Gefühl der Sicherheit scheint aber in einer Welt, in der so viel Grausames passiert, immer schwerer etabliert zu werden. Spätestens seit so gravierender Erlebnisse wie dem Fall des World Trade Centers oder den öffentlichen Enthauptungen der IS steht unsere vermeintlich sichere Welt Kopf. Klimawandel, Terrorismus, Kindesmisshandlungen, todbringende Erdbeben, erweiterte Suizide, Tsunamis, Familientragödien, Schlammlawinen oder Hurrikans bringen unser Weltbild in Wanken. Nichts fürchten wir Menschen mehr, als den Kontrollverlust.

Quellen:

Wie kann der Angst vorm Leben begegnet werden?

Wenn Symptome wie Depressionen, Suchterkrankungen, Zwangsstörungen oder erkennbare Angstsymptome auftreten, beginnen viele Menschen eine Verhaltenstherapie oder eine Gesprächstherapie. Suchtprobleme setzen aber eine vorherige Auseinandersetzung mit der Sucht voraus.

Manche Menschen versuchen sich mit Psychokinesiologie zu helfen. Viele suchen gute Beruhigungsmittel im Netz. Sie versuchen sich z.B. durch sogenannte Klopftechniken oder Akupressur zu helfen. Selbsthilfe kann bei leichten Ängsten hilfreich sein. Nicht aber bei einer ausgewachsenen Angststörung wie Lebensangst, die in den Suizid führen könnte.

Mit einfachen Hausmitteln kann man aber die grundlegende Angst vorm Leben nur selten in den Griff bekommen. Vielmehr ist es oft so, dass jemand sich durch eine Pseudolösung mit seinem Problem arrangiert. Die Lebensangst bleibt. Sie wird als Normalzustand etabliert. Zwischen berechtigten Befürchtungen und ausgeuferter Angst wird nicht mehr unterschieden. Die daraus resultierenden Strategien wie Sucht oder Depression werden als hinnehmbar wahrgenommen. Das sind sie aber nicht.

Vielmehr muss im Rahmen einer Therapie das gesunde Gleichgewicht zwischen berechtigten Ängsten und ausgeuferten Befürchtungen wieder hergestellt werden. Depressionen – siehe auch: innerliche Leere – bedürfen ebenfalls einer fachkundigen Behandlung. Sie können auf gedeckelter Wut oder Verzweiflung beruhen, die ihre Grundlagen in einer generellen Angst vorm Leben haben – siehe: Angst vor Ablehnung, siehe: Soziale Phobien, siehe: melancholisch sein. Nur ein geschulter Therapeut kann feststellen, wo das Grundproblem liegt.

Ob es sich dabei um eine Gesprächspsychotherapie, ein Sozialkompetenztraining oder eine kognitive Verhaltenstherapie handelt, ist unterschiedlich. Es hängt unter anderem vom Alter der Patienten oder den auffällig gewordenen Symptomen der Lebensangst ab, welche Therapieart am besten ist. Außerdem sollte festgestellt werden, ob vielleicht eine vegetative Dystonie vorliegt – siehe auch psychovegetative Dystonie. Damit sind alle auftretenden körperlichen Symptome gemeint, die während einer Angsterkrankung auftreten können.

Quellen: