Vitamin D Mangel und der Zusammenhang mit Depressionen (© Alexander / stock.adobe.com)

Vitamin D Mangel – Zusammenhang mit Depressionen u.a. psychischen Erkrankungen?

Wie groß ist das Problem mit Vitamin D3 Mangel wirklich?! – Die meisten Menschen wissen, dass der „Winterblues“ auf Lichtmangel beruht. Genau gesagt, handelt es sich beim „Herbst- oder Winterblues“ um eine saisonbedingte Depression. An dieser leiden viele Menschen, die in Ländern wie Deutschland, Island oder skandinavischen Ländern leben. Lichtmangel in der dunklen Jahreszeit führt zu einem latenten bis gravierenden Mangel an Vitamin D. Dieses Vitamin kann der Körper über die Haut selbst bilden. Das geschieht durch eine ausreichende Bestrahlung mit Sonnenlicht.

Warum ist eine Substitution mit Vitamin D3 wichtig?

Früher meinte man, mit genügend Sonnenlicht könne jeder ganzjährig genügend Vitamin D3 bilden. Doch dann erfanden wir Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor. Die Menschen trugen immer öfter Funktionsbekleidung mit Membranen. Diese halten nicht nur Regen und Wind fern, sondern auch Sonne. Alle noch freien Hautflächen werden mit Sonnenschutzmitteln geschützt. So sinnvoll das angesichts des Ozonlochs und des Klimawandels auch ist: Es sperrt die Bildung von Vitamin D3 über die Haut weitgehend aus. Zu wenig Hautfläche wird pro Tag ungeschützt der Sonne entgegengehalten.

Kommt der jahreszeitlich bedingte Lichtmangel in nördlich gelegenen Staaten hinzu, können Vitamin D Tabletten notwendig werden. Wie Untersuchungen gezeigt haben, herrscht in breiten Teilen der Bevölkerung ein latenter Vitamin-D-Mangel vor. Man geht derzeit davon aus, dass 60 Prozent der Erwachsenen und Kinder einen latenten Vitamin D Mangel haben. Ungeklärt ist aber, wie genau dieser zustande kommt. Hierzu gibt es nur Vermutungen, die allerdings naheliegend sind. Siehe Sonnenschutzmittel, siehe Membranen in Funktionsbekleidung.



Der Mangel an Vitamin D wirft verschiedene Fragen auf:

  • Wäre mittlerweile eine ganzjährige Substitution mit Vitamin D Tabletten notwendig?
  • Kann es sein, dass wegen des latenten Vitaminmangels immer mehr Menschen an Depressionen leiden, die nicht jahreszeitlich bedingt sind?

Im Umkehrschluss könnte man fragen, ob eine präventive Versorgung mit Vitamin D Tabletten Depressionen verhindern kann bzw. ob Gaben von Vitamin D in Tablettenform Depressionen mindern könnten. Wären sie quasi als Antidepressiva ohne Rezept anzusehen?

Ist Vitamin D ein geeignetes Antidepressivum?

Mindestens ein Hersteller wirbt damit, dass Vitamin D das beste Antidepressivum sei. Diese Aussage ist allerdings nur in einigen Fällen haltbar, nämlich bei leichten Depressionen, die auf Lichtmangel zurückzuführen sind. Vitamin D bei Herbst- und Winterdepressionen zu verabreichen, und eine Tageslichtlampe zu benutzen, ist sinnvoll. Bei mittelschweren und schweren Depressionen kann das „Lichtvitamin“ bestenfalls – aber durchaus sinnvoll – als Begleitmedikation eingesetzt werden.

Die Datenlage zu diesem Thema ist seltsamerweise widersprüchlich. Sie reicht nicht aus, um eine abschließende Antwort zu geben. Der Grund dafür liegt nahe: Vermutlich wurde ein Teil der Studien von Herstellern solcher Produkte in Auftrag gegeben. Die Studienergebnisse sind daher nicht als wissenschaftlich neutral anzusehen. Sie sind möglicherweise nicht umfassend haltbar. Es liegt nahe, dass die Fragestellung die gewünschte Antwort bereits vorgegeben hat. Trotzdem gibt es mittlerweile genügend Hinweise darauf, dass Vitamin D und Depressionen in einem Zusammenhang stehen.

Dummerweise kann nur wenig des Lichtvitamins über die Nahrung zugeführt werden. Das Vitamin ist lediglich in Leber, in fettem Seefisch, in Pilzen, Vollmilch oder Eigelb enthalten. Wer sich vegan ernährt, hat kaum eine Chance, sich damit im ausreichenden Maß zu versorgen. Ein Mangel an Sonnenlicht kann so nicht ausgeglichen werden. Im Sommer sind die meisten Menschen recht gut versorgt, sofern sie einige Minuten am Tag ungeschützte Haut in der Sonne spazieren tragen.

In diesem Fall ist eher unwahrscheinlich, dass es zu Lichtmangel-bedingten Depressionen kommt. Alle durch Botenstoffmängel oder andere Faktoren begünstigten Depressionen wären aber davon unbeeinflusst.


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Welche Faktoren sind am Entstehen einer Depression beteiligt??

Möglicherweise wirken mehrere Faktoren zusammen, wenn eine Depression entsteht. Lichtmangel und Vitamin D-Defizite sind bestenfalls ein mitwirkender Faktor. Bekannte Faktoren, die zu Depressionen führen können, sind die Folgenden:

  • genetische Faktoren
  • dadurch bedingte familiäre Häufungen
  • neurobiologische Störungen (Botenstoffmangel)
  • Störungen im limbischen System
  • psychosoziale Faktoren
  • eine niedrige Frustrationstoleranz
  • mangelnde Resilienz gegenüber Stress
  • sowie eine besondere Vulnerabilität gegenüber psychischen Belastungen.

Erwiesen ist, dass diese Faktoren bei der Entstehung von Depressionen eine größere Rolle spielen oder in Kombination vorliegen können. Vor allem die Botenstoffe und die genetischen Faktoren sind nicht zu unterschätzen. Wenn Neurotransmitter wie Dopamin, Serotonin, Noradrenalin, Gamma-Aminobuttersäure (GABA) oder Acetylcholin nicht in stimmiger Menge vorhanden sind, kommt es oft zu Depressionen. Oftmals sind insbesondere die Mengen an Serotonin, Dopamin und Noradrenalin im Vergleich zu gesunden Menschen bei depressiven Menschen nicht ausreichend hoch. Dieses Manko sollen rezeptpflichtige Antidepressiva ausgleichen.

Ein weiterer Einflussfaktor, der das Entstehen von Depressionen begünstigt, sind kindliche Fehlentwicklungen. Fachleute rechnen dazu einen zu behütenden Erziehungsstil, der zu erlernter Hilflosigkeit führt, oder eine geringe Stresstoleranz. Unklar ist aber, ob es sich dabei um Folgen oder Ursachen von Depressionen handelt. Außerdem werden eine gestörte Mutter-Kind-Beziehung, der frühe Verlust eines Erziehungsberechtigten, frühkindliche Traumata oder mangelndes Selbstwertgefühl (siehe auch: Selbstwert stärken) zu den möglichen Auslösern gerechnet.

Zudem sind bestimmte Risikofaktoren bekannt, die eine Depressionsneigung verstärken. Seelische Krisen begünstigen Depressionen ebenso wie eine belastende Diagnose (Krebs), chronische Schmerzen, anhaltende Einsamkeit, Mangel an gesellschaftlichen Kontakten, finanzielle Probleme oder Arbeitslosigkeit, sowie Cannabis- und Alkohol-Konsum (Alkoholismus). In Großstädten leben viele Menschen anonymer als im ländlichen Kontext. Die Zahl der depressiven Menschen ist daher höher. Es ist also keineswegs so, dass Vitamin D-Defizite durch Lichtmangel die einzigen Auslöser von Depressionen sind.

Folglich kann eine Vitamin D-Substitution bei vielen Arten von Depressionen auch nur bedingt hilfreich sein – Vitamin D3 Mangel hin oder her.

Interessant ist aber die Erkenntnis, dass Vitamin D3 die Wirkung von manchen rezeptpflichtigen Antidepressiva verbessern kann. 2005 haben Forscher nachgewiesen, dass es im Gehirn Vitamin D-Rezeptoren gibt. Vitamin D kann somit eventuell Einfluss auf den Gehirnstoffwechsel nehmen. Wenn das bewiesen werden kann, und man versteht, in welcher Weise das geschieht, wäre die Forschung ein Stück weiter. Welche Regelkreise Vitamin D beeinflussen kann, ist Gegenstand weiterer Forschungsvorhaben.

Bewiesen ist bereits, dass der Vitamin-D-Spiegel bei Personen mit Depressionen auffällig niedriger ist, als bei gesunden Menschen. Die Gründe dafür sind aber unklar. Es wäre beispielsweise möglich, dass depressive Menschen weniger oft spazieren gehen als andere. Es sind noch viele Fragen offen. Eine abschließende Bewertung kann derzeit nicht abgegeben werden. Ähnlich äußerten sich mehrere Redner auf einem Kongress von Endokrinologen in Florida 2017, oder ein Artikel, der 2018 in der „New York Times“ erschien. Fakt ist, dass Vitamin D eine wichtige Rolle für unsere Gesundheit spielt.

Ohne einen ausreichend hohen Vitamin D-Spiegel wäre es schlecht um unsere Knochendichte, die Gesundheit unserer Muskulatur, den Kalzium- und Phosphat-Stoffwechsel oder den Blutdruck bestellt. Vermutlich steht Vitamin D3 außerdem in Zusammenhang mit Verhinderung und Entstehung von Atemwegserkrankungen, Diabetes, Immunproblemen, Fatigue bzw. Erschöpfung, Demenzerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmten Krebsarten. Damit käme diesem Vitamin eine systemische Bedeutung zu. Im Einzelnen müssen diese Effekte jedoch noch weiter erforscht werden.



Wann sind Vitamin D Tabletten bei Depressionen sinnvoll?

Bei einer Herbst-Winterdepression sind Vitamin D Tabletten als Antidepressiva ohne Rezept sinnvoll angewendet. Sie eignen sich in diesem Zusammenhang zur Selbstbehandlung. Ein Vitamin D3 Mangel ist hier bekanntermaßen der Auslöser. Tritt die saisonale Depression tatsächlich nur in der dunklen Jahreszeit auf, besteht kein Grund zur Sorge. Eine ärztliche Behandlung oder eine Psychotherapie sind meist nicht nötig.

Wenn eine maskierte Depression vorliegt, hat diese sich quasi als etwas anderes „verkleidet“. Sie tritt beispielsweise in Form chronischer Schmerzen, Melancholie, Erschöpfung oder Gereiztheit zutage. Auch hier könnte ein Mangel an Vitamin D vorliegen. Ob das aber der alleinige Grund für die Depression ist, wäre zu untersuchen. Der Betroffene könnte Vitamin D Tabletten einnehmen, um seine Psyche zu stabilisieren, die Ursachen für Ängste und Müdigkeit zu beheben und die Werte an Vitamin D3 zu verbessern. Der Mangel an Vitamin D wäre damit behoben. Die Depression aber möglicherweise nicht.

Bei einer agitativen Depression gehört nicht nur Müdigkeit zu den Auswirkungen. Es ist außerdem ein gesteigerter Antrieb festzustellen. Der Mangel an Vitamin D3 kann Ängste, innere Unruhe oder andere Folgen der Depression verstärken. Dagegen würden Vitamin D Tabletten helfen. Sie könnten den Mangel beheben. Nur ein Facharzt kann jedoch erkennen, welche Symptome für eine Depression sprechen. Er weiß, ob ein Mangel an Vitamin D mit Tabletten behoben werden sollte. Ein Mangel an Dopamin, Noradrenalin oder anderen Neurotransmittern müsste aber zusätzlich behandelt werden. Dafür sind verschreibungspflichtige Medikamente notwendig.


Lebensmittel mit viel Vitamin D - natürlich gegen Vitamin D3 Mangel (© New Africa / stock.adobe.com)
Lebensmittel mit viel Vitamin D – natürlich gegen Vitamin D3 Mangel (© New Africa / stock.adobe.com)

Präparate mit Johanniskraut oder Vitamin D wären in diesem Fall nicht ausreichend. Möglicherweise könnten sie aber begleitend eingenommen werden. Erfahrungen zeigen, dass manche Antidepressiva dadurch besser wirken. Der Facharzt erhebt bei der Diagnostik verschiedene Werte und Laborparameter. Er forscht nach Ursachen für die Depression. Er bewertet die geschilderten Symptome und erfragt ihre Auswirkungen auf die Psyche. Dann versucht er, mit geeigneten Medikamenten die Folgen eventuell festgestellter Mängel zu beheben. Die Behandlung kann geeignete Präparate – zum Beispiel Antidepressiva und angstlösende Medikamente – und eine Psychotherapie umfassen.

Ob Vitamin D3 bei der festgestellten Art der Depression eine geeignete Begleittherapie sein könnte, sollten die Patienten erfragen. Die Erfahrungen anderer Betroffener können dabei eine wichtige Hilfe darstellen. Eine als Erschöpfung oder Schmerzen maskierte Depression kann sich unter dem Einfluss von Vitamin D 3 durchaus bessern. Es handelt sich aber hier um eine psychosomatische Erkrankung, die gegebenenfalls einer umfassenderen Behandlung zugeführt werden sollte. Einfach Vitamin D Tabletten und Schmerzmittel einzunehmen, ist auf Dauer keine gute Lösung.

D3 Mangel, Sinnhaftigkeit von Tabletten und Co – Quellen und weiterführende Ressourcen: