Anatidaephobie - Angst vor Enten - Entenphobie (© Maren Winter / stock.adobe.com)

Anatidaephobie / Angst vor Enten

Anatidaephobie / Entenangst >> Kann es tatsächlich wahr sein, dass jemand panische Angst vor Enten hat? Ja, es kann – so wird jedenfalls in den Medien behauptet. Wahr ist: Prinzipiell kann alles eine Phobie auslösen (Phobie Definition). Manche Menschen kreischen vor Entsetzen, wenn sie ein bestimmtes Tier sehen – selbst wenn es sich nur um eine Fotografie in einem Buch handelt. Manche Menschen vermeiden es, bestimmte Tiere zu berühren, weil sie panische Angst vor deren Füßen haben. Andere Menschen ekeln sich vor Knöpfen. Sie sind somit unfähig, eine Bluse oder etwas anderes mit Knöpfen anzuziehen. Panische Ängste und Ekelgefühle lähmen. Sie kosten Lebensqualität.

Manchmal ist nicht ganz klar, woher eine Phobie wie die Anatidaephobie eigentlich kommt – so ist der Fachbegriff für die Angst vor Enten. Es ist wahrscheinlich, dass die Betroffenen etwas mit den angstbesetzten Objekten verbinden, was die Panik auslöst. Was die krankhafte Angst vor Enten auslöst, ist rätselhaft. Doch es ist nicht der Entenvogel an sich, der mit Ängsten belegt ist, sondern angeblich sein vermeintlicher Blick. Angeblich, weil es sich hier möglicherweise um einen medialen Fake handelt.

Die Angst vor Enten – ein seltenes Phänomen

Der „medizinische“ Fachbegriff für die Angst vor Enten ist Anatidaephobie. Der Begriff ist zusammengesetzt aus den griechischen Silben „Anatidae“ für Enten, Gänsevögel und Schwäne, sowie aus „phobos“ für Angst. Wer an einer Entenphobie leidet, schaut sich angeblich ständig um, ob eine Ente ihn etwa beobachtet. Das klingt für die meisten Menschen absurd. Es klingt eher nach einer Abart von Verfolgungswahn. Tatsächlich ist mit der Anatidaephobie angeblich eine gewisse Paranoia verbunden. Die Betroffenen denken, draußen im Freien könnte überall eine Ente lauern und den Betroffenen ansehen. Daher verlassen Menschen, die von der Anatidaephobie schwer betroffen sind, vorsichtshalber nicht mehr das Haus. So jedenfalls muss man vermuten.

Möglich ist allerdings, dass dieses Phänomen erst durch den Comic-Entwickler Gary Larson erfunden wurde. Larson schilderte die Angst vor Enten in seinem Comic „Die andere Seite“. Andererseits könnte Gary Larson sich auch einer absurden Phobie bedient haben, die es damals bereits – ob nur gerüchtehalber oder nicht – gab. Besonders bekannt ist die Entenphobie bis zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht gewesen. Es ist also nicht klar, ob die Angst vor Enten eher auf einer erfundenen Geschichte beruht, die sich dann selbstständig gemacht hat – oder ob es diese Phobie-Variante tatsächlich – wenn auch selten – gibt. Sollte es sich aber um ein Phänomen handeln, das nur als Phantom zum Lustig-Machen durch die Medien geistert, kann man die Verursacher nur bedauern. Sie machen sich über Menschen mit Phobien lustig, statt ihnen mit Empathie zu begegnen.

Angst vor Ente und Entenblicken - Anatidaephobie - Entenphobie (© Nomad_Soul / stock.adobe.com)
Angst vor Ente und Entenblicken – Anatidaephobie – Entenphobie (© Nomad_Soul / stock.adobe.com)

Die Angst vor Enten und andere Phobien

Medizinisch ist die Anatidaephobie nicht auffällig. Sie wird nicht oft diagnostiziert oder behandelt. Dennoch sollten eventuelle Betroffene diese Phobie so ernst nehmen wie jede andere auch. Wann immer Angstsymptome aus dem Ruder laufen, liegt vermutlich eine Angsterkrankung oder -störung vor (siehe auch unterschwellige Panik). Man kann sich kaum vorstellen, das jemand mit einer gefakten Angsterkrankung zum Arzt gehen würde.

Eine gute Phobie Definition liefert die Wikipedia. Und gut zu wissen: Die meisten Phobien sind mit Verhaltenstherapie als Form von Psychotherapie gut behandelbar – vorausgesetzt, der Patient setzt sich einer Therapie aus. Generell spielt es keine Rolle, was das auslösende Objekt einer Phobie ist. Auch eine so selten auftretende Phobie wie die Angst vor Enten kann einen Menschen aus der inneren Balance bringen. Bei einer Verfestigung der Symptome können die Betroffenen in eine psychische Erkrankung gleiten.

Phobien gegenüber Tieren sind gar nicht mal so selten. Manchmal betreffen sie Tiere wie Spinnen, Schlangen und Mäuse (siehe auch Katzenphobie, Angst vor Vögeln). Ein anderes Mal sind nur deren Pfoten, Schnäbel oder Blicke verstörend. Zunächst ist es oft nur eine diffuse Angst, die mit Ekel gemischt sein kann. Gibt der Betroffene den Symptomen der Angst zu viel Raum und Aufmerksamkeit, kann sich daraus eine Angststörung entwickeln. Diese ist etabliert, wenn das auslösende Objekt zu Panikattacken, Angstreaktionen, Herzrasen, Schweißausbrüchen und Flucht- oder Vermeidungsverhalten führt.

Falls die Blicke von Enten tatsächlich zu solchen Angstsymptomen führen können, ist das ernst zu nehmen – selbst wenn Gary Larson diese Phobie erst erzeugt haben sollte. Immerhin ist daraus aber keine Massenhysterie geworden, wie es aufgrund anderer Gerüchte schon geschehen ist. Die Angst vor Entenblicken ist und bleibt eine seltene Erscheinung.

Mit der Psyche und den Ängsten von Menschen zu spielen, ist aber fast schon eine Mode geworden. Es mangelt den Verantwortlichen an Verantwortungsbewusstsein, Rücksicht und der Erkenntnis, dass sie selbst eines Tages von einer psychischen Erkrankung, einer schweren seelischen Krise oder Angstsymptomen betroffen sein könnten.


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Wie relevant sind Phobien im Alltagsleben?

Unabhängig davon, ob die Angst vor Enten bzw. die Anatidaephobie nun real sind, oder ein aus einer Laune heraus geborener Fake, ist das Thema Phobien in Medizin und Psychologie ein ernst zu nehmendes Thema. Im Jahre 2010 waren geschätzte zehn bis zwölf Millionen Deutsche von behandlungsbedürftigen Angsterkrankungen und Phobien betroffen. Die meisten Betroffenen sind jünger als 35 Jahre; vgl. Angsterkrankungen bei Kindern.

Krankhafte Angst und deren körperliche Begleitsymptome sind somit neben all den verschiedenen Arten von Depressionen die am häufigsten diagnostizierten Symptome psychischer Erkrankungen. Diese treiben immer mehr Menschen zum Arzt. Die meisten Betroffenen glauben allerdings fälschlicherweise, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu leiden. Da wir zehn Jahre später in einer Zeit leben, in der sogar mit Bedrohungsszenarien und Ängsten zwischen den großen Weltmächten gespielt wird, dürfte sich die Zahl der Betroffenen mit Angstattacken und Panikstörungen noch steigern lassen. Fakt ist außerdem, dass selbst als harmlos geltende Drogen wie Marihuana, Alkohol oder Beruhigungsmittel zu Angsterkrankungen und Panikattacken führen können.

Umso wichtiger wäre es, Patienten mit einer Phobie schnell einem Therapieplatz zuzuführen. Leider stehen dem diverse Dinge im Weg: Die meisten Angstpatienten gehen nicht wegen psychischer Probleme zum Arzt, sondern wegen der körperlichen Symptome. Diese werden als körperliche Erkrankung fehlgedeutet. Daher dauert es meist mehrere Jahre, bis eine korrekte Diagnose vorliegt. Währenddessen bleiben die Angstattacken unbehandelt. Sobald eine Diagnose vorliegt, können weitere anderthalb oder zwei Jahre vergehen, bis ein Therapieplatz beim Verhaltenstherapeuten oder Gesprächstherapeuten zur Verfügung steht. Oft wird die Therapie auch noch abgebrochen, weil sie belastet. Für die Betroffenen bedeutet das jahrelangen Leidensdruck.

In der Wartezeit auf einen Therapieplatz versuchen viele Betroffene, sich mit Bachblüten Rescuetropfen, pflanzlichen Beruhigungsmitteln gegen Angst, Klopftherapie oder Selbsthypnose zu behelfen. Stattdessen wäre eine psychotherapeutische Einzel- oder ggf. Gruppentherapie sinnvoller. Auch die Aufnahme in einer psychosomatischen Klinik kann angezeigt sein. Hier wird die Gruppentherapie gegen Angststörungen häufiger angeboten, während es im Regelfall beim Verhaltenstherapeuten oder Psychotherapeuten zur Einzelsitzung kommt.

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Wie können Angstattacken behandelt werden?

Der Hausarzt kann den Betroffenen durch rezeptpflichtige angstlösende Medikamente helfen (Anxiolytika). Der Betroffene kann aber auch einen Verhaltenstherapeuten aufsuchen. Er könnte es bei unzumutbar langer Wartezeit auf einen kassenbezahlten Therapieplatz auch mit der Angstbewältigung durch Hypnose versuchen. Die Ericksonsche Hypnotherapie ist eine recht erfolgreiche Möglichkeit, die Angstbewältigung durch Hypnose zu bewerkstelligen.

Am erfolgreichsten sind bei Vorliegen einer phobischen Angsterkrankung aber die klassische Gesprächspsychotherapie und die Verhaltenstherapie. Manch einer setzt auch auf das Verfahren der Gestalttherapie; das ist zwar inzwischen verbreitet und etabliert, aber immer noch nicht so umfänglich wissenschaftlich anerkannt, dass es die gesetzlichen Krankenkassen zahlen.

Begleitend können die Betroffenen ihre Symptome mit Rescuetropfen, Klopftherapie, pflanzlichen Beruhigungsmitteln, positiven Affirmationen oder Selbsthypnose lindern. Was tatsächlich hilft, ist wertvoll, weil es mehr Lebensqualität bedeutet.

Wenn eine Kombination aus Psychotherapie und eigenen Maßnahmen schneller zum Erfolg führt, ist das begrüßenswert. Mit eigenen Maßnahmen alleine wird aber kaum jemand einer Angsterkrankung zu Leibe rücken können. Die pharmakologisch wirksamen angstlösenden Medikamente sind in den meisten Fällen verschreibungspflichtig. Mit pflanzlichen Mitteln kann lediglich begleitend behandelt werden.

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Anatidaephobie / Entenphobie – Quellen und weiterführende Ressourcen:

  • https://phobie-wissen.de/phobienliste/anatidaephobie-angst-vor-enten-beobachtet-zu-werden/
  • www.schluss-mit-panik.de/angst/die-angst-vor-enten/
  • https://www.welt.de/reportage/article137261639/Frau-42-erfolgreich-Und-trotzdem-Panikstoerung.html
  • https://www.praxis-pikula.com/?PAGE=PSYCHOTHERAPIE&SPAGE=ANGSTSTOERUNGEN-FAKTEN
  • https://phobie-wissen.de/phobienliste/anatidaephobie-angst-vor-enten-beobachtet-zu-werden
  • https://www.panikattacken-info.de/was-ist-eigentlich/phobie/
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Phobien
  • https://www.heilpraxisnet.de/symptome/massenhysterie/
  • https://motherboard.vice.com/de/…/die-lachepidemie-von-tansania-ist-leider-kein-witz
  • https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46275023.html
  • https://www.apotheken-umschau.de/Angst/Phobien-Therapie-78975_7.html
  • https://www.netdoktor.de/krankheiten/phobien/
  • www.depressionen-depression.net/therapie/therapien-bei-angst-phobie-panik.shtml
  • https://angst.hexal.de/angstformen/isolierte-phobien/behandlung/

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