Lethargie / lethargisch (© Volker Witt / Fotolia)

Lethargie verstehen | Wann gilt man als „lethargisch“, und was kann man dagegen tun?

Lethargie Definition: Was versteht man unter „lethargisch“?

Das Wort Lethargie hat zwei Bedeutungen, die sich durch den Kontext erschließen, in dem es gebraucht wird. Zum einen handelt es sich um einen medizinischen Fachausdruck, zum anderen um eine bildungssprachliche Bezeichnung für einen bestimmten Zustand. Wenn jemand sagt: „Ich bin heute so lethargisch“, so meint er oder sie in der Regel ein mehr oder weniger rasch vorübergehendes Gefühl von Trägheit und Müdigkeit. Manchmal wird es auch als Synonym für Apathie verwendet. In der Medizin ist es jedoch ein Symptom mit einer klaren Definition, das Bestandteil verschiedener Krankheiten sein kann.

Ärzte sprechen von Lethargie als einer Form von Bewusstseinsstörung. Das bedeutet, ein Patient ist dann als lethargisch zu bezeichnen, wenn er unter starker Müdigkeit, bzw. Schläfrigkeit leidet und eine erhöhte Reizschwelle hat. Wobei man bedenken muss, dass die Reizschwelle unter bestimmten Umständen auch zu niedrig sein kann. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Lethargie eines der Symptome einer Schlafstörung ist; dann wachen Patienten nachts beim leisesten Geräusch wieder auf. Das führt dazu, dass die Tiefschlafphase nicht richtig greifen kann und keine Erholung im Schlaf möglich ist. In Folge dessen fühlt sich der Patient oder die Patientin tagsüber müde und erschöpft. Ein normaler Wachzustand kann nicht oder nur ungenügend aufrechterhalten werden.

Außerdem reagiert ein lethargischer Patient nur verlangsamt, in schweren Fällen auch gar nicht auf äußere Reize. Dies wirkt sich auf sein Verhalten und seine Möglichkeiten für Aktivitäten aus, die dann entsprechend eingeschränkt sind. Hier gibt es Überschneidungen mit der Apathie, die jedoch eher das Fehlen von emotionalem Interesse betont. Lethargie ist primär körperlich, hat aber auch Auswirkungen auf die Kommunikation und die sozialen Beziehungen, die unter Umständen unter dem Symptom leiden können.

Bildungssprachlich hat das Wort ‚lethargisch‘ eine etwas andere Definition und wird zumeist als Synonym für ‚träge‘ benutzt. Man fühlt sich schlapp und antriebslos und hat kein Interesse daran, aktiv etwas zu unternehmen. Manchmal verwendet man ‚lethargisch‘ auch in Zusammenhang mit Personen, die man als faul oder bequem bezeichnen will. Diese Art von Vorurteil kann bei Menschen, deren Lethargie eine organische Ursache hat leicht zu Stigmatisierung führen und sollte darum möglichst vermieden werden. Eine Depression ist kein Synonym für schlechte Laune und man sollte sich darum bemühen, sie frühzeitig zu erkennen und zu bekämpfen (vgl. Depression Test).

Mögliche Ursachen von Lethargie

Lethargie ist an sich keine Krankheit, sondern sie gilt als Teil der Symptomatik, die mit einer Erkrankung einhergeht. Die Krankheitsbilder, bei denen sie vorkommen kann, sind vielfältig und eine genaue Diagnose ist nur mit sorgfältiger Untersuchung und Anamnese durch den Hausarzt und unter Umständen erst durch Fachärzte möglich.

Im Folgenden werden einige der möglichen Ursachen für lethargische Zustände aufgeführt, ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

  • Ein besonderes Augenmerkt verdient hierbei das Gehirn: alles, was Druck im Schädel macht, sogenannten Hirndruck, vom Hämatom bis zum Tumor, kann Lethargie auslösen.
  • Des Weiteren fallen auch extremer Bluthochdruck, Erkrankungen des Stoffwechsels und Veränderungen des Blutbilds sowie Herzinsuffizienz in diese Kategorie.
  • Eine seltenere Möglichkeit ist eine bestimmte Form der Enzephalitis, die als ‚Europäische Schlafkrankheit‘ bekannt ist. Hierbei stellt Lethargie sogar das Hauptsymptom dar.
  • Ein anderes, wichtiges Ursachenfeld sind psychologische Probleme, die sich bisweilen zu psychischen Störungen oder psychosomatischen Erkrankungen ausweiten können.
  • Lethargie ist eines der wichtigsten Symptome einer Depression. Ganz klassisch ist die Reaktion auf ein höchst belastendes Lebensereignis, die früher als reaktive Depression bekannt war und heute meist die Diagnose Anpassungsstörung erhält. Fast alle Menschen neigen dazu nach einem wesentlichen Verlust oder Schicksalsschlag dazu melancholisch und lethargisch zu werden. Wichtig ist hier die Bedeutung der Symptome rechtzeitig zu erkennen und sich Hilfe zu holen, bzw. Hilfe anzubieten. Sonst besteht die Gefahr, dass sich ein Trauma festsetzt oder gar ein posttraumatisches Syndrom entwickelt, das sich umso schwerer überwinden lässt.
  • Weitere mögliche Ursachen können vielfältig und vielschichtig sein und reichen von Schlafstörungen über Probleme mit der Atmung, Suchterkrankungen, Herzrhythmusstörungen, eine vegetative Labilität oder Nebenwirkungen diverser Medikamente.

YOUTUBE: Antrieblos und lethargisch? Gründe… (www.youtube.com/watch?v=C3PHfv17bG4)

Tipps, Hilfe und Therapie – was tun?

Im Freundes- und Bekanntenkreis kursieren oft gut gemeinte Tipps und Ratschläge für den Umgang mit lethargischen Phasen. Man soll sich der Müdigkeit stellen, die Antriebslosigkeit bekämpfen und den Symptomen mit einem gegenläufigen Verhalten entgegen wirken. Da ist etwas dran, solange es darum geht eine vorübergehend schlechte Laune zu überwinden. Es ist jedoch weniger hilfreich, wenn es sich um eine depressive Verstimmung als Vorbotin einer tiefergehenden Störung handelt.

Grundsätzlich raten Psychologen und Ärzte dazu, sich ausreichend Pausen und Erholungszeiten zu gönnen. Einige Tage Ruhe und Entspannung mit reizarmen Aktivitäten und Aufenthalt in der Natur können bei schlichter körperlicher Erschöpfung Wunder wirken. Eine bewusste Integration von Auszeiten in den Alltag wird als Vorsorge gegen diverse körperliche und seelische Leiden, wie z.B. Burnout dringlich empfohlen.

Aber wie kann man feststellen, ob es sich um ein ernst zu nehmendes Symptom handelt? Generell sollte man die Dauer und Intensität der lethargischen Phasen genau beobachten. Dauern sie länger als einige Tage an, ist es sinnvoll zunächst den Hausarzt zurate zu ziehen. Für die meisten organischen Ursachen findet sich eine wirksame Therapie, solange sie rechtzeitig erkannt werden.

Manchmal ist die Grenze zwischen einem körperlichen und einem seelischen Leiden nicht klar erkennbar. Eine sogenannte larvierte Depression beispielsweise, äußert sich fast ausschließlich in körperlichen Beschwerden wie Kopf- oder Organschmerzen, Schwindel, Atemnot usw. und nicht in den klassischen emotionalen und psychischen Schwierigkeiten.

Gerade weil Lethargie als Symptom zu so vielen Quellen zugeordnet werden kann, ist von Selbstdiagnosen abzuraten. Ein depressiv Test aus dem Internet kann entweder einen hilfreichen Hinweis geben, aber leider auch in die Irre führen. Zum Beispiel können sich bei Patienten, die manisch depressiv sind, lethargische Phasen mit euphorischen abwechseln, was bei einem Beobachter, der keine professionelle Ausbildung hat, zu erheblicher Verwirrung führen kann.

In jedem Fall ist es besser, sich über die üblichen Tipps hinaus auch professionelle Hilfe zu holen und gegebenenfalls eine Behandlung mit Medikamenten und/ oder eine Therapie in Erwägung zu ziehen. Eine lethargische Episode ohne organische Ursachen zu überwinden, ist vielleicht leichter als man denkt, wenn man aktiv wird. In leichten Fällen reichen vielleicht schon natürliche Stimmungsaufheller oder pflanzliche Einschlafhilfen wie Euvegal.

In emotionalen Krisen kann eine analytische Psychotherapie sehr hilfreich sein, um negative Gedanken zu bekämpfen, seine Lebenskraft wieder ins Gleichgewicht zu bringen und sich selbst lieben zu lernen.

Links mit Informationen:

YOUTUBE: Antriebslosigkeit und Lethargie überwinden (www.youtube.com/watch?v=Z2EflAzA3vw)